24. Tag (17. August 2025)

Ich verlasse Jasper und fahre nach Osten, um heute eine große Wanderung zu machen. Ich will den Sulphur-Skyline-Trail in Angriff nehmen, der in der Miette-Hot-Springs-Gegend sehr schöne Ausblicke bieten soll. Ich komme rund eine Stunde später weg als geplant. Auf dem Highway halte ich immer mal wieder an, um Bilder von der Gegend zu machen, und komme deshalb später an der Abfahrt an als gedacht. Ich biege ab und erkenne im Vorbeifahren noch ein Warnschild. Deshalb halte ich an und setze zurück. Es ist darauf zu lesen, dass der Sulphur-Skyline-Track geschlossen wurde. Was nun? Die einzige Alternative hier ist, entlang des Flusses im Tal zu wandern, aber da hat man keine Aussichten.

Ich überlege kurz und entscheide mich anstelle dessen dazu, den Bald Hill Track am Maligne Lake zu wandern, den ich gestern nicht in Angriff genommen habe, weil ich dachte, dass ich heute ja eine große Wanderung mache. So fahre ich also mehr als 90 Minuten wieder an den Maligne Lake und habe gerade noch das Glück, dass ein Parkplatz frei wird, da sonst bereits alles wieder vollgeparkt ist, als ich kurz vor Mittag dort ankomme.

Also marschiere ich recht spät los. Auf dem Track sind einige Leute unterwegs, was natürlich im Hinblick auf eine Bärenbegegnung gut ist, weil sich diese dann erst gar nicht in dem Gebiet aufhalten, aber auf der anderen Seite macht es wenig Spaß, wenn man Leute immer überholen muss. Nach der Baumgrenze ergeben sich die ersten Ausblicke auf den Lake Maligne und die umliegenden Berge und machen schon mal Hoffnung auf den Gipfel. Als ich höher steige, wird es auch merklich kühler und der Wind nimmt zu. Ich hatte gar nicht gemerkt, dass der Parkplatz bereits auf 1.700m liegt und der Aufstieg auf mehr als 2.300m führt. Ich ziehe mir wärmere Klamotten an und erreiche nach zwei Stunden den Gipfel. Die Aussicht auf den See und die Berge ist toll und die Anstrengungen haben sich wirklich gelohnt. Leider ist es stark bewölkt, so dass die Farben ein wenig fahl wirken.

Nach einer halben Stunde mache ich mich wieder auf den Abstieg. Vor mir läuft ein Pärchen aus der Schweiz. Als ein Deutscher, der uns entgegenkommt, sie anspricht, wie weit es denn noch zum Gipfel sei, kommen wir ins Gespräch. Sie sind zwei Monate unterwegs und machen hier in Kanada dieselben Stationen wie ich, nur in umgekehrter Reihenfolge. So konnten wir noch nützliche Tipps austauschen und der Rückweg zum Parkplatz verging wie im Fluge. Interessant fand ich noch, von ihnen zu erfahren, dass die ganzen Wohnmobile, die von den Touris hier gefahren werden, so rund 25–30 Liter Sprit auf 100 Kilometer brauchen, was auch ganz schön zu Buche schlägt, obwohl die Spritpreise hier niedrig sind. Da kann ich nur froh sein, dass mein kleiner blauer Nissan nur ein Fünftel davon braucht.

Als wir uns verabschiedet hatten, hole ich mir noch eine Cola und setze mich noch auf die Terrasse, bei jetzt deutlich sonnigerem Wetter. Dann fahre ich die Strecke wieder nach Osten und checke in einer Mountain-View-Lodge ein und genieße noch den Abend auf der dortigen Terrasse.