2025 Iberische Halbinsel

Der Süden Spaniens und Gibraltar

1. Tag (21. September 2025)

Ich bin mit dem eigenen Auto unterwegs und sehr früh aufgebrochen, um nach Südfrankreich zu fahren, besser gesagt nach Béziers. Aber gleich nachdem ich losgefahren bin, gibt es bereits eine Sperrung der Autobahn, so dass ich gleich mal eine Umleitung fahren muss. Auch später ist die Rheintalautobahn gesperrt, was ich rechtzeitig mitbekomme, so dass ich auf die französische Seite wechseln kann, um nicht davon betroffen zu sein. Ich komme trotzdem gut voran und erreiche Lyon noch ohne Regen, danach aber hört es nicht mehr wirklich auf, bis ich fast am Mittelmeer bin. Ich nehme nicht die klassische Route, sondern fahre nach Clermont-Ferrand rüber und nehme die La-Méridienne-Strecke quer durch das Herz Frankreichs. Ich wollte die spektakuläre Landschaft genießen, durch die sich die Autobahn in zahlreichen Kurven schlängelt, aber durch den Regen ist leider von der Landschaft nicht viel zu sehen und auf den höchsten Höhen des Massif Central herrscht Nebel.

Aber als ich in Millau ankomme, hat der Regen aufgehört und die Wolken sind ausreichend hoch, so dass ich mir das berühmte Viadukt von Millau anschauen kann. Es ist die größte Brücke der Welt. Mit einer Länge von 2.500 m, einer Fahrbahnhöhe von bis zu 270 m und Pylonen, die eine Höhe von bis zu 343 m erreichen, stellt sie alle anderen Brücken seit nun zwanzig Jahren in den Schatten. Ich fahre die Ausfahrt nach Millau ab und hinunter ins Tal, um den ersten Eindruck zu bekommen. Von Millau aus ist die Brücke nicht wirklich zu sehen, da sie sich hinter einer Talbiegung befindet. So steuere ich zuerst Peyre an, ein mittelalterliches Dorf, von dem aus man 5 der 7 Pylonen sehen kann. Als ich die Brücke dort zum ersten Mal sehe, bin ich schwer beeindruckt. Sie ist einfach nur riesig, wirkt aber erstaunlich leicht, obwohl die Pylonen massiv sind, als ich mich später direkt neben ihnen befand.

Ich steuere verschiedene Aussichtspunkte an. Direkt unter der Brücke ist deren gigantische Höhe kaum zu erfassen. Besser wird es, als ich auf eine Anhöhe gefahren bin, die sich etwa in der halben Höhe befand. Aber es ist nicht nur die Höhe, sondern auch die Länge. Selbst als ich dann wieder auf die Autobahn bin, um drüberzufahren, hatte ich fast den Eindruck, sie endet gar nicht, weil immer noch ein Pylon voraus war.

Als ich schließlich nach einer weiteren guten Stunde in Béziers angekommen bin, war es mal wieder ein langer Tag auf Reisen, so dass ich nach dem Einchecken im Hotel nur noch was essen gegangen bin.

2. Tag (22. September 2025)

Gleich nach dem Frühstück nutzte ich noch die Zeit zum Sightseeing hier in Béziers, da ich natürlich noch was von der Stadt sehen möchte. Zuerst ein kurzer Blick in die Altstadt, da ich sowieso durchlaufen musste auf dem Weg zur Pont Vieux, die sich dann sehr schön im Morgenlicht präsentiert hat, mit der Kathedrale Saint-Nazaire von Béziers im Hintergrund. Als ich dort bin, entschließe ich mich, zu Fuß zur historischen Schleusentreppe Fonseranes zu gehen und diese zu besichtigen. Der Kanal mit seinen Schleusen ist beachtlich, weil er natürlich bereits vierhundert Jahre alt ist. Man glaubt es kaum, was bereits im 17. Jahrhundert gebaut werden konnte. Auf dem Rückweg in die Stadt folge ich dem jüngeren Canal du Midi, der mich direkt zur Kanalbrücke über den Fluss Orb führt. D. h., hier haben sie bereits vor rund zweihundert Jahren ein Wasserstraßenkreuz gebaut. Es ist faszinierend, diese technische Leistung heute noch funktionstüchtig sehen zu können.

Nachdem ich die Kanalbrücke ausführlich fotografiert hatte, ging ich weiter zu den anderen Brücken, die den Orb überspannten. Die Eisenbahnbrücke und auch die Pont Neuf schaue ich mir an, dann wechsle ich nochmals auf die andere Flussseite und gehe über die Pont-Vieux wieder in die Altstadt zurück, um noch einen Abstecher zur Kathedrale zu machen. Diese ist vor allem innen sehr sehenswert. Doch schließlich schreitet die Zeit voran und ich gehe zum Hotel zurück und steige ins Auto, um nach Barcelona zu fahren.

Dort angekommen kann ich bereits am Nachmittag ins Hotel einchecken, welches mitten in der Stadt liegt. Das Auto fahre ich anschließend in das von mir bereits im Vorfeld reservierte Parkhaus und stelle dabei fest, dass es sich direkt am Plaza Espanya befindet und sich das Katalanische Kunstmuseum dort direkt in der Nachbarschaft befindet. Somit gehe ich nicht ins Hotel zurück, sondern starte umgehend mein Besichtigungsprogramm, welches mich spontan auch noch zum alten Olympiagelände und dessen Gebäude führt. Obwohl die Spiele schon über dreißig Jahre her sind, beeindrucken das Gelände und die Architektur auch noch heute. Ich verbringe dort eine ganze Zeit und gehe erst gegen Abend wieder zurück zur Plaza Espanya. Ich fahre mit dem Aufzug kurz zur Aussichtsplattform der Arenas de Barcelona hoch, aber es hat sich nicht wirklich gelohnt, zumal ich erst beim Hinunterfahren festgestellt habe, dass man innen in der Shopping-Mall kostenlos auf die Plattform kommt, während man den Außenlift bezahlen muss.

Als ich wieder auf der Straße bin, bemerke ich, dass der Springbrunnen de Montjuïc, der Zauberbrunnen, plötzlich Wasser speit. Er war seit 2022 abgeschaltet, aufgrund der Dürre und anschließender Sanierung. Er soll Ende des Monats wieder in Betrieb gehen. Deshalb ist dies wohl ein unerwarteter Probebetrieb. Ich marschiere gleich los, um diesen fantastischen Brunnen betrachten zu können und natürlich auch noch ein paar Bilder zu machen.

Dann bin ich aber wirklich genug heute gelaufen und ich mache mich auf den Rückweg zum Hotel. Dort haben sie mich umquartiert, weil ich doch ein kleines Einzelzimmer bekomme und sie mir fälschlicherweise ein Doppelzimmer gegeben haben. Aber kein Problem. Zum Essen gehe ich keine zehn Schritte gleich gegenüber in ein exzellentes peruanisches Restaurant.

3. Tag (23. September 2025)

Ich bin früh dran, als ich mich auf den Weg zur Sagrada Familia mache, denn ich möchte noch das Morgenlicht nutzen. Ein paar Stationen mit der Metro und ich bin schon da. Es ist ein imposantes Bauwerk, wenn man aus der Metrostation an die Oberfläche kommt und es zum ersten Mal zu Gesicht bekommt. Ich gehe gleich an die östliche Fassade, welche als erste noch zu Lebzeiten Gaudís gebaut wurde. Ich begebe mich in den Park des Plaça de Gaudí, um möglichst eine gute Position zum Fotografieren zu finden. Dann gehe ich um das Bauwerk herum, um mir auch die andere Seite anzuschauen. Dabei versuche ich noch, herauszufinden, ob es noch eine Möglichkeit gibt, an Tickets für das Innere zu kommen, nachdem ich es verschwitzt hatte, vor Wochen ein Online-Ticket zu buchen. Überall sind nur Hinweise auf Online-Tickets zu sehen und ein Tickethäuschen ist noch nicht offen. Ich habe mich bereits damit abgefunden, keinen Blick hineinwerfen zu können, aber gerade als ich gehen wollte, hat das Tickethäuschen geöffnet und als ich nachfrage, erhalte ich noch ein Ticket für übermorgen Abend, meinen letzten vollen Tag in Barcelona.

Dann mache ich mich auf den Weg zur Casa Batlló, einem Wohnhaus, welches von Gaudí im Auftrag der Familie Batlló gestaltet wurde. Von der Metrostation gehe ich zu Fuß, komme dabei noch an der Casa Mila vorbei, welche Gaudí ebenfalls in Auftrag nach der Casa Battló entworfen hat. Da die Eintrittsgelder hierfür recht hoch sind, verzichte ich drauf, hineinzugehen, und beschränke mich auf die Casa Batlló, die ich wenig später die Straße runter erreiche. Ich bekomme noch ein Ticket für die gerade anstehende Tour um 9:00 Uhr. Es sind noch relativ wenig Touristen da. Es handelt sich um eine audioguidegeführte Tour, sodass man sich nach seinem zeitlichen Bedürfnis das Haus anschauen konnte.

Als ich das Haus betreten habe, komme ich aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. So umwerfend ist die Architektur und vor allem auch die Innenarchitektur, die meines Erachtens das Äußere des Hauses noch weit in den Schatten stellt. Das Design ist so umfassend und detailreich, dass man es gar nicht innerhalb einer Stunde erfassen kann. Es reicht von der Gestaltung der Treppen, Türen, Fenster und Beleuchtung bis zur detailreichen Wandgestaltung und dem speziellen Design der Möbel, inklusive der modernsten technischen Einrichtungen der damaligen Zeit. Auf dem Dachboden kann man bereits die charakteristischen Bögen sehen, mit denen Gaudí später in viel größerem Maßstab an der Sagrada Familia gearbeitet hat.

Nach mehr als einer Stunde komme ich wieder fasziniert auf die Straße zurück, die sich nun mit zahlreichen Touristen gefüllt hat, die alle die Casa Batlló sehen wollen.

Über den Mittag gehe ich schnell noch ins Hotel zurück, um meine Souvenirs abzulegen, die Fotobatterie zu tauschen und etwas zu trinken, bevor ich wieder losziehe, um den Gaudí-Tag heute mit dem Besuch des Park Guell zu vervollständigen. Ich steige eine Station später aus als üblich für den Park, denn man muss den Hügel hinauflaufen. Von der Station Vallcarca ist das zwar auch der Fall, aber in der Straße mit den Treppen wurden auch Rolltreppen installiert, so dass ich doch recht bequem zum Park komme. Leider habe ich noch kein Ticket, welches man natürlich nur online buchen kann. So mühe ich mich eine Viertelstunde mit meinem Smartphone ab, um dann endlich in den Park zu kommen. Es ist eine weitläufige Parkanlage, welche von Gaudí gestaltet wurde, um ca. 60 Villen von reichen Bürgern zu beherbergen. Aber das Vorhaben scheiterte und deshalb sind nur drei Häuser gebaut worden. Das des Auftraggebers Guell, Gaudís Haus und das eines befreundeten Architekten.

Jedoch sind die Pförtnerhäuser im typischen Gaudí-Stil und auch die monumentale Terrassenanlage realisiert worden und heute zu besichtigen und zu bewundern. Eine Straße, die zu den Anwesen hätte führen sollen, wurde ebenfalls fertiggestellt und wird an vielen Stellen von Säulen im Gaudí-Stil getragen. Es gibt also doch vieles zu sehen auf dem weitläufigen Areal, wofür ich mir den ganzen Nachmittag Zeit nehme.

Ziemlich müde und von den vielen Gaudi-Eindrücken geplättet fahre ich mit der Metro ins Hotel zurück und beschließe den Tag.

4. Tag (24. September 2025)

Mit der Metro fahre ich zur Plaça de Catalunya, um mir das Gotic-Viertel anzuschauen, in dem sich auch die Einkaufsstraße Rambla befindet. Es ist noch recht früh und die Straßen sind noch fast menschenleer. Ich gehe trotzdem mal los und will den Markt besuchen, der schon um 8:00 Uhr öffnet, aber ich stehe eine Stunde später noch vor verschlossenen Gittern. Irgendwas scheint heute anders zu sein. Ich mache mir nichts daraus und schlendere durch die schmalen Gassen, in die noch kein morgendliches Licht fällt. Ich komme zuerst an der Basílica de Santa Maria del Pi vorbei, die aber nicht wirklich sehenswert ist. Gleich danach mache ich einen kurzen Stopp in einem Café und nehme einen Kaffee und ein belegtes Brötchen zum Frühstück.

Im Anschluss erreiche ich die Catedral de Barcelona aus dem 13. Jh., die sehr sehenswert ist und vor allem innen durch ihre Mächtigkeit sehr beeindruckt. Obwohl sehr groß, entfaltet sie durch die enge Stadtbebauung wenig Wirkung. Vor der Kathedrale ist eine Musikbühne aufgebaut und wie ich gleich darauf dann auf der Plaça de Sant Jaume mitbekomme, wird heute das Mercè-Fest gefeiert. Es ist das größte Stadtfest Barcelonas und bietet zahlreiche Veranstaltungen in der Stadt. Hier auf dem Platz findet eine Prozession der feuerspeienden Drachen und eine Parade von Riesenfiguren statt. Auch sind traditionelle menschliche Türme, Castellers genannt, zu sehen. Mein persönlicher Höhepunkt sind die zahlreichen Schützen mit ihren großkalibrigen Vorderladern, die durch die engen Gassen ziehen und dabei Böller abfeuern. Die Schüsse sind derartig laut, dass selbst ich mir die Ohren zuhalte und manchmal kurz zucke, wenn ein Schuss unerwartet stattfindet. Wenn die geschätzt dreißig Schützen gefeuert haben, riecht es sehr nach Pulverdampf, der durch die Gassen zieht.

