18. Tag (11. August 2025)

Um 4 Uhr bin ich losgefahren, um früh genug auf dem Parkplatz am Lake Louise zu sein, so dass ich dort noch parken kann. Es hat geklappt. Um 5 Uhr war es noch möglich. Der Parkplatz wurde aber bereits eine gute halbe Stunde später geschlossen, weil alles voll war. Ich frühstücke noch einen Happen im Auto und gehe dann langsam zu Fuß an den See, um den Sonnenaufgang zu erleben. Es sind natürlich noch jede Menge anderer Leute hier und es gibt auch wieder die Instagram-Poser, die es ganz wichtig haben.

Die Wolken verziehen sich glücklicherweise, der Mond ist noch zu sehen und der Sonnenaufgang entwickelt sich sehr schön und strahlt die hinter dem See liegende Bergwelt an. Ich habe Zeit und so breche ich erst rund neunzig Minuten später auf, um die Wanderung zur Plain of Six Glaciers in Angriff zu nehmen. Der Weg führt zuerst am See vorbei hinein in die morgendliche Bergwelt. Es sind hier nur wenige Leute bisher unterwegs, was sehr angenehm ist. Der Weg führt in das Tal hinter dem See und ich befinde mich in einer beeindruckenden Umgebung, die von viel Wildnis geprägt ist. Je höher ich steige, desto näher komme ich den schneebedeckten Gipfeln, die sich mir immer mehr eröffnen. Als ich am Endpunkt ankomme, auf einer Seitenmoräne des Gletschers, kann man mit ein wenig Ahnung doch tatsächlich noch die Reste von sechs Gletschern sehen. Es ist eine lohnenswerte Wanderung und am Endpunkt befindet man sich mitten im Hochgebirge. Der Rückblick auf den See und das monströse Hotel ist ebenfalls bemerkenswert, denn erst jetzt, als die Sonne hoch am Himmel steht, ist die krasse türkise Farbe des Sees richtig zu erkennen.

Als ich wieder absteige, komme ich noch an einer bewirtschafteten Hütte vorbei, an der ich eine Pause mache und eine leckere selbstgemachte Limonade trinke. Als ich anschließend weiter absteige, kommt mir der Gedanke, dass ich doch noch den Querweg zum Lake Agnes begehen könnte und diesen mir auch noch anschaue. Als ich an der Abzweigung ankomme, ist es noch früh am Nachmittag, und ich entscheide mich dazu, diesen Abstecher noch zu machen.

Auf dem Weg erreiche ich im Wald einen tollen Aussichtspunkt, von dem man einen herrlichen Blick auf den Lake Louise erhält. Danach erreiche ich den Mirror Lake und treffe dort auf den Hauptweg zum Lake Agnes, was bedeutet, dass ab hier wieder jede Menge Leute da sind. Aber was soll’s, es ist nun mal so. Die letzten Höhenmeter zum See schaffe ich auch noch und trinke auch dort an der Hütte noch eine Limonade. Dabei überlege ich mir noch, was ich machen soll. Den Rundweg um den See nehmen oder doch noch weiter zum Little-Beehive-Aussichtspunkt aufsteigen.

Nach der Pause steige ich noch weiter auf und bereue es nicht, da der Ausblick auf den Lake Louise und das Bow-Tal überwältigend ist. Erst von hier oben kann man erkennen, wie breit und groß das Bow-Tal eigentlich ist. Auch die Aussicht auf den See und die dahinterliegenden Bergspitzen ist beeindruckend und ich muss mir dafür viel Zeit nehmen.

Doch schlussendlich steige ich wieder über den Hauptweg zum Hotel ab, vorbei an den ganzen Leuten, und als ich dann am Seeufer wieder angekommen bin, hat sich für mich der ganze Wahnsinn hier am See offenbart. Es waren so viele Leute hier wie auf einem Volksfest. Ich war echt ein bisschen geschockt. Zum Abschluss gehe ich noch ein Stück am See entlang und tauche die Füße in die kalten Fluten des Sees und genieße die Abkühlung nach der nun doch deutlich längeren Wanderung.

Als ich müde am Auto zurück bin, lasse ich den ganzen Zirkus am Lake Louise hinter mir, fahre nach Banff zurück und nehme erst einmal eine Dusche und ruhe mich aus. Dann gehe ich noch schnell etwas essen und gehe früh ins Bett, denn morgen geht’s wieder früh raus. Es wartet der Moraine Lake.