Wir stehen früh auf und machen uns auf zur Bute-Inlet-Bear-Watching-Tour. Es sind zwölf Leute auf dem Boot. Nachdem wir den Hafen und Port Campbell verlassen hatten, fahren wir zuerst einmal um die zahlreichen Inseln herum, um in Richtung des Bute Inlets zu kommen. Es ist teilweise neblig heute Morgen, aber schon ersichtlich, dass es aufklaren wird. Es sind rund zwei Stunden Fahrt bei Höchstgeschwindigkeit. Ich bin der Einzige, der sich aufs Deck gestellt hat und sich den Wind um die Ohren blasen ließ. Es sind auf beiden Seiten hohe Berge zu sehen und es ist landschaftlich sehr pittoresk. Je weiter wir in den Fjord hineinfahren, desto mehr ändert sich die Wasserfarbe aufgrund der Gletschermilch, die sich im Wasser befindet.
Schließlich erreichen wir unser Ziel und landen an der Oxford Bay. Von dort aus wird mit einem Bus zur ersten Aussichtsplattform an der Mündung des Flusses gefahren. Es ist noch ein zweites Boot in derselben Gruppengröße da, sodass es ziemlich eng wird auf der Plattform. Ich dachte schon, wenn dies nun so weitergeht, dann wird das schwierig. Aber als wir weiterfahren, um zum Zufluss des Algard Creek zu kommen, trennen sich die beiden Gruppen. Wir fahren zuerst zu einer weiteren Plattform, von der wir leider keine Bären und auch sonst kein Wildlife sehen können. Der einzige Adler in der Nähe wird durch das Gequatsche einzelner aus unserer Gruppe verscheucht. Im Wasser sehen wir zumindest viele Lachse. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.
Als wir wieder im Bus sitzen und den Weg entlang des Flusses entlangtuckern, sehen wir einen Bären mit seinem Jungen auf der anderen Flussseite und die Aufregung steigt. Wir halten an und dürfen glücklicherweise alle aussteigen und den Weg entlanggehen. Aus dem Bus hätten wir nicht wirklich viel gesehen. Der Bär ist flussaufwärts unterwegs und wir folgen ihm auf dieser Seite so leise wie möglich. Natürlich hat er uns bereits bemerkt, denn er schaut sich immer mal wieder um. Die Mutter ist am Jagen und der Kleine schaut vom Ufer aus zu. Sie springt ins Wasser und hat auch einen Lachs gefangen, den sie dann auch gleich auseinandernimmt. Sie zieht weiter den Fluss entlang und wir können nicht folgen, da der Weg hier eine andere Richtung nimmt. Für eine erste Begegnung war das schon richtig gut.
Gleich im Anschluss entdecken wir direkt neben dem Weg eine Mutter mit zwei Jungen in den Büschen. Auch hier steigen wir aus, sind sehr leise und können die sehr entspannten Tiere aus recht kurzer Distanz eine ganze Zeit lang beobachten. Sie bewegen sich weiter in den Wald hinein und als sie sich hinter den Büschen versteckt haben, steigen auch wir wieder in den Bus und bewegen uns langsam. Ich entdecke einen weiteren Bären im Wasser, den wir dann von einer Plattform aus beobachten, wie er sich im Wasser bewegt und mit seinem Lachs „spielt“. Er befindet sich aber stark im Schatten, sodass es zum Fotografieren schwierig ist.
Als wir wieder im Bus sitzen und weiterfahren wollen, steht plötzlich die Bärin mit ihren zwei Jungen von vorhin fast neben dem Bus und beginnt, an einem Baum zu schnüffeln, und die beiden Jungen fangen an, sich zu kratzen. Wir steigen nicht aus, weil die Bären zu nahe sind. Somit verrenke ich mich, um zwischen den Leuten und an den Fensterrahmen vorbei noch Bilder zu machen. Es ist toll, zu sehen, wie sich die Tiere am Baum reiben und immer mal wieder in unsere Richtung schauen. Es war eine schöne Begegnung, obwohl wir nicht aussteigen konnten.
Als es so langsam Zeit wird, zum Boot aufzubrechen, treffen wir die andere Gruppe, die neben dem Bus steht und ins Wasser schaut. Sitzt doch tatsächlich keine zehn Meter entfernt ein Grizzly im Wasser und verspeist seinen Fisch. Er ist unglaublich nah und lässt sich von uns nicht stören. Noch eine außergewöhnliche Tierbeobachtung, die wir heute erleben können.
Dann fahren wir zurück zum Landungssteg und gehen gleich aufs Boot, um uns auf die Rückfahrt zu machen. Es gibt noch einen Snack zu essen und die meisten Leute sitzen nun an Deck, um die schöne Aussicht zu genießen. Zuerst stoßen wir noch auf einen Buckelwal, der wie ein Stück Holz im Wasser liegt und sich ausruht. Wenig später treffen wir noch auf Seelöwen und auch Seehunde, die auf den Felsen liegen oder im Wasser spielen. Auch hier verbringen wir noch einige Zeit mit dem Beobachten der Tiere. Es ist immer wieder faszinierend, weil es immer wieder anders ist.
Doch ein weiterer Höhepunkt kam dann ganz unverhofft, kurz bevor wir wieder Campbell River erreichen. Wir stoßen noch auf einen weiteren Buckelwal, der wohl gerade am Fressen ist und zu unserer aller Freude seine Schwanzflosse in perfektem Licht bei spiegelglatter See zeigt. Ein wirklich tolles Bild.
Dann sind wir wieder zurück. Schauen uns noch ein paar Souvenirläden an, gehen im Supermarkt einkaufen und kochen anschließend was in unserer Unterkunft.
Was für ein toller Tag, der mit der Aussicht auf noch eine weitere Bären-Tour endet.