6. Tag (30. Juli 2025)

Kurzfristig hatte ich gedacht, es wäre eine gute Idee, auf die Inseln von Digby rauszufahren und den Tag dort zu verbringen, aber viele verschiedene Wettervorhersagen haben Nebel angekündigt, sodass ich nun doch bei meinem ursprünglichen Plan geblieben bin und zum Kanufahren in den NP gefahren bin. Der Nebel ist so stark heute, dass er sich auch rund sechzig Kilometer von der Küste entfernt noch nicht aufgelöst hat.

Ich miete mir ein Kanu, als ich ankomme. Es herrscht nur noch etwas Hochnebel, sodass es wenigstens klare Sicht gibt. Es herrscht absolute Windstille, als ich auf den riesigen See mit seinen zahlreichen Inseln hinauspaddle. Ich muss aufpassen, dass ich die Orientierung nicht verliere. Es ist schön und es sind so gut wie keine Leute unterwegs, so früh am Morgen, so dass ich nur ganz wenige Paddler sehe. Dann fliegt plötzlich ein großer Seaking-Rettungshubschrauber der kanadischen Airforce zu einer Übung ein und zerstört die Ruhe auf dem See. Als er endlich wieder weg ist, reißen auch die Hochnebelfelder auf und die Sonne kommt zum Vorschein. Der See erwacht mit seinen Farben förmlich zum Leben. Die Oberfläche ist an manchen Stellen noch spiegelglatt und es ergeben sich herrliche Reflexionen. Später frischt der Wind ein wenig auf und ich bringe mein Kanu nach vier Stunden wieder zurück.

Dann fahre ich mit dem Auto zum Parkplatz von Peter’s Point und gehe den kurzen Weg zum Strand, um mich im See abzukühlen, was herrlich ist. Wieder zurück am Auto entscheide ich mich doch noch spontan dazu, auf die Inseln von Digby hinauszufahren und im Falle von gutem Wetter dort die Highlights noch abzuklappern.

Nach rund eineinhalb Stunden bin ich dort und der Himmel ist wolkenlos, sodass ich ein ganzes Tagesprogramm noch schnell am Spätnachmittag und am Abend abhandle. Dazu fahre ich mit der Fähre über die Petite Passage auf Long Island, nachdem ich mich vergewissert habe, dass die Fähre auch noch später am Abend in Betrieb ist und ich wieder von der Insel runterkomme.

So besuche ich noch den Balancing Rock. Es ist ein kurzer Fußmarsch bis zur Küste und dann noch ein paar Stufen hinunter zur Plattform, von der aus man den Felsen sehen kann, der seinem Namen wirklich alle Ehre macht. Es ist immer wieder faszinierend, was die Natur in der Lage ist, zu erschaffen.

Gleich anschließend fahre ich weiter die Straße runter zur Beautiful Cove, wo ich nur einen kurzen Blick riskiere und den Leuchtturm auf der nächsten Insel sehe, auf die ich heute Abend aber nicht mehr übersetze. Zur Central Cove gehe ich noch zu Fuß und finde den Weg fast aufregender als die Bucht selbst. Zum Abschluss statte ich auch noch dem Boar’s-Head-Leuchtturm einen Besuch ab. Was mich dort aber am meisten beeindruckte, war die enorme Strömung, die sich durch die Petite Passage, bedingt durch den Tidenhub, jagte.

Die Bay of Fundy besitzt weltweit den größten Tidenhub und das Wasser muss ja irgendwohin. Dabei kann man wirklich zuschauen, wie das Wasser fällt oder steigt. Es sind mehr als drei Zentimeter pro Minute oder bis zu zwei Meter pro Stunde. Echt enorm.