Es ist bewölkter Himmel, aber es scheint so, als ob es aufklart, als ich mich auf den Weg mache. Ich fahre mit der Metro und der Straßenbahn nach Belém. Als ich aussteige, scheint die Sonne, aber der Torre de Belém ist eingerüstet und man sieht nicht viel davon. Gleich nebenan liegt das Denkmal für die Veteranen der Kolonialkriege, welche Portugal bis in die Siebzigerjahre geführt hat. Es ist gerade Wachablösung, als ich vorbeikomme.
Ich gehe am Ufer entlang und komme am Leuchtturm und gleich danach an dem bekannten Denkmal der Entdeckungen vorbei. Es ist einen Blick wert und ich mache auch ein paar Fotos, aber hinein oder auf die Aussichtsterrasse gehe ich nicht.
Ich wende mich dem berühmten Hieronymitenkloster zu, dessen Besucherschlangen ich bereits aus der daran vorbeifahrenden Straßenbahn gesehen habe. Es ist eines der bedeutendsten Bauwerke der portugiesischen Variante der Spätgotik und hat das schwere Erdbeben von 1755 überstanden. Ich frage mal nach, ob es noch Tickets gibt. Und tatsächlich bekomme ich noch eines für den Einlass in etwa einer halben Stunde. Diese nutzte ich, um schnell was essen zu gehen und gleichzeitig den vorüberziehenden Regenschauer im Trockenen zu verbringen. Als ich mich in die Warteschlange einreihe, vergeht doch noch mehr als eine halbe Stunde, bis ich reingehen darf. Außen schaue ich währenddessen auf die reich verzierte Kalksteinfassade, die von der Sonne angeleuchtet wird, während sich dahinter dunkle Regenwolken türmen. Eine beeindruckende Kulisse.
Zuerst steige ich einen schlossähnlichen Treppenaufgang hinauf und betrete anschließend den Kreuzgang des Innenhofes im oberen Stock. Ich muss schon sagen, dass der Anblick wirklich sehr imposant ist und von herausragender Baukunst zeugt. Der Rundweg führt dann in den Kreuzgang des Erdgeschosses, von dem aus man das Refektorium betreten kann. Im Anschluss besuche ich auch noch die Klosterkirche, welche aber innen fast zur Hälfte mit Gerüsten verbaut ist. Deshalb halte ich mich nicht allzu lange auf und werfe beim Hinausgehen noch einen Blick auf das Grab Vasco da Gamas.
Danach möchte ich noch auf die Aussichtsplattform der großen Hängebrücke gehen, die sich auf Pfeiler 7 befindet. Als ich dort ankomme und ein Ticket kaufen möchte, wird darauf hingewiesen, dass der Aufzug kaputt sei und man die Treppen nehmen könnte. Irgendwie passt es zu dem Eindruck, den ich von der Stadt erhalte. Sie erscheint nicht wirklich gepflegt. Viele beschädigte Dinge werden scheinbar nicht repariert. Obdachlose und Bettler gibt es augenscheinlich viele und in vielen Ecken sieht man Müll und Unrat.
Nun ja, dann nehme ich eben die Treppe und als ich schließlich oben ankomme, bin ich etwas enttäuscht, weil der Ausblick doch recht dürftig ist und zudem schaut man nur durch verschmutzte Scheiben. So gehe ich wieder runter und entscheide mich, mit der Metro zurückzufahren, noch ein wenig durch das ehemalige EXPO-Gelände bei mir um die Ecke zu schlendern und noch mit der dortigen Seilbahn zu fahren. Dann wird es auch bereits dunkel und ich gehe in die Wohnung zurück. Es ist eben doch schon fast November und die Tage sind merklich kürzer.