20. Tag (13. August 2025)

Der Tag war wie eine Wundertüte. Es wurden Regenfälle für die Umgebung von Lake Louise vorhergesagt, so dass ich nicht genau wusste, was ich machen sollte, und mich einfach für autowandern entschied. D. h., ich fahre nach Südwesten, da es dort sonniger sein soll. Ich biege also in Richtung des Kootenay-Nationalparks ab und fahre den Pass hoch, um ins Kootenay-Valley zu kommen. Als ich oben auf der Passhöhe bin und die Sonne so herrlich scheint, entscheide ich mich spontan, zum Boom Lake zu wandern. So ziehe ich meine Stiefel an und marschiere los. Der Weg hat nur relativ wenige Höhenmeter und so komme ich guten Schrittes voran. Der Weg führt natürlich durch Wälder und es sind nur sehr wenige Leute um diese Uhrzeit unterwegs. Nach gut einer Stunde komme ich an und es breiten sich vor mir der See und die umrahmenden Berge bei herrlichem Sonnenschein aus. Ich genieße die Aussicht und mache mich dann auch schon wieder auf den Rückweg. Es zieht dabei zu und kurz vor dem Erreichen des Parkplatzes fängt es an, zu tröpfeln. Ich bin nach rund zweieinhalb Stunden wieder am Auto und fahre einfach aus dem Regen hinaus in das Kootenay Valley. Die Sonne scheint wieder und ich betrachte die Landschaft vom Auto aus.

Am Kootenay Red Chairs Simpson River mache ich noch für eine halbe Stunde einen kleinen Spaziergang durch ein Gebiet, welches vor Jahren abgebrannt ist und in dem man nun sehen kann, wie sich die Natur erholt. Es gibt natürlich auch beste Aussichten auf die Berge, da ja keine hochgewachsenen Bäume vorhanden sind. Auf dem Weg nach Radium Hot Springs mache ich noch einen Stopp am Aussichtspunkt über das Kootenay Valley. Durch die Ausflüge und Stopps bin ich natürlich später in Radium Hot Springs als gedacht. Das Mineralbad sehe ich von der Straße aus und es erscheint mir relativ klein, so dass ich die Badehose, die ich heute dabei habe, ungenutzt lasse und einfach weiterfahre. Kurz vor dem Ortseingang führt die Straße durch einen sehr schmalen Canyon, den Sinclair Canyon. Ich halte an und schaue mir die Straßenführung durch den Felsspalt genauer an. Dann sehe ich noch ein Schild von den Sinclair Canyon Falls und gehe auch dieses kurze Stück dorthin.

So ist es bereits Nachmittag. Auf dem Weg durch das Columbia Valley nach Norden sehe ich schon die Regenschauer. Aber angesichts der Zeit fahre ich weiter nach Golden. Im Tal selbst gibt es nicht wirklich Gründe, zu stoppen, denn man kann es aus dem Auto heraus genießen. Von Golden aus geht es wieder über den Trans-Canada-Highway zurück nach Lake Louise. Der Trans-Canada-Highway verläuft durch das Kicking-Horse-Valley und erklimmt schnell einige Höhen. Ich habe jetzt noch vor, an der Natural Bridge und dem Emerald Lake einen Stopp einzulegen. An der Natural Bridge kommt nach den Schauern bereits wieder die Sonne raus. Ich bin beeindruckt davon, wie sich das Wasser des Kicking Horse River durch den Sandstein gefressen hat und nun eine Engstelle von etwa zwei Metern bildet, über welche sich eine natürliche Felsbrücke spannt. Ein wirkliches Wunder der Natur.
Dann fahre ich zum Emerald Lake weiter hinauf. Ich hatte darauf gehofft, dass gegen Abend die Sonne wieder rauskommt und die Farbe des Sees zur Wirkung bringt, aber es ist immer noch bewölkt mit ganz kleinen Wolkenlücken, die teilweise ein gutes Licht liefern.

Ich gehe erst einmal zur Lodge und bestelle mir im Restaurant was zu essen. Als ich fertig bin, will ich noch zu einem Aussichtspunkt gehen, sehe aber, dass hinter mir Regen heranzieht. So drehe ich um, gehe wieder in die Lodge zurück und warte ab. Die Vorhersage sagt Regen für mehr als eine Stunde voraus. Irgendwann entschließe ich mich eben, auf dem Rückweg zum Auto nass zu werden. Aber als ich den halben Weg gegangen bin, sehe ich, dass es sich möglicherweise doch aufklart. So warte ich doch noch ab und hoffe, dass es nochmals aufklart. Und so war es dann auch. Nach rund einer Viertelstunde hat der Regen aufgehört und die Sonne zeigte sich nochmals kurz vor dem Untergehen und bestrahlte die umliegenden Berggipfel. Ich bin dann im Galopp den Lake Shore Trail entlanggelaufen, um von den besten Punkten noch die Bilder von den beleuchteten Berggipfeln und dem See zu machen, und ich war glücklich, denn das Licht auf den Bergen und die dahinterliegenden schwarzen Regenwolken ergaben eine tolle Stimmung.

Dann habe ich mich aber endgültig auf den Rückweg gemacht, aber als ich kurz vor Lake Louise auf dem Bahngleis neben der Straße einen Zug stehen sah, habe ich mich spontan noch dazu entschieden, zur Morant’s Curve zu fahren, die nur wenig außerhalb von Lake Louise liegt. Vielleicht bekomme ich ja noch ein Bild mit einem Zug in der berühmten Kurve.

Als ich ankomme, steht der Zug vor der Kurve und bewegt sich nicht. Ich warte darauf, dass er losfährt, aber es passiert erst einmal nichts. Dann aber bewegt sich der Zug, nimmt aber den Rückwärtsgang und fährt nach Lake Louise zurück. Eine Enttäuschung macht sich breit bei den Umstehenden und alle verlassen den Aussichtspunkt. Ich bleibe noch, auch weil sich das Licht kurz vor Sonnenuntergang teilweise an den Bergspitzen und den Wolken zeigt. Ich spekuliere darauf, dass der Zug wohl doch noch irgendwann fahren muss. Als ich dann eine Viertelstunde später das Horn des Zuges gehört habe, war ich mir sicher, dass er kommen wird. Und so war es dann auch. Ich habe mein Foto der Morant’s-Kurve mit einem Zug bekommen. Klasse!

Was mich aber sehr beeindruckt hat, war die Länge des Zuges. Ich hatte nicht gezählt, aber es waren sicherlich mehr als 200 Waggons. Der Güterzug fuhr mehrere Minuten an mir vorbei.

Dann war der Tag wirklich zu Ende und ich fuhr schlussendlich ins Hotel zurück. Was für eine tolle Wundertüte heute.