Es herrscht wieder starker Nebel, als wir die Augen aufmachen. Wir lassen es wieder ruhig angehen und fahren nach dem Frühstück am späten Vormittag zum Rainforest Trail und spazieren den sehr interessanten Steg entlang, der durch den Regenwald führt. Es ist ähnlich wie am Cathedral Grove, den wir schon besucht haben, aber doch anders und sehr sehenswert. Wir lassen uns viel Zeit, um auch zu fotografieren. Als wir wieder am Auto sind, ist der Parkplatz überfüllt, obwohl wir auf dem Steg nicht so viele Leute gesehen haben. Wir fahren wieder nach Ucluelet zurück und finden uns an der Marina zu unserer gestern noch spontan gebuchten Tour ein. Brian, der Skipper, begrüßt uns, führt kurz die Sicherheitsunterweisung durch und jeder zieht seine Rettungsweste an. Dann gehen wir an Bord der Dixie IV und verlassen den Hafen. Während es beim Losfahren noch einigermaßen klar ist, zieht es jetzt ganz kräftig zu. Der Nebel lässt nur noch ein paar Konturen erkennen. Das ist der Moment, in dem ich nicht mehr viel von dieser Tour erwarte. Aber ich werde eines Besseren belehrt. Wenig später erspäht unser Skipper einen Seeotter, der gemütlich auf dem Wasser treibt. Ich bin begeistert, dass wir gleich zu Beginn einen Seeotter sehen, und fotografiere. Dabei bemerke ich gar nicht, dass der Nebel aufreißt und die Sonne zum Vorschein kommt.
Wenig später sichten wir einen zweiten Seeotter, der sich putzt und sich im perfekten Licht präsentiert. Die Tiere sind einfach nur süß. Dann halten wir Ausschau nach einem Buckelwal, der sich in der Gegend befinden soll, und erkennen gleich daraufhin den Blas. Wir verbringen viel Zeit damit, den Wal zu beobachten, der gerade beim Jagen und Fressen ist, denn er taucht immer wieder ab, um anschließend sein Maul aufzumachen und kleine Fische zu fangen. Leider ist es immer schwierig, zu erahnen, an welcher Stelle er wieder auftaucht, und somit ist es recht schwierig, zum richtigen Zeitpunkt auf den Auslöser der Kamera zu drücken. Aber es ist auch so sehr sehenswert, dem Tier bei der Jagd zuzuschauen.
Schließlich zieht er von dannen und wir machen uns auf die Suche nach weiterem Wildlife. Wir sehen erneut Seeotter, dieses Mal aber in Gruppen in ihrem bevorzugten Terrain, dem Kelpwald. Da sind die Tiere kaum vom Kelp zu unterscheiden, zumal wir sie nur im Gegenlicht sehen können. Aber es gelingen trotzdem gute Aufnahmen, auch von Müttern mit ihrem Kleinen.
Wenig später fahren wir zu den Felsen, auf denen sich die Seelöwen breitgemacht haben. Das ist eine sichere Bank, denn die Tiere sind ortsgebunden und somit immer zu sehen. Hier sind es vor allem die Tiere im Wasser, die zur Unterhaltung beitragen, aber auch die Männchen, die sich lautstark an Land bemerkbar machen. Wir umrunden die kleine Felseninsel und machen uns anschließend auf den Weg zu den kalifornischen Seelöwen, die ein wenig weiter ebenfalls auf einer Felseninsel sich ausruhen. Sie verschwinden nach der Paarung in den Süden, nach Kalifornien, und überlassen den Rest den Weibchen. Deshalb werden sie umgangssprachlich auch die „kalifornischen Beach Boys“ genannt. Gleich nebenan waren dann auch noch Seehunde zu sehen, die sich auf weiteren Felsen ausgeruht haben.
Meine Erwartungen jedenfalls waren weit übertroffen, als wir uns Richtung Hafen aufgemacht haben, und ich packte meine Kamera weg. Aber die Tour war noch nicht zu Ende. Auf einem Baum saß noch ein Weißkopfseeadler und posierte für unsere Kameras. Ein weiteres echtes Highlight.
Aber kurz bevor wir in die Marina einbiegen, erkennt unser Skipper am Ufer noch einen Schwarzbären mit einem Kleinen. So machen wir noch einen Schlenker und schauen uns das seltene Auftauchen dieses Bärs an, da diese sich normalerweise nicht bei Flut an der Küste aufhalten. Aber wir nehmen es natürlich gerne mit, bekommen beide Tiere im besten Licht und vor sehr schönem Hintergrund vor die Linse. Mehr kann man nun nicht erwarten und wir sind begeistert, vor allem nach den Erwartungen, die wir am Morgen hatten.
Weil das Wetter so gut ist, fahren wir noch kurz zum Lighthouse und schauen uns die Küste noch bei Sonnenschein an, denn wer weiß, morgen herrscht sicherlich wieder Nebel.
Dann nehmen wir uns ein Fish & Chip mit und genießen dies noch in unserer Unterkunft. Zum Abschluss des Tages setzen wir uns noch in den Jacuzzi und lassen den Blick über die Bucht schweifen.