Dann gehe ich wieder weiter und überlasse den heranströmenden Menschen das Fest und den Auftritt. Ich mache mich auf den Weg zum Hafen und komme dabei am Kolumbus-Denkmal vorbei. Am Wasser setze ich mich erst einmal in eine Bar und genieße ein kühles Getränk mit Blick auf die zahlreichen Superjachten, die hier vor Anker liegen. Ich gehe hinüber zum Strand, werfe einen kurzen Blick darauf und entscheide mich dann spontan, mit der Hafenseilbahn zum Montjuïc hinüberzufahren. Von der Gondel aus ist die Aussicht auf die Stadt hervorragend und man hat wohl den besten Blick über die gesamte Stadt. Am Montjuïc angekommen, steige ich noch zur Festung hinauf, die heute aufgrund des Festes freien Eintritt bietet. So verbringe ich dort oben noch eine ganze Zeit und genieße das herrliche Wetter und den Blick über die Stadt, bevor ich mit dem Bus zur Plaça d’Espanya hinunterfahre und noch schnell was essen gehe. Anschließend kläre ich noch ein paar Dinge im Hotel und mache mich dann nochmals auf in die Stadt, um zu fotografieren und vielleicht auch noch was vom Fest mitzubekommen.

So fahre ich zuerst natürlich wieder einmal zur Sagrada Familia, um das Abendlicht auszunutzen. Da sehe ich, dass eine Türe offensteht und Leute hineingehen. Ich frage kurz und mir wird mitgeteilt, dass man heute am Mercè-Fest die Krypta der Kathedrale für religiöse Zwecke betreten kann. Das nehme ich wahr und gehe hinein. Eine recht klassische gotische Räumlichkeit, die man so in der Sagrada Familia gar nicht erwartet. Aber es ist trotzdem ergreifend, dort zu sein und die Vorbereitungen zu einem Gottesdienst mitzuerleben. Bevor der Gottesdienst beginnt, verlasse ich die Krypta wieder und schaue mir die Kathedrale von außen an. Dabei wird mir klar, welche Elemente der Kirche noch gebaut werden müssen. Es ist nicht nur der größte Turm, der noch vollendet werden muss, sondern vor allem noch das Hauptportal der Kirche mit weiteren vier Türmen der Apostel. Dabei gibt es jedoch noch das Problem, dass für die geplante große Freitreppe zum Hauptportal gar keine Fläche mehr zur Verfügung steht. Es müsste auf der gegenüberliegenden Straßenseite mindestens ein Wohnblock abgerissen werden. Da bin ich ja mal gespannt, wie die darüber entscheiden in Zukunft. Aber ich denke, durch die überragende Bedeutung der Sagrada Familia wird man über kurz oder lang den Wohnblock abreißen und die Straße verlegen. Aber das werden die kommenden Jahrzehnte erst zeigen.

Im Anschluss bin ich erneut zur Casa Batlló und Casa Milà gefahren, um dort zur blauen Stunde zu fotografieren. Dann habe ich den Abend bei einem Bier während eines Konzerts auf der Plaça de Catalunya ausklingen lassen.

5. Tag (25. September 2025)

Es war Regen angekündigt, der aber nicht eingesetzt hat, denn es blieb heiter bis wolkig. Ich bin wieder ins Gotic-Viertel gefahren und werde die Märkte dort besuchen. Ich finde es immer wieder aufregend, durch solche Märkte zu gehen und zu sehen, wie Waren in den verschiedenen Ländern verkauft werden. Ich verbringe fast den ganzen Vormittag damit. Dann schlendere ich noch weiter durch das Viertel, besuche noch den Triumphbogen und den Parc de la Ciutadella, an dem sich auch das katalanische Parlamentsgebäude befindet. Ich setze mich auf eine Parkbank und schaue einfach den Vögeln zu, die sich am Teich des Parks tummeln. Es sind auch zahlreiche grüne Papageien zu sehen, die sehr zutraulich sind, weil sie gefüttert werden.

Dann schlendere ich noch weiter durch die Gassen, um ein wenig die Zeit totzuschlagen, denn für 18:00 Uhr habe ich ein Ticket zur Besichtigung der Sagrada Familia. Ich fahre rechtzeitig mit der Metro hin und verbringe noch eine Zeit vor der Kathedrale. Schließlich bin auch ich an der Reihe. Am Eingang wird man gefilzt wie am Flughafen, kaum zu glauben, nur um eine Kirche zu betreten.

Zunächst muss ich mir erst einmal die Sagrada-Familia-App auf sein Smartphone runterladen, um überhaupt einen Audioguide zu erhalten, für den man ja bezahlt hat. Nun ja, der Tourist ist eben eine Melkkuh, mit der man es ja machen kann. Zuerst einmal gibt es ein paar Erklärungen im Außenbereich, aber wenn man dann das Innere der Kathedrale betritt, bleibt einem die Spucke weg. Man kann es kaum beschreiben und mit keiner anderen Kirche oder Moschee vergleichen. Diese Architektur ist absolut einmalig. Die beiden Seitenschiffe haben bereits eine enorme Höhe von dreißig Metern und das Hauptschiff eine gewaltige Höhe von fünfundvierzig Metern. Die bunten Kirchenfenster sind atemberaubend, besonders jetzt am Abend, wenn die Sonne direkt hineinscheint. Die Säulen sind für ihre Höhe enorm schlank gestaltet und ähneln Baumstrukturen, deren Äste sich oben hin immer mehr verästeln. Es lässt einem den Atem stocken, wenn man sich dies anschaut.

Nach einer Weile bekomme ich Rückenschmerzen vom ständigen Nach-oben-Schauen. Es sind viele Menschen in der Kirche und es ist leider nicht so ruhig, wie es dem Ort wohl gebühren würde, aber ich verbringe auch mehr als eine Stunde drin, bevor ich mir noch die Sakristei und auch das Museum im Untergeschoss anschaue, in dem erläutert wird, wie die Kirche entworfen wurde und sich zwischen dem ersten und dem endgültigen Entwurf verändert hat. Zudem ist auch die Modellwerkstatt zu sehen, in der die Modelle im Maßstab hergestellt wurden und werden, um die einzelnen Elemente des Gebäudes darzustellen. Die Technik und auch das berühmte Hängemodell, mit dem Gaudí die Bogenform entwickelte, wurden von ihm für diesen Bau erstmalig eingesetzt.

So bin ich nach rund zwei Stunden wieder auf der Straße und kann meine Eindrücke gar nicht richtig fassen. Ich werde wohl erst meine Bilder anschauen müssen.

Dann wird es aber auch Zeit, um was essen zu gehen und wieder zusammenzupacken, da ich ja morgen die Stadt verlassen werde.

6. Tag (26. September 2025)

Um dem morgendlichen Verkehr zu entgehen, hole ich das Auto bereits vor 8:00 Uhr aus dem Parkhaus, fahre zum Hotel, um mein Gepäck einzuladen, und verlasse die Stadt vor dem Berufsverkehr. Somit habe ich den ganzen Tag, um Valencia zu erreichen. Ich nutze die Zeit, um mir noch das Ebro-Delta, das Delta des größten spanischen Flusses, anzuschauen. Es ist bemerkenswert, hier in Spanien Reisfelder zu sehen, die man hier nicht erwartet. Aber das Delta ist hauptsächlich für seine Vogelwelt bekannt. So mache ich mich auf die Suche nach den Vögeln, die sich heute hauptsächlich auf den abgeernteten Reisfeldern tummeln. So sehe ich doch viele Ibisse, Reiher und auch einige Flamingos, die jedoch nicht solch eine intensive Rotfärbung haben, wie man dies vielleicht erwartet.

Am Nachmittag mache ich mich auf und fahre noch die restlichen zwei Stunden nach Valencia. Am Hotel angekommen gibt es wie erwartet keine Parkplätze, die frei wären, und auch keine Möglichkeit, mal kurz anzuhalten. Deshalb fahre ich um das Gebäude herum und sehe eine Zufahrt zur Hotelgarage. Ich glaube, ich kann bereits einfahren. Das Gate geht auch auf und ich fahre die sehr schmale Rampe hinunter. Unten klingele ich vor dem Tor. Die Stimme aus dem Lautsprecher sagt mir, dass ich in der falschen Garage sei, und lässt mich stehen. Ich muss also rückwärts wieder die Rampe rauf. Die Sensoren piepsen wie verrückt und ich komme ohne Kratzer rückwärts wieder rauf. Ich lasse das Auto nun einfach dort stehen und gehe erst einmal zur Rezeption. Beim Einchecken wird mir gesagt, dass ich die richtige Parkgarage hatte, aber auf den falschen Klingelknopf gedrückt habe, da die Garage mit einem anderen Hotel geteilt wird. Also fahre ich wieder die Rampe hinunter, drücke den richtigen Klingelknopf und das Tor geht auf. Als ich einfahre, bleibt mir ein bisschen die Luft weg. Ich war noch nie in solch einer engen Tiefgarage wie dieser. Es geht hier um jeden Zentimeter und wer ohne Schrammen hier rein- und wieder rauskommt, kennt die Abmessungen seines Autos sehr genau. Bin froh, als ich im zweiten Untergeschoss das Auto endlich stehen habe. Zum Glück habe ich ein kleines Auto!

Das Hotel habe ich extra in der Nähe der architektonisch herausragenden „Stadt der Künste und Wissenschaften“ gewählt, sodass ich in wenigen Schritten dort bin, um Bilder in der Abendsonne zu schießen. Es sind wirklich beeindruckende Gebäude und die gesamte Anlage ist architektonisch herausragend. Man weiß gar nicht, welches Gebäude und welche Details man zuerst fotografieren soll.

7. Tag (27. September 2025)

Zur blauen Stunde bin ich heute Morgen wieder am Start, um Bilder zu schießen. Erst danach gehe ich zum Frühstück und besuche anschließend die Altstadt von Valencia. Ich fahre mit dem Bus rein, dessen Haltestelle hier direkt vor dem Hotel liegt. Ich steige am Nordbahnhof aus und bin damit gleich mittendrin. Rechts daneben befindet sich die Stierkampfarena, welche jedoch nur von außen zu betrachten ist. Nachdem ich mich orientiert habe, schlendere ich in die Altstadt hinein. Als Erstes zur Plaza del Ayuntamiento, an der das Rathaus und viele weitere prächtige Gebäude stehen.

Als Nächstes geht es durch die schmäleren Gassen zum Mercat Central, dem zentralen Lebensmittelmarkt in Valencia, den man gesehen haben muss. Ich nehme an, weil heute Samstag ist, ist besonders viel los, denn es sind viele Leute zu sehen, die einkaufen, sodass die Touristen, die bloß zum Fotografieren da sind, gar nicht so auffallen. Die Markthalle selbst ist bereits sehr sehenswert, da es sich um einen alten historischen Bau im Jugendstil handelt, der farbenfroh gefliest und mit einer mächtigen Kuppel ausgestattet ist. Es herrscht geschäftiges Treiben und an den zahlreichen Ständen für Obst, Gemüse, Fleisch, Wurst, Käse, Gewürze, Fisch und noch vieles andere ergeben sich einige Schnappschüsse für mich. So verbringe ich eine ganze Zeit darin und es gefällt mir immer wieder, mich auf solchen Märkten aufzuhalten.

Gleich nebenan befindet sich das aus dem 14. Jh. stammende Gebäude der alten Seidenbörse mit seiner bedeutenden profanen gotischen Architektur. Innen besticht der Vertragssaal mit seinen Säulen für einen nichtkirchlichen Bau besonders. In der oberen Etage befindet sich ein Verhandlungsraum des ersten Seehandelsgerichts Spaniens mit einer beeindruckend reich verzierten Decke und inklusive der ursprünglichen Einrichtung.

Dann schlendere ich weiter durch die Gassen und erreiche die Kathedrale von Valencia. Es ist ein bedeutender Kirchenbau aus dem 13. Jh., aber als ich sehe, dass es wieder Eintritt kostet, habe ich auf einen Besuch im Inneren verzichtet, denn die gotischen Bauten gleichen sich dann doch in etwa. Ich schweife weiter durch die Altstadt und entdecke noch die Placa Redona, ein Kleinod im Aufbau mit einem Brunnen in der Mitte.

Danach mache ich mich auf den Rückweg ins Hotel, aber nicht ohne das große Stadttor, die Torres dels Serrans, zu besteigen und einen Blick über die Altstadt zu nehmen. Im Anschluss gehe ich durch den Jardín del Turia, einen Park, der sich fast durch die ganze Stadt hindurchzieht, zurück. Es ist das ehemalige Flussbett des Turia, dessen Verlauf im letzten Jahrhundert verlegt wurde und in dem sich nun der Park befindet.

Im Hotel entspanne ich erst einmal ein wenig, bevor ich mich zur blauen Stunde wieder auf den Weg mache, Architektur zu fotografieren. Irgendwann muss es ja mal klappen.

8. Tag (28. September 2025)

Ich besuchte das Oceanográfico, das größte Aquarium Europas, und bin gleich zur Öffnung um 10:00 Uhr am Eingang. Nach der Ticketkontrolle begebe ich mich gleich zu den Belugawalen, meinem Hauptgrund für den Besuch hier, die ich im Arktischen Ozean nur sehr kurz und einmalig gesehen habe. Hier leben vier Tiere, wobei zwei davon erst letztes Jahr aus Charkiw evakuiert wurden. Hier scheinen sie sich wohlzufühlen, denn alle schwimmen zusammen durch das recht große Becken und können durch eine riesige Glasscheibe unter Wasser gut gesehen werden. Es sind noch recht wenige Leute in diesem Teil des Parks, so dass ich die Tiere ausführlich ohne weitere Mitbesucher beobachten kann. Die Tiere werden bis zu fünf Meter lang und eineinhalb Tonnen schwer, und doch bewegen sie sich unbeschwert und leicht im Wasser.

Nachdem ich das Aquarium verlassen habe, schlendere ich noch so umher und begebe mich frühzeitig zur Delfin-Show ins Delfinarium. Die Show ist sehenswert und es ist immer wieder erstaunlich, mit welcher Geschwindigkeit sich die Tiere bewegen können. Auch die enorme Höhe, wenn sie aus dem Wasser springen. Es sind rund zehn Tiere am Showprogramm beteiligt, das rund eine halbe Stunde dauert. Danach fluten die Zuschauer in die anderen Aquarien, wobei ich mir als Nächstes die Haie, Rochen und auch Schildkröten anschaue. Hier gibt es überdies hinaus noch einen Tunnel, durch den man hindurchlaufen kann und in dem die Tiere über einem schwimmen. Dann mache ich einen Besuch beim Aquarium für die tropischen Fische. Auch hier kann man durch einen Tunnel unter den Fischen hindurchgehen. Zudem gibt es noch Becken mit unterschiedlichen Quallen. Diese drei Aquarien waren für mich die sehenswerten Highlights. Die Krokodile, Seelöwen, Flamingos, Landschildkröten, Vögel und weiteres habe ich nur am Rande angeschaut, obwohl diese sicherlich auch mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt hätten.

Den Nachmittag verbringe ich am Strand, wo ich mich recht schnell in ein Restaurant setze, um meine erste Sangria zu trinken und die Sonne und Wärme zu genießen.

9. Tag (29. September 2025)

Gestern glaubte ich noch, es wäre eine enge Garage in Valencia gewesen, aus der ich mich heute Morgen herauskurbelte. Nach fünf Stunden Fahrt habe ich es bereut, ein Hotel in der Altstadt von Granada gebucht zu haben. Schon allein den Weg dorthin zu finden, war eine Herausforderung, denn er führte mitten hinein in die Altstadt. In die gesperrten Bereiche dürfen nur Taxis, Busse und Fahrzeuge von Hotelgästen einfahren. Dort war es so eng, dass selbst ein kurzes Halten nicht möglich war, um sich zu orientieren. So musste ich das Hotel auf Anhieb finden, ansonsten wäre es wohl eine endlose Kurverei geworden. Ich habe es geschafft, das Hotel zu finden, einzuchecken, das Gepäck abzuladen und das Auto gleich in einer Garage um den Block zu parken. Es war wieder sehr knifflig, in die Lücke hineinzurangieren. Aber schließlich stand das Auto und ich bin angekommen. Das Wetter war auf der Fahrt recht regnerisch, aber hier ist es heiter bis wolkig und warm, sodass ich noch schnell einen Rundgang durch die Altstadt mache, wenn ich schon mitten drin wohne, denn morgen habe ich dafür wohl keine Zeit, weil ich mir die berühmte Alhambra anschauen will.

Also schnell ging der Rundgang nicht. Zuerst habe ich natürlich die Kathedrale von Granada besucht und da man wegen der dichten Bebauung von außen relativ wenig von dem Gebäude zu Gesicht bekommt, habe ich den Eintritt bezahlt und bin hineingegangen. Der erste Blick hat einen Wow-Effekt. Die Basilika im Renaissance-Stil ist riesig. Die lichte Weite und auch die Höhe lassen den Innenraum gewaltig wirken. Am ungewöhnlichsten finde ich die Anordnung der Orgeln. Es sind nämlich zwei Orgeln, die sich parallel zueinander jeweils zwischen dem Haupt- und einem Seitenschiff befinden. Sehr ungewöhnlich.

Als ich die Kathedrale wieder verlasse, besuche ich noch die verschiedenen Plätze und Märkte um die Kirche herum und bewege mich dann entlang des kleinen Flüsschens Darro ins arabisch geprägte Viertel. Dort bekomme ich den ersten Blick auf die Alhambra. Überraschend sehe ich ein Schild, welches zu einem Aussichtspunkt führt. So folge ich dem Weg und steige immer höher, als es anfängt, leicht zu tröpfeln. Ich finde ein Restaurant mit tollem Blick auf die Alhambra, so dass ich mich spontan entscheide, dort essen zu gehen und mir ein leckeres Steak mit Aussicht zu gönnen. Als ich fertig bin und das Restaurant verlasse, finde ich auch noch den eigentlichen Aussichtspunkt, an dem sich mehrere Dutzend Menschen aufhalten und den Abend genießen. Als es dunkel wird, mache ich mich auf den Weg zurück ins Zentrum und ins Hotel.

10. Tag (30. September 2025)

Auf zur Alhambra. Ich nehme den Stadtbus den Berg hinauf zur Alhambra und bin frühzeitig dort. Ich hatte ein Ticket bereits vor Wochen online reserviert, welches ich nun im Büro dort zusammen mit meinem Audioguide abhole und mit dem ich mich auf den Weg mache. Es ist noch nicht so viel los, so dass ich nicht warten muss. Ich gehe erst einmal hinein und ich fühle mich zuerst ein wenig orientierungslos. Deshalb folge ich erst einmal einem Weg durch einen Park und erreiche ein Gebäude, welches ich nicht identifizieren konnte. Mein Audioguide hilft mir irgendwie auch nicht wirklich weiter, weil der mir zu unübersichtlich ist. Etwas später wird es mir dann klarer. Ich stehe vor dem Palast Karls V. mit seinem quadratischen Außenmaß und dem runden Innenhof, der nicht wirklich fertiggestellt wurde und Jahrzehnte eine Bauruine war, weil der König diesen nie bezog. Heute aber sind zwei Museen darin beheimatet.

Zuerst besuche ich gleich nebenan die Kirche der Santa María de la Encarnación, ebenfalls ein Gebäude, welches keinen maurischen Ursprung hat. Schließlich besichtige ich den Innenhof des Palasts von König Karl V. und schaue mich dort auch im ersten Stock um.

Interessanter wird es anschließend, als ich durch die Puerta del Vino gegangen bin und die Zitadelle der Festung erreiche. Die militärische Anlage Alcazaba konnte ich mir als Nächstes anschauen und hatte einen phantastischen Blick von den zahlreichen Türmen auf die Umgebung und im Besonderen auf die Altstadt von Granada.

Nachfolgend war dann die Besichtigung der Nasridenpaläste an der Reihe. Es handelt sich dabei um den bedeutendsten Gebäudekomplex der Alhambra und meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Der Löwenpalast mit seinem beeindruckenden Innenhof und den stalaktitenähnlichen Deckengewölben. Auch die Arabesken an den Wänden und die zahlreichen Brunnen zeugen von einer hohen Kultur vor vielen Jahrhunderten.

Im Anschluss schlendere ich noch durch die weitläufigen Gartenanlagen und besuche auch noch den Sommerpalast der Sultane, der oberhalb der Alhambra liegt und einen guten Blick auf die Festung gewährt.

Am frühen Nachmittag habe ich genug alte Steine und Treppen gesehen und nehme den Bus zurück in die Stadt. Dort ziehe ich mich ins Hotel zurück und organisiere mal meine weitere Reise nach Portugal. Deshalb lege ich fest, was ich mir noch anschauen und wo ich mich rumtreiben will. Jedenfalls bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich von Lissabon aus auf die Azoren fliege. Die Zeit danach habe ich noch nicht verplant, das werde ich dann noch sehen, was kommt.

11. Tag (01. Oktober 2025)

Ich verlasse Granada wieder und bin ziemlich froh, als ich mich wieder mit dem Auto auf einer Hauptstraße befinde, denn es war wieder eine ziemliche Kurbelei, aus der Altstadt rauszukommen. Auf dem Weg nach Gibraltar mache ich noch einen Zwischenstopp in Ronda. Auch hier muss ich durch die Altstadt, um auf einen Parkplatz zu kommen. Das funktioniert aber gut, sodass ich mich nur wenig später an der ältesten Stierkampfarena des Landes befinde und diese auch besichtigen kann. Es ist sehr interessant, diese im Detail zu entdecken, auch wenn ich Stierkämpfe grundsätzlich ablehne. Aber es hat nun mal alte Tradition in Spanien. Sowohl die Arena selbst als auch die spanische Pferdedressur, die hier heute noch praktiziert wird, sind imposant.

Anschließend gehe ich die Straße runter und schaue mir die „Neue Brücke“ an, für die Ronda so berühmt ist. Sie ist über hundertzwanzig Meter hoch und überspannt die noch tiefere Schlucht, und das bereits seit dem 18. Jh. Es sind natürlich Heerscharen von Tagestouristen hier, obwohl es in dieser Jahreszeit nicht mehr die Hauptsaison ist. Ich versuche noch, näher an die Brücke zu kommen, kaufe ein Ticket in der Annahme, dass man auf dem Weg hinunter in die Schlucht kommt, jedoch war dies nur der Eintritt für einen kleinen Raum in der Brücke. Also außer Spesen nichts gewesen. Schließlich finde ich doch noch den richtigen Weg in die Schlucht hinunter, bezahle auch dort meinen Eintritt, kann hinabsteigen bis zum Brückenfuß, aber der weitere Weg unter der Brücke hindurch in die Schlucht ist gesperrt und kann nicht betreten werden. Nun ja, mehr kann man nicht machen, und als ich wieder oben bin, gehe ich noch durch die Einkaufsstraße zum Auto zurück.

Auf der weiteren Fahrt entscheide ich mich, durch die Berge nach Gibraltar zu fahren und nicht die Autobahn zu nehmen. Dabei bin ich natürlich fasziniert von der kurvigen Strecke, aber hauptsächlich durch die zahlreichen Ausblicke auf die „weißen Dörfer“ Andalusiens.

Nach rund zwei Stunden erreiche ich schließlich Gibraltar, beziehungsweise La Línea de la Concepción, den Ort auf der spanischen Seite, und checke im Hotel ein. Der berühmte Felsen ist aber gut zu sehen und ich gehe mal zu Fuß an die Grenze, um zu klären, wo ich mich morgen einreihen muss, wenn ich rübergehe.

12. Tag (02. Oktober 2025)

Ich bin wieder früh unterwegs, gehe zu Fuß nach Gibraltar rüber und muss dazu nur kurz meinen Pass hochhalten. Gleich hinter der Grenze kommt dann schon das erste spektakuläre Erlebnis des Tages: Ich gehe zu Fuß über die Landebahn des Flughafens. Autos dürfen, wie in der Vergangenheit, nicht mehr rüberfahren. Für sie wurde am östlichen Ende ein Tunnel unter der Landebahn gebaut, aber Fußgänger und Fahrradfahrer kreuzen nach wie vor die Landebahn. Echt cool. Da sich der Felsen in Wolken hüllt und es erst am Nachmittag aufklaren soll, entscheide ich mich, zuerst die östliche Küste zu besuchen.

So biege ich gleich nach links ab und gehe an die Ostküste, da sich hier die Morgensonne zeigt. Ich hatte den Plan, die ganze Ostküste bis zum Europa Point hinunterzugehen. Zuerst komme ich an dem recht idyllischen East Beach vorbei und danach an der Sandy Bay. Ich genieße hier die Ruhe am Morgen, denn es sind keine Leute unterwegs. Als ich dann zum Dadly-Walt-Tunnel komme, gibt es keinen Fußweg mehr und ich weiß nicht so recht, was ich machen soll. Als ich eine junge Frau zu Fuß aus dem Tunnel kommen sehe, entscheide ich mich auch dazu, illegal durchzumarschieren, denn es ist eigentlich verboten. Es ist recht eng, aber wenigstens gut beleuchtet. Die Luft ist schlecht und so beschleunige ich meinen Schritt, um so schnell wie möglich auf die andere Seite zu kommen. Nach gut einer Viertelstunde ist es geschafft und die erste frische Luft tut wieder gut, ebenso wie das Tageslicht und der Blick aufs Meer. Ich gehe weiter und entdecke, dass sich hier auch die Müllkippe von Gibraltar befindet. Der Geruch verfolgt mich durch die aktuelle Windrichtung noch eine ganze Weile. Schließlich erreiche ich Europa Point und bin wieder von Touristen umringt. Der Ausblick auf den Leuchtturm und die Straße von Gibraltar ist jedenfalls toll. Es ist heute sogar Afrika zu erkennen, wenn auch nur leicht im Dunst.

Es ist bereits fast Mittag, so dass ich mich nun auf den Weg mache, den Felsen zu erklimmen, auch wenn es noch nicht so aussieht, als würden sich die Wolken verziehen. Ich gehe zum Jewish Gate und bezahle meinen doch recht ordentlichen Eintritt. Ich habe mich dazu entschieden, den Felsen über den spektakulärsten Weg zu besteigen, die Mediterranean Steps. Dieser Weg führt über die östliche Flanke steil und in vielen Stufen nach oben. Der Vorteil ist, dass ich alleine bin und die Ruhe und die spektakulären Aussichten genießen kann. Zwischendurch treffe ich immer wieder auf alte Befestigungen und Unterstände, die noch aus den zahlreichen Kriegen vorhanden sind. Dann erreiche ich die Spitze direkt an der O’Hara’s Battery, die ich mir gleich anschaue. Das Geschütz konnte Geschosse bis zu 28 km weit feuern, damit afrikanisches Festland erreichen und somit die Meerenge von Gibraltar kontrollieren. Es war sehr interessant, die zahlreichen unterirdischen Einrichtungen zu besichtigen, die für den Betrieb des Geschützes notwendig waren.

Ich bewege mich in Richtung der Seilbahnstation und komme am Skywalk vorbei, einer gläsernen Plattform über dem Abgrund. Für mich jedoch nicht so wahnsinnig aufregend, auch wenn der Ausblick schön ist. Gleich anschließend treffe ich auf die berühmten Berberaffen. Diese sind derart an die Menschen gewöhnt, dass sie selbst auf Leute draufspringen und sich nicht gestört fühlen, wenn man sich ihnen nähert. Ich verbringe eine ganze Zeit dort, weil es einfach faszinierend ist, die einzigen „wild“ lebenden Affen Europas zu beobachten.

Dann nehme ich einen kleinen Snack an der Bergstation der Seilbahn, gehe wieder zum Queen’s-Balcony-Aussichtspunkt und zur Saint-Michael’s-Cave, einer Karsthöhle, die zu einem Konzertsaal ausgebaut und in großen Teilen speziell illuminiert ist. Echt sehenswert. Auf dem Weg zum Belagerungstunnel konnte ich dann doch nicht von den Affen lassen und habe mir jedes Mal Zeit genommen, wenn ich wieder welche gesehen habe.

Zum Abschluss habe ich dann noch den Belagerungstunnel aus dem 18. Jh. angeschaut und war von den Ausmaßen der Tunnel für ihre damalige Zeit sehr beeindruckt. Dann hat es mir doch gereicht, auf dem Felsen „herumzukrabbeln“, und ich bin in die Stadt zurückgegangen. Was mir hier natürlich auffällt, ist das Britische in der Architektur und im gesamten Erscheinungsbild der Stadt. Echt faszinierend. In einem englischen Pub kehre ich zum Abendessen ein und nehme ein britisches Pint.

Schließlich verabschiede ich mich endgültig von Gibraltar. Hatte noch kurz überlegt, mit dem Auto nochmals reinzufahren, um den Tank zu füllen, aber der Preisunterschied zu spanischen Billigtankstellen ist nicht gravierend genug, um den Aufwand zu rechtfertigen, und so genieße ich nach einer Dusche den Abend noch auf meinem Balkon bei einem Bier.

13. Tag (03. Oktober 2025)

Nachdem ich gestern nicht beim Tanken in Gibraltar war, fahre ich zuerst zu einer Billigtanke hier im Ort und fülle auf und mache mich dann auf den Weg nach Portugal. Wobei ich mich dazu entschlossen habe, Sevilla nicht anzuschauen, denn ich habe keine große Lust mehr, mit dem Auto in eine spanische Stadt zu fahren, um erneut beeindruckende Kathedralen zu besichtigen. Ich mache aber trotzdem einen Stopp in Sevilla, nämlich am Carrefour, um einzukaufen. Als ich außerhalb, von der Autobahn aus, seltsam anmutende Türme entdecke, die fast so aussehen, als wären es Schrägseilbrücken, fahre ich an der nächsten Ausfahrt raus, um mir das mal näher anzuschauen. Ich habe bereits eine Ahnung, um was es sich wohl handelt. Und tatsächlich, als ich näherkomme, stellt es sich als die beiden ersten Solarturmkraftwerke Europas heraus. Ein Absorber wird von mehr als 600 Spiegeln am oberen Ende eines Turms angestrahlt und erzeugt somit heißen Dampf, der eine Turbine antreibt, durch die dann der Generator Strom erzeugt. Die Lichtstrahlen der Spiegel zum Turm sind deutlich zu erkennen und das Ganze sieht sehr futuristisch aus.

Kurz vor der Grenze fülle ich nochmals den Tank mit billigem Sprit in Spanien voll. Gleich hinter der Grenze, in Tavira, übernachte ich und checke recht früh ein, weil ich ja auch noch eine Stunde durch die Zeitverschiebung gewinne.

Als ich mich in der Unterkunft eingerichtet hatte, fahre ich mit dem Auto in das Städtchen Tavira, um mich umzuschauen, und bin überrascht, wie hübsch es ist und wie es zum Verweilen einlädt. So schlendere ich eine ganze Weile durch die Gassen, gönne mir noch ein Eis und einen Haarschnitt und kehre zum Essen ein.

Durch die Algarve nach Lissabon

14. Tag (04. Oktober 2025)

Ich habe nicht viel vor. So fahre ich zuerst mit dem Auto ans Meer bzw. an das Haff. Dort gehe ich eine Runde spazieren, aber es ist nicht sehr erquickend. So fahre ich nach Pedras de El-Rei, wo es eine Fußgängerbrücke gibt und dazu noch eine kleine Bahn aus dem 19. Jh., mit der man den Fußweg zum Strand überbrücken kann.

So verbringe ich den Tag über am Strand und kühle mich anschließend in der Unterkunft wieder ab, bevor ich nach Travis zum Anleger fahre, wo die kleine Fähre auf die Insel fährt. Ich bleibe jedoch auf dem Festland, setze mich in ein Restaurant, genieße die Aussicht und esse anschließend zu Abend.

15. Tag (05. Oktober 2025)

Ich verlasse das nette Städtchen Tavira wieder und fahre zu meiner nächsten Unterkunft in die Nähe von Lagos und will mir noch ein paar Ortschaften dazwischen anschauen. Ich bin aber wieder einmal recht ernüchtert. Aber der Reihe nach. Zuerst mache ich einen morgendlichen Strandspaziergang am Strand von Faro, was sehr schön ist, denn es ist noch nicht allzu viel los und der Strand ist so lang, dass man ihn gar nicht überschauen kann. Ich genieße die Aussicht aufs Meer und höre der Brandung zu.

Dann fahre ich mit dem Auto nach Faro rein und schaue mich ein wenig um. Stelle aber schnell fest, dass es außer der Kirche und noch ein paar anderen Gemäuern nicht wirklich viel zu sehen gibt. Olhos d’Água ist mein nächstes Ziel. Als ich in das kleine Dorf reinkomme, ist der winzige Strand von Sonnenschirmen und Liegen bedeckt und auf jedem kleinen Fleckchen gibt es Bars und Souvenirläden. Ich mache mich dann noch zu Fuß auf, um den „Traumstrand“ von Falésia zu erreichen, wie es im Reiseführer steht. Muss sagen, dass der Blick auf die Klippen und den Strand im Großen und Ganzen gar nicht so schlecht ist. Ich schieße ein paar Fotos und verabschiede mich dann. Nach Albufeira hätte ich gar nicht reinfahren sollen. Selbst jetzt in der Nebensaison kann man von Overtourismus sprechen. Es war einfach nicht mehr schön und ich bin nach zwanzig Minuten auch wieder im Auto gesessen und schlussendlich zu meiner Unterkunft gefahren. Die nächsten Tage sollte es besser werden. Als ich angekommen bin, habe ich auch schon viele Tipps meiner Gastgeberin erhalten, die ich nun in den nächsten drei Tagen abarbeiten kann.

Nachdem ich mich eingerichtet hatte, fuhr ich nach Lagos hinein und bin ein wenig durch die Altstadt geschlendert. Ich muss schon sagen, dass Lagos mir gefallen hat und es sehr angenehm ist, hier zu sein. Gleich danach mache ich mich auf den Weg, den Sonnenuntergang am Leuchtturm von Ponta da Piedade anzusehen. Da es aber keine Wolken am Himmel gibt, ist der Sonnenuntergang auch nicht so richtig spektakulär. Vielleicht wird es ja die nächsten Tage besser, wenn mehr Bewölkung angekündigt ist.

16. Tag (06. Oktober 2025)

Am Morgen habe ich meine Klamotten gewaschen und dachte, die Maschine ist fertig, wenn ich mit meinem Frühstück fertig bin, aber irgendjemand hat sie wohl ein zweites Mal auf „ECO“ gestartet, so dass ich noch bis nach dem Mittag warten musste, um die Wäsche aufhängen zu können. So habe ich den Morgen ein bisschen vertrödelt und mich mal in den Pool gestürzt sowie mich ein wenig in die Sonne gelegt.

Dann habe ich meine Pläne für heute geändert und bin nicht nach Benagli gefahren, sondern nochmals nach Lagos, um mir die Klippen dort nochmals anzuschauen und ein wenig herumzuspazieren. Dabei traf ich dann noch Jaqueline aus der Schweiz und wir kamen so für rund eine Stunde ins Gespräch, als wir dort waren. Es war sehr nett und vielleicht sieht man sich ja in Sages wieder, wenn ich dort übermorgen bin, da sie ebenfalls dorthin reist. Dann verabschieden wir uns wieder und ich genieße noch ein wenig die Aussicht, bevor ich zum Auto zurückgehe, um ins Zentrum zu fahren und dort noch was zu trinken.

Da erlebe ich dann, was es heißt, alleine unterwegs zu sein, denn ich bekomme keinen Tisch und werde sogar in einer Lokalität aufgefordert, zu gehen, als ich mich setzen wollte. Alleinstehende bringen einfach zu wenig Umsatz. In einer Eisdiele klappt es dann doch und ich bekomme ein Bier, aber ich merke auch hier, dass es ihnen nicht so recht ist, denn noch bevor ich das Glas leer hatte, wurde mir die Rechnung präsentiert. So gehe ich noch ein wenig durch die Gassen und bin früh in meiner Ferienwohnung zurück, wo ich den Abend gemütlich ausklingen lasse.

17. Tag (07. Oktober 2025)

Die Wanderung entlang des Benagil-Kliffs habe ich in Angriff genommen. Da ich mit vielen Leuten rechne, bin ich früh unterwegs und in Benagil das erste Auto auf dem Parkplatz. Als ich mich unten am Strand umschaue, sind schon hohe Wellen und eine schöne Aussicht zu sehen. Ich überlege noch, ob ich eine Bootstour machen soll, und stelle fest, dass dies bei Ebbe nicht ratsam ist, da dann die Boote nicht so nahe ans Kliff heranfahren und in die Höhlen einfahren können. Deshalb entscheide ich mich erst einmal, zu Fuß loszumarschieren, und bin überrascht, dass ich gleich auf die Grotte treffe, welche auf allen Plakaten gezeigt wird. Ich schaue von oben durch das Loch in die Tiefe und finde es beeindruckend, wie Wellen und Wind über die Jahrtausende diese Formen in den Sandstein gegraben haben.

Ich gehe weiter in Richtung des Praia da Marinha, des hochgelobten Strands in diesem Abschnitt. Zuerst sehe ich aber die zwei Naturbögen dort, die sehr sehenswert sind. Zudem wird die Küste hier spektakulärer, es gibt mehrere Löcher, die Einblick in Grotten bieten, welche Verbindung zum Meer haben. Des Weiteren sind vor der Küste Sandsteinsäulen der ehemaligen Küste stehengeblieben, die sehr pittoresk sind. Eine wirklich interessante und abwechslungsreiche Wanderung. Zwischendurch erreiche ich den Strand Marinha, der wirklich traumhaft ist mit seinen Wellen, dem herrlichen Sand und den Klippen, aber auch mit den vielen Besuchern, die für Ernüchterung sorgen. Ich gehe gar nicht hinunter, sondern gehe einfach den Weg an der Küste weiter, der weiterhin viele Aussichten eröffnet und zum Verweilen einlädt. Schließlich komme ich noch am Naturbogen Albandeira vorbei, der auch gut vom Land aus zu sehen ist.

In der Zwischenzeit sind auf dem Wasser immer mehr Boote aufgetaucht, die ihre Touren nun gestartet haben, so dass ich mich dazu entschied, keine Bootstour mehr zu machen. Ich komme im Anschluss noch an ein paar Stränden vorbei, an denen sich keine Leute aufhalten, weil sie einfach von der Klippe aus nicht zugänglich sind. Deswegen entstehen natürlich Bilder mit den menschenleeren Stränden an der Algarve.

Auf dem Rückweg kommt immer mehr die Sonne raus, so dass ich natürlich die meisten Bilder, die ich schon gemacht habe, erneut machen muss. Aber ich bin ja alleine unterwegs und habe sonst nichts zu tun. So bin ich nach etwas mehr als vier Stunden wieder am Auto zurück und fahre noch nach Carvoeiro rüber, um mich dort ein wenig umzuschauen.

Ich finde einen Parkplatz nicht unweit des Zentrums, werde noch von einer selbstgemachten Eiscreme verführt und gehe dann zum Strand. Es ist wie erwartet alles sehr schön, aber für mich viel zu viele Leute. Deshalb mache ich mich gleich, nachdem das Eis ausgelöffelt war, auf den Weg zu den Klippen. Hier gibt es einen Holzsteg, der dort entlangführt, und an dessen Ende erreiche ich die Algar-Seco-Felsen, an denen sich auch die Boneca-Bar befindet. Hier befindet sich der Zugang zu der berühmten Gruta da Boneca, die durch einen kleinen Tunnel zu erreichen ist. Ich stelle mich ungefähr fünf Minuten an, um auch einen kurzen Blick zu erhaschen und Bilder zu machen. Es ist wirklich ein toller Blick auf das Meer durch zwei natürliche „Fenster“ im Fels.

Weil mir der Magen knurrt und es sich anbietet, gehe ich hier gleich essen, weil das Restaurant auch bekannt ist für seinen leckeren Fisch. Dem kann ich nur zustimmen, denn die Seebrasse war sehr lecker.

Danach mache ich mich auf den Rückweg und werfe zwischendurch immer mal wieder einen Blick auf die beeindruckenden Klippen.

Da die Zeit doch recht schnell vergangen ist und es bereits später Nachmittag ist, fahre ich mit dem Auto noch nach Arvor, weil mir empfohlen wurde, dieses Örtchen anstelle von Portimão anzuschauen, weil weniger Leute da sein sollen und es entspannter ist. So ist es dann auch. Natürlich touristisch voll ausgebaut, aber doch recht angenehm. Ich schlendere ein wenig durch die Gassen, finde in einem Souvenirladen noch einen schönen Hut aus Kork und ende schlussendlich in einer Bar am Wasser, von der aus ich dann den Sonnenuntergang anschaue.

18. Tag (08. Oktober 2025)

Ich werde heute an die Südspitze der Algarve fahren und mir die Gegend bis dorthin noch anschauen. Aber zuerst gehe ich nochmals zu den Klippen von Lagos und beobachte den Sonnenaufgang dort, mache ein paar Bilder und schlendere ein wenig umher. Dann fahre ich weiter. Es ist noch recht früh und so entscheide ich mich, zuerst einen Stopp in Burgau einzulegen, einem kleinen Ort an der Küste. Es ist ganz hübsch und ich nehme in einer kleinen französischen Patisserie ein Frühstück und gehe anschließend zum Strand hinunter. Als ich wieder nach oben laufe, kommt mir doch tatsächlich Jaqueline entgegen und es gibt ein fröhliches Hallo.

Ich hatte ja schon ein wenig drauf spekuliert, sie heute vielleicht in Sagres zu treffen, aber nicht damit gerechnet, dass dies gleich hier passiert. Da sie die gleichen Pläne hat wie ich, sind wir nun gemeinsam unterwegs.

Nachdem wir Burgau verlassen haben, fahren wir hintereinander weiter in den kleinen Ort Salmea. Obwohl der Strand größer und auch länger ist als in Burgau, so ist er doch beschaulich und überschaubar. Wir spazieren durch das Örtchen und den Strand entlang, genießen das gute Wetter, unterhalten uns angeregt und gehen noch einen Kaffee trinken. Danach fahren wir an den Surfstrand Zavial, der natürlich recht schöne Wellen zu bieten hat und sonst auch sehr schön gelegen ist. Auch hier spazieren wir entlang und machen uns dann auf den Weg nach Sagres.

Dort starten wir mit der Festung und der dahinterliegenden Landspitze. Der Wind pfeift uns um die Ohren und das Kliff ist hier viel höher und aus anderem Gestein als bisher an der Küste. Die Aussicht auf das Meer ist ebenfalls schön, aber auch nicht spektakulär. Danach bezieht Jaqueline kurz ihre Unterkunft, da sie eine Nacht hierbleiben wird, und wir fahren dann anschließend rüber zum Leuchtturm am Cap von São Vicente, dem südwestlichsten Punkt Kontinentaleuropas. Dort stellen wir das Auto ab und essen natürlich, wie alle Deutschen, die hier vorbeikommen, die letzte Bratwurst vor Amerika. Im Anschluss schauen wir uns um und beschließen, noch nach Sagres reinzugehen, bevor wir uns hier den Sonnenuntergang anschauen wollen.

In Sagres irren wir ein wenig herum auf der Suche nach dem Zentrum, welches wir leider nicht finden, da es ein solches nicht wirklich gibt. Wir beide sind etwas überrascht, da wir uns Sagres irgendwie ganz anders vorgestellt haben, als es nun ist. Um die Zeit ein wenig zu überbrücken, kehren wir nochmals kurz ein und trinken ein kleines Bier. Danach schauen wir noch, wo wir heute Abend essen gehen können, und fahren dann nochmals zum Leuchtturm hinüber. Der Wind weht noch immer kräftig und wir spekulieren, ob bei der Bewölkung überhaupt ein farbenprächtiger Sonnenuntergang zu sehen sein wird, während wir warten. Es war dann doch recht sehenswert und das eine oder andere Foto ist auch entstanden, aber gleich nach dem Untergang der Sonne gehen wir zurück zum Auto, da es doch recht frisch geworden ist.

In einer Pizzeria essen wir dann noch gemeinsam und lassen einen sehr schönen und angenehmen Tag ausklingen, bevor Jaqueline in ihre Unterkunft geht und ich zurück nach Lagos fahre.

19. Tag (09. Oktober 2025)

Es geht ins Hinterland auf dem Weg nach Aljezur. Aber zuerst bin ich noch schnell beim Einkaufen, um meine Vorräte aufzufüllen. Ein kurzer Gedanke war, doch noch schnell nach Portimão reinzufahren und den Ort anzuschauen, aber dann habe ich mich doch dagegen entschieden, weil er sich doch wohl nicht arg von den anderen Orten an der Küste unterscheidet. So fahre ich als Erstes nach Silves, der ehemaligen Hauptstadt der Algarve. Leider ist die Ponte Romana wegen Sanierung gesperrt und eingerüstet. Aber der Rest des Ortes ist sehr schön und ich schlendere durch die schmalen Gassen und schaue mir die hübsch herausgeputzten Häuser an. Ich steige dabei immer mehr den Berg hinauf und komme an der Kathedrale vorbei und besichtige anschließend die Burg, die bereits rund tausend Jahre auf dem Buckel hat. Von dort oben eröffnet sich auch ein schöner Rundumblick über das Tal und die Gegend.

Nach etwas mehr als einer Stunde steige ich wieder ins Auto und fahre nach Monchique weiter. Es ist ein Ort in den Bergen, der eingerahmt wird von den berühmten Korkeichen in Portugal. Auch hier schlendere ich durch die Gassen und es gefällt mir sehr. Die Gegend ist durch die Bäume vergleichsweise grün und man hat den Eindruck, das Klima ist etwas angenehmer als unten an der Küste. Ich steige weiter nach oben und schaue mir noch die Klosterruine an, die seit dem großen Erdbeben im 15. Jh. nicht mehr aufgebaut wurde. Als ich dort ankomme, treffe ich auf einen Mann, der dort zu wohnen scheint und mich einlädt, in die Ruine hineinzugehen, was eigentlich nicht möglich ist. So bekomme ich noch einen Blick auf das Innere und kann ein paar Fotos von dem zerfallenen Gemäuer machen. Auch der Blick über das Dorf ist von hier oben sehenswert.

Als ich wieder unten auf dem Dorfplatz bin, nehme ich noch eine Cola in einem Café und entscheide mich noch dazu, auf den Foia hinaufzufahren, den höchsten Berg in der Algarve. Leider ist es heute recht dunstig und die Küste ist nur schemenhaft zu erkennen. Es ist nicht viel los auf dem Gipfel, welcher intensiv für Kommunikation und Radarüberwachung genutzt wird.

Dann mache ich mich endgültig auf den Weg nach Aljezur und beziehe meine Unterkunft etwas außerhalb für die nächsten drei Nächte. Zum Essen fahre ich dann noch in den Ort, der sehr nett an einem Hang gelegen ist.

20. Tag (10. Oktober 2025)

Am Morgen treffe ich wieder auf die beiden Mädels, die auch hier übernachteten und mit denen ich mich gestern Abend noch kurz unterhalten habe. Ich fahre sie kurz nach Aljezur runter, da sie auf dem Fernwanderweg Fischerpfad unterwegs sind. Sie freuen sich sehr, dass sie sich die fünf unnötigen Kilometer bis zum Wanderweg ersparen können. Nachdem sie ausgestiegen sind, fahre ich weiter nach Süden, um mir die Westküste hier im Nationalpark genauer anzuschauen. Zuerst besuche ich den Strand Castelejo, der bei Ebbe sehr groß und weitläufig ist. Es sind am Morgen noch keine Leute unterwegs und auch nur weniger als eine Handvoll Surfer zu sehen. Da Ebbe herrscht, kann man zum Nachbarstrand Cordama weitergehen, und so verbringe ich fast den ganzen Vormittag mit Strandspaziergängen. Es ist herrlich, die Wellen sind einfach viel höher und das Meer wirkt frischer als an der südlichen Küste. Gegen Mittag war ich dann an der Praia de Amado, aber nur auf den Klippen und nicht unten am Strand. Man hat schon von oben die vielen Surfer gesehen und so war es mir mehr danach, den Ausblick von oben zu genießen. Zuerst dachte ich noch, ich gehe bis zur bekannten Bucht von Bordeira, aber das war mir dann doch zu weit, so dass ich zum Auto zurück und dorthin gefahren bin. Zuerst habe ich mir diesen Strand von den Klippen aus angeschaut und bin dort ein wenig herumgelaufen. Dann wollte ich hinunter an den Strand. So habe ich meine Badehose und auch den Campingstuhl geschnappt und bin an den Strand gegangen. Zuerst jedoch durch die Dünen, denn es ist der einzige Strand an der Westküste mit ausgeprägten Dünen. Als ich dann am Wasser angekommen bin, habe ich es mir erst einmal gemütlich gemacht und den Wellen zugeschaut. Die Surfer waren auch nicht sehr aktiv und saßen eigentlich nur im Wasser. Als ich von der Sonne aufgewärmt war, habe ich mich getraut, baden zu gehen. Das Wasser war schon sehr frisch, aber die Wellen haben geholfen, hineinzugehen und ein wenig die Brandung zu genießen. Aber nach rund einer Minute war es mir schon kalt und ich habe mich wieder am Strand im Campingstuhl aufgewärmt. Es waren aber auch nur Surfer mit dicken Neoprenanzügen im Wasser, die restlichen Leute waren gar nicht oder wie ich nur sehr kurz in der Brandung. So verging der Nachmittag und ich habe mich dann entschieden, wieder zurückzufahren und nicht noch einen weiteren Strand zu besuchen. Das kann ich ja dann morgen noch tun.

Leider hat der Herd in der Unterkunft nicht funktioniert, so dass ich deshalb heute erneut im kleinen Dorf essen gegangen bin. Als ich wieder zurück war, traf ich noch auf ein Schweizer Pärchen, welches ebenfalls als Fernwanderer unterwegs ist, sodass wir uns noch ein wenig unterhalten haben.

21. Tag (11. Oktober 2025)

Ich verbringe noch einen Tag an den Stränden der Westküste. Besser gesagt eigentlich nur am Strand von Amoreira, der natürlich wieder schöne Wellen und auf beiden Seiten Kliffs besitzt. Ich bin früh dran und gehe mit meinem Campingstuhl genau in die Mitte und setze mich. Es sind schon Surfer im Wasser, denen ich zuschaue. Ansonsten habe ich heute keinen Antrieb, noch herumzulaufen. So sitze ich da und schaue den Leuten, den Hunden und den Surfern zu. Nachmittags packe ich dann auch schon wieder zusammen, lege alles ins Auto und setze mich noch auf die Terrasse des Restaurants dort und esse eine Fischsuppe. Danach gehe ich noch schnell einkaufen und verbringe den Rest des Tages in der Ferienwohnung.

Es ist also mal wieder ein Tag des Nichtstuns, denn irgendwie bin ich heute auch reisemüde. Morgen wird es wohl schon wieder besser sein.

22. Tag (12. Oktober 2025)

Es ist heute der letzte Tag an der Westküste und ich verlasse Aljuzur und fahre weiter nach Norden. Ich habe viel Zeit und wenig Lust, mir noch viel anzuschauen. Den ersten Stopp mache ich in Odeceixe und schaue mir die Bucht und den Strand an. Hinunter gehe ich nicht und setze mich stattdessen in ein Café und trinke erst einmal einen Kaffee. Mit der Zeit kommen auch mehr Autos und es erscheint mir so, als seien Surfer wohl eher Langschläfer.

Ich fahre weiter, entschließe mich spontan, mir in Zambujeira do Mar und Cavaleiro die Küste noch anzuschauen. Dabei fallen mir die vielen Wanderer auf, die hier unterwegs sind. Es scheint so, als wäre der Fischerpfad recht populär. Ich verbringe jeweils eine Weile in den Orten und genieße die schöne Küste und das gute Wetter.

Danach mache ich noch eine Pause in Vila Nova de Milfontes, einem sehenswerten Örtchen, welches noch nicht mit Apartmentblocks zugebaut wurde. Auch hier gibt es wieder einen schönen Strand und eine sehenswerte Küste. Meine Unterkunft heute liegt absolut im Hinterland, was ich schlussendlich daran merke, dass am Sonntag scheinbar kein einziges Restaurant geöffnet hat, aber glücklicherweise das Steakhouse doch noch um 19:00 Uhr öffnet. Es ist zwar eher eine Currascuria, aber wenigstens bekomme ich etwas in den Magen. Morgen geht’s dann auf die Azoren.

23. Tag (13. Oktober 2025)

Es ist ein Reisetag. Ich stehe früher auf als gewöhnlich und habe auch nicht sonderlich gut geschlafen. Nachdem ich die restlichen Vorräte noch als kleines Frühstück vertilgt hatte, bin ich zum Flughafen nach Lissabon gefahren, es sind knapp zwei Stunden. Ich nehme die Autobahn und komme gleich ins Grübeln. Ich hatte mich bei EasyToll für die Mautgebühren registriert und nehme deshalb die grüne „Via-Verde-Spur“ an der Mautstelle und bin gespannt, ob das klappt. Am Ende der Mautstrecke erscheint beim Fahrzeug vor mir ein Betrag und eine grüne Ampel und bei mir jedoch nur eine gelbe Ampel, als ich durchfahre. Keine Ahnung, ob das nun richtig war, was ich gemacht habe, oder nicht. Entweder wird die Maut nun auf der Kreditkarte abgebucht oder ich bekomme einen Bußgeldbescheid nach Hause geschickt.

An der nächsten Mautstelle vor der riesigen Vasco-da-Gama-Brücke fahre ich manuell mit Kreditkarte durch und genieße die Fahrt über die mehr als zwölf Kilometer lange Brücke. Dann biege ich auf dem Weg zum Flughafen falsch ab und stehe erst einmal im Stau, finde aber gleich darauf wieder die richtige Richtung und fahre in die Straße, in der sich der Parkplatz von JetPark befinden soll, den ich im Voraus gebucht habe. Nur leider finde ich die Firma nicht und so frage ich erst einmal an einer Tankstelle. Der Kassierer kann mir dann glücklicherweise weiterhelfen und ich finde die Einfahrt. Sie sind umgezogen und haben noch kein neues Schild an der Straße. Nun ja. Ich stelle das Auto ab, nehme das Gepäck aus dem Kofferraum raus und gebe den Schlüssel ab, da sie das Fahrzeug parken werden. Ich mache mal zur Sicherheit ein Foto meines Kilometerstands. Gleich darauf werde ich mit einem Shuttle zum Terminal gefahren.

Im Flughafengebäude wimmelt es nur so von Leuten mit Gepäck und es ist sehr viel los. Ich muss noch auf die Öffnung des Check-in-Schalters warten, um mein Gepäck abzugeben, da ich zur Sicherheit ziemlich früh dran bin. Dadurch bin ich aber fast der Erste, der sein Gepäck eincheckt, und ich bin es los. An der Sicherheit haben sie ein unendlich langes Personenleitsystem mit den Zugbandabsperrungen aufgebaut. Die Leute sind gezwungen, fast 500 m durch die Bänder zu laufen. Echt verrückt! Nachdem man dann fast zehn Minuten bis zur Sicherheitskontrolle gelaufen ist, ging es zügig durch. Aber wahrscheinlich auch nur deshalb, weil sie wohl nicht richtig hingeschaut haben, so schnell wie sie das Gepäck durch den Scanner gejagt haben. Es war noch Zeit, um etwas zu essen. Dabei war ich froh, nicht in der Schlange zu stehen, die sich gleich daneben vor der Ausreisekontrolle gebildet hatte. Sie zog sich durch das halbe Terminal.

Der Flug war dann aufgrund des regen Flugbetriebs eine halbe Stunde verspätet gestartet. Bei der Landung waren es dann zwanzig Minuten, was aber problemlos war. Es geht auf der Insel viel entspannter zu. Ich hole meinen Mietwagen ab, auf dessen Übergabeprotokoll für Beschädigungen kaum eine Stelle nicht angekreuzt wurde, und fahre los. Auf dem Weg zu meiner nächsten Unterkunft kaufe ich noch im Supermarkt ein. Die Unterkunft ist hübsch an der Küste gelegen. Vom Garten aus hat man einen sehr schönen Blick aufs Meer und die auf der anderen Seite der Meerenge liegenden Berge der Insel São Jorge. Was ich bisher gesehen habe, ist die Insel natürlich viel grüner als das portugiesische Festland. Mal wieder ganz angenehm für die Augen.

Jedenfalls entspanne ich jetzt erst einmal, gehe noch was zu Abend essen und schaue mal, was ich morgen machen kann, auch wenn die Vorhersage Dauerregen prognostiziert.

Zwei Wochen auf den Azoren

24. Tag (14. Oktober 2025)

Es gab einen schönen Sonnenaufgang, obwohl Regen angesagt war. Ich schwinge mich ins Auto und fahre die Küste entlang. Zuerst zum natürlichen Pool von St. Antonio und danach zur Windmühle von Pico Vermelho. Spontan biege ich ab und fahre hinauf zum Aussichtspunkt von Cumeeiras und werfe einen Blick auf die Seen von Sete Cidades im größten Vulkankrater der Insel. Vom Aussichtspunkt fällt der Kraterrand fast senkrecht zum See ab und die Sicht ist großartig. Ich bin alleine hier oben und genieße die Ruhe. Bis eine Offroad-Gruppe mit zwanzig Fahrzeugen auftaucht und die Ruhe vorbei ist. Aber sie bleiben nicht lange und sind so schnell verschwunden, wie sie aufgetaucht sind.

Später besuche ich noch Mosteiros und dessen schwarzen Strand, schaue auf die vor dem Strand stehenden vulkanischen Felsen, bis dann der Regen einsetzt. Ich setze mich ins Auto und warte erst einmal ab, aber es hört nicht auf, und so beende ich den Tag und fahre zurück in die Unterkunft.

25. Tag (15. Oktober 2025)

Als ich beim Frühstück sitze, regnet es heftig. Ich denke mir meinen Teil und lasse es langsam angehen. Es hört aber auch schnell wieder auf, so dass ich früh loskomme, um dort weiterzumachen, wo ich gestern aufgehört habe. So bin ich auf dem Weg nach Mosteiros und parke dieses Mal das Auto direkt vor dem Strand. Die Wellen sind deutlich größer und mächtiger als gestern. Es macht richtig Spaß, zuzuschauen, wie sie am Strand brechen. Das weiß schäumende Wasser sieht natürlich auf dem pechschwarzen Lavastrand klasse aus. Ich mache wieder Fotos und gehe an der Küste entlang. Dabei sind natürlich die Lavainseln Ilhéus dos Mosteiros der Blickfang. Etwas weiter soll es noch ein Naturschwimmbecken geben, welches aber auf Grund der starken Brandung kaum zu entdecken ist. Ich schaue fasziniert den Wellen zu, wie sie sich mit Wucht an den Felsen brechen. Dabei bläst ein ordentlicher Wind.

Aber ich will noch weiter, und so steige ich wieder ins Auto und fahre zur Sete Cidades, der großen Caldera, hoch. Oben am Kraterrand stelle ich das Auto ab und folge dem rauen Fahrweg entlang des Kraterrands. Dieser bietet immer wieder Ausblicke in die eine oder andere Richtung. Entweder zum Meer oder hinunter zum Largo Azul. Als ich wieder am Auto bin, fahre ich hinunter in den gleichnamigen Ort und schaue mich dort, hauptsächlich am Seeufer, um und bin wieder einmal erstaunt, dass in einem Krater rings um einen herum Berge sind. An der Engstelle der beiden Seen, die mit einer Brücke überspannt ist, halte ich nochmals an und mache ein paar Fotos. Auf der anderen Seite fahre ich wieder hinauf, halte an den beiden Aussichtspunkten auf der Strecke und werfe einen Blick auf den Lagoa de Santiago, der sich in einem weiteren Vulkankegel innerhalb der großen Caldera befindet. Dann geht es schließlich ganz hinauf zum Aussichtspunkt von Vista do Rei. Es ist vielleicht der schönste Blick auf die Caldera und die Kraterseen.

Dort steht auch die Ruine des Hotels Monte Palace, welches Anfang der Neunzigerjahre aufgegeben wurde und bei dem man sich den „Lost Place“ auf eigene Gefahr hin anschauen kann. Ich gehe natürlich hinein und bin auch nicht der Einzige. Es ist ein Betonbau, es gibt keine Fenster und auch keine Inneneinrichtung mehr. In der ehemaligen Lobby steht das Wasser und es liegen viele Trümmer auf dem Boden, hauptsächlich Holzlatten und Reste der Deckenverkleidung, so dass ich gleich die Treppe in den ersten Stock nehme. Zu meiner Überraschung liegt dort der mit Wasser vollgesogene Teppichboden noch in den Gängen und Zimmern. Türen gibt es keine mehr, so dass man in die Zimmer gehen kann. Die Aussicht von den einzelnen Balkonen ist gar nicht schlecht und man kann sich kaum vorstellen, warum dieses Hotel kein wirtschaftlicher Erfolg geworden ist. Es ist schon ein komisches Gefühl, sich in solch einer Ruine zu bewegen und sich dabei vorzustellen, wie es wohl einmal gewesen ist, als hier noch Betrieb herrschte.

Es ist nicht mehr so sonnig, als ich mich auf den Weg mache zu den alten Aquädukten aus dem 14. Jh., die mit reichlich Grünzeug bewachsen sind. Da die Wolken nun dichter werden hier oben, fahre ich wieder an die Küste zurück und schaue mir zuerst noch kurz den Leuchtturm von Ferraria an, um dann das Thermalbecken Ponta da Ferraria zu besuchen, welches sich gleich nebenan befindet. Es muss eine Hauptattraktion hier sein, gemessen an den zahlreichen Mietwagen, die auf dem Parkplatz zu sehen sind. Leider ist die Straße hinunter wegen eines Erdrutsches gesperrt, so dass alle zu Fuß hinunterlaufen müssen. Hier sind viele, die baden gehen wollen, und ich bereue bereits, dass ich die Badeklamotten heute Morgen nicht mitgenommen habe. Aber als ich ankomme, tue ich das nicht mehr. Die wenigsten trauen sich in den natürlichen Pool hinein, weil heute jeder der großen Brecher massiv in das Becken schwappt und die Leute hin und her gespült werden. So mache ich ein paar Fotos und gehe dann an die Küste und schaue mir fasziniert das schäumende Meer an, wie es sich an den Felsen abkämpft. So vergesse ich fast die Zeit und stelle fest, dass ich eigentlich gleich direkt zum Essen fahren kann, als ich wieder am Auto bin.

26. Tag (16. Oktober 2025)

Noch bevor ich aufstehe, höre ich den Regen und bleibe deshalb gleich etwas länger liegen. Ich verlasse die Unterkunft erst zum spätestmöglichen Zeitpunkt und fahre dann durch den Nebel und Regen erst einmal zum Supermarkt, um einzukaufen. Ich versuche, mir möglichst viel Zeit zu lassen, da ich sowieso nichts anderes machen kann bei diesem Wetter.

Ich fahre die nördliche Küste ab, halte kurz in Rabo de Peixe und werfe einen Blick über den Hafen und einen in die Kirche. Es scheint auf den Azoren einen Architekturstil für Kirchen zu geben, denn in allen Orten sehen diese von außen gleich aus.

In Ribeira Grande schaue ich auch nochmal über die Klippen und fahre dann weiter, komme an den Teefeldern von Chá Gorreana vorbei und halte an, um diese mir anzuschauen. Hier passt ja der Nebel dazu und so gehe ich ein wenig durch die Plantage. Es ist die älteste Plantage in Europa und eine der zwei einzigen, die heute noch Tee produzieren. Als es wieder anfängt zu nieseln, gehe ich zurück zum Hauptgebäude, schaue mir die Produktion noch kurz an und trinke im Bistro dann natürlich einen Kaffee.

Anschließend wollte ich eigentlich noch eine kleine Wanderung in der Nähe von Lomba da Maia machen, aber es ist immer noch neblig und es nieselt, sodass es keinen Sinn macht, und ich fahre weiter in der Hoffnung, dass das Wetter besser wird. Kurz vor Nordeste klart es dann auf und die Sonne kommt zum Vorschein, so dass ich mir den Leuchtturm von Arnel noch anschauen kann.

Die Straße hinunter zum Leuchtturm und weiter bis zum Fuß des Kliffs ist so steil und mit so engen Haarnadelkurven versehen, dass auf einem Schild davor gewarnt wird, nicht mit dem Fahrzeug hinunterzufahren. So stelle ich das Auto oben ab und gehe zu Fuß hinunter. Es ist schon recht spektakulär und der Ausblick auf die Küste und den Leuchtturm ist bemerkenswert. Ich genieße den Abstieg und die Aussicht. Als ich ganz unten angekommen bin, bin ich mal wieder fasziniert von der Brandung, die kräftig an die Küste schlägt. Dann fängt es bei strahlendem Sonnenschein an zu nieseln und der Regen wird kurz darauf kräftiger und es zieht Nebel auf. Ich hoffe noch darauf, dass es bald wieder aufhört. Das tut es aber nicht, sodass ich ziemlich nass bin, als ich wieder oben ankomme. Der Schirm blieb natürlich im Auto bei dem Sonnenschein.

Daraufhin fahre ich weiter an der Ostküste entlang. Es scheint hier häufiger zu regnen, da die Vegetation sehr üppig ist und die Landschaft äußerst grün. Ich wollte nun zur nächsten Unterkunft fahren, aber es reißt wieder auf und die Sonne zeigt sich doch mal wieder. Es entsteht ein toller Regenbogen, den ich von einem Aussichtspunkt aus fotografieren muss. Es ist immer wieder überraschend heute, wie schnell sich das Wetter innerhalb weniger Minuten oder Kilometer vollständig ändert. Dabei ist bemerkenswerterweise die Temperatur nahezu immer gleich. Es kühlt nachts nicht ab und ist tagsüber nicht zu heiß. Und auch wenn es regnet, ändert sich die Temperatur so gut wie gar nicht. Sehr angenehm.

Schließlich erreiche ich Povoação und checke in der nächsten Unterkunft ein. Ich entspanne erst einmal nach dem turbulenten Tag und gehe am Abend etwas essen.

27. Tag (17. Oktober 2025)

Ich bin früh unterwegs und fahre die Südküste entlang, da es ein sonniger Tag sein wird. Zuerst komme ich nach Furnas, ein Örtchen, welches in einem Krater liegt, und wollte eigentlich nur durchfahren, um morgen bei schlechterem Wetter die heißen Quellen zu genießen. Aber ich nehme mir die Zeit, die Fumarole und die heißen Quellen der Stadt mir heute anzuschauen. Es sind noch keine Touristen unterwegs und so habe ich die ganze Gegend für mich alleine. Anschließend mache ich noch einen Stopp an einem Park, der irgendwie an einen gepflegten Kurpark erinnert. Später, als ich zufällig am Eingang des Terra-Nostra-Parks vorbeikomme, wird dieser gerade geöffnet. Es ist ein botanischer Garten, der in den letzten 250 Jahren angelegt wurde und in dem sich auch ein Thermalschwimmbad befindet, welches ich eigentlich morgen besuchen wollte. Aber als ich feststelle, dass man für den Park und sein Schwimmbad gemeinsam Eintritt bezahlt, entschließe ich mich spontan, ihn heute zu besuchen. So hole ich noch schnell die Badehose und das Handtuch aus dem Auto und gehe hinein. Zuerst schaue ich mir den Park an. Dieser ist schon recht beeindruckend mit seinen unterschiedlichen Pflanzen und den umfangreich angelegten Kanälen und Teichen. Da ich gleich morgens zur Öffnung des Parks da war, sind noch nicht so viele Leute da und es ist sehr angenehm.

Gleich darauf besuche ich natürlich auch die Hauptattraktion des Parks, das Thermalbecken. Es ist im Verhältnis zu normalen Schwimmbädern riesig und besitzt eine kleine Insel in der Mitte, bei einem Durchmesser von knapp sechzig Metern. Das Wasser ist aufgrund seines Eisengehalts braun und besitzt eine Temperatur von bis zu 38°C und ist nicht sehr tief. Ich verbringe fast eine Stunde darin und genieße einfach die Umgebung.

Danach fahre ich weiter und mache meinen nächsten Halt gleich in der Nähe am Lagoa das Furnas und schaue mir dort die Fumarole an. Hier wird auch das traditionelle Cozido das Furnas zubereitet, indem ein großer Topf mit Fleisch und Gemüse von der Erdwärme gegart wird, ähnlich dem Hangi in Neuseeland.

Dann sehe ich den Eingang zum Park, der eine schöne Aussicht auf Wasserfälle verspricht. Ich gehe kurzentschlossen hinein. Es sind sehr viele Stufen, die hinaufführen, und der Wasserfall führt recht wenig Wasser, was mich wundert, denn es hatte gestern viel geregnet.

Nun ja ich habe den Park wieder verlassen, bin auf die andere Seite des Sees gefahren und habe von dort noch den Blick über den Kratersee genossen. Als plötzlich eine Kapelle im neugotischen Stil zu sehen ist, bin ich doch überrascht, denn sie unterscheidet sich von allen anderen Kirchgebäuden auf der Insel.

Schließlich fahre ich aber am Nachmittag endlich zum Lagoa do Fogo hoch, zu dem ich heute eigentlich wollte. Als ich mit dem Auto am Kraterrand ankomme, ergibt sich ein toller Blick auf den Kratersee. Da ich hier nicht wandern möchte, brauche ich auch nicht so viel Zeit, wie ich gedacht hatte, um mich umzuschauen. Somit war der Tag gut ausgewogen und ich komme nach einer weiteren Stunde Fahrt wieder am Abend in der Unterkunft an.

28. Tag (18. Oktober 2025)

Das Wetter ist besser als erwartet und so fahre ich in den Nachbarort Faial da Terra und mache eine kleine Wanderung zum Wasserfall do Prego. Der Pfad führt durch üppigen Regenwald entlang des Bachs immer weiter hinauf in die Berge. Nach einer Stunde erreiche ich den Wasserfall und bin alleine dort, weil ich mal wieder früh aufgebrochen bin. Das merke ich aber erst später beim Abstieg, als mir zahlreiche Leute entgegenkommen.

Es ist ein sehr schöner Wasserfall, der auch, wohl auch wegen des Regens heute Nacht, ziemlich viel Wasser führt. In seinem Becken könnte man baden gehen, aber ich verzichte darauf, ebenso wie auf den weiteren Anstieg zu einem weiteren kleineren Wasserfall, weil ich bereits jetzt schon ganz verschwitzt bin aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit. Deshalb mache ich mich wieder auf den Rückweg. Im Dorfzentrum trinke ich noch was und werfe einen Blick über die Küste.

Ich möchte weiter nach Ribeira Quente, weil ich dort einen Teil des Küstenwanderwegs nach Povoação wandern möchte. Nach einer halben Stunde Fahrt komme ich dort an und als ich das Auto auf einem Parkplatz abstelle, liegt vor mir ein einladend schöner Strand mit toller Brandung, so dass ich mich entschließe, erst einmal an den Strand zu gehen und mich im Atlantik abzukühlen. Das Wasser ist recht warm und die Wellen spritzig.

Anschließend mache ich mich dann doch auf den Weg. Dieser steigt steil an, bietet zu Beginn zwei sehenswerte Aussichten auf die Küste und erklimmt anschließend immer neue Höhen, jedoch ohne weitere Aussichten zu bieten, so dass ich irgendwann genug habe und mich umdrehe, weil der Weg wenig reizvoll ist. Wieder unten im Dorf trinke ich noch was in einer kleinen Bar und beschließe dann den Tag. Auf der Rückfahrt durch die wahrscheinlich einzigen Tunnel auf der Insel mache ich noch kurz Halt, um mir einen sehenswerten Wasserfall von der Straße aus anzuschauen. Es sind natürlich wieder Insta-Leute da, die sich in Pose werfen. Man kann ihnen nicht entkommen.

29. Tag (19. Oktober 2025)

Es regnet und es ist grau draußen. So lasse ich mir morgens Zeit, da ich sowieso nicht wirklich einen Plan habe, was ich noch tun soll, bevor ich am Nachmittag nach Pico fliege. Ich checke spät aus dem Hotel aus und fahre mit dem Auto Richtung Ponta Delgada. Zuvor mache ich noch einen Stopp in Vila Franca do Campo. Es hat mittlerweile aufgehört zu regnen, aber die Luftfeuchtigkeit ist sehr hoch. In der kleinen Stadt gibt es weniger zu sehen, als ich gedacht hatte, und so bin ich nach einer halben Stunde, die ich hauptsächlich am Hafen verbracht habe, schon wieder auf dem Weg zum Auto. Ich fahre nach Ponta Delgada. Es ist zwar größer, aber auch hier gibt es nicht viel zu sehen und es ist auch nicht viel los. Alle Geschäfte und die meisten Restaurants sind am Sonntag geschlossen. So schlage ich ein wenig die Zeit tot und fahre dann frühzeitig zum Flughafen. Dort gebe ich das Auto wieder ab. Sie schaut es gar nicht an, weil man bei derartig vielen Kratzern und Macken sowieso nicht herausfindet, ob neue dazugekommen sind, was nicht der Fall ist. Am Check-in gebe ich mein Gepäck ab und gehe durch die Sicherheit. Das Gebäude ist recht überfüllt, weil ein Flug nach Porto verspätet ist und diese Passagiere somit immer noch da sind. Ich ergattere noch einen letzten Sitzplatz und warte auf mein Einsteigen.

Der Flug verlief ohne Probleme und es ist immer wieder schön, wenn man zu Fuß über das Rollfeld zum Flugzeug geht, um einzusteigen. Das Abholen des neuen Mietwagens war auch kein Thema und in rund zwanzig Minuten war ich dann an meiner neuen Unterkunft, in der ich nun eine ganze Woche bleiben werde. Es ist eine Ferienwohnung in einer alten Fischfabrik im ehemals bedeutenden Fischerhafen Porto do Calhau. Ich mache es mir gemütlich und beschließe, den Abend mit Blick auf die kräftige Brandung direkt vor der Türe zu verbringen.

30. Tag (20. Oktober 2025)

Gleich nach dem Aufstehen fahre ich zum Supermarkt und gehe erst einmal einkaufen. Danach mache ich mir Frühstück und überlege mir am Morgen, was ich die nächsten Tage so machen soll, da die Wetteraussichten nicht besonders gut sind für diese Woche. Ich komme zu keinem vernünftigen Plan und so beschließe ich, zuerst einmal nach Madalena reinzufahren, mich umzuschauen und ein paar Dinge zu klären. Zuerst einmal finde ich heraus, dass es doch möglich ist, in der Nebensaison mit einem Mietwagen auf die Fähre zu kommen. Deshalb buche ich gleich mal für überübermorgen die Fähre nach Faial rüber und lege mich für einen Tagesausflug auf die Nachbarinsel fest. Dann schaue ich nach der Möglichkeit, eine Whale-Watching-Tour zu machen, aber die Saison scheint nun so gut wie zu Ende zu sein, weil zwei Veranstalter nicht mehr fahren und auch das Wetter und der Wellengang gegen eine Tour sprechen. So lasse ich das Thema einfach mal offen.

Am Nachmittag möchte ich mir den großen Lavatunnel hier in der Nähe anschauen, muss aber feststellen, dass dieser wegen einer instabilen Decke bereits seit Anfang des Jahres geschlossen ist. Im Internet finde ich noch den Hinweis auf einen nicht offiziellen Lavatunnel, den man auf eigene Faust begehen kann. So fahre ich nochmals in die Unterkunft zurück, ziehe die Bergstiefel an und nehme die Stirnlampe mit. Sobald ich die Küste mit dem Auto verlassen habe, befinde ich mich in dichtem Nebel. Nach zehn Minuten Fahrt erreiche ich mein Ziel und gehe das kurze Stück auf die Wiese. Der Einstieg ist sogar mit einigen Treppenstufen ausgebaut. Der Tunnel selbst ist nur wenige Meter lang, man braucht aber trotzdem die Lampe und steht in einer faszinierenden Welt. Überall tropft es von der Decke und der Einstieg ist stark zugewachsen.

Im Anschluss fahre ich wieder an die Küste hinunter und schaue mir noch das Weinanbaugebiet an, welches unter das UNESCO-Weltkulturerbe fällt. Denn die Reben stehen einzeln, umgeben von einer Mauer aus Lavagestein, um vor dem Wind geschützt zu sein. Aus der Ferne sieht es deshalb mehr aus wie ein Lavafeld als wie ein Weinberg. Selbst wenn man näher rangeht, muss man zweimal schauen, bis man es erkennt. An der Küste gehe ich dann noch über erkaltete Lava, an der sich die Brandung abarbeitet, sodass das Wasser der Wellen metertief spritzt. Wieder in der Unterkunft zurück setzte ich mich noch mit einem Bier an die Küste und schaue einfach der Brandung zu, die mich sehr fasziniert.

31. Tag (21. Oktober 2025)

Ich fahre an die Nordküste, weil dort das Wetter besser ist, und schaue mich ein wenig um und gehe über die erkaltete Lava an der Küste spazieren. Dabei ist gegenüber die Insel São Jorge zu sehen. In São Roque schaue ich mir die dortige Windmühle an, die schön hergerichtet ist, und verbringe noch Zeit an den natürlichen Pools dort. Leider habe ich die Badeklamotten nicht dabei, ansonsten wäre ich spontan ins Wasser gegangen. So muss ich wohl nochmals hierher zurückkommen.

Dann fahre ich den Berg hinauf und schaue schnell beim Lagoa do Caiado vorbei, der aber wegen des Nebels nicht zu sehen ist, und fahre wieder auf der anderen Seite hinunter nach Lajes, um nochmals nach einer Whale-Watching-Tour zu schauen. Es gibt noch einen Anbieter, der auch am Freitag noch eine Tour anbietet, aber ich bin unschlüssig, ob es sich noch lohnt und es nicht besser ist, wegen der starken Dünung darauf zu verzichten.

Als ich in der Unterkunft zurück bin, will ich schnell noch die Badeklamotten einpacken und zum Schwimmen fahren, aber die gerade sehr hohe Brandung fesselt mich für die nächsten neunzig Minuten, so dass ich anschließend nur noch nach Madalena zum Essen fahre.

32. Tag (22. Oktober 2025)

Es regnet, als ich aufstehe, was ich nach der Vorhersage erwartet habe. Ich mache mir heute einen faulen Tag, sodass ich wohl nichts unternehmen werde. So verbringe ich den Tag in der Unterkunft, surfe im Internet und fahre zwischendurch kurz zum Supermarkt und verplempere den Tag.

33. Tag (23. Oktober 2025)

Ich bin noch vor Sonnenaufgang unterwegs und fahre nach Madalena zum Fährterminal, um einen Tagesausflug auf die Nachbarinsel Faial zu machen. Weil es außerhalb der Saison ist, kann ich mit meinem Mietwagen übersetzen, da die Fähre maximal nur 15 Fahrzeuge befördern kann.

Als ich in Horta ankomme, habe ich nicht wirklich einen Plan, was ich machen soll. So fahre ich einfach mal los, will Horta anschauen, bevor ich mit der Fähre am Abend wieder nach Pico zurückfahre. Ich steuere im Uhrzeigersinn um die Insel und halte zuerst kurz an der Poça da Rainha und fahre dann zu meinem ersten richtigen Stopp am Morro de Castelo Branco, einem Vogelfelsen, der natürlich nicht direkt zugänglich ist. Aber man kann hinlaufen und von der Nähe aus in die Steilwand blicken. Es sind immer noch Vögel beim Brüten, wie mir im kleinen angrenzenden Museum erklärt wird. Ich habe leider die lange Linse nicht mitgenommen und somit ist nicht wirklich viel zu sehen.

So erreiche ich mein persönliches Highlight der Insel, den Vulkan dos Capelinhos, der 1957/58 ausgebrochen und entstanden ist. Dazu nehme ich nicht die Hauptstraße, sondern ich biege an die Küste ab und nähere mich dem Ort über eine Schotterpiste, die immer wieder Ausblicke auf das Meer und auch auf den vom Vulkan zerstörten Leuchtturm bietet. Als ich am Leuchtturm von Ponta dos Capelinhos ankomme, stelle ich das Auto ab und gehe ins Besucherzentrum, welches unterirdisch vor dem alten Leuchtturmgebäude gebaut wurde. Nach dem Eintritt kann man sich detailliert über den damaligen Ausbruch und die Entstehung des neuen Landes informieren. Der Höhepunkt aber war natürlich die Besteigung des Leuchtturms und der Blick von dort oben auf das neu entstandene Land, welches sich das Meer bereits zur Hälfte wieder zurückgeholt hat. Und das gerade mal in rund siebzig Jahren.
Ich gehe anschließend noch auf die Klippe hinauf, um mir auch von ganz oben noch einen Blick zu verschaffen.

Was von dort eindeutig zu erkennen ist, ist immer noch die Vegetationsgrenze zwischen dem Land, welches von der Asche verwüstet wurde, und dem Teil der Insel, der nicht so stark davon betroffen war.

Nun will ich noch austesten, ob es einen Blick von den höchsten Erhebungen der Insel gibt, und fahre dazu auf den Cabeço Verde hinauf. Aber zu meiner Enttäuschung ist leider kein Blick an die Küste hinunter möglich, weil sich immer wieder Wolken bilden und hochziehen. Ich mache dort oben trotzdem eine Pause zum Essen und Trinken in der Hoffnung, dass es sich vielleicht doch noch auflöst. Aber das ist nicht der Fall, so dass ich auch die Fahrt hinauf zur Caldeira do Cabeço Gordo vergessen kann. Hätte ich doch gleich am Morgen machen sollen, aber ich dachte noch, dass es am Nachmittag besser wird und sich die Wolken auflösen. Nun ja, eben falsch gedacht.

So besuche ich in Paria do Norte den Strand da Fajã und verbringe dort. Kurz überlege ich noch, ob ich die Badehose anziehen soll, um mich in die Fluten zu stürzen, aber dann sind mir die Brecher doch ein wenig zu gewaltig.

So schaue ich zu, wie sich die blauen Wellen am schwarzen Strand zu weißer Gischt brechen, während dahinter die dunklen Klippen mit frischem Grün steil aufsteigen und das Szenario vervollständigen.

Die Zeit schreitet weiter voran und ich muss dran denken, dass ich die Fähre erreichen muss. So will ich nach Horta zurück und mache auch nur noch einen kurzen Halt an einem Aussichtspunkt, von dem die Küste wieder einmal schön zu sehen ist. Nach Horta zieht sich die Strecke dann doch mehr als gedacht und so bleibt mir nur noch eine halbe Stunde, um mir Horta anzuschauen. Horta ist ein ganz besonderer Ort auf den Azoren, denn hier wurden vor rund hundert Jahren die ersten transatlantischen Seekabelverbindungen aufgebaut und hier befindet sich das Parlament der Region Azoren. Nach dem Krieg entwickelte sich der Ort zu einer Hochburg der Segler, die alle hier Station machen, wenn sie den Atlantik überqueren. Dazu gibt es die Tradition, dass jede Crew sich mit einem Gemälde auf der Hafenmole „verewigt“, um kein Unglück zu erleiden. Deshalb sind hunderte Gemälde zu sehen. Frische aus diesem Jahr und auch schon stark verblichene aus den vorigen Jahrzehnten.
Dann reicht die Zeit leider nur noch für einen kurzen Blick in Peter Café Sport, die berühmte Seglerbar hier in Horta. Deren Wände und Decke sind mit so vielen Devotionalien, Wimpeln und Andenken an die unzähligen Crews, die hier ein- und ausgegangen sind, dekoriert, dass kein Fleckchen Platz mehr ist. Ich hätte gerne noch mehr Zeit verbracht und gemütlich ein Bier getrunken.

Die Fähre brachte mich dann wieder in einer halben Stunde nach Pico zurück, wo ich erst einmal zum Essen eingekehrt bin und den Tag auf einer Terrasse am Fährterminal ausklingen ließ.

34. Tag (24. Oktober 2025)

Ich wache erst auf, als es bereits hell ist. Deshalb fahre ich gleich zum Supermarkt, um was zum Frühstück zu holen. Nehme aber vorsichtshalber schon mal die Kamera mit, denn man weiß ja nie. Als ich oben an der Hauptstraße ankomme, sehe ich, dass der Gipfel des Pico wolkenfrei ist, und deshalb ändert sich der Tagesplan schlagartig. Schnell was im Supermarkt eingekauft, schiebe ich mir zum Frühstück zwischen die Zähne und fahre schon mal die Straße in Richtung Pico hinauf. Um eine Gipfelwanderung zu machen, bin ich jedoch bereits zu spät dran und auch nicht vorbereitet, so dass dies nichts wird, aber ich fahre mal den Berg hinauf, um zu fotografieren. Vor allem auf die andere Seite des Berges, weil dort die Sonne steht. Ich halte immer wieder an und fotografiere. Der Kegel ist perfekt geformt und ragt steil gegen den Himmel. Im Vordergrund kommen mir dazu noch die für die Insel charakteristischen cremefarbigen Rinder vor die Linse. Richtig schön.

Gleich im Anschluss besuche ich den Lagoa do Caiado, einen kleinen See in rund 800m Höhe auf dem Plateau. Der See liegt schön eingebettet in einer Senke und bietet einen tollen Blick bis hinunter zum Meer und auf die Nachbarinsel São Jorge. Ich verbringe eine Weile dort und laufe auch noch halb um den See herum. Ich fahre wieder zurück, um noch einen Stopp am Lagoa do Capitão zu machen, der auch einen guten Blick auf den Pico im Hintergrund gewährt und sehr sehenswert ist.

Nun war es an der Zeit, endgültig zum Pico hinaufzufahren, beziehungsweise zur Casa da Montanha, dem Startpunkt zur Gipfelbesteigung in ca. 1.300m Höhe. Als ich ankomme, bin ich überrascht, denn es ist heute die Zielankunft eines Berglaufs. Dieser führt die Läufer über 25km von der Küste hierher. Somit ist recht viel los hier oben. Der Gipfel ist bereits wieder von Wolken verhüllt, aber die Sicht hinunter zur Küste und zur Nachbarinsel Faial ist klar und schön. Als ich da bin, reizt mich der Aufstieg schon, aber es ist bereits Mittag und es macht wenig Sinn. Aber ein bisschen wandern am Pico will ich schon noch und hole mir deshalb eine Genehmigung zum Aufstieg bis zur Furna Abrigo. Ein Anstieg von etwa einer halben Stunde. Aber ich bekomme einen Eindruck vom Weg, der hauptsächlich steil über scharfkantige und unwegsame Lava führt.

An dem kleinen Vulkankrater angekommen, schaue ich mich erst einmal um. Der Vulkanschacht führt so in die Tiefe, dass man den Grund nicht sehen kann. Wenig später treffe ich noch auf zwei jüngere Portugiesen, die gerade vom Gipfel kommen und mitteilten, dass die Aussicht heute Morgen überragend war. Nun ja, man kann nicht alles haben. Ich drehe dann wieder um und steige zur Hütte ab, die ich auch schnell erreiche.

Ich entschließe mich dann, nach São Roque runterzufahren und dort in den natürlichen Pools baden zu gehen, denn heute habe ich die Badeklamotten im Kofferraum. Nicht wie vorgestern, als ich schon einmal dort war. Als ich ankomme, bin ich erst einmal überrascht, weil die Brandung derartig stark ist, dass die Brecher teilweise über die Felsbarriere in den Pool schwappen. Das ist nicht weiter schlimm, da das Wasser im Pool trotzdem noch verhältnismäßig ruhig ist. Aber ich hatte nicht damit gerechnet. Der Spaß ist aber umso größer. Das Wasser ist recht warm und ich genieße das natürliche Wellenbad, in dem man immer ein bisschen gegen die Strömung schwimmen muss, damit man den Felsen nicht zu nahekommt. Ein bisschen komisch ist es schon, wenn man sieht, wie eine Wasserwand von rund einem halben Meter über die Felsen ins Becken flutet. Als ich aus dem Wasser komme, ist es doch warm, obwohl sich die Sonne hinter Wolken versteckt. Es war ein sehr schönes Badeerlebnis, welches ich vielleicht nochmals hier auf der Insel wiederhole.

Es ist bereits wieder später Nachmittag, so dass ich zurückfahre, um den sehr spontanen und erlebnisreichen Tag abzuschließen.

35. Tag (25. Oktober 2025)

Ich weiß nicht ganz genau, was ich heute unternehmen soll. Ich setzte mich ins Auto und fahre auf dieser Seite der Insel nach Osten. Der Pico ist in Wolken gehüllt und die Vorhersage kündigt Regen an, aber im Moment scheint die Sonne. Zuerst mache ich in Lajes Halt und schaue mich ein wenig um. Dabei zieht ein Regenschauer rein und es bildet sich ein herrlicher Regenbogen direkt über den Segelbooten im Hafen. Ich kaufe noch Souvenirs, wenn ich schon auf Grund des Wetters keine Whale-Watching-Tour machen kann.

Anschließend schaue ich mir die Ortschaften entlang der südlichen Küste an und schlendere ein wenig herum. Es sind die speziellen Weinberge zu sehen, in denen die Reben zwischen Mauern aus Lavabrocken stehen, und auf der anderen Seite sieht man an der Küste die Brandung gegen die Klippen schlagen. Generell stelle ich fest, dass die Insel einen sehr gepflegten Eindruck bei mir hinterlässt. Die Häuser sind alle scheinbar frisch renoviert und auch die Straßen sind in einem guten Zustand. Es ist aufgeräumt und es ist kein Unrat zu sehen.
Ich entdecke noch einen Ausguck, der zum Beobachten von Walen im vorherigen Jahrhundert gedient hat. Dort wurde nach Walen Ausschau gehalten, um die Walfänger dann dorthin zu dirigieren. Heute wird das auch noch gemacht, aber auf den Booten sind nur noch Touristen, die mit Kameras und nicht mehr mit Harpunen schießen.

Die Küste ist in diesem Teil der Insel sehr steil und ich merke, dass ich mit dem Auto immer wieder viele Höhenmeter überwinden muss, wenn ich von einem Ort zum anderen will. Schließlich am östlichsten Ende angekommen, stelle ich das Auto am Leuchtturm Ponta da Ilha ab und gehe auf die Lavaklippen hinaus, um mir die natürlichen Naturbögen anzuschauen, die das Meer aus der Lava herausgebrochen hat. Wenn man über die Lava läuft, bekommt man den Eindruck, als ob dieses Gestein erst vor kurzem erstarrt ist, dabei sind es schon einige hundert Jahre. Es ist noch absolut scharfkantig und es hat sich auch noch so gut wie keine Vegetation darauf ausgebreitet. Einfach faszinierend.

Auf dem Rückweg zur Hauptstraße fahre ich noch an einem Aussichtspunkt vorbei, zu dem ich schlussendlich noch zehn Minuten hochlaufen muss. Ich werde aber mit einem herrlichen Blick nach São Jorge hinüber belohnt. Was nicht so schön ist, sind die herüberziehenden Regenwolken.

Da die Uhr bereits fortgeschritten ist, mache ich mich nun auf der nördlichen Seite der Insel auf den Rückweg, halte nochmals an zwei Aussichtspunkten und erreiche dann Madalena zu einer Zeit, zu der ich gleich essen gehen kann.

36. Tag (26. Oktober 2025)

Es ist ein regnerischer Tag auf Pico und gleichzeitig auch mein letzter. Deshalb vertrödele ich den Morgen und mache mich erst gegen Mittag auf, etwas zu unternehmen. Ich weiß nicht ganz genau, was ich machen soll. So werfe ich die Badeklamotten in den Kofferraum, denn es wird wohl die letzte Möglichkeit auf dieser Reise sein, Baden zu gehen.

Aber ich komme nicht wirklich weit. Ich fahre nochmals in den Weinberg, in dem ich die Windmühle noch fotografieren möchte, und sehe dabei die starke Brandung an der Küste. So dass ich den Weg zur Küste nehme und mir auf den Lavaklippen die Brandung anschaue. Da der Wind gestern gedreht hat, sind die Wellen an diesem Küstenabschnitt höher. Es zieht ein Schauer herüber, der aber vorbeizieht und ich keinen Regen abbekomme. Beim zweiten Schauer ist das anders. Der Wind treibt die Tropfen vor sich her und auch der kleine Schirm, den ich dabei habe, kann nur den Oberkörper einigermaßen trocken halