43. Tag (05. September 2025)

Wir fahren noch in der Dunkelheit die halbe Stunde nach Telegraph Cove zu unserer Bärentour ins Knight Inlet. Als wir ankommen, können wir gleich einchecken und bekommen vor der Abfahrt noch ein kleines Frühstück und einen Kaffee. Unsere Gruppe umfasst elf Leute, die das Boot besteigen. Wir fahren hinaus in den Nebel, aber es zeichnet sich bereits ab, dass dieser sich auflösen wird, und wir hoffen darauf, dass sich auch die Wolken verziehen, je weiter wir uns von Telegraph Cove entfernen. Zuerst treffen wir wieder einmal auf Seehunde, die faul auf einer Felseninsel liegen und wenig Notiz von uns nehmen. Dann kommen wir an der Lagoon Cove Marina an und sehen ein großes Grizzly-Männchen bei Ebbe an der Küste nach Muscheln suchen. Wir sind leider ein bisschen weit weg für gute Bilder, aber es ist eine erste gute Sichtung und lässt auf mehr hoffen. Wir fahren weiter und treffen auf einen Buckelwal, den wir ein bisschen begleiten und der uns seine Fluke zeigt, als wir wieder Fahrt aufnehmen. Auf der weiteren Fahrt sehen wir noch vereinzelt Weißkopfseeadler auf den Bäumen sitzen. Wir halten aber nur für Wale.

Schließlich erreichen wir nach zwei Stunden Fahrt den Glendale Grove und legen am Anleger an, denn wir steigen um auf ein kleineres Boot, welches für sehr seichtes Wasser geeignet ist, und fahren in den Flusslauf ein. Da gerade Ebbe herrscht, ist es sehr seicht, so dass unser Skipper und der Guide das Boot in Wathosen über die seichten Stellen ziehen, da der Motor nicht mehr ins Wasser eingetaucht werden kann. An der Seite sehen wir zuerst einen Weißkopfseeadler, der uns mit seinen scharfen Augen fixiert. Dann entdecken wir eine Bärin mit zwei Jungen, an die wir näher herankommen wollen, die sich aber weiter entfernt und die uns weitestgehend nur ihr Hinterteil zeigt.

Wir ziehen uns zurück und fahren auf die andere Seite, weil dort in einiger Entfernung eine weitere Bärin mit zwei Jungen zu sehen ist. Die einsetzende Flut hilft uns dabei, denn durch den steigenden Wasserstand kommen wir tiefer in das Flussdelta hinein. Von ihr ist im hohen Gras nur der Rücken zu sehen und man sieht nur, dass sie nach Wurzeln gräbt. Die Jungen sind im hohen Gras kaum zu erkennen.

Nach einer halben Stunde ändert sich die Situation schlagartig, denn die Bärin kommt uns entgegen und frisst Beeren an einem größeren Strauch oder niedrigen Baum. Die Kleinen machen es ihr natürlich nach und wir können mit steigendem Wasser näher heranfahren. Es ist unglaublich. Für fast eine halbe Stunde sind wir den Bären sehr nahe und können sogar sehen, wie eines der Kleinen in den Baum klettert und die Beeren frisst. Unglaublich, ich kann gar nicht mehr den Finger vom Auslöser nehmen und bin vollkommen beeindruckt von dieser Begegnung, weil die Bärin auch vollkommen entspannt ist und unsere Anwesenheit ihr egal ist. Sie kommt näher und durchquert vor unserem Boot das Wasser. Die beiden Kleinen folgen. Sie läuft weiter flussaufwärts und wir bleiben zurück. Wir alle sind ganz aus dem Häuschen und von der Begegnung völlig platt. Selbst der erfahrene Tourguide erklärte, dass er noch nie ein Junges in einem Baum klettern gesehen habe.

Wir fahren erst einmal zurück zum Dock, um unseren Mittagssnack zu uns zu nehmen, als unser Guide feststellt, dass sie die Kühlbox mit dem Abfall mitgenommen haben anstelle der mit den Lunchpaketen. Ist mir aber egal, Hauptsache, ich habe die Bären heute perfekt gesehen.

Nach dem Lunch fahren wir nochmals in das Flussdelta hinein. Weil die Flut fast den Höchststand erreicht hat, kommen wir weiter den Fluss hinauf und treffen nochmals auf die Bärin, die wir heute Morgen zuerst gesehen haben, und können sie aus deutlich kürzerer Distanz beobachten, was wir eine ganze Weile machen. Wir setzen das Boot nochmals um und bewegen uns auf die andere Seite, um nochmals nach unserer zweiten Bärin zu schauen, die wir auch nochmals gut sehen können, wenn auch aus deutlich größerer Entfernung.

Dann wird es auch schon wieder Zeit, zurück nach Telegraph Cove zu fahren. In den zwei Stunden auf dem Weg dorthin sehen wir nochmals einen Buckelwal und weitere Seelöwen. Wir machen noch einen Stopp, um die 300 Liter Sprit wieder aufzufüllen, die das Boot auf der Tour verbraucht hat, und erreichen am Nachmittag wieder unseren Ausgangspunkt.

Wir alle gehen mit glücklichen Gesichtern von Bord. Beate und ich fahren nach Port Hardy weiter und beziehen unser Häuschen auf dem Campingplatz, um morgen früh, sehr früh, für die Fähre nach Bella Coola bereit zu sein, um weitere Bären zu beobachten.