2025 Kanada

Einmal rund um Nova Scotia

1. Tag (25. Juli 2025)

Ich sitze am Flugsteig und warte auf das Einsteigen. Es war ein entspannter Start heute, da der Flug erst am Nachmittag startet und ich auch schon bemerkenswerterweise gestern gepackt habe. So war ich heute Morgen früh dran und bin auch früher los als geplant. Der Zug war fast pünktlich und ich konnte am Flughafen auch noch was essen gehen, obwohl die Wege im Frankfurter Flughafen sehr lang sind. Am Flugsteig gibt es nochmals eine extra Prüfung der Einreisedokumente, was natürlich wieder zu einer Schlange und zusätzlichen Wartezeiten führt. Auch an der Sicherheitskontrolle wurde ich natürlich wieder abgetastet und auch ein Sprengstoffwischtest an meinem Handgepäck wurde durchgeführt.

Was bei der Bahn heute einigermaßen geklappt hat, funktioniert dafür beim Einsteigen nicht. Permanent werden Leute durchgerufen, bei denen irgendwas zu klären ist, das Flugzeug ist noch nicht fertig und zu guter Letzt fehlen Busse. Somit sind wir dann mit einer Stunde Verspätung losgekommen und hatten dabei noch Glück, einen Startslot vor den aufziehenden Gewittern zu bekommen.

Der Flug verlief problemlos und nach dreieinhalb Filmen sind wir auch schon wieder gelandet. Die Einreise und auch das Gepäck dauerten dann noch etwas, dafür musste ich beim Abholen des Mietwagens nicht warten. Nach einem langen Tag war ich dann schließlich im Hotel. Morgen kann dann die Reise wirklich beginnen.

2. Tag (26. Juli 2025)

Das Hotel befindet sich in einem alten viktorianischen Holzhaus. Das Zimmer ist sehr hübsch eingerichtet und auch der Frühstücksraum im Kolonialstil hat seinen Charme. Nach dem Frühstück mache ich mich auf, die Stadt zu erkunden.

Zuerst besuche ich den Halifax Public Garden, welcher einer der wenigen originalen viktorianischen Gärten in Kanada ist. Die Anlage ist sehr gepflegt, toll angelegt und auf jeden Fall einen Besuch wert. Von dort aus gehe ich hinauf zur Zitadelle auf „the Hill“, um diese zu besuchen. Heute ist es ein sehr kleiner Nationalpark, zu dem ich zu meiner Überraschung keinen Eintritt bezahlen muss. Da ich noch weitere NPS besuchen werde und mir wohl einen entsprechenden NP-Pass kaufen will, frage ich, was es damit auf sich hat. Die Antwort kam prompt und mit einem Lächeln. Der Premierminister hat im Wahlkampf versprochen, dass alle Nationalparks kostenfreien Eintritt haben werden, wenn er gewählt wird, und somit sind alle Nationalparks in Kanada zumindest in diesem Jahr eintrittsfrei.

Vor einer Stunde habe ich mir das Fort angeschaut und bin dann zum Harbour Front Boardwalk hinuntergelaufen und habe dort den Tag verbracht. Das Wetter ist sehr schön, mit viel Wind und angenehmen Temperaturen. Es gibt entsprechende Restaurants und Souvenirläden, aber auch bequeme Stühle, auf die man sich setzen kann, um aufs Wasser zu schauen. Halifax ist für seinen natürlichen Hafen sehr berühmt und die Tatsache, dass von hier aus in den beiden Weltkriegen viel Nachschub verschifft wurde, wird an allen Ecken erzählt und gezeigt. Gegen Nachmittag setze ich mich in die Garrison Brewery und genieße ein Bier.

Dann gehe ich ins Hotel zurück, schnappe mir das Auto und fahre kurz zum Fairview-Lawn-Friedhof, auf dem die nicht auf See bestatteten Toten des Titanic-Untergangs ihre letzte Ruhe fanden. Es sind hier 150 Tote des Unglücks begraben, also rund 10 % der Opfer.

Auf dem Rückweg kaufe ich noch im Supermarkt ein paar Dinge ein und gehe am Abend in der Nähe der Waterfront etwas essen. Im Anschluss flaniere ich noch zwischen den vielen Leuten am Samstagabend.

3. Tag (27. Juli 2025)

Am Morgen mache ich mich nochmals auf den Weg in die Stadt, schaue mir die Kathedrale an und auch den nebenan liegenden Friedhof, der von 1749 bis 1844 betrieben wurde. Ebenfalls werfe ich noch einen Blick in die älteste Kirche von Halifax, St. Pauls von 1744, und gehe hinunter zum Fährterminal, um nach Dartmouth rüberzufahren. Dort möchte ich an der Küste entlanglaufen und den Blick auf Halifax genießen. Da sonntags die zweite Fährlinie nicht fährt, muss ich wieder zurück. Auf dem Rückweg fliegt mir wohl noch eine Biene oder was anderes ins Gesicht und sticht mich oberhalb vom rechten Auge. Es schwillt gleich ein wenig an und ich werde die nächsten Tage wohl mit einem Klaps-Auge rumlaufen müssen.

Von der anderen Seite ist ein sehr schöner Blick auf die Stadt und es hat sich gelohnt, rüberzufahren. Wieder zurück in Halifax gehe ich entlang der Promenade wieder zurück zum Hotel.

Gegen Nachmittag fahre ich nach Peggy’s Cove, um mir den berühmten Leuchtturm dort anzuschauen. Schon als ich ankomme, merke ich, dass es hier ein paar Grad kühler ist und ein starker Wind herrscht. Es ist sehr viel los und die beiden Parkplätze sind recht voll. Ich schaue mir das kleine Dorf mit seinem Naturhafen an und gehe dann in Richtung Leuchtturm. Er ist schon prädestiniert, wie er auf dem Granitfelsen thront. Weil ich viel Zeit habe, gehe ich im einzigen Touri-Restaurant einen Fisch essen und treibe mich im Souvenirshop rum. Draußen ist es recht frisch, trotz Pullover und gegen den Wind die Regenjacke.

Dann ziehen Wolken auf und ich glaube nicht mehr an einen schönen Sonnenuntergang und entschließe mich, zurückzufahren, weil es mir auch einfach kalt ist. Aber ich hätte doch warten sollen, denn zwanzig Minuten später sehe ich im Rückspiegel, wie die Sonne doch nochmal rauskommt und die Wolken rötlich leuchten. Einfach ungeschickt.

4. Tag (28. Juli 2025)

Ich fahre die Küste entlang und bin auf dem Weg nach Lunenburg. Zuerst statte ich dem Leuchtturm von Peggy’s Cove nochmals einen Besuch ab. Es herrscht kein Wind und es ist sehr angenehm, sodass ich mich in einen der roten Stühle setze, die Beine auf einem Felsen hochlege und die Szenerie genieße.

Nach einer Stunde fahre ich weiter und will die Küstenstraße erkunden, die sogenannte Lighthouse Road. Die Küste ist sehr sehenswert und die zahlreichen Buchten und Inseln sind wie im Klischee mit Häusern und Booten drapiert. Beim heutigen Sonnenschein ergeben sich pittoreske Aussichten. Ich halte zwischendurch immer mal wieder an. Schließlich schaue ich mir Mahone Bay an, ein Örtchen, welches dafür bekannt ist, dass drei Kirchen nebeneinander an der Küste stehen. Gleich in der Nähe befindet sich auch Oak Island, auf der sich ein geheimnisvoller Schatz befinden soll, den sie in zahllosen Fernsehdokus bisher nicht gefunden haben. Man kann die Insel nicht besuchen, da es sich um Privatbesitz handelt.

Schließlich fahre ich nach Lunenburg weiter, welche auf der UNESCO-Kulturerbe-Liste steht, da diese Stadt 1753 als bestes Beispiel für eine geplante britische Siedlung gilt, die auch weiterhin so existiert und aus einer Vielzahl an bunt gestrichenen, historischen Holzhäusern besteht. Ich streife ein wenig umher, genieße den Hafen und sehe mir den historischen Schoner Bluenose II an, der hier beheimatet ist.

Gegen Abend entscheide ich mich dazu, mal einen Hummer zu probieren. Ich sitze auf der Terrasse des The Dockside Lobster & Seafood und genieße die Aussicht auf den Hafen und die Segelschiffe. Als der Hummer serviert wird, ist er bestens vorbereitet, sodass ich ihn sehr leicht öffnen und die Leckerei genießen kann.

5. Tag (29. Juli 2025)

Ich gehe um die Ecke zum Frühstücken, da es in der Unterkunft keins gibt. Es ist sehr nebelig, so dass man kaum etwas sieht. Ich überlege mir, was ich heute mache. Ob ich weiter der Küste folgen soll, um nach Digby zu kommen, oder einfach durchs Hinterland fahre, wo es bestimmt keinen Nebel gibt.

Ich entscheide mich, direkt nach Digby zu fahren und einen Stopp im Nationalpark zu machen, wo ich morgen vielleicht noch Kanu fahren will. So tanke ich an der Küste noch das Auto auf und erreiche nach rund einer Stunde den NP. Dort informiere ich mich im Besucherzentrum und mache einen kleinen Spaziergang zum kleinen Wasserfall am Fluss und anschließend drehe ich noch eine Runde zu den Hemlocktannen, die hier im Park besonders geschützt werden. Danach folge ich noch dem kleinen Rundgang in den Wetlands und informiere mich über das Kanufahren, damit ich besser für morgen planen kann.

Dann mache ich mich auf den Weg nach Digby, wo ich heute in einem B&B übernachte. Es befindet sich oberhalb des Hafens und bietet eine Terrasse mit toller Aussicht, die ich nach dem Essen unten am Hafen genieße.

6. Tag (30. Juli 2025)

Kurzfristig hatte ich gedacht, es wäre eine gute Idee, auf die Inseln von Digby rauszufahren und den Tag dort zu verbringen, aber viele verschiedene Wettervorhersagen haben Nebel angekündigt, sodass ich nun doch bei meinem ursprünglichen Plan geblieben bin und zum Kanufahren in den NP gefahren bin. Der Nebel ist so stark heute, dass er sich auch rund sechzig Kilometer von der Küste entfernt noch nicht aufgelöst hat.

Ich miete mir ein Kanu, als ich ankomme. Es herrscht nur noch etwas Hochnebel, sodass es wenigstens klare Sicht gibt. Es herrscht absolute Windstille, als ich auf den riesigen See mit seinen zahlreichen Inseln hinauspaddle. Ich muss aufpassen, dass ich die Orientierung nicht verliere. Es ist schön und es sind so gut wie keine Leute unterwegs, so früh am Morgen, so dass ich nur ganz wenige Paddler sehe. Dann fliegt plötzlich ein großer Seaking-Rettungshubschrauber der kanadischen Airforce zu einer Übung ein und zerstört die Ruhe auf dem See. Als er endlich wieder weg ist, reißen auch die Hochnebelfelder auf und die Sonne kommt zum Vorschein. Der See erwacht mit seinen Farben förmlich zum Leben. Die Oberfläche ist an manchen Stellen noch spiegelglatt und es ergeben sich herrliche Reflexionen. Später frischt der Wind ein wenig auf und ich bringe mein Kanu nach vier Stunden wieder zurück.

Dann fahre ich mit dem Auto zum Parkplatz von Peter’s Point und gehe den kurzen Weg zum Strand, um mich im See abzukühlen, was herrlich ist. Wieder zurück am Auto entscheide ich mich doch noch spontan dazu, auf die Inseln von Digby hinauszufahren und im Falle von gutem Wetter dort die Highlights noch abzuklappern.

Nach rund eineinhalb Stunden bin ich dort und der Himmel ist wolkenlos, sodass ich ein ganzes Tagesprogramm noch schnell am Spätnachmittag und am Abend abhandle. Dazu fahre ich mit der Fähre über die Petite Passage auf Long Island, nachdem ich mich vergewissert habe, dass die Fähre auch noch später am Abend in Betrieb ist und ich wieder von der Insel runterkomme.

So besuche ich noch den Balancing Rock. Es ist ein kurzer Fußmarsch bis zur Küste und dann noch ein paar Stufen hinunter zur Plattform, von der aus man den Felsen sehen kann, der seinem Namen wirklich alle Ehre macht. Es ist immer wieder faszinierend, was die Natur in der Lage ist, zu erschaffen.

Gleich anschließend fahre ich weiter die Straße runter zur Beautiful Cove, wo ich nur einen kurzen Blick riskiere und den Leuchtturm auf der nächsten Insel sehe, auf die ich heute Abend aber nicht mehr übersetze. Zur Central Cove gehe ich noch zu Fuß und finde den Weg fast aufregender als die Bucht selbst. Zum Abschluss statte ich auch noch dem Boar’s-Head-Leuchtturm einen Besuch ab. Was mich dort aber am meisten beeindruckte, war die enorme Strömung, die sich durch die Petite Passage, bedingt durch den Tidenhub, jagte.

Die Bay of Fundy besitzt weltweit den größten Tidenhub und das Wasser muss ja irgendwohin. Dabei kann man wirklich zuschauen, wie das Wasser fällt oder steigt. Es sind mehr als drei Zentimeter pro Minute oder bis zu zwei Meter pro Stunde. Echt enorm.

7. Tag (31. Juli 2025)

Ich breche nach Osten auf. Es ist bewölkt, aber es regnet nicht. Ich schaue mir zuerst das Annapolis-Tal an, in dem sich der Fluss sehr schön entlangschlängelt. Dann besuche ich Halls Harbour und komme durch Zufall dort zur Ebbe an und sehe deshalb den Hafen vollkommen trocken liegen. Dass alle Boote und Schiffe nicht im Wasser schwimmen, sieht irgendwie komisch aus. Nachdem ich mich umgesehen habe, entschließe ich mich, weiterzufahren und nochmals zur Flut in etwas mehr als sechs Stunden zurückzukommen, wenn es mir zeitlich reicht.

Ich fahre an der Küste weiter entlang und besuche auch noch Burntcoat an der Bay of Fundy, nachweislich der Ort mit der höchsten je gemessenen Tide von 16,4m. Hier herrscht auch gerade Ebbe und große Teile liegen trocken, so dass die Leute auf dem Meeresgrund spazieren gehen und anschließend mit großem Aufwand versuchen, den Schlamm wieder von ihren Schuhen zu waschen.

Ich fahre weiter nach Truro und beziehe dort mein Quartier. Etwas verrückt, aber irgendwie von der Sache fasziniert, entscheide ich mich, zur Flut nach Halls Harbour zurückzufahren, und komme dort rund eine halbe Stunde nach dem Höchststand an und kann mir nun den Hafen mit rund zehn Metern Wasser ansehen. Ein völlig anderes Bild und kaum nachzuvollziehen, dass dies alles trocken gelegen hat vor rund sechs Stunden. Ich versuche, wieder Bilder aus der gleichen Perspektive zu machen, um diese direkt gegenüberstellen zu können.

Ein ähnliches Bild später auch am Burntcoat Head, aber nicht ganz so beeindruckend, wie ich finde, weil es sich doch um eine relativ weitläufige Bucht handelt, im Gegensatz zum engen Hafen in Halls Harbour.

8. Tag (01. August 2025)

Den Vormittag verbringe ich damit, wieder einmal mit Organisation beschäftigt zu sein. Tanken, einkaufen, planen, abrechnen und so weiter.

Am Nachmittag fahre ich zu meinem Tidal-Bore-Rafting-Adventure, welches ich gebucht habe. Ich habe natürlich die zeitlich längste Tour gebucht und bin nun im Zweifel, ob das so gut war, als ich im Auto sitze. Aber die Wolken reißen auf, die Sonne kommt hervor und die Flutwellen warten schon auf mich. Als die Leute mit Schwimmwesten ausgestattet waren und alle wichtigen Dinge erledigt waren und jeder sich die Leihschuhe angezogen hatte, ging es nach der Gruppeneinteilung auch schon los und wir bestiegen die motorisierten Zodiacs.

Zuerst fuhren wir den Fluss hinunter in Richtung der Mündung und hatten dabei noch ablaufendes Wasser. Die Zeit, bis die Flut einsetzt, verbringen wir mit Schlammrutschen in der Uferböschung. Dass der Flussgrund an manchen Stellen sehr schlammig ist, haben wir ausgenutzt und sind auf dem Schlamm das Ufer hinuntergerutscht und waren natürlich von Kopf bis Fuß total verschlammt. Es hat aber viel Spaß gemacht und es gab bei den Teilnehmern der doch rund zwanzig Boote viele lustige Szenen zu sehen, wenn Erwachsene sich plötzlich wie Kinder benehmen.

Nachdem wir den Schlamm im Flusswasser wieder bestmöglich abgewaschen hatten, haben wir uns bereitgemacht für die ersten Flutwellen. Die Flut hier ist mit einem Anstieg von fünf Zentimetern pro Minute so stark, dass sich an den Sandbänken im Flusslauf Strömungswellen bilden, die wir mit den Zodiacs abgeritten sind. Dabei wurden wir natürlich klatschnass, als Wellen über den Bug ins Boot gebrochen sind. Weswegen wir aber natürlich auch da waren. Dieses Phänomen der Wellenbildung hielt aber an einzelnen Sandbänken nur wenige Minuten an, da das Wasser derartig schnell gestiegen ist. So sind wir weiter flussaufwärts zur nächsten Sandbank gefahren, an der wir ebenfalls den Zeitpunkt der Wellenbildung wieder genau treffen mussten. So ging das die ganze Zeit über. Teilweise waren die Wellen so groß, dass sich das Zodiac bis zur Oberkante mit Wasser gefüllt hatte, so dass wir das Wasser erst einmal wieder loswerden mussten, bevor wir wieder weiterfahren konnten.

Zum Schluss gab es nochmals die Möglichkeit des Schlammrutschens an einer anderen Stelle, was nochmals viel Spaß brachte und den Abschluss der Tour bildete. Wieder an Land haben wir erst einmal geduscht und uns wieder abgetrocknet. Als ich dann wieder in der Unterkunft war, musste ich erst einmal vielfach mein T-Shirt und die Badehose im Waschbecken ausspülen, um den Schlamm aus dem Stoff zu bekommen.

9. Tag (02. August 2025)

Es geht heute mal wieder auf die Straße. Ich fahre zur Cape-Breton-Insel und werde den Cabot-Trail-Loop entlangfahren und zwischendurch noch etwas Zeit finden, um kleine Wanderungen zu machen. Es ist mal wieder eine größere Strecke heute. Ich nehme den Highway und komme zügig voran. Als ich den Causeway auf die Insel erreicht habe, entscheide ich mich, anstelle der kürzeren Inlandsstrecke dazu, die Küstenstraße zu fahren. Es war recht schön, aber ich kann jetzt nicht unbedingt sagen, ob sich der Mehraufwand von einer Stunde gelohnt hat. Die Küstenstraße wurde erst im Nationalpark richtig interessant. Hier gab es natürlich auch jede Menge Aussichtspunkte mit entsprechendem Parkplatz. Ich überlege mir noch, welche Wanderwege ich noch in Angriff nehmen kann. Um voranzukommen, entscheide ich mich, direkt zum berühmtesten Aussichtspunkt des NP zu fahren und dort heute mein Glück zu versuchen, da dieser Wanderweg wegen Überlastung auch gesperrt sein kann. Aber es gibt noch ausreichend Platz, so dass ich auf den Parkplatz gelassen werde. Ich beeile mich, weil mir die Zeit ein wenig im Nacken sitzt, da ich heute Abend noch rechtzeitig in die Unterkunft einchecken muss.

So bin ich gut dabei und erreiche den Hauptaussichtspunkt, der wirklich einen spektakulären Blick über die Küste bietet, in recht kurzer Zeit. Ich genieße den Blick über die Küste und den Ozean und mache entsprechend Bilder. Es sind gar nicht so viele Leute hier, als dass man den Eindruck hätte, dass dies reguliert werden müsste. Aber da kenne ich die Hintergründe nicht. Auf dem Rückweg mache ich noch den ganzen Loop, aber die anderen Aussichtspunkte lohnen sich nicht wirklich. Dann bin ich nach eineinhalb Stunden wieder am Auto zurück und fahre sogleich weiter zum Benjie’s Lake. Es ist nur ein kurzes Stück zum See und die Aussicht ist ganz nett.

Dann mache ich mich auf den Weg zur Unterkunft, die auf der anderen Seite der Insel liegt, und muss mich dabei zwingen, nicht an jedem Aussichtspunkt anzuhalten. Für die schönsten nehme ich mir natürlich doch noch Zeit. Die Strecke zieht sich und der Minutenzeiger der Uhr schreitet schnell voran. Dann will ich bei Google Maps schauen, wo sich genau die Unterkunft befindet, aber es gibt kein Netz. So fahre ich einfach weiter nach dem Motto: Wenn man das Gefühl hat, man ist schon längst dran vorbeigefahren, einfach weiterfahren und es wird noch kommen. Und so ist es dann auch. Als ich es fast schon nicht mehr glauben konnte, habe ich das Schild am Straßenrand gesehen und war da.

10. Tag (03. August 2025)

Ich starte mit einem Frühstück in einer Bäckerei, die ein Stück die Straße runter liegt. Dabei sitze ich auf der Terrasse mit Blick auf den Ozean.

Im Anschluss mache ich mich auf den Weg in den NP und suche erst einmal die einzige Tankstelle auf, um nicht mit dem Auto liegen zu bleiben. Ich fahre zum Parkplatz des Franey Trail, nehme den Rucksack mit, was zu trinken und auch was zu essen aus dem Kofferraum, denn es geht rund sieben Kilometer den Berg hinauf zu einem Aussichtspunkt über den Atlantik und auch die Clayburne-River-Schlucht. Der Weg zieht sich und weil der eigentliche Weg wegen Bauarbeiten gesperrt ist, folge ich mehr oder weniger einem Fahrweg, der durch den Wald führt. Also nicht sehr aufregend. Aber als ich dann endlich am Aussichtspunkt ankomme, muss ich sagen, dass es sich gelohnt hat. Die Küste liegt einem zu Füßen und der Blick reicht weit. Ich setze mich erst einmal in den roten Stuhl, der auch hier, wie in so vielen NPS, steht, und genieße die Aussicht ausgiebig. Ein paar Schritte weiter hat man dann den Blick hinunter zum Clayburn River. Der Ausblick in die noch komplett naturbelassene Schlucht ist gewaltig und wunderschön.

Als ich dann wieder am Auto bin, muss ich erst einmal zu einem Restaurant fahren, um mir eine eiskalte Cola zu gönnen, um mich abzukühlen, denn es ist mal wieder ein recht heißer Tag für die Gegend. Auf dem Gipfel hatte ich ein einheimisches Pärchen getroffen, das mir den Tipp gegeben hat, den von mir geplanten Middle-Head-Trail erst am Abend zu machen, um zu vermeiden, zu vielen Leuten zu begegnen.

So fahre ich weiter und verbringe den Nachmittag damit, den Warren-Lake-Trail zu machen, der um den gleichnamigen See herumführt. Es ist recht warm, aber der Weg verläuft hauptsächlich im Schatten der Bäume und bietet immer mal wieder sehr schöne Aussichten auf den See. Ich habe leider meine Badehose nicht dabei, was mich ein wenig ärgert, denn bei den Temperaturen hätte ich mich gerne wie die Leute dort am Strand abgekühlt.

So nehme ich wieder das Auto und fahre zurück zum Middle Head, wo ich recht früh im Restaurant der bekannten Keltic Lodge zu Abend esse und mir einen leckeren Fisch genehmige. Nun ist es spät genug, um anschließend den Middle-Head-Trail auf der Halbinsel in Angriff zu nehmen. Der Wind hat stark aufgefrischt und es sind auch keine Leute mehr unterwegs, so dass ich den Trail für mich alleine habe. Die Aussicht auf das Meer und der Wind, der mit um den Kopf bläst, sind toll und ich genieße die Ruhe hier. Das Meer ist aufgepeitscht und ich lasse mich vom Wind durchblasen. In der Luft sind nicht nur Möwen, sondern auch Basstölpel zu sehen, denen der Wind sicherlich Spaß macht.

Anschließend fahre ich dann in die Unterkunft zurück und beende den Tag auf der Terrasse.

11. Tag (04. August 2025)

Ich lasse es gemütlich angehen, nachdem ich gestern schon die Tracks gemacht habe, die ich unbedingt gehen wollte. So fahre ich heute ganz in den Norden und schaue mir zuerst einmal Nell’s Harbour und seinen Leuchtturm an. Es ist ein kleines Fischerdorf mit einem kleinen Hafen und den typischen Booten zum Hummerfischen. Der Leuchtturm scheint ein Standard gewesen zu sein, denn dieser ist baugleich zu einigen anderen, die ich hier in Nova Scotia bereits gesehen habe.

Anschließend fahre ich weiter zur St. Lawrence Bay. Es ist ebenfalls ein sehr hübscher Naturhafen und es liegen dort dieselbe Art von Fischerbooten am Kai. Ansonsten hoffe ich noch darauf, dass der diesige Hochnebel sich auflöst, aber das wird er leider den ganzen Tag nicht mehr. So fahre ich wieder zurück und verbringe noch ein wenig Zeit in der Nähe des Black Brook Beach an der Küste dort. Die Wellen schlagen mit Wucht gegen die Felsen und der Wind weht auch stark. Es ist aber heute recht schwül und warm, so dass es sehr angenehm ist. Auf dem Rückweg mache ich noch Halt, um noch kurz in einer Bar etwas essen zu gehen, bevor ich die restliche Hälfte des Nachmittags auf der Terrasse der Unterkunft mit Blick auf den Atlantik verbringe.

12. Tag (05. August 2025)

Heute verlasse ich den Cabot Trail wieder und fahre nur das kleine Stück nach Sydney rüber. So habe ich viel Zeit. Zuerst gehe ich mal wieder in der Bäckerei frühstücken und genieße dort den Blick von der Terrasse auf den Atlantik. Anschließend fahre ich die Straße hinunter und erreiche eine Fähre mit sehr kurzer Überfahrt, was ich natürlich fotografisch dokumentieren muss. Anschließend gibt es noch zwei Aussichtspunkte am Highway, an denen ich natürlich anhalte und aussteige. Dann bin ich auch bereits in Sydney und gehe erst einmal an den Hafen und ein wenig in der Stadt umher, da ich noch mit dem Einchecken warten muss. Den Nachmittag vertrödele ich ein wenig und nutze die Zeit auch, um meine Klamotten zu waschen und zuzuschauen, wie sie sich in der Trommel drehen.

13. Tag (06. August 2025)

Es steht der Besuch in Louisbourg auf dem Plan. Das Frühstück im Hotel lasse ich ausfallen, da der Frühstücksraum sehr klein ist und total überlaufen. So fahre ich gleich nach Louisbourg und muss gleich mal feststellen, dass es außer der Festung Louisbourg nicht viel zu entdecken gibt in der Stadt. Das Einzige ist noch der Leuchtturm, zu dem ich als Erstes hinfahre. Gleich anschließend fahre ich zum Besucherzentrum der Louisbourg-Festung, welche die Franzosen zur Sicherung ihrer Kabeljaufischerei im Nordatlantik gebaut hatten. Die Engländer hatten etwas dagegen und haben die Festung gleich zweimal im 18. Jh. erfolgreich angegriffen und anschließend komplett zerstört.

Heute kann man sich die Rekonstruktion der Festung und des Dorfes anschauen, welche zu gut einem Viertel in jahrelanger Arbeit ab 1961 wieder aufgebaut wurde. Die einzelnen Gebäude kann man nicht nur von außen besichtigen, sondern auch das Leben innerhalb der Häuser wird durch Mitarbeiter dargestellt werden. Ebenfalls wurden die zugehörigen Gärten wieder aufgebaut und bewirtschaftet, so dass man auf Ziegen und Hühner trifft. Es ist sehr interessant und aufschlussreich, auch wenn man als Europäer viele Burgen und Festungen kennt. Die Mitarbeiter waren dazu alle dem jeweiligen Stand entsprechend wie damals im 18. Jh. gekleidet und haben teilweise ihre Rollen gespielt, was natürlich das Erlebnis gesteigert hat. Gegen Mittag gab es dann eine Demonstration der damaligen Feuerwaffen. Musketen und als Höhepunkt wurde auch eine Kanone abgefeuert, was man bei uns nicht mehr erleben kann.

Zu Mittag habe ich dann im Gasthof gegessen, in dem auf traditionelle Weise die Speisen serviert wurden. Es gab deshalb keine Kartoffeln, da diese in Louisbourg damals nicht bekannt waren. Gegessen wurde vom Zinnteller mit einem Zinnlöffel. Keine Gabel, kein Messer. Ich habe den Fisch mit Erbsen und Reis genommen. Den Latz habe ich nicht gebraucht.

Am Nachmittag wollte ich noch einen Wanderweg an der Küste entlang gehen, aber es wurde mir mitgeteilt, dass die Regierung aufgrund der Dürre und der damit verbundenen Waldbrandgefahr alle Wanderwege in bewachsenen Gebieten geschlossen hat. D. h., eigentlich sind alle Wanderwege von der Anordnung betroffen und damit bei Androhung von Strafe für die Öffentlichkeit geschlossen. Da hatte ich ja noch Glück, dass ich in Cap Breton die Wanderungen gemacht habe und die Provinz übermorgen verlasse. Es ist eine echt starke Einschränkung und eine heftige Entscheidung, aber mir ist auch schon in den letzten Tagen die hier herrschende enorme Trockenheit aufgefallen.

14. Tag (07. August 2025)

Heute bin ich früh genug aufgestanden, um im Frühstücksraum noch einen Platz zu bekommen, so dass ich was in den Magen bekomme, bevor ich mich auf den Rückweg nach Halifax mache. Es sind in etwa vier Stunden zu fahren. Zuerst geht es am riesigen Lake O’re entlang, der zwar durch einen schmalen Kanal Zugang zum Meer hat, aber trotzdem als See angesehen wird. Die Küste bietet viele Aussichten, aber man stellt auch schnell fest, dass an der ganzen Küste jeder sich seine Parzelle bereits gesichert hat und überall Häuser stehen. Nach rund einer Stunde mache ich Halt in St. Peter’s. Hier schaue ich mir noch den Kanal an, der im 19. Jh. gebaut wurde, um auch von dieser Seite einen Zugang zum Meer zu bekommen. Der Kanal ist nur 800m lang und besitzt eine Schleuse, um die Tide auszugleichen. Nach einer halben Stunde fahre ich weiter und erreiche am frühen Nachmittag Halifax. Ich bin im gleichen B&B wie zu Beginn der Reise und habe das Glück, bereits einchecken zu können. So suche ich noch einen kostenfreien Parkplatz und gehe anschließend an die Waterfront, genieße das schöne Wetter und die Aussicht und esse einen Fisch.

Gegen Abend fahre ich nochmals nach Peggy’s Cove, um mir den Sonnenuntergang anzuschauen und ein paar Bilder zu machen, weil ich ja an meinem ersten Tag den Sonnenuntergang so glorreich verpasst habe. Je näher ich komme, desto mehr Schleierwolken kommen auf. Als ich ankomme, ist es deutlich wärmer als beim letzten Mal. Ich stelle mich in Position und mache bereits so ein paar Bilder, allerdings zeichnet sich bereits ab, dass die Sonne sich hinter dem Dunst verstecken wird und es keinen farbenfrohen Untergang geben wird. So ist es dann auch gekommen. Als ich zurückfahre, tanke ich noch das Auto auf, sodass ich morgen gleich ohne Umwege zum Flughafen kann, denn es geht früh los.

15. Tag (08. August 2025)

Es läuft alles ganz entspannt heute Morgen. Es ist kein Verkehr unterwegs, das Abgeben des Autos beschränkt sich nur auf das Abstellen und den Schlüssel abgeben. Das Gepäckabgeben lief auch ohne Wartezeit, so dass ich recht schnell am Flugsteig saß und auf den Abflug gewartet habe.

Bei einem fünfstündigen Flug gab es nur einen Schluck Wasser und ein paar kleine Knabbereien und auch kein Entertainment. Ich war dankbar, als wir gelandet sind. Auf das Gepäck musste ich nicht lange warten, sodass ich schnell zur Mietwagenfirma gehen konnte. Dort am Schalter ging es auch schnell und unkompliziert. Als ich dann zum Auto kam, war schnell zu sehen, dass es schon eine recht alte Möhre mit vielen Kratzern und Macken war, die ich bekommen sollte. Als ich dann nach Apple CarPlay gefragt habe, weil ich sonst keine Navigation habe, wollte mir der Sachbearbeiter es zeigen und wir haben festgestellt, dass der Wagen keinen USB-A-Anschluss hat, als ich ihm das Kabel gezeigt habe. Daraufhin hat er mir dann ein deutlich neueres Auto angeboten, welches gleich danebenstand. Als ich dann das Gepäck umgeladen hatte, konnte ich mein blödes Kabel nicht mehr finden. Alles Suchen hat nichts genützt. Ich habe es nicht mehr gesehen und konnte es mir eigentlich nicht erklären.

Ich konnte nicht anders und habe mich dazu entschlossen, loszufahren und mir irgendwo ein neues Kabel zu kaufen und sparsam mit den letzten Prozenten des Akkus umzugehen, denn sonst hätte ich nicht gewusst, wo ich hin muss.

Als ich das Flughafengelände verlassen hatte, fand ich auch ein großes Einkaufszentrum am Rande der Autobahn, nicht weit entfernt. Die beiden Telefonläden, die ich besucht habe, hatten solch ein Kabel nicht mehr und ich fragte mich schon, wo ich eines herbekomme. Dann sah ich Walmart und siehe da, es gab ein Kabel und auch noch zu einem viel besseren Preis. Meine Einkäufe konnte ich glücklicherweise auch gleich noch nebenher erledigen.

Nachdem ich im Hotel eingecheckt hatte, habe ich erst einmal die leichten Regenschauer abgewartet und bin abends kurz noch zu einem Aussichtspunkt gefahren, um einen Blick auf die Stadt Calgary zu werfen. Im Anschluss habe ich mir noch Downtown ein wenig angeschaut und was gegessen.

Als ich dann wieder im Hotel war, kam mir der Gedanke, dass das Kabel in eine Ritze meiner Fototasche gerutscht sein könnte. Und siehe da, da war ja das Kabel. Ich habe keine Ahnung, wie es da hingekommen ist, und hätte mir die Aufregung eigentlich sparen können.

Banff & Jasper Nationalpark in Alberta

16. Tag (09. August 2025)

Am Morgen fahre ich aus Calgary raus, weil ich in den Banff-Nationalpark will. Auf dem Highway nach Banff ist reger Verkehr. Es ist Wochenende und die Sonne scheint. Deshalb fahren wohl alle in die Berge. Ich fahre vom großen Highway ab und fahre auf die Landstraße, habe zwischendurch immer mal wieder angehalten und in Canmore gehalten, um die erste Wanderung in den Rocky Mountains zu unternehmen. Das Ziel waren die Upper Grassi Lakes. Es war eine schöne kleine Tour mit herrlichen Aussichten auf die Seen und auch hinunter ins Tal. Ich bin dann noch weiter gestiegen zum Whitemans Pond, einem Stausee.

Als ich wieder am Auto war, bin ich schlussendlich in den Banff-NP gefahren und mein erstes Ziel waren die Two Lakes. Es ist sehr viel los und es gibt kaum freie Parkplätze, aber ich bekomme einen am Jack Lake und gehe ein wenig spazieren. Vom Ufer aus ergeben sich immer wieder schöne Aussichten über den See.

Dann fahre ich weiter zum Minnewanka-See. Schnappe mir noch einen Stellplatz außerhalb der Parkplätze am Straßenrand. Sehe gleich neben der Straße nordamerikanische Dickhornschafe, die den europäischen Steinböcken entsprechen. Als ich am Seeufer ankomme, entscheide ich mich noch dazu, spontan eine Bootstour zu machen, und gehe anschließend noch den Canyon Walk entlang.

Als ich wieder zurück bin, fahre ich endgültig nach Banff, um im B&B einzuchecken und etwas essen zu gehen. Es ist extrem viel los in der Stadt, was ich in der Masse nicht erwartet hätte. Es ist mir eigentlich schon zu viel.

Dann versuche ich, die nächsten Tage zu verplanen und festzulegen, was ich mir anschauen werde. Es ist aber gar nicht so einfach, weil wohl in den nächsten Tagen eine Kaltfront mit Regen reinziehen wird.

17. Tag (10. August 2025)

Gleich am Morgen um 8:00 Uhr habe ich im Internet versucht, ein Shuttle-Bus-Ticket der Parkverwaltung zum Moraine Lake zu bekommen. Nach 15 Sekunden waren keine Tickets mehr verfügbar und ich frage mich dann schon, wie das sein kann. Es ist einfach verrückt, wie viele Leute hier in der Hochsaison unterwegs sind.

Dann bin ich auch gleich zu meinem ersten Ziel, dem Johnston Canyon, aufgebrochen, weil man auch da früh dort sein muss, um noch einen Parkplatz zu bekommen. Ich habe noch einen bekommen und konnte mich mit vielen anderen auf den Wanderweg machen. Der Canyon ist einer Klamm sehr ähnlich, in der man sich auf Stegen bewegt, die an der Felswand montiert sind. Es ist eine sehr schöne Schlucht. Die Lower Falls, auf welche man zuerst stößt, sind toll. Die Leute drängen sich jedoch davor, um jeweils das beste Foto zu bekommen. Weiter geht’s zu den Upper Falls, die sehr hoch und beeindruckend sind. Hier lasse ich mir Zeit und schaue mir die Fälle von unten und oben an.

Danach drehen dann die meisten Leute wieder um, aber die Wanderung führt noch weiter zu den Inkpots. Es handelt sich dabei um fünf Quellen, die jeweils in einem großen Teich entspringen und teilweise unterschiedliche Farben besitzen. Hier öffnet sich das Tal wieder und der Blick schweift auf die dahinterliegenden Berge. Es ist eine sehr schöne Aussicht, die ich versuche, so lange wie möglich zu genießen.

Als ich nach zwei Stunden Abstieg wieder am Parkplatz bin, entschließe ich mich, zu meiner nächsten Unterkunft in Lake Louise zu fahren, um zu fragen, ob diese einen Bus-Shuttle-Service zum Moran Lake anbietet. Zu meiner Freude bieten sie einen Shuttle-Service an und es gibt auch noch Plätze. Der Haken dabei war jedoch der Preis. Aber man zahlt eben den Preis für etwas, was man nur einmal im Leben unternimmt. So besitze ich jetzt ein Ticket, um zum Moraine Lake zu kommen, und habe mich entschieden, morgen mit dem Auto zum Parkplatz des Lake Louise zu fahren. Hier ist der Haken: Das Parken kostet nicht nur Geld, sondern man sollte auch kaum später als 5 Uhr morgens dort sein, um noch einen Parkplatz zu bekommen, bevor dieser wegen Überfüllung geschlossen wird.

Nachdem nun alles geregelt und festgelegt ist, fahre ich noch zum Stainley-Glacier-Trail nach British Columbia rüber und habe diese Wanderung am Nachmittag gemacht. Das Auto stellt man fast auf Passhöhe ab und geht dann noch ein paar Höhenmeter in ein Tal hinein, welchem man bis zum Ende folgt. Dabei begleitet einen auf der rechten Seite eine beeindruckend hohe Felswand. Das Tal ist sehenswert, aber die Gletscher haben sich auch hier bereits so weit zurückgezogen, dass nur noch ganz hinten und ziemlich weit oben Reste davon zu sehen sind.

Als ich wieder in Banff zurück war, ging ich essen, um mich im Anschluss nochmals ins Auto zu setzen und den Golfparkway entlangzufahren, in der Hoffnung, ein paar Hirsche zu sehen, die abends auf den Golfplatz kommen sollen. Tatsächlich sind auch Rehe zu sehen, die es sich auf dem „Grün“ des Platzes gemütlich machen.

18. Tag (11. August 2025)

Um 4 Uhr bin ich losgefahren, um früh genug auf dem Parkplatz am Lake Louise zu sein, so dass ich dort noch parken kann. Es hat geklappt. Um 5 Uhr war es noch möglich. Der Parkplatz wurde aber bereits eine gute halbe Stunde später geschlossen, weil alles voll war. Ich frühstücke noch einen Happen im Auto und gehe dann langsam zu Fuß an den See, um den Sonnenaufgang zu erleben. Es sind natürlich noch jede Menge anderer Leute hier und es gibt auch wieder die Instagram-Poser, die es ganz wichtig haben.

Die Wolken verziehen sich glücklicherweise, der Mond ist noch zu sehen und der Sonnenaufgang entwickelt sich sehr schön und strahlt die hinter dem See liegende Bergwelt an. Ich habe Zeit und so breche ich erst rund neunzig Minuten später auf, um die Wanderung zur Plain of Six Glaciers in Angriff zu nehmen. Der Weg führt zuerst am See vorbei hinein in die morgendliche Bergwelt. Es sind hier nur wenige Leute bisher unterwegs, was sehr angenehm ist. Der Weg führt in das Tal hinter dem See und ich befinde mich in einer beeindruckenden Umgebung, die von viel Wildnis geprägt ist. Je höher ich steige, desto näher komme ich den schneebedeckten Gipfeln, die sich mir immer mehr eröffnen. Als ich am Endpunkt ankomme, auf einer Seitenmoräne des Gletschers, kann man mit ein wenig Ahnung doch tatsächlich noch die Reste von sechs Gletschern sehen. Es ist eine lohnenswerte Wanderung und am Endpunkt befindet man sich mitten im Hochgebirge. Der Rückblick auf den See und das monströse Hotel ist ebenfalls bemerkenswert, denn erst jetzt, als die Sonne hoch am Himmel steht, ist die krasse türkise Farbe des Sees richtig zu erkennen.

Als ich wieder absteige, komme ich noch an einer bewirtschafteten Hütte vorbei, an der ich eine Pause mache und eine leckere selbstgemachte Limonade trinke. Als ich anschließend weiter absteige, kommt mir der Gedanke, dass ich doch noch den Querweg zum Lake Agnes begehen könnte und diesen mir auch noch anschaue. Als ich an der Abzweigung ankomme, ist es noch früh am Nachmittag, und ich entscheide mich dazu, diesen Abstecher noch zu machen.

Auf dem Weg erreiche ich im Wald einen tollen Aussichtspunkt, von dem man einen herrlichen Blick auf den Lake Louise erhält. Danach erreiche ich den Mirror Lake und treffe dort auf den Hauptweg zum Lake Agnes, was bedeutet, dass ab hier wieder jede Menge Leute da sind. Aber was soll’s, es ist nun mal so. Die letzten Höhenmeter zum See schaffe ich auch noch und trinke auch dort an der Hütte noch eine Limonade. Dabei überlege ich mir noch, was ich machen soll. Den Rundweg um den See nehmen oder doch noch weiter zum Little-Beehive-Aussichtspunkt aufsteigen.

Nach der Pause steige ich noch weiter auf und bereue es nicht, da der Ausblick auf den Lake Louise und das Bow-Tal überwältigend ist. Erst von hier oben kann man erkennen, wie breit und groß das Bow-Tal eigentlich ist. Auch die Aussicht auf den See und die dahinterliegenden Bergspitzen ist beeindruckend und ich muss mir dafür viel Zeit nehmen.

Doch schlussendlich steige ich wieder über den Hauptweg zum Hotel ab, vorbei an den ganzen Leuten, und als ich dann am Seeufer wieder angekommen bin, hat sich für mich der ganze Wahnsinn hier am See offenbart. Es waren so viele Leute hier wie auf einem Volksfest. Ich war echt ein bisschen geschockt. Zum Abschluss gehe ich noch ein Stück am See entlang und tauche die Füße in die kalten Fluten des Sees und genieße die Abkühlung nach der nun doch deutlich längeren Wanderung.

Als ich müde am Auto zurück bin, lasse ich den ganzen Zirkus am Lake Louise hinter mir, fahre nach Banff zurück und nehme erst einmal eine Dusche und ruhe mich aus. Dann gehe ich noch schnell etwas essen und gehe früh ins Bett, denn morgen geht’s wieder früh raus. Es wartet der Moraine Lake.

19. Tag (12. August 2025)

Es geht nicht ganz so früh los wie gestern. Ich fahre erneut nach Lake Louise und nehme den Shuttlebus zum Moraine Lake und als ich ankomme, ist die Sonne bereits aufgegangen. Der Himmel ist wolkenlos und es sind noch nicht ganz so viele Leute vor Ort. Ich gehe als Erstes den Rock Pile hinauf und habe das berühmte Bergpanorama der Ten Pikes mit dem See vor mir. Dort verweile ich eine ganze Weile, um die Aussicht zu genießen und Bilder zu machen. Danach mache ich mich auf zu einer kleinen Wanderung zum Consolation Lake, den ich nach etwas mehr als einer Stunde erreiche. An dessen Ende man über große Felsblöcke klettern kann, um sich seinen ganz privaten Sitzplatz zu suchen. Auch hier ist das Bergpanorama sehr beeindruckend.

Für einen kurzen Moment habe ich noch überlegt, ob ich zum Larchen Valley rauflaufen soll, aber habe mich dann doch dagegen entschieden, weil ich bereits gestern viel gewandert bin. Deshalb habe ich mir dann viel Zeit genommen, um den Lake Side Trail zu machen, der natürlich sehr von Leuten überlaufen war. Aber er bietet sehr schöne Ausblicke und Perspektiven auf den See und das Bergpanorama.

Als ich an der Lodge zurück war, habe ich dort noch einige Zeit verbracht und bin schließlich wieder mit dem Shuttlebus am Nachmittag zurück nach Lake Louise gefahren worden. Da noch Zeit war, habe ich mich anschließend gleich mit dem Auto auf den Weg zum Takakkaw-Wasserfall gemacht. Zuerst musste ich über den Kicking-Horse-Pass auf dem Highway fahren. Nach der Ausfahrt führte eine Bergstraße anschließend wieder zum Wasserfall hinauf. Als ich den ersten Blick auf den Wasserfall geworfen habe, war ich sehr beeindruckt. Der Wasserfall wird durch Gletscherwasser gespeist, führt viel Wasser und fällt 380 Meter in die Tiefe, wobei die größte Stufe 260 Meter hoch ist. Ich gehe den kurzen Weg näher heran. Es ziehen immer wieder Wolken hinweg und tauchen den Fall in Schatten, so dass ich drauf warten muss, bis die Sonne den Wasserfall wieder beleuchtet. Je näher ich rangehe, desto mehr Gischt ergießt sich, aber es ist auch ein schöner Schleier auf der anderen Flussseite zu sehen.

Dann fahre ich nach Lake Louise zurück und checke dort in meine Unterkunft ein, gehe was essen und tanke das Auto mal wieder voll.

20. Tag (13. August 2025)

Der Tag war wie eine Wundertüte. Es wurden Regenfälle für die Umgebung von Lake Louise vorhergesagt, so dass ich nicht genau wusste, was ich machen sollte, und mich einfach für autowandern entschied. D. h., ich fahre nach Südwesten, da es dort sonniger sein soll. Ich biege also in Richtung des Kootenay-Nationalparks ab und fahre den Pass hoch, um ins Kootenay-Valley zu kommen. Als ich oben auf der Passhöhe bin und die Sonne so herrlich scheint, entscheide ich mich spontan, zum Boom Lake zu wandern. So ziehe ich meine Stiefel an und marschiere los. Der Weg hat nur relativ wenige Höhenmeter und so komme ich guten Schrittes voran. Der Weg führt natürlich durch Wälder und es sind nur sehr wenige Leute um diese Uhrzeit unterwegs. Nach gut einer Stunde komme ich an und es breiten sich vor mir der See und die umrahmenden Berge bei herrlichem Sonnenschein aus. Ich genieße die Aussicht und mache mich dann auch schon wieder auf den Rückweg. Es zieht dabei zu und kurz vor dem Erreichen des Parkplatzes fängt es an, zu tröpfeln. Ich bin nach rund zweieinhalb Stunden wieder am Auto und fahre einfach aus dem Regen hinaus in das Kootenay Valley. Die Sonne scheint wieder und ich betrachte die Landschaft vom Auto aus.

Am Kootenay Red Chairs Simpson River mache ich noch für eine halbe Stunde einen kleinen Spaziergang durch ein Gebiet, welches vor Jahren abgebrannt ist und in dem man nun sehen kann, wie sich die Natur erholt. Es gibt natürlich auch beste Aussichten auf die Berge, da ja keine hochgewachsenen Bäume vorhanden sind. Auf dem Weg nach Radium Hot Springs mache ich noch einen Stopp am Aussichtspunkt über das Kootenay Valley. Durch die Ausflüge und Stopps bin ich natürlich später in Radium Hot Springs als gedacht. Das Mineralbad sehe ich von der Straße aus und es erscheint mir relativ klein, so dass ich die Badehose, die ich heute dabei habe, ungenutzt lasse und einfach weiterfahre. Kurz vor dem Ortseingang führt die Straße durch einen sehr schmalen Canyon, den Sinclair Canyon. Ich halte an und schaue mir die Straßenführung durch den Felsspalt genauer an. Dann sehe ich noch ein Schild von den Sinclair Canyon Falls und gehe auch dieses kurze Stück dorthin.

So ist es bereits Nachmittag. Auf dem Weg durch das Columbia Valley nach Norden sehe ich schon die Regenschauer. Aber angesichts der Zeit fahre ich weiter nach Golden. Im Tal selbst gibt es nicht wirklich Gründe, zu stoppen, denn man kann es aus dem Auto heraus genießen. Von Golden aus geht es wieder über den Trans-Canada-Highway zurück nach Lake Louise. Der Trans-Canada-Highway verläuft durch das Kicking-Horse-Valley und erklimmt schnell einige Höhen. Ich habe jetzt noch vor, an der Natural Bridge und dem Emerald Lake einen Stopp einzulegen. An der Natural Bridge kommt nach den Schauern bereits wieder die Sonne raus. Ich bin beeindruckt davon, wie sich das Wasser des Kicking Horse River durch den Sandstein gefressen hat und nun eine Engstelle von etwa zwei Metern bildet, über welche sich eine natürliche Felsbrücke spannt. Ein wirkliches Wunder der Natur.
Dann fahre ich zum Emerald Lake weiter hinauf. Ich hatte darauf gehofft, dass gegen Abend die Sonne wieder rauskommt und die Farbe des Sees zur Wirkung bringt, aber es ist immer noch bewölkt mit ganz kleinen Wolkenlücken, die teilweise ein gutes Licht liefern.

Ich gehe erst einmal zur Lodge und bestelle mir im Restaurant was zu essen. Als ich fertig bin, will ich noch zu einem Aussichtspunkt gehen, sehe aber, dass hinter mir Regen heranzieht. So drehe ich um, gehe wieder in die Lodge zurück und warte ab. Die Vorhersage sagt Regen für mehr als eine Stunde voraus. Irgendwann entschließe ich mich eben, auf dem Rückweg zum Auto nass zu werden. Aber als ich den halben Weg gegangen bin, sehe ich, dass es sich möglicherweise doch aufklart. So warte ich doch noch ab und hoffe, dass es nochmals aufklart. Und so war es dann auch. Nach rund einer Viertelstunde hat der Regen aufgehört und die Sonne zeigte sich nochmals kurz vor dem Untergehen und bestrahlte die umliegenden Berggipfel. Ich bin dann im Galopp den Lake Shore Trail entlanggelaufen, um von den besten Punkten noch die Bilder von den beleuchteten Berggipfeln und dem See zu machen, und ich war glücklich, denn das Licht auf den Bergen und die dahinterliegenden schwarzen Regenwolken ergaben eine tolle Stimmung.

Dann habe ich mich aber endgültig auf den Rückweg gemacht, aber als ich kurz vor Lake Louise auf dem Bahngleis neben der Straße einen Zug stehen sah, habe ich mich spontan noch dazu entschieden, zur Morant’s Curve zu fahren, die nur wenig außerhalb von Lake Louise liegt. Vielleicht bekomme ich ja noch ein Bild mit einem Zug in der berühmten Kurve.

Als ich ankomme, steht der Zug vor der Kurve und bewegt sich nicht. Ich warte darauf, dass er losfährt, aber es passiert erst einmal nichts. Dann aber bewegt sich der Zug, nimmt aber den Rückwärtsgang und fährt nach Lake Louise zurück. Eine Enttäuschung macht sich breit bei den Umstehenden und alle verlassen den Aussichtspunkt. Ich bleibe noch, auch weil sich das Licht kurz vor Sonnenuntergang teilweise an den Bergspitzen und den Wolken zeigt. Ich spekuliere darauf, dass der Zug wohl doch noch irgendwann fahren muss. Als ich dann eine Viertelstunde später das Horn des Zuges gehört habe, war ich mir sicher, dass er kommen wird. Und so war es dann auch. Ich habe mein Foto der Morant’s-Kurve mit einem Zug bekommen. Klasse!

Was mich aber sehr beeindruckt hat, war die Länge des Zuges. Ich hatte nicht gezählt, aber es waren sicherlich mehr als 200 Waggons. Der Güterzug fuhr mehrere Minuten an mir vorbei.

Dann war der Tag wirklich zu Ende und ich fuhr schlussendlich ins Hotel zurück. Was für eine tolle Wundertüte heute.

21. Tag (14. August 2025)

Es ist neblig, als ich aus dem Fenster schaue. Aber ich beginne meinen Tag trotzdem früh. Vielleicht etwas langsamer, aber nichtsdestotrotz checke ich aus und gehe zur Bäckerei, um ein kleines Frühstück zu besorgen.

Dann fahre ich los. Es geht heute nach Jasper und zwar über den Icefield Parkway, der die Verbindung zwischen Banff und Jasper ist. Ich habe mir vorher im Info-Center die Highlights auf einer Karte anstreichen lassen, die ich nun suggestiv abfahre oder abarbeite. Als ich aus Lake Louise auf dem Parkway bin, merke ich, dass sich der Nebel aufzulösen beginnt und die Sonne zum Vorschein kommt. Die Gipfel rechts und links der Straße zeigen sich und ich kann gar nicht genug schauen. Halte auch immer mal wieder an, um ein Bild zu machen. Der erste richtige Stopp war dann am Crowfoot Glacier Viewpoint mit Blick auf den Gletscher. Gleich danach gab es den Bow-Lake-Viewpoint und die Bow-Lake-Lodge, wo ich beide Male angehalten habe und an der Lodge noch ein gutes Stück am Seeufer entlanggelaufen bin.

Das nächste Highlight war dann der Peyto-Lake-Viewpoint, welcher die Massen angezogen hat, weil er vom Parkplatz auf der Passhöhe in über 2.000m Höhe leicht zu erreichen war. Er bietet einen spektakulären Blick auf den Peyto-Lake-Gletschersee. Ich bin dann noch auf den Bow-Summit-Trail gegangen, um auch noch den Blick über das ganze Tal und den bereits zuvor gesehenen Bow Lake zu erhalten. Der Aufstieg war in einer Stunde geschafft und der Blick überragend. Während ich mich auf einen Felsen setze, etwas abseits der anderen Touristen, erscheint unmittelbar neben mir ein Murmeltier, welches sich auch nicht stören ließ, als ich nur noch rund eineinhalb Meter von ihm entfernt war, um zu fotografieren. Dann ist es verschwunden und wenig später oberhalb von meinem Standpunkt aus wieder aufgetaucht, so dass ich nochmals die zweite Chance hatte, es lange zu beobachten und zu fotografieren. Echt eine unglaubliche Begegnung.

Als Nächstes habe ich am Mistaya Canyon gehalten, aber auch hier war schon am vollen Parkplatz zu erkennen, dass es wohl viele Leute haben wird. So war es dann auch, als ich nach der recht kurzen Wegstrecke dort angekommen bin. Im Grunde war es keine Schlucht, sondern ein Durchbruch des Flusses durch eine Gesteinsbarriere. Es ist immer wieder beeindruckend, wie sich das Wasser in vielen Jahren durch hartes Gestein frisst und unglaubliche Formen hinterlässt.

An den Bridal Veil Falls ergab sich dann ein sehr schöner Blick zurück ins Tal, nachdem der Parkway wieder steil angestiegen ist. Der Wasserfall selbst war auf Grund von relativ wenig Wasser nicht so faszinierend.

Im Anschluss erreiche ich den Höhepunkt der ganzen Strecke, das Columbia-Icefield. Von hier aus kann man zu einem Gletscher hinlaufen und auch von der Straße drei große Gletscher sehen. Leider ist der Rückzug der Gletscher erschreckend und es ist nicht mehr sehr viel von dem übrig, was es mal vor hundert Jahren war, als das Eis noch bis zur Straße reichte, wie man auf den alten Bildern an der Wand sehen kann. Heute muss man erst mit dem Auto ein ganzes Stück fahren, bevor man von dort den Fußweg zum Gletscher antritt. Die Bergwelt ist trotzdem sehr mächtig und erhaben.

Ich entschließe mich spontan, noch den Skywalk zu buchen, und bin auch bereits eine Viertelstunde später mit dem Bus auf dem Weg dorthin. Der Skywalk befindet sich als Aussichtsplattform direkt an den Berg geschraubt direkt über dem Abgrund des Tals und besitzt einen Glasboden, durch den man durchschauen kann. Es ist ein klasse Erlebnis und ich kann einen wunderschönen Ausblick auf die Bergwelt bei tollem Licht genießen, der nur mit einem Ticket für den Skywalk zu sehen ist, weil die Straße an der Stelle sehr schmal ist und keine Parkmöglichkeiten bietet.

Dann war es aber bereits auch schon Abend und ich bin, ohne anzuhalten, nach Jasper durchgefahren, um noch rechtzeitig im Hotel einzuchecken. Auf der Fahrt dorthin fielen mir natürlich die großen verbrannten Flächen um Jasper herum auf und in der Stadt selbst die großen Trailerparks, in denen die Leute nun wohnen, deren Häuser und Existenzen letztes Jahr zerstört wurden.

22. Tag (15. August 2025)

In der Nacht hatte es geregnet und am Morgen waren die Berge wolkenverhangen. Ich hatte mich schon drauf eingestellt und werde deshalb die beiden Wasserfälle Sunwapta Falls und Athabasca Falls besuchen. Ich fahre dafür den Icefield Parkway wieder hinauf und entscheide mich taktisch dazu, zuerst die weiter entfernten Sunwapta Falls zu besichtigen, in der Hoffnung, dass dadurch weniger Leute da sind. Zwischendurch halte ich noch immer mal wieder an, um die großartige Landschaft zu bestaunen, auch wenn es heute regnerisch ist. Aber die Wolken sind so hoch, dass man die Berge sehen kann.

Ich komme also an den Sunwapta Falls an und gehe davon aus, dass gleich neben dem Parkplatz die Wasserfälle zu besichtigen sind. So ist es dann auch. Ich gehe die wenigen Schritte und schaue mir die Fälle ausführlich von allen möglichen Seiten an. Dann sehe ich noch ein Schild, welches zu den Lower-Sunwapta-Falls führte. Es war nur eine kleine Wanderung von vielleicht einer Stunde hin und zurück. Ich hatte davon gar nichts gewusst und war deshalb sehr beeindruckt, als ich dort angekommen bin, und staunte, weil diese Fälle meiner Meinung nach noch imposanter waren als die oberen. Jedenfalls wirkten sie auf mich gewaltiger.

Dann bin ich wieder in Richtung Jasper zurückgefahren, um mir noch den Athabasca-Wasserfall anzuschauen. Hier sind schon wieder mehr Leute zugegen, aber die Fälle sind auch sehr sehenswert. Von hier stürzt das Wasser über einen Felsvorsprung, in den es sich in den letzten Jahrtausenden hineingefressen hat, sodass man auch noch eine Schlucht von oben einsehen kann. Es ist nun früher Nachmittag, die Sicht ist immer noch trübe und ich entscheide mich, über die alternative Route nach Jasper zurückzufahren, um die Schönheit der Landschaft nochmals zu genießen. Die Aussicht auf das Tal ist von allen Stellen der Straße gegeben, weil der ganze Wald im letzten Jahr vollständig abgebrannt ist. Erst auf dieser Strecke sieht man das ganze Ausmaß der Verheerungen, die das Feuer angerichtet hat. Es ist aber auf dem Boden auch schon wieder Gras am Sprießen und in einigen Jahren wird es auch wieder Bäume geben. Heute sehen wir nur noch verkohlte Baumstämme in der Gegend.

In Jasper zurück mache ich einen kleinen Bummel durch die Stadt und schaue nach einer Möglichkeit, heute Abend essen zu gehen und vielleicht noch ein Souvenir zu erhaschen.

In der Unterkunft zurück organisiere ich dann die nächsten Tage hier im Park, da auch das Wetter wieder besser werden soll. Morgen fahre ich zunächst zum Maligne Lake und werde den Tag dort verbringen. Allerdings habe ich heute erfahren, dass der Maligne Canyon aufgrund des Feuers geschlossen ist und nicht besichtigt werden kann.

23. Tag (16. August 2025)

Am Morgen regnet es noch, so dass ich es etwas langsamer angehen lasse. Als Erstes fahre ich zum Pyramid Lake hoch, der hier gleich hinter Jasper liegt und in zehn Minuten zu erreichen ist. Ich gehe ein paar Schritte auf Pyramid Island, einer kleinen Insel, die über einen Steg zu erreichen ist und von der es schöne Ausblicke gibt, die heute Morgen noch alle wolkenverhangen sind.

Dann fahre ich wieder zurück und weiter zu meinem eigentlichen Ziel, dem Maligne Lake, auf dem ich eine Bootstour zur berühmten Spirit Island gebucht habe. Als ich auf die Straße zum See abbiege, mache ich einen Stopp am Maligne Outlook und schaue hinunter in das Athabasca-River-Tal, in dem auch Jasper liegt. Der Ausblick ist ungetrübt, da der Waldbrand von letztem Jahr hier alles niedergebrannt hat und sich auch das Wetter aufgeklart hat. Das ist auch der Grund, warum man den Maligne Canyon nicht besichtigen kann. Nach einem kurzen Überblick fahre ich weiter und komme am Medicine Lake vorbei. Der Blick über den See ist gar nicht so spektakulär, dafür aber sein stark schwankender Wasserspiegel. Denn er ist sozusagen undicht und verliert große Mengen an Wasser am Grund in das Karstgestein, so dass im Winter durch abfließendes Wasser der See fast leerläuft und im Frühjahr und Sommer sich der Wasserstand erhöht, weil mehr zu- als durch die „Löcher“ abfließt. Also das gleiche Prinzip wie bei der Donauversickerung.

Dann fahre ich endgültig zum Maligne Lake und verbringe den Nachmittag dort. Es ist heiter, als ich mich entschließe, zwei kleine Wanderungen zu machen, zum einen zum Moose Lake hinauf, der schön im Wald gelegen ist, und zum anderen auf der anderen Seite den Schäfer Loop, der auch an einem schönen Aussichtspunkt auf den See vorbeiführt. Zwischendurch setze ich mich noch auf die Restaurantterrasse und trinke in der Sonne eine Cola.

Dann ist es so weit, dass am frühen Abend meine Bootstour startet. Ich hatte extra diese Tour gewählt, damit die Sonne entsprechend richtig steht, wenn ich an Spirit Island bin und Bilder machen will. Der Wetterbericht hat auch Entsprechendes vorhergesagt, aber es kam anders. Zu Beginn der Bootstour, die über den halben See führt, hat es zugezogen und als wir dort angekommen sind, hat es angefangen zu regnen. Glücklicherweise konnte man die Berge und deren Gipfel im Hintergrund noch erkennen, so dass nicht alles im Nebel versank, aber es hat einfach das Licht gefehlt. Die Gletscher und auch die Bergmassive, die vom See aus zu sehen waren, bildeten eine beeindruckende Kulisse. Unser Stopp an Spirit Island, die für die Ureinwohner Kanadas eine heilige Stätte ist, war dann auch entsprechend. Die Insel und der Blick auf sie mit den Bergen im Hintergrund sind schon ein besonderes Motiv mitsamt der Farbe des Sees.

Als wir dann, nachdem unsere Zeit abgelaufen war, wieder zurückfuhren, hatte es aufgeklart und wir konnten vom Boot aus beobachten, wie die Sonne im Bereich von Spirit Island schien. Unser Zeitfenster war leider das Falsche.

24. Tag (17. August 2025)

Ich verlasse Jasper und fahre nach Osten, um heute eine große Wanderung zu machen. Ich will den Sulphur-Skyline-Trail in Angriff nehmen, der in der Miette-Hot-Springs-Gegend sehr schöne Ausblicke bieten soll. Ich komme rund eine Stunde später weg als geplant. Auf dem Highway halte ich immer mal wieder an, um Bilder von der Gegend zu machen, und komme deshalb später an der Abfahrt an als gedacht. Ich biege ab und erkenne im Vorbeifahren noch ein Warnschild. Deshalb halte ich an und setze zurück. Es ist darauf zu lesen, dass der Sulphur-Skyline-Track geschlossen wurde. Was nun? Die einzige Alternative hier ist, entlang des Flusses im Tal zu wandern, aber da hat man keine Aussichten.

Ich überlege kurz und entscheide mich anstelle dessen dazu, den Bald Hill Track am Maligne Lake zu wandern, den ich gestern nicht in Angriff genommen habe, weil ich dachte, dass ich heute ja eine große Wanderung mache. So fahre ich also mehr als 90 Minuten wieder an den Maligne Lake und habe gerade noch das Glück, dass ein Parkplatz frei wird, da sonst bereits alles wieder vollgeparkt ist, als ich kurz vor Mittag dort ankomme.

Also marschiere ich recht spät los. Auf dem Track sind einige Leute unterwegs, was natürlich im Hinblick auf eine Bärenbegegnung gut ist, weil sich diese dann erst gar nicht in dem Gebiet aufhalten, aber auf der anderen Seite macht es wenig Spaß, wenn man Leute immer überholen muss. Nach der Baumgrenze ergeben sich die ersten Ausblicke auf den Lake Maligne und die umliegenden Berge und machen schon mal Hoffnung auf den Gipfel. Als ich höher steige, wird es auch merklich kühler und der Wind nimmt zu. Ich hatte gar nicht gemerkt, dass der Parkplatz bereits auf 1.700m liegt und der Aufstieg auf mehr als 2.300m führt. Ich ziehe mir wärmere Klamotten an und erreiche nach zwei Stunden den Gipfel. Die Aussicht auf den See und die Berge ist toll und die Anstrengungen haben sich wirklich gelohnt. Leider ist es stark bewölkt, so dass die Farben ein wenig fahl wirken.

Nach einer halben Stunde mache ich mich wieder auf den Abstieg. Vor mir läuft ein Pärchen aus der Schweiz. Als ein Deutscher, der uns entgegenkommt, sie anspricht, wie weit es denn noch zum Gipfel sei, kommen wir ins Gespräch. Sie sind zwei Monate unterwegs und machen hier in Kanada dieselben Stationen wie ich, nur in umgekehrter Reihenfolge. So konnten wir noch nützliche Tipps austauschen und der Rückweg zum Parkplatz verging wie im Fluge. Interessant fand ich noch, von ihnen zu erfahren, dass die ganzen Wohnmobile, die von den Touris hier gefahren werden, so rund 25–30 Liter Sprit auf 100 Kilometer brauchen, was auch ganz schön zu Buche schlägt, obwohl die Spritpreise hier niedrig sind. Da kann ich nur froh sein, dass mein kleiner blauer Nissan nur ein Fünftel davon braucht.

Als wir uns verabschiedet hatten, hole ich mir noch eine Cola und setze mich noch auf die Terrasse, bei jetzt deutlich sonnigerem Wetter. Dann fahre ich die Strecke wieder nach Osten und checke in einer Mountain-View-Lodge ein und genieße noch den Abend auf der dortigen Terrasse.

25. Tag (18. August 2025)

Ich habe Bergfest meiner Kanada-Reise und habe mich dazu entschieden, einen Erholungstag einzulegen. Ich bin später aufgestanden und habe am Vormittag noch ein paar organisatorische Sachen erledigt, um anschließend zu den Miette Hotsprings hochzufahren und den Tag dort im Bad zu verbringen. Gegen Mittag bin ich dort und schaue mich zuerst ein wenig in der Bergwelt um, bevor ich ins Bad gehe. Die Temperatur ist eigentlich nicht gerade geeignet, um in ein Freibad zu gehen, aber die beiden Becken sind sehr warm und wenn sich der Körper aufgeheizt hat, hält man es auch sehr gut an der kühlen Luft aus. Ich genieße das warme Wasser und den herrlichen Blick auf die Berge hier am Ende des Tals.

Bevor ich mich auf den Rückweg zur Lodge mache, esse ich noch was im dortigen Restaurant und fahre anschließend zurück in die Lodge, um mich auf die Terrasse zu setzen und bei nun wolkenlosem Himmel ein wenig den Blick schweifen zu lassen und dabei ein Bier zu genießen.

26. Tag (19. August 2025)

Ich stehe früh auf und fahre direkt los, da die Strecke bis Kamloops rund sechs Stunden Fahrzeit in Anspruch nimmt. Gleich zu Beginn aber muss ich gleich zweimal anhalten, weil sich durch die aufgehende Sonne schöne Motive ergeben. Dann aber geht es ohne weiteren Stopp in Richtung Kamloops. Als ich den Jasper-NP verlassen habe, ist das Tal auch nicht mehr so spektakulär. Es herrscht kaum Verkehr und was mich immer wieder fasziniert, ist die Tatsache, dass es über mehr als hundert Kilometer keine Ortschaft, Siedlung, Landwirtschaftsflächen oder sonstige Zivilisation gibt.

So komme ich gut voran und genieße die entspannte Fahrt. Als ich immer weiter hinunterkomme, werden die Berge rechts und links immer niedriger und auch das Tal weitet sich zunehmend. Nun sind auch erste landwirtschaftliche Flächen zu sehen und die ganze Landschaft ähnelt ein wenig dem Schwarzwald. In Clearwater lege ich noch einen Tankstopp ein, bevor es dann nach Kamloops geht. Ich besuchte dort noch den BC Wildlife Park und spekulierte auf das eine oder andere gute Foto. Gleich als ich den Park betrete, ist mir bewusst, dass es keine guten Fotos geben wird, da bei der Gestaltung der Gehege ausschließlich auf Zäune gesetzt wurde. So genieße ich einfach, was mir geboten wird. Zuerst einmal recht wenig, denn obwohl die Gehege relativ klein sind, können sich die Bewohner so verstecken, dass man sie nicht sieht. Es sind jedoch die Hirsche und die Bergziege zu sehen.

Dann komme ich zufällig zur Fütterung der Schwarzbären und als Erstes erscheint der sehr seltene Spirit-Bär. Ein weißer Schwarzbär, kein Albino, der jedoch ein weißes Fell besitzt, wie manche Menschen rote Haare.

Zur Fütterung gibt es natürlich viele weitere Erklärungen und mir wird bewusst, dass es sich eigentlich gar nicht um einen Wildlife-Park handelt, sondern eher um einen Gnadenhof. Denn jedes Tier hier wäre in der Wildnis nicht überlebensfähig, weil es ohne Eltern als Jungtier gefunden wurde oder mit schweren Verletzungen aufgefunden wurde.

Dann habe ich im Motel eingecheckt, war anschließend beim Friseur, habe im Supermarkt eingekauft und meine Wäsche mal wieder gewaschen.

Weil es aber noch zu früh war, im Zimmer zu bleiben, habe ich mich noch auf den Weg in den Cartwright Nature Park gemacht, von dem man nach einer kurzen Wanderung auf den Gipfel einen tollen Ausblick auf die Stadt und vor allem auf den Zusammenfluss des nördlichen und südlichen Thompson River hat.

Anschließend fuhr ich noch hinunter in die Stadt und schlenderte durch den Riverside Park, wo zu meiner Überraschung auch noch eine Liveband Countrymusik gespielt hat. So bin ich noch etwas geblieben, bevor ich mich zum Essen aufgemacht habe und zurück in die Unterkunft gegangen bin.

27. Tag (20. August 2025)

Ich fahre nun nach Vancouver weiter. Es markiert mal wieder einen Abschnitt, der sich dem Ende entgegenneigt, da ich morgen Beate vom Flughafen abhole und damit der dritte und bereits letzte Abschnitt dieser Reise beginnt. Nun, ich mache mich am Morgen gleich auf den Weg. Es sind nur rund vier Stunden Fahrt und es gibt wenig zwischendurch anzuschauen. Der Highway steigt gleich nach Kamloops steil um mehr als 1.000m an und windet sich die Berge hinauf. Danach geht es wieder hinunter nach Merritt, um danach wieder anzusteigen. Schließlich führt der Highway durch das Coldwater-River-Tal, um dann weiter hinunter ins Tiefland zu führen. Es ist eine bemerkenswerte Strecke, die viele interessante Abschnitte und Ausblicke bereithält.

Meinen ersten Stopp lege ich an der Orthello Road ein, um mir die Orthello-Tunnel durch den Coquihalla-Canyon anzuschauen. Es sind Tunnel der Kettle Valley Railway, die 1914 zur Anbindung von Silberminen weiter östlich gebaut wurde. Heute sind nur noch die Tunnel von der Strecke übrig. Die Bahn gibt es schon lange nicht mehr. Es ist faszinierend, sich anzuschauen, wie die Ingenieure vor 150 Jahren solch eine spektakuläre Trassenführung durch diese schmale Schlucht hinbekommen haben. Ich muss diese Leistung immer wieder bewundern, denn mit den einfachen Mitteln des Ausbruches und der Vermessung kann man sich heute kaum vorstellen, wie sie das hinbekommen haben.

Auf der weiteren Strecke mache ich noch einen kurzen Halt am Bridal-Veil-Wasserfall. Zuerst dachte ich noch, dass der Wasserfall wohl nicht so sehenswert sein wird, da sich im Bachlauf nicht viel Wasser befunden hat. Aber als ich den Fall dann gesehen hatte, machte er seinem Namen doch Ehre. Das Wasser fächerte sich fein und gleichmäßig auf und ergab ein sehr schönes Bild.

Die letzte Stunde der Fahrt war dann durch dichten Stadtverkehr dominiert. Es ging zähfließend Richtung Vancouver. Ich hatte mir die Strecke zum Hotel richtig gemerkt und bin auch direkt dort angekommen. Beim Einchecken wurde mir dann erklärt, dass Vancouver die nordamerikanische Stadt mit dem schlimmsten Verkehr sei. Ich konnte das leicht nachvollziehen, da ich außerhalb des Berufsverkehrs unterwegs war.

Den Nachmittag verbrachte ich dann damit, die Umgebung ein bisschen zu erkunden und Pläne für die nächsten Tage zu machen.

28. Tag (21. August 2025)

Ich fahre heute Morgen in die Stadt. Dabei merke ich schnell, dass der Verkehr hier ein Graus ist. Ich brauche rund eine Stunde, bis ich in die Nähe von Granville Island komme, wo ich hinwill. Hatte mir gestern noch überlegt, mit der Metro zu fahren, die hier in New Westminster gleich hinter dem Hotel eine Station hat. Aber ich nehme doch das Auto, da ich gleich im Anschluss heute Abend Beate vom Flughafen abholen will. Ich kurve durch die Nebenstraßen auf der Suche nach einem Parkplatz. Werde auch glücklicherweise gleich fündig und bezahle an der Säule, indem ich mein Kennzeichen eingebe.

Gleich nebenan am False Creek treffe ich auf den Seaside Greenway, den längsten Fußweg in einer Stadt entlang des Wassers. Ich gehe diesen entlang, einmal um den False Creek herum, und schaue mir die verschiedenen Perspektiven der Stadt an. Die Sonne lacht und es ist wirklich schön. Dann besuche ich Granville Island, eine ehemalige Aufschüttung, die zum Industriegebiet und heute zu einem Touristenziel mit Markthallen, vielen Galerien, handwerklichen Läden, Straßenmusikern und Künstlern geworden ist. Dort verbringe ich fast den ganzen Nachmittag.

Dann komme ich zurück zum Auto und sehe einen Strafzettel unter dem Scheibenwischer. Ich hatte das Kennzeichen nicht vollständig eingetippt. Also gleich die Webseite des Parkplatzbetreibers aufrufen und reklamieren. Ich finde sogar das Formular gleich und kann auch noch ein Foto meines Beleges hochladen. Der Strafzettel wird wohl widerrufen, aber das sind so Dinge, die man einfach nicht braucht.

Durch den Verkehr würge ich mich dann zum Flughafen, bekomme noch einen Parkplatz im sündhaft teuren Parkhaus und hole Beate ab, die auch recht schnell am Ausgang auftaucht. Es gibt ein freudiges Hallo und wir fahren zurück zum Hotel.

Vancouver Island

29. Tag (22. August 2025)

Wir fahren in den Stanley Park. Es ist etwas mühsam, da wir durch die ganze Stadt müssen und uns von einer roten Ampel zur nächsten durchkämpfen. Nach mehr als einer Stunde erreichen wir dann Stanley Park und biegen auf den Driveway durch den Park ab. Es ist natürlich viel los. Vor allem Fahrradfahrer sind unterwegs, da man sich hier Fahrräder ausleihen kann, um einmal um den Stanley Park zu radeln. Wir machen es mit dem Auto. Am ersten Parkplatz stellen wir das Auto ab und schauen uns kurz die Totempfähle an, die dort von den First Nations stehen. Dann genießen wir die Aussicht am Leuchtturm auf die Stadt und die Berge.

Anschließend fahren wir weiter und machen Halt an einem Parkplatz im Norden am Prospect-Point-Ausblick und schauen auf die Lions Gate Bridge und die Berge. Am Third Beach halten wir nochmals und schauen uns um. Es ist ein sehr schöner Park am Meer und das Top-Naherholungsgebiet von Vancouver.

Wir haben zwar noch genügend Zeit, bis wir zur Fähre nach Vancouver Island müssen, aber aufgrund des zähen Verkehrs machen wir uns schon auf den Weg. Kurz vor dem Fährterminal gibt es noch einen großen Walmart, in dem wir noch Lebensmittel für die nächsten Tage einkaufen und dann noch ein wenig Zeit in der Mall nebenan verbringen, um auch noch eine Kleinigkeit zu essen.

Schließlich ist es so weit und wir fahren zu unserem Zeitfenster zum Fährterminal. Es ist natürlich riesig. Wir stellen uns in die Schlange nach Victoria, unser Buchungscode wird schnell gescannt und dann dürfen wir uns in der Line 45 aufstellen. Hier warten wir, bis es losgeht. Die Fähre hat ein wenig Verspätung. Das Laden geht aber sehr schnell. Wir stellen das Auto auf dem Oberdeck ab, schnappen unsere Sachen und gehen zwei Decks höher, um bei dem herrlichen Wetter die Fahrt draußen zu genießen. Der Blick zurück auf Vancouver ist toll. Es ist sogar der Mount Baker in 65km Entfernung in den USA zu sehen. Als die Fähre zwischen den Inseln durchfährt, ergeben sich immer wieder schöne Ausblicke mit dem einsetzenden Abendlicht.

Als wir ankommen, geht das Entladen auch sehr schnell und die Blechlawine wälzt sich in Richtung Victoria. Das Bed & Breakfast besitzt eine tolle Lage und unser Zimmer hat einen traumhaften Blick auf die Bucht und Victoria.

Da es schon spät ist, gehen wir schnell noch in einer „Nudelbox“ was essen und setzen uns auf die Terrasse.

30. Tag (23. August 2025)

Der Sonnenaufgang direkt vor unserem Zimmer ist traumhaft, der ganze Himmel erstrahlt in Rot und wird auf der Wasseroberfläche reflektiert. Wir haben einen gemütlichen Start, da der Tagesplan heute nicht so viel vorsieht.

Nach dem Frühstück fahren wir in den Goldstream Provincial Park. Der Verkehr zum Wochenende ist extrem stark, besonders auf der einzigen Straße nach Norden. Für uns ist es nicht sehr weit und wir stellen das Auto am Rande der Straße auf einem Parkplatz ab und gehen den Pfad zum Goldstream-Wasserfall. Es geht durch Regenwald und der Pfad führt am Bach entlang. Fast alle Bäume sind von dichtem Moos bedeckt und die Luft ist feucht zwischen den Bäumen, obwohl heute ein heißer, trockener Tag ist. Der Wasserfall, den wir am Ende des Pfads erreichen, ist schattig gelegen und Beate nutzt die Gelegenheit, um eine Erfrischung im Becken des Wasserfalls zu nehmen. Wir bleiben noch eine Weile und gehen dann anschließend wieder zum Auto zurück. Danach fahren wir ein kleines Stück weiter auf einen anderen Parkplatz und gehen dort auch noch ein Stück weit. Eigentlich ist der Weg zum Niagara-Fall gesperrt, aber in der Information bekommen wir gesagt, dass wir einfach durch den Bachlauf dorthin gehen sollen, denn es ist nur ein kurzes Stück. So schauen wir uns auch diesen Wasserfall an. Er hat deutlich weniger Wasser, besitzt dafür aber eine viel größere Fallhöhe. Ebenfalls sehr sehenswert.

Da es im Park keine weiteren Dinge anzuschauen gibt, fahren wir nach Victoria hinein und schauen uns noch die Stadt an. Im Parkhaus stellen wir das Auto ab und sind auch schnell an der Wasserkante. So bummeln wir dort entlang, kommen am inneren Hafen vorbei, in dem sich ein Flughafen für Wasserflugzeuge befindet, und schlendern weiter zur Fishermans Wharf, in der bunte schwimmende Häuser zu sehen sind, die natürlich von vielen Touristen belagert werden. Auf etwas zu trinken verzichten wir und machen uns wieder auf den Rückweg. Dabei gehen wir noch durch die Einkaufsstraße mit ihren ganzen Souvenirläden.

Anschließend wollen wir uns noch das Hatley Castle anschauen, aber es ist wegen einer Hochzeit für Publikumsverkehr geschlossen, sodass es nicht viel zu sehen gab, und wir sind dann anschließend zum Essen gefahren, um schließlich den Abend auf unserer Terrasse mit Aussicht zu beschließen.

31. Tag (24. August 2025)

Die Fahrt geht nach Port Renfrew, unserem nächsten Ziel. Wir haben von einem Mitbewohner im B&B ein selbst zusammengestelltes Exposé erhalten über die Sehenswürdigkeiten entlang der Küste. Gleich außerhalb legen wir einen Stopp an dem Lady-Sinn-Wasserfall ein. Es genügen ein kurzer Fußmarsch und ein ebenso kurzer Blick auf den netten Wasserfall. Wir fahren die Westküste auf einer Nebenstraße hinauf, auf der heute doch einiges los ist, weil wir Sonntag haben. Auf der gegenüberliegenden Seite des Wassers sind bereits die USA zu sehen. Wenig später machen wir einen Abstecher zum French Beach, der von den Einheimischen gut besucht ist. Es ist ein Strand aus grauen Kieselsteinen, der mit seiner Länge der weitläufigste Strand an diesem Küstenabschnitt ist.

Schließlich kommen wir in Port Renfrew an und machen Halt beim Visitor Center. Mit ausführlichen Informationen und dem Hinweis, dass wir ohne „Permit“ nicht auch nur ein Stück auf dem West Coast Trail wandern gehen dürfen, erreichen wir unsere Ferienwohnung. Leider habe ich nicht darauf geachtet, dass wir zwei Betten oder wenigstens ein großes haben. So wird es ein wenig eng in den nächsten zwei Nächten.

Wir machen es uns erst einmal gemütlich auf dem Sofa, kochen dann ein paar Spaghetti und fahren anschließend am Abend zum Fairy Lake, um uns dort umzuschauen und den Bonsai Tree anzuschauen, den wir dann am Abend und morgen früh fotografieren wollen.

Nachdem wir etwas gegessen haben, fahren wir nochmals hin und machen schon mal die ersten Aufnahmen am Abend, aber es ist wie erwartet nicht optimal. Morgen früh sollte es besser sein.

32. Tag (25. August 2025)

Noch vor dem Frühstück machen wir uns auf den Weg. Wir hatten abgeschätzt, dass das Licht in etwa eine halbe Stunde nach Sonnenaufgang am besten sein wird. Leider verdeckten hohe Fichten die Sonnenstrahlen, so dass wir am Ende fast zwei Stunden darauf warten mussten. Als wir dann unsere Fotos im Kasten hatten, ging es zurück zum Frühstück.

Danach fuhren wir an die Küste und haben uns Botany Bay und Botanical Beach angeschaut. Der Weg führte durch dichten Küstenregenwald und die beiden Buchten boten sehr schöne Küstenlandschaft mit vielen Felsen, Wellen und angeschwemmten Treibholzstämmen. Es waren einige andere Leute unterwegs, aber es war erträglich und hat uns gut gefallen.

Am Nachmittag haben wir uns dann zum Lonely Doug aufgemacht, einem Küstenmammutbaum, der bei einer Abholzaktion aufgrund seiner Größe und seines Alters stehen geblieben ist. Dazu müssen wir einige Kilometer mit dem Auto fahren und werden durch eine Schlaglochpiste ziemlich ausgebremst. Zwischendurch dachten wir schon, dass wir mit unserem kleinen blauen Auto nicht durchkommen, da das Auto keine große Bodenfreiheit besitzt. Wir kommen nach einer Dreiviertelstunde an dem Abzweig an, an dem es nur noch mit einem Allradfahrzeug weitergehen würde. So stellen wir das Auto ab und machen uns zu Fuß auf die letzten zweieinhalb Kilometer. Dann erreichen wir den kleinen Pfad, der zum großen Baum führt. Abgeholzt wurde die Fläche vor 14 Jahren, sodass heute bereits wieder dichter Bewuchs vorhanden ist. Das heißt aber auch, dass der Blick auf den Riesen nicht mehr so frei ist, wie man es sich wünschen würde. Es ist aber trotzdem sehr eindrücklich, neben dem riesigen Stamm zu stehen und die Krone in rund hundert Metern Höhe zu sehen.

Als wir wieder, ohne das Auto zu beschädigen, in der Unterkunft sind, ist es auch bereits Zeit, den Abend einzuläuten, und wir kochen uns schnell was, bevor wir uns auf die Terrasse gesetzt haben.

33. Tag (26. August 2025)

Heute verlassen wir Port Renfrew wieder und laden auch noch den Müllsack mit ein, weil wir diesen nicht in der Wohnung lassen durften. Da die Entsorgungsstation erst viel später öffnet und wir nicht drauf warten wollen, müssen wir im Laufe des Tages noch eine Möglichkeit finden, den Sack loszuwerden. Die Straße führt hinauf in die Berge, ist sehr kurvig, aber auch interessant. Zwischendurch halten wir an der Harris-Creek-Fichte, die wir uns anschauen. Sie steht am Ufer eines Flusses mitten im Regenwald. Auch dieser Baum ist riesig und man kann seine Ausmaße vom Boden aus eigentlich gar nicht erfassen.

Wir erreichen dann Lake Cowichan und wissen nicht genau, was wir hier tun sollen, außer vielleicht unseren Sack loszuwerden. Wir finden einen Müllcontainer für Anwohner und recht flink hatten wir ein kleines Problem weniger. Anschließend sind wir ein wenig ziellos rumgelatscht und weil es nichts zu sehen gab, dann einfach weitergefahren.

Auf der Hauptstraße der Insel fahren wir ein Stück nach Norden, bevor wir dann wieder an die Westküste abbiegen. Auf dieser Strecke machen wir einen kurzen Halt am Cameron Lake, der sehr schön zwischen den Bergen liegt und in den vergangenen Tagen wegen eines Waldbrandes in den Schlagzeilen war. Auf den gegenüberliegenden Hängen kann man auch die verbrannten Flächen erkennen.

Wenig später erreichen wir den Parkplatz des Cathedral Grove. Es ist recht voll an der Straßenseite und es steht eines der großen Wohnmobile so im Weg herum. Ich fahre drumherum und sehe, dass eine Parkbucht frei wird, und stelle mein kleines blaues Auto ab. Als wir aussteigen, spricht uns eine Holländerin an, ob wir nicht doch eine kleine Lücke vor einem Baum nehmen könnten. Sie hatten wohl schon auf den Platz gewartet, an den ich mich hingestellt hatte. Ich tat ihr den Gefallen, aber manchmal haben kleine Autos doch Vorteile.

Wir gehen die ausgeschilderten Wege durch den Hain entlang und bewundern die üppige und groß gewachsene Vegetation. Auch auf der anderen Straßenseite, die wir uns noch anschauen, ist es imposant, durch diesen Wald zu gehen. Es wundert also nicht, dass der Parkplatz so voll war, denn der Cathedral Grove ist sehr sehenswert.

Auf der weiteren Fahrt haben wir dann die Abzweigung zum Hole in the Wall irgendwie übersehen, sodass wir vorbeigefahren sind. In Port Alberni gab es nichts anzuschauen, sodass wir gar nicht ausgestiegen sind. Zudem war es hier auch mit 35°C enorm warm, was wir gar nicht erwartet hatten. Echt sehr überraschend.

Wir fahren weiter die Küste hinunter. Die Straße schlängelt sich durch die Berge entlang der Täler. Zwischendurch halten wir noch am Wally Creek, wo wir uns jedoch nur kurz aufgehalten haben, da es nicht spannend war und wir uns nicht dazu entschließen konnten, die Badeklamotten rauszuholen und ins Wasser zu springen.

In Ucluelet angekommen merken wir gleich, dass dies eine Touristenhochburg ist. Nicht dass es überlaufen wäre, aber es ist einfach touristisch geprägt. Wir checken in einer schönen Unterkunft mit Blick über die Bucht und einem eigenen Whirlpool ein. Leider herrscht aktuell Nebel, so dass der Ausblick etwas eingeschränkt ist.

Im Restaurant heute Abend hatten wir nicht so viel Glück. Der Lachs, den Beate gewählt hatte, war zu trocken, wobei mein Steak in Ordnung war. Mal schauen, was die nächsten Tage so bringen, denn die Wetteraussichten sind nicht so erfreulich. Denn wenn es im Landesinneren so heiß ist, dann herrscht hier an der Küste oft Nebel.

34. Tag (27. August 2025)

Nachdem es am Morgen ziemlich nebelig ist, gönnen wir uns einen ruhigen Start. Zuerst gehen wir ins Zentrum und schauen uns um. Wir schlendern durch die Gegend und wollen noch eine Bootstour für morgen buchen. Im Adventure-Laden geht das auch recht flott und wir halten die Tickets in der Hand. Anschließend schauen wir noch durch diverse Souvenirläden und auch an dem inneren Hafen vorbei, um gleich mal zu schauen, wo die Tour morgen losgeht, und haben in unserer Unterkunft noch die Aussicht von der Terrasse genossen.

Zum Mittag hat es dann aufgeklart und der Himmel war nur noch bewölkt, so dass wir uns auf den Weg gemacht haben, den Lighthouse Loop Track zu wandern. Er führt durch die Küstenvegetation über die Klippen und bietet an zahlreichen Punkten tolle Aussichten auf die felsige Küste und die kleinen vorgelagerten Inseln. Wir sind recht langsam, weil wir auch immer mal wieder ans Wasser runtergehen und uns hinsetzen.

Als wir zurück sind, wird es auch schon Zeit, früh zum Essen zu gehen, denn es scheint so, als ob in Kanada recht früh zu Abend gegessen wird. Als wir zurück sind, tauchen wir noch in den Jacuzzi ab, welcher vor unserem Zimmer auf einer separaten Plattform steht, und genießen dabei den Blick auf die Bucht und ein kühles Bier.

35. Tag (28. August 2025)

Es herrscht wieder starker Nebel, als wir die Augen aufmachen. Wir lassen es wieder ruhig angehen und fahren nach dem Frühstück am späten Vormittag zum Rainforest Trail und spazieren den sehr interessanten Steg entlang, der durch den Regenwald führt. Es ist ähnlich wie am Cathedral Grove, den wir schon besucht haben, aber doch anders und sehr sehenswert. Wir lassen uns viel Zeit, um auch zu fotografieren. Als wir wieder am Auto sind, ist der Parkplatz überfüllt, obwohl wir auf dem Steg nicht so viele Leute gesehen haben. Wir fahren wieder nach Ucluelet zurück und finden uns an der Marina zu unserer gestern noch spontan gebuchten Tour ein. Brian, der Skipper, begrüßt uns, führt kurz die Sicherheitsunterweisung durch und jeder zieht seine Rettungsweste an. Dann gehen wir an Bord der Dixie IV und verlassen den Hafen. Während es beim Losfahren noch einigermaßen klar ist, zieht es jetzt ganz kräftig zu. Der Nebel lässt nur noch ein paar Konturen erkennen. Das ist der Moment, in dem ich nicht mehr viel von dieser Tour erwarte. Aber ich werde eines Besseren belehrt. Wenig später erspäht unser Skipper einen Seeotter, der gemütlich auf dem Wasser treibt. Ich bin begeistert, dass wir gleich zu Beginn einen Seeotter sehen, und fotografiere. Dabei bemerke ich gar nicht, dass der Nebel aufreißt und die Sonne zum Vorschein kommt.

Wenig später sichten wir einen zweiten Seeotter, der sich putzt und sich im perfekten Licht präsentiert. Die Tiere sind einfach nur süß. Dann halten wir Ausschau nach einem Buckelwal, der sich in der Gegend befinden soll, und erkennen gleich daraufhin den Blas. Wir verbringen viel Zeit damit, den Wal zu beobachten, der gerade beim Jagen und Fressen ist, denn er taucht immer wieder ab, um anschließend sein Maul aufzumachen und kleine Fische zu fangen. Leider ist es immer schwierig, zu erahnen, an welcher Stelle er wieder auftaucht, und somit ist es recht schwierig, zum richtigen Zeitpunkt auf den Auslöser der Kamera zu drücken. Aber es ist auch so sehr sehenswert, dem Tier bei der Jagd zuzuschauen.

Schließlich zieht er von dannen und wir machen uns auf die Suche nach weiterem Wildlife. Wir sehen erneut Seeotter, dieses Mal aber in Gruppen in ihrem bevorzugten Terrain, dem Kelpwald. Da sind die Tiere kaum vom Kelp zu unterscheiden, zumal wir sie nur im Gegenlicht sehen können. Aber es gelingen trotzdem gute Aufnahmen, auch von Müttern mit ihrem Kleinen.

Wenig später fahren wir zu den Felsen, auf denen sich die Seelöwen breitgemacht haben. Das ist eine sichere Bank, denn die Tiere sind ortsgebunden und somit immer zu sehen. Hier sind es vor allem die Tiere im Wasser, die zur Unterhaltung beitragen, aber auch die Männchen, die sich lautstark an Land bemerkbar machen. Wir umrunden die kleine Felseninsel und machen uns anschließend auf den Weg zu den kalifornischen Seelöwen, die ein wenig weiter ebenfalls auf einer Felseninsel sich ausruhen. Sie verschwinden nach der Paarung in den Süden, nach Kalifornien, und überlassen den Rest den Weibchen. Deshalb werden sie umgangssprachlich auch die „kalifornischen Beach Boys“ genannt. Gleich nebenan waren dann auch noch Seehunde zu sehen, die sich auf weiteren Felsen ausgeruht haben.

Meine Erwartungen jedenfalls waren weit übertroffen, als wir uns Richtung Hafen aufgemacht haben, und ich packte meine Kamera weg. Aber die Tour war noch nicht zu Ende. Auf einem Baum saß noch ein Weißkopfseeadler und posierte für unsere Kameras. Ein weiteres echtes Highlight.

Aber kurz bevor wir in die Marina einbiegen, erkennt unser Skipper am Ufer noch einen Schwarzbären mit einem Kleinen. So machen wir noch einen Schlenker und schauen uns das seltene Auftauchen dieses Bärs an, da diese sich normalerweise nicht bei Flut an der Küste aufhalten. Aber wir nehmen es natürlich gerne mit, bekommen beide Tiere im besten Licht und vor sehr schönem Hintergrund vor die Linse. Mehr kann man nun nicht erwarten und wir sind begeistert, vor allem nach den Erwartungen, die wir am Morgen hatten.

Weil das Wetter so gut ist, fahren wir noch kurz zum Lighthouse und schauen uns die Küste noch bei Sonnenschein an, denn wer weiß, morgen herrscht sicherlich wieder Nebel.

Dann nehmen wir uns ein Fish & Chip mit und genießen dies noch in unserer Unterkunft. Zum Abschluss des Tages setzen wir uns noch in den Jacuzzi und lassen den Blick über die Bucht schweifen.

36. Tag (29. August 2025)

Es herrscht wieder einmal Nebel am Morgen. Wir starten erst einmal später in den Tag und haben heute auch nicht besonders viel vor. Es geht zuerst ein wenig Richtung Tofino zum South Beach Trail. Dieser schlängelt sich durch den Regenwald an der Küste. Es ist wieder ein schöner Weg, der viel über Stege führt und durch den dichten und feuchten Wald. Es sind keine Geräusche zu hören und auch kaum andere Leute zu sehen. Wir schlendern gemütlich dahin, erreichen den Strand und genießen die Luft und die Aussicht sowie die Brandung, auch wenn es nur stark bewölkt ist.

Als wir wieder zurück am Auto sind, fahren wir nach Ucluelet zurück und gehen den bekannten und sehr schönen Wild Pacific Trail entlang. Dazu stellen wir das Auto in der Stadt ab und machen uns auf den Weg zum Anfang des Trails. Dieser führt ständig in einem Auf und Ab an der felsigen und windzerzausten Küste entlang und bietet unzählige Aussichtspunkte mit vielen Sitzgelegenheiten. Wir schauen aufs Meer hinaus und hoffen noch darauf, dass wir vielleicht in einiger Entfernung einen Seeotter erspähen können, aber leider ist nichts zu sehen. Jedoch haben wir Glück und ein Weißkopfseeadler zeigt sich auf der Spitze eines Baumes. Diesen beobachten wir eine ganze Weile, bevor wir weitergehen.

Als wir wieder zurück sind, machen wir noch einen Abstecher in den örtlichen Supermarkt und dann ist es auch schon Zeit für ein frühes Abendessen. So dass wir wieder früh in der Unterkunft zurück sind, noch ein paar organisatorische Dinge machen, um anschließend, wohl zum letzten Mal, im Jacuzzi zu sitzen.

37. Tag (30. August 2025)

Es geht heute nach Tofino. Da es nicht sehr weit ist, packen wir gemütlich zusammen und machen uns auf den Weg. Zuerst besuchen wir noch den Half Moon Bay über den Willowbrae Trail, der ebenfalls durch den Regenwald führt. Auch hier ist es wieder faszinierend, das wuchernde Grün zu betrachten. Am Strand setzen wir uns auf einen angeschwemmten Stamm und beobachten die Wellen und die Bucht. Nach einer Weile fahren wir weiter zum Long Beach. Dort ist sehr viel los und es ist ein Hotspot der Surfer. Als wir einen der letzten Parkplätze ergattert haben, gehen wir an den Strand und wollen einen Strandspaziergang machen, als ich bemerke, dass ich noch den Schlüssel des Zimmers in Ucluelet in der Hosentasche habe. So setzen wir uns wieder ins Auto und fahren nach Ucluelet zurück, um den Schlüssel abzugeben. Im Supermarkt kaufen wir noch die zwei Dinge ein, die wir gestern vergessen hatten, und fahren dann wieder nach Tofino.

Dieses Mal lassen wir den Long Beach aus und fahren direkt zur Unterkunft, in die wir zwei Stunden früher einchecken und somit unser Gepäck ablegen und die Lebensmittel in den Kühlschrank stellen können. Dann fahren wir zum Tonquin Beach Trail und gehen an der Küste entlang, setzen uns wieder auf einen Baumstamm am Strand und genießen die Zeit. Im Anschluss schlendern wir durch das Dörfchen und gehen im Restaurant Schooner einen Fischsud genießen, welcher sehr lecker war.

Den Abschluss des Tages haben wir dann am Cox Beach beim Sonnenuntergang verbracht, nachdem der Himmel nochmals aufgerissen war. Es waren viele Leute aus den umliegenden Resorts am Strand, aber es hat sich weitestgehend verlaufen und die Farben waren heute sehenswert.

38. Tag (31. August 2025)

Es steht unsere Bärentour auf dem Plan und wir haben gestern Abend noch glücklicherweise festgestellt, dass die Tour von Ucluelet aus startet und nicht von Tofino aus, wie wir dachten. So sind wir heute etwas früher aus dem Haus und fahren wieder die Straße runter. Es ist natürlich nebelig und ich verspreche mir nicht so viel, weil auch die Vorhersage nichts anderes prognostiziert. Aber was soll’s, wir fahren los und sind nach einer Stunde wieder zurück in Ukee, wie die Einheimischen sagen. Bei Jamies Whaling Station ist alles klar und wir warten darauf, an Bord des Boots zu gehen. Landeinwärts ist blauer Himmel zu erkennen, aber als wir rausfahren, wird der Nebel immer dichter. Dann hat sich aber, wie auch schon vorgestern, der Nebel wieder gelichtet und plötzlich, in einer Bucht, konnten wir gleich unseren ersten Schwarzbären sehen, ein Weibchen, welches auch noch ein Junges dabeihatte. Aufgrund der geringen Wassertiefe konnten wir jedoch nicht so nahe wie nötig heranfahren, und so beobachteten wir aus einiger Entfernung. Aber es ist ein schöner Auftakt.

Die Bären sind am ehesten bei Niedrigwasser zu beobachten, da sie dann an die Küste kommen, um nach Fressbarem zu suchen. Bei Flut ist das nicht so, und wenn sie in den Wäldern sind, hat man keine Chance, sie zu finden. Auch deshalb sind wir mit dem Boot unterwegs, welches sich als recht leistungsstark herausstellte, als wir mit knapp dreißig Knoten über die See preschten.

In einem Fjord werden wir wieder fündig. Es ist ein weiterer Bär im Schatten zu sehen, der sich aber bereits nach kurzer Zeit in den Wald zurückzieht. Dann entdecken wir ein kräftiges Männchen auf einer kleinen Insel beim Suchen nach Muscheln. Es lässt sich von uns auch nicht stören, als wir näherkommen, was wir können, da die Wassertiefe ausreichend groß ist. So haben wir ausreichend Zeit, es zu beobachten. Das Tier versucht, mit seinen Pranken die Muscheln vom Felsen zu lösen und sie dann im Maul zu knacken. Ein ziemlich mühsames Unterfangen.

Als wir uns verabschieden, machen wir uns auf den Rückweg und haben nochmals Glück, als eine Passagierin noch eine Mutter mit zwei Jungen entdeckt. Wir machen gleich kehrt und fahren dorthin. Leider ist das Wasser auch hier zu flach, um wirklich näher heranzukommen, aber es ist trotzdem schön zu beobachten, weil die Tiere schön in der Sonne stehen.

Dann fahren wir endgültig wieder in den nebligen Hafen zurück und die Tour ist zu Ende. Es hat sich gelohnt und das Wetter war viel schöner als erwartet. Auf dem Rückweg nach Tofino machen wir noch Halt und suchen den Weg zur Canso-Plane-Crash-Site. Dabei handelt es sich um ein Wasserflugzeug, welches im 2. Weltkrieg abgestürzt ist und heute noch dort liegt. Der Parkplatz ist nicht ausgeschildert, weil es sich um keinen offiziellen Weg von Parks Canada handelt. Wir finden ihn aber, stellen das Auto ab und machen uns auf den Weg, der vor allem zum Ende hin recht matschig wird. Aber jetzt im Sommer geht es noch und wir kommen bis zum Wrack, welches an einem Berghang liegt. Es ist für seine achtzig Jahre noch gut erhalten. Wir klettern einmal drumherum und machen ein paar Bilder. Es ist schon erstaunlich, dass auch nach dieser Zeit der Typ des Wracks klar zu erkennen ist.

Wieder zurück am Auto entscheiden wir uns, noch zum Cox Bay Beach zu fahren, um uns dort den Sandburgenwettbewerb anzuschauen. Der Parkplatz ist am Sonntag mächtig überfüllt, aber wir bekommen am Straßenrand noch einen Platz. Am Strand herrscht Nebel, aber es sind viele Leute und Surfer unterwegs. Wir gehen einmal am Wasser entlang, da man nicht erkennen kann, wo nun die Burgen gebaut wurden. Wir erreichen sie trotzdem und sind erstaunt, wie toll diese aussehen. Durch den Nebel und die Sonne ergibt sich eine außergewöhnliche Stimmung.

Dann machen wir uns auf nach Tofino und gehen gleich essen. Es gibt heute exzellenten Heilbutt im bekannten Restaurant „Wolf in the Fog“. Zum Abschluss setzten wir uns auf unsere Terrasse und genossen den nebelfreien Blick über die Bucht und die Berge. Dabei sehen wir noch in einiger Entfernung einen Weißkopfseeadler in der Spitze eines Baumes auf der gegenüberliegenden Insel. Vielleicht bekomme ich ja noch einen richtig vor die Linse, was leider bis zum Dunkelwerden nicht der Fall ist.

39. Tag (01. September 2025)

Heute steht eine Tour zu den Hot Springs an, die jedoch erst kurz vor Mittag startet, so dass wir einen gemütlichen Morgen haben. Wir finden uns ein und besteigen das Boot. Beate hätte gerne eine andere Tour zu Seeottern gemacht, weil sie noch nicht genug Fotos hat.

Nach dem Verlassen des Hafens fahren wir zuerst zur Ahous Bay, weil dort Wale anzutreffen sein sollen. Und tatsächlich, es sind zwei Grauwale nahe am Ufer zu sehen, die dort fressen. Wir können den Bauch und auch den Rücken der Tiere sehen. Es ist irgendwie immer wieder anziehend, auf Wale im Meer zu stoßen.

Wir fahren inlandseitig um die Insel Flores herum und halten nach Seeottern Ausschau, die wir vereinzelt und zweimal auch als Pulk zusammen auf dem Meer treiben sehen. Als wir in Hot Springs Cove ankommen, klärt sich der Himmel hier zumindest auf und es ist ein wenig Blau zu erkennen. Wir steigen am Steg aus und machen uns auf den Weg zu den Hot Springs. Es ist ein breiter Holzsteg, der durch den Regenwald auf die andere Seite führt, sodass wir recht bequem in einer halben Stunde dort ankommen. Es gibt ein kleines Häuschen, in dem man sich umkleiden kann. Bei der heißen Quelle handelt es sich um einen kleinen Bachlauf, der im Wald entspringt, über einen kleinen Wasserfall stürzt und dann zwischen den Felsen drei kleine natürliche Pools bildet.

Wir ziehen die Badesachen an und staksen über die Felsen zu den Pools. Das Wasser ist gut heiß, kommt mit 50°C aus der Quelle und hat bestimmt noch gefühlt 42°C in den Pools. Jedenfalls kühlen sich die Leute nach recht kurzer Zeit an der kühleren Luft ab. Manche gehen ins Meer, aber ich mache das nicht, da es mir einfach zu kompliziert ist, über die klitschigen Felsen zu klettern. Dann ist es auch schon wieder Zeit, sich auf den Rückweg zu machen.

Mit dem Boot geht es wieder in Highspeed, mit über dreißig Knoten, nach Tofino zurück. Aber wir machen zwischendurch immer mal wieder Stopps, wenn wir was gesehen haben. Es waren nochmals Grauwale zu sehen. Auch bei den Seehunden legen wir einen Stopp ein und danach preschen wir zurück.

Kaum am Pier angekommen, buchen wir gleich für morgen eine Seeotter-Tour.

40. Tag (02. September 2025)

Zuerst geht es heute an den Stamp River im gleichnamigen Provincial Park, um dort die an dem Wasserfall springenden Lachse zu beobachten und vielleicht auch noch Bären zu sehen. Als wir ankommen, klärt gerade das Wetter auf und die Sonne lacht. Der Fluss ist überraschend groß und die Fälle ansprechend. Es gibt eine Lachstreppe, die beim Aufstieg unterstützt. Nichtsdestotrotz können wir die Lachse an den Wasserfällen springen sehen. Es sind nur einzelne Fische, die wir sehen, aber vielleicht hat die Wanderung an diesem Fluss noch nicht ihren Höhepunkt erreicht.

Von einem Schwarzbären wird uns von anderen Leuten berichtet, aber wir sehen ihn leider nicht, obwohl wir uns ausgiebig umgeschaut haben. Schließlich ist es wieder an der Zeit, zu gehen und wieder an die Küste zu fahren. Auf dem Weg dorthin kaufen wir noch schnell ein und erreichen unsere Seeotter-Tour am späten Nachmittag, die wir gestern noch schnell gebucht hatten. Die Tour dauert nicht lange, denn wir fahren mit dem Boot zu den bekannten Standorten der Otter in das Inlet, was nur bei Flut möglich ist. Dort sehen wir dutzende Tiere zusammen in einem Pulk treiben, welche uns in der abendlichen Lichtstimmung anschauen. Wir wissen eigentlich gar nicht, in welche Richtung wir zuerst schauen sollen, weil überall Seeotter im Wasser zu sehen sind. Dies ist auch an der zweiten Stelle so, zu der wir noch hinfahren. Es ist immer wieder schön, die Tiere zu sehen, da sie irgendwie knuffig aussehen. Dann richtet sich unser Fokus auf einen Grauwal, der sich in der Bucht aufhält. Ich kann seinen Blas und auch die Fluke einmal schön vor dem Hintergrund der grünen Küste fotografieren, was ein Highlight ist. Eine sehr schöne Tour bei bestem Licht und ein tolles Erlebnis, welches ich nicht missen wollte.

Gleich nach der Tour springen wir ins gepackte Auto und fahren weiter nach Campbell River auf der anderen Seite der Insel, wo wir unsere Unterkunft am späten Abend erreichen und ein langer Tag zu Ende geht. Morgen geht es dann auf Grizzlybärentour.

41. Tag (03. September 2025)

Wir stehen früh auf und machen uns auf zur Bute-Inlet-Bear-Watching-Tour. Es sind zwölf Leute auf dem Boot. Nachdem wir den Hafen und Port Campbell verlassen hatten, fahren wir zuerst einmal um die zahlreichen Inseln herum, um in Richtung des Bute Inlets zu kommen. Es ist teilweise neblig heute Morgen, aber schon ersichtlich, dass es aufklaren wird. Es sind rund zwei Stunden Fahrt bei Höchstgeschwindigkeit. Ich bin der Einzige, der sich aufs Deck gestellt hat und sich den Wind um die Ohren blasen ließ. Es sind auf beiden Seiten hohe Berge zu sehen und es ist landschaftlich sehr pittoresk. Je weiter wir in den Fjord hineinfahren, desto mehr ändert sich die Wasserfarbe aufgrund der Gletschermilch, die sich im Wasser befindet.

Schließlich erreichen wir unser Ziel und landen an der Oxford Bay. Von dort aus wird mit einem Bus zur ersten Aussichtsplattform an der Mündung des Flusses gefahren. Es ist noch ein zweites Boot in derselben Gruppengröße da, sodass es ziemlich eng wird auf der Plattform. Ich dachte schon, wenn dies nun so weitergeht, dann wird das schwierig. Aber als wir weiterfahren, um zum Zufluss des Algard Creek zu kommen, trennen sich die beiden Gruppen. Wir fahren zuerst zu einer weiteren Plattform, von der wir leider keine Bären und auch sonst kein Wildlife sehen können. Der einzige Adler in der Nähe wird durch das Gequatsche einzelner aus unserer Gruppe verscheucht. Im Wasser sehen wir zumindest viele Lachse. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

Als wir wieder im Bus sitzen und den Weg entlang des Flusses entlangtuckern, sehen wir einen Bären mit seinem Jungen auf der anderen Flussseite und die Aufregung steigt. Wir halten an und dürfen glücklicherweise alle aussteigen und den Weg entlanggehen. Aus dem Bus hätten wir nicht wirklich viel gesehen. Der Bär ist flussaufwärts unterwegs und wir folgen ihm auf dieser Seite so leise wie möglich. Natürlich hat er uns bereits bemerkt, denn er schaut sich immer mal wieder um. Die Mutter ist am Jagen und der Kleine schaut vom Ufer aus zu. Sie springt ins Wasser und hat auch einen Lachs gefangen, den sie dann auch gleich auseinandernimmt. Sie zieht weiter den Fluss entlang und wir können nicht folgen, da der Weg hier eine andere Richtung nimmt. Für eine erste Begegnung war das schon richtig gut.

Gleich im Anschluss entdecken wir direkt neben dem Weg eine Mutter mit zwei Jungen in den Büschen. Auch hier steigen wir aus, sind sehr leise und können die sehr entspannten Tiere aus recht kurzer Distanz eine ganze Zeit lang beobachten. Sie bewegen sich weiter in den Wald hinein und als sie sich hinter den Büschen versteckt haben, steigen auch wir wieder in den Bus und bewegen uns langsam. Ich entdecke einen weiteren Bären im Wasser, den wir dann von einer Plattform aus beobachten, wie er sich im Wasser bewegt und mit seinem Lachs „spielt“. Er befindet sich aber stark im Schatten, sodass es zum Fotografieren schwierig ist.

Als wir wieder im Bus sitzen und weiterfahren wollen, steht plötzlich die Bärin mit ihren zwei Jungen von vorhin fast neben dem Bus und beginnt, an einem Baum zu schnüffeln, und die beiden Jungen fangen an, sich zu kratzen. Wir steigen nicht aus, weil die Bären zu nahe sind. Somit verrenke ich mich, um zwischen den Leuten und an den Fensterrahmen vorbei noch Bilder zu machen. Es ist toll, zu sehen, wie sich die Tiere am Baum reiben und immer mal wieder in unsere Richtung schauen. Es war eine schöne Begegnung, obwohl wir nicht aussteigen konnten.

Als es so langsam Zeit wird, zum Boot aufzubrechen, treffen wir die andere Gruppe, die neben dem Bus steht und ins Wasser schaut. Sitzt doch tatsächlich keine zehn Meter entfernt ein Grizzly im Wasser und verspeist seinen Fisch. Er ist unglaublich nah und lässt sich von uns nicht stören. Noch eine außergewöhnliche Tierbeobachtung, die wir heute erleben können.

Dann fahren wir zurück zum Landungssteg und gehen gleich aufs Boot, um uns auf die Rückfahrt zu machen. Es gibt noch einen Snack zu essen und die meisten Leute sitzen nun an Deck, um die schöne Aussicht zu genießen. Zuerst stoßen wir noch auf einen Buckelwal, der wie ein Stück Holz im Wasser liegt und sich ausruht. Wenig später treffen wir noch auf Seelöwen und auch Seehunde, die auf den Felsen liegen oder im Wasser spielen. Auch hier verbringen wir noch einige Zeit mit dem Beobachten der Tiere. Es ist immer wieder faszinierend, weil es immer wieder anders ist.

Doch ein weiterer Höhepunkt kam dann ganz unverhofft, kurz bevor wir wieder Campbell River erreichen. Wir stoßen noch auf einen weiteren Buckelwal, der wohl gerade am Fressen ist und zu unserer aller Freude seine Schwanzflosse in perfektem Licht bei spiegelglatter See zeigt. Ein wirklich tolles Bild.

Dann sind wir wieder zurück. Schauen uns noch ein paar Souvenirläden an, gehen im Supermarkt einkaufen und kochen anschließend was in unserer Unterkunft.

Was für ein toller Tag, der mit der Aussicht auf noch eine weitere Bären-Tour endet.

42. Tag (04. September 2025)

Es ist mal wieder eine Art Brückentag. Wir checken am Morgen aus und müssen rund zwei Stunden die Straße rauf nach Port McNeill. Deshalb fragen wir am Morgen gleich nochmals nach, wo wir in der Stadt vielleicht Weißkopfseeadler sehen könnten, weil wir leider vergessen haben, was uns gestern als Tipp gegeben wurde. Wir bekommen den Hinweis, dass dies an der Quinsam River Hatchery sein kann. Wir fahren hin, weil es nicht weit außerhalb der Stadt ist. Als wir ankommen, treffen wir auf Schweiz-Kanadier, mit denen wir uns unterhalten und die uns noch einen weiteren Tipp geben. Da wir aber Zeit haben, bleiben wir zuerst einmal hier und gehen ein Stück den Fluss entlang, in der Hoffnung, Bären zu treffen, was aber leider nicht der Fall ist. Es sind auch keine Adler in der Luft zu erkennen. So ziehen wir uns zurück und fahren mit dem Auto weiter in den Elk Provincial Park und schauen uns den beeindruckenden Elk-Wasserfall an. Es gibt mehrere Aussichtsplattformen und eine Fußgänger-Hängebrücke.

Dann gehen wir noch schnell in den Supermarkt, tanken auch das Auto mal wieder voll und machen uns zum Hafen auf, weil dies der Tipp war, den wir gerade bekommen hatten, dass Adler häufig hier anzutreffen sind, weil die Angler und Fischer, die dort ihren Fisch anlanden, diesen ausnehmen und es somit was zu fressen gibt. Heute ist dies jedoch leider nicht der Fall. Es sind weder Angler noch Fischer zu sehen und somit auch keine Adler.

Wir gönnen uns stattdessen ein leckeres Eis und schauen von der Pier aufs Meer hinaus. Als wir uns dann auf den Weg nach Port McNeill machen, fällt uns auf, dass nach Campbell River weiter im Norden nichts mehr wirklich kommt. Wir fahren zwei Stunden einfach nur durch Wald und erreichen Port McNeill am späten Nachmittag. Es nebelt mal wieder und wir hoffen auf besseres Wetter morgen für unsere Bärentour von der Telegraph Cove aus.

Dann gehen wir noch etwas zu Abend essen und legen uns recht früh hin, weil es morgen früh rausgeht.

43. Tag (05. September 2025)

Wir fahren noch in der Dunkelheit die halbe Stunde nach Telegraph Cove zu unserer Bärentour ins Knight Inlet. Als wir ankommen, können wir gleich einchecken und bekommen vor der Abfahrt noch ein kleines Frühstück und einen Kaffee. Unsere Gruppe umfasst elf Leute, die das Boot besteigen. Wir fahren hinaus in den Nebel, aber es zeichnet sich bereits ab, dass dieser sich auflösen wird, und wir hoffen darauf, dass sich auch die Wolken verziehen, je weiter wir uns von Telegraph Cove entfernen. Zuerst treffen wir wieder einmal auf Seehunde, die faul auf einer Felseninsel liegen und wenig Notiz von uns nehmen. Dann kommen wir an der Lagoon Cove Marina an und sehen ein großes Grizzly-Männchen bei Ebbe an der Küste nach Muscheln suchen. Wir sind leider ein bisschen weit weg für gute Bilder, aber es ist eine erste gute Sichtung und lässt auf mehr hoffen. Wir fahren weiter und treffen auf einen Buckelwal, den wir ein bisschen begleiten und der uns seine Fluke zeigt, als wir wieder Fahrt aufnehmen. Auf der weiteren Fahrt sehen wir noch vereinzelt Weißkopfseeadler auf den Bäumen sitzen. Wir halten aber nur für Wale.

Schließlich erreichen wir nach zwei Stunden Fahrt den Glendale Grove und legen am Anleger an, denn wir steigen um auf ein kleineres Boot, welches für sehr seichtes Wasser geeignet ist, und fahren in den Flusslauf ein. Da gerade Ebbe herrscht, ist es sehr seicht, so dass unser Skipper und der Guide das Boot in Wathosen über die seichten Stellen ziehen, da der Motor nicht mehr ins Wasser eingetaucht werden kann. An der Seite sehen wir zuerst einen Weißkopfseeadler, der uns mit seinen scharfen Augen fixiert. Dann entdecken wir eine Bärin mit zwei Jungen, an die wir näher herankommen wollen, die sich aber weiter entfernt und die uns weitestgehend nur ihr Hinterteil zeigt.

Wir ziehen uns zurück und fahren auf die andere Seite, weil dort in einiger Entfernung eine weitere Bärin mit zwei Jungen zu sehen ist. Die einsetzende Flut hilft uns dabei, denn durch den steigenden Wasserstand kommen wir tiefer in das Flussdelta hinein. Von ihr ist im hohen Gras nur der Rücken zu sehen und man sieht nur, dass sie nach Wurzeln gräbt. Die Jungen sind im hohen Gras kaum zu erkennen.

Nach einer halben Stunde ändert sich die Situation schlagartig, denn die Bärin kommt uns entgegen und frisst Beeren an einem größeren Strauch oder niedrigen Baum. Die Kleinen machen es ihr natürlich nach und wir können mit steigendem Wasser näher heranfahren. Es ist unglaublich. Für fast eine halbe Stunde sind wir den Bären sehr nahe und können sogar sehen, wie eines der Kleinen in den Baum klettert und die Beeren frisst. Unglaublich, ich kann gar nicht mehr den Finger vom Auslöser nehmen und bin vollkommen beeindruckt von dieser Begegnung, weil die Bärin auch vollkommen entspannt ist und unsere Anwesenheit ihr egal ist. Sie kommt näher und durchquert vor unserem Boot das Wasser. Die beiden Kleinen folgen. Sie läuft weiter flussaufwärts und wir bleiben zurück. Wir alle sind ganz aus dem Häuschen und von der Begegnung völlig platt. Selbst der erfahrene Tourguide erklärte, dass er noch nie ein Junges in einem Baum klettern gesehen habe.

Wir fahren erst einmal zurück zum Dock, um unseren Mittagssnack zu uns zu nehmen, als unser Guide feststellt, dass sie die Kühlbox mit dem Abfall mitgenommen haben anstelle der mit den Lunchpaketen. Ist mir aber egal, Hauptsache, ich habe die Bären heute perfekt gesehen.

Nach dem Lunch fahren wir nochmals in das Flussdelta hinein. Weil die Flut fast den Höchststand erreicht hat, kommen wir weiter den Fluss hinauf und treffen nochmals auf die Bärin, die wir heute Morgen zuerst gesehen haben, und können sie aus deutlich kürzerer Distanz beobachten, was wir eine ganze Weile machen. Wir setzen das Boot nochmals um und bewegen uns auf die andere Seite, um nochmals nach unserer zweiten Bärin zu schauen, die wir auch nochmals gut sehen können, wenn auch aus deutlich größerer Entfernung.

Dann wird es auch schon wieder Zeit, zurück nach Telegraph Cove zu fahren. In den zwei Stunden auf dem Weg dorthin sehen wir nochmals einen Buckelwal und weitere Seelöwen. Wir machen noch einen Stopp, um die 300 Liter Sprit wieder aufzufüllen, die das Boot auf der Tour verbraucht hat, und erreichen am Nachmittag wieder unseren Ausgangspunkt.

Wir alle gehen mit glücklichen Gesichtern von Bord. Beate und ich fahren nach Port Hardy weiter und beziehen unser Häuschen auf dem Campingplatz, um morgen früh, sehr früh, für die Fähre nach Bella Coola bereit zu sein, um weitere Bären zu beobachten.

Bären Hotspot Bella Coola

44. Tag (06. September 2025)

Es geht sehr früh aus den Federn, denn wir müssen die Fähre nach Bella Coola erreichen. Dazu müssen wir zwei Stunden vor Abfahrt da sein. Die Fahrt wird zehn Stunden dauern. Es ist glücklicherweise nicht weit von der heutigen Unterkunft und so stehen wir pünktlich in der Dunkelheit am Terminal und warten dann auf das Laden. Es ist mal wieder ziemlich nebelig, als wir auf die Fähre dirigiert werden. Ungewöhnlich ist, dass wir uns auf dem Deck umdrehen müssen beim Laden, da die Fähre nur eine Luke hat. Aber das Schiff ist überraschenderweise nicht ausgebucht, was wohl an den Waldbränden und dem Risiko einer gesperrten Straße liegt. Wir haben eigentlich keine Wahl und vertrauen darauf, dass die einzige Verbindungsstraße zurück nach Vancouver passierbar bleibt.

Die ersten Stunden verbringen wir unter Deck und schauen alte Fotos an. Als es aufklart und nur noch tiefhängende Wolken gibt, gehen wir an Deck und schauen uns um. Dabei sehen wir Buckelwale im Fritz-Hugh-Sound. Sogar eine größere Gruppe von geschätzt 8–10 Tieren. Sie sind für gute Fotos aber zu weit entfernt, können sie jedoch trotzdem gut sehen. Wenig später erkennen wir Buckelwale sehr weit voraus, die tatsächlich springen. Als wir dann schließlich auf Höhe der Wale sind, tun sie das leider nicht mehr.

Nach dem Mittagessen und einer Kleinigkeit zu essen lässt sich auch immer mehr die Sonne blicken und es wird zu einer kleinen Kreuzfahrt durch die Insel- und Fjordlandschaft Kanadas. Hinter der Fähre, und damit sich immer weiter entfernend, habe ich noch zwei Buckelwale gesehen, die mit ihren Flossen auf das Wasser eingeschlagen haben, der eine immer mit seiner Schwanzflosse und der andere mit seinen Seitenflossen. So etwas habe ich noch nie gesehen und ich war sehr überrascht. Leider waren sie für Fotos ebenfalls zu weit entfernt.

Je näher wir Bella Coola kommen, desto wolkenloser wird es, aber gleichzeitig nimmt auch der Rauch in der Luft von den vielen Waldbränden so stark zu, dass man die Berge kaum noch sehen kann. Es lässt sich aber erahnen, wie schön dieser Fjord bei klarer Luft sein muss.

Dann kommen wir in Bella Coola an und fahren direkt von der Fähre eine halbe Stunde die Straße rauf zu unserer Unterkunft. Unser Cottage können wir gleich beziehen und wir legen nur kurz unser Gepäck ab, weil wir noch die Aussichtsplattform testen wollen, von der wir morgen Bären im Fluss beobachten wollen. Es ist eine weitere halbe Stunde die Straße rauf. Es ist leicht zu finden und wir können uns auch noch umschauen. Nur waren heute leider noch gar keine Bären zu sehen. Wir unterhalten uns mit dem Ranger und machen noch einen Abstecher zum Fisheries-Pool-Campground, von wo aus man auch Bären beobachten können soll. Auch hier leider heute nicht. Aber wir treffen einen Einheimischen, der uns einen Hinweis auf einen kleinen Bach gibt, den wir morgen mal aufsuchen wollen. Dieser liegt in der anderen Richtung wieder die Straße runter.

In unserem Cottage machen wir uns noch schnell was zu essen und legen uns nach einem langen Tag früh ins Bett.

45. Tag (07. September 2025)

Wir fahren die Straße runter und finden den Saloompt River, halten an einer Brücke und schauen, ob es Bären beim Fischen von Lachs gibt. Als ich den Kofferraum aufmache, stelle ich fest, dass ich den Kamerarucksack in der Unterkunft vergessen habe, obwohl ich extra noch einen Ersatzakku in die Hosentasche gesteckt hatte. Super, ich fahre zurück und hole ihn, Beate bleibt da. Als ich zurückkomme, sind auch noch keine Bären zu sehen, obwohl es jede Menge Lachse im Wasser gibt. Wir warten und gehen den Fluss noch ein Stück hinauf, aber es tut sich nichts.

Deshalb entscheiden wir uns, wieder zur Bärenbeobachtungsplattform zu fahren. Als wir ankommen, wird uns gleich mitgeteilt, dass etwa zehn Minuten zuvor ein Bär den Fluss entlanggelaufen sei, und sie hoffen, dass er wieder zurückkommt. Da es für heute keinen weiteren Plan gibt, bleiben wir und warten. Nach mehr als vier Stunden ist leider immer noch nichts passiert und so entschließen wir uns, nochmals zum Saloompt River zurückzufahren. Aber wieder dieselbe Situation. So fahren wir nach Bella Coola rein und kaufen ein paar Kleinigkeiten im Supermarkt und tanken das Auto voll, da man mal wieder doch viele Kilometer mehr die Straße hoch- und runtergefahren ist, als man gedacht hat.

Dann setzen wir uns noch auf die Terrasse unseres Cottages und genießen das schöne Wetter, nachdem der Wind heute viel vom Rauch der Waldbrände verweht hat und die schönen Berge wieder klarer zu sehen sind.

46. Tag (08. September 2025)

Gestern haben wir noch eine Nachricht erhalten, die uns in Unruhe versetzt hat. Die Straße nach Williams Lake ist gesperrt wegen der Waldbrände. Es ist die einzige Verbindungsstraße zur Außenwelt. So hoffen wir heute, dass die Straße morgen wieder geöffnet wird, wenn wir rausfahren, um unsere Flüge übermorgen zu erreichen.

Da wir am Mittag eine River-Flow-Tour gebucht haben, um Bären am Fluss zu beobachten, fahren wir wieder einmal zur Beobachtungsplattform, da diese in der Nähe des Ausgangspunktes der Tour liegt. Als wir ankommen, sind wir die Ersten dort und es sind keine Bären zu sehen. Wir vertrödeln die Zeit dort und machen uns auf zur Tour. Wir werden mit Schwimmwesten ausgestattet und dürfen dann die Rafts besteigen, die mit bequemen Sitzen ausgestattet sind, da es sich ja nicht um Wildwasser handelt. Wir trieben langsam den Fluss hinunter, die Sonne schien, wir sahen Eisvögel und Gänsesäger, eine Entenart. Unser Tourguide erzählt viel über Bären und deren Lebensweise, sogar einiges, was ich noch nicht gewusst hatte. Aber der Hauptdarsteller lässt sich nicht blicken bis zum Ende der Tour. Etwas enttäuscht fahren wir wieder zur Beobachtungsplattform und versuchen unser Glück dort nochmals.

Währenddessen erhalten wir unterschiedliche Infos über die Straßensperrung, so dass wir uns entscheiden, die zwanzig Kilometer bis zum geschlossenen Gate zu fahren und den Mitarbeiter dort zu fragen. Er hat uns dann gesagt, dass es keine konkrete Aussage gibt. Es besteht aber die Chance, dass morgen früh die Straße mit einem Führungsfahrzeug, welches vorausfährt, zeitweise geöffnet wird. Dies wird aber erst um 6 Uhr morgen früh entschieden werden.

Wieder auf der Beobachtungsplattform zurück, haben wir auch keine große Motivation mehr, nach Bären zu schauen, und so diskutieren wir noch mit den Park-Rangern die Situation. Wobei er die Info hatte, dass die Straße gar nicht so stark betroffen ist von den Feuern, was ihm seine Kollegen erzählt haben, die heute als „Offizielle“ durchfahren durften. Wir sind unschlüssig, da es auch noch die Alternative gibt, morgen wieder mit der Fähre nach Vancouver Island zurückzufahren und so nach Vancouver zu kommen, was natürlich extra kostet und wir auch den Frazer Canyon verpassen würden.

Da wir also noch ein paar Minuten in Diskussion verbrachten, haben wir glücklicherweise noch die Sichtung eines Bären mitbekommen. So bleiben wir, da angenommen wird, dass der Bär den Fluss hinauf in unsere Richtung läuft. Und so ist es auch. Nach knapp einer Stunde ist er vor der Plattform und passiert diese in wenigen Minuten, die uns aber reichen, jede Menge Bilder zu schießen. So haben wir doch noch einen versöhnlichen Abschluss in Bella Coola und konnten einen Bären sichten.

Dann fahren wir tanken, um für alle Eventualitäten gewappnet zu sein, und überlegen uns den Abend über, was wir morgen machen.

47. Tag (09. September 2025)

Gestern Abend wurde auf der Webseite noch die Nachricht veröffentlicht, dass heute Morgen die Straße möglicherweise mit einem Führungsfahrzeug geöffnet wird. Zudem hatten wir gestern noch bei der Fährgesellschaft nach der Möglichkeit angefragt, eventuell noch einen Platz auf der Fähre zu bekommen. So hatten wir heute Morgen zwei Optionen. Wir standen bereits um 4 Uhr auf, packten zusammen und schauten nach dem Update zur Straßensperrung, welches es um 5 Uhr hätte geben sollen. Leider war dem nicht so und wir entschieden uns, zur Sicherheit erst einmal unser Glück am Fährterminal zu probieren, da die Fähre nur heute und dann erst wieder in drei Tagen fährt. Auf dem Weg zur Fähre haben wir weiter die Straßensituation online im Auge behalten, aber es gab noch keine neuen Informationen und wir mussten auch zur gleichen Zeit am Fährterminal sein, um als Standby noch eine Chance zu haben.

So standen wir am Terminal und uns wurde mitgeteilt, dass die Chance, mit der Fähre mitzukommen, nicht schlecht stehe und wir deshalb registriert würden. Als es dann klar wurde, dass wir mitkönnen, waren wir erst einmal erleichtert, weil damit sichergestellt war, dass wir übermorgen unsere Heimflüge erreichen werden und nicht in Kanada stranden. Wenig später kam dann online wiederum die Nachricht, dass die Straße für drei Stunden geöffnet wird. Aber jetzt hatten wir uns schon für die sichere und teurere Variante entschieden und somit sind wir nun mit der Fähre wieder auf dem Weg nach Port Hardy auf Vancouver Island.

D. h., heute und morgen müssen wir umdisponieren und uns noch eine Unterkunft auf der Insel suchen, was aber kein Problem sein wird, da die Ferien in Kanada vorüber sind und die Saison zu Ende geht. Jetzt genießen wir erst einmal unsere zehn Stunden Fährfahrt. Bei klarer Sicht können wir nun auch den Fjord richtig gut sehen, im Gegensatz zur Hinfahrt, als alles in Rauch gehüllt war. Die Fahrt selbst verläuft ruhig und ich lege mich sogar für zwei Stunden aufs Ohr. Wale sind heute weniger zu sehen als bei der Hinfahrt. Dafür kommen wir eine halbe Stunde früher in Port Hardy an, was uns zeitlich guttut, da wir noch rund 250 Kilometer nach Campbell River fahren werden, damit wir morgen die Fähre nach Vancouver früher erreichen können.

Es ist bereits wieder dunkel, als wir ankommen, wie auch beim letzten Mal in Campbell River. Es scheinen sich Sachen zu wiederholen. Wir checken noch in einem Hotel ein und somit geht ein aufregender Tag zu Ende, an dem wir es geschafft haben, aus Bella Coola rauszukommen und unsere Flüge nach Europa übermorgen pünktlich zu erreichen.

48. Tag (10. September 2025)

Wir fahren die letzten 200 Kilometer auf der Insel, um das Fährterminal in Nanaimo zu erreichen und die Fähre nach Vancouver zu erwischen. Gestern Abend waren wir uns unschlüssig, zu welcher Uhrzeit wir die Fähre nehmen sollten, und hatten entschieden, kein Ticket online zu buchen. Heute Morgen wollten wir dies nachholen, als wir losfuhren. Die Onlinebuchung ist aus irgendwelchen Gründen fehlgeschlagen und wenig später wurde dann angezeigt, dass die gewünschte Fähre ausgebucht ist. Toll! Wir fahren aber trotzdem zum Terminal und nehmen dann zur Not eine spätere Fähre. Die Fahrt an sich ist nur den Highway hinunter. Als wir am Terminal ankommen, geht alles ganz schnell und wir bekommen doch noch ein Ticket, weil ein gewisses Kontingent für nicht online gebuchte zur Verfügung steht. Zum Glück. Wir sind also wie geplant in Vancouver angekommen, stellen das Auto auf dem Hotelparkplatz ab, lagern unser Gepäck ein und machen uns zu Fuß auf nach Granville Island und schauen uns um. Ich spreche nochmals mit der Fotografin, die mir den Tipp des Bonsai Trees gegeben hat, und wir plaudern noch ein bisschen. Zum Abschluss gehen wir noch ein wenig den Seaside Walkway entlang, bevor wir wieder ins Hotel zurückgehen, um uns fertigzumachen zum Abendessen.

49. Tag (11. September 2025)

Wir packen endgültig zusammen. Beate lagert noch ihr Gepäck im Hotel ein, da sie heute einen deutlich späteren Flug hat als ich, und dann fahren wir gemeinsam los. Am Botanischen Garten, den sie sich noch anschauen will, setzte ich sie ab und wir verabschieden uns, bevor ich mich endgültig auf den Weg zum Flughafen mache. Dort gebe ich das Auto problemlos ab und gehe zum Terminal. Check-in und die Sicherheit laufen entspannt. Ich gehe noch was essen und warte dann auf meinen Abflug nach Frankfurt.

50. Tag (12. September 2025)

Der Flug verlief ebenfalls entspannt, aber kaum in Frankfurt gelandet, fährt das Flugzeug erst mal 20 Minuten bis zum Gate, dann latscht man sich einen Wolf und darf zur Belohnung noch ‘ne Stunde aufs Gepäck warten. Die Zugverbindung hat dann geklappt und ich war gegen Mittag müde zu Hause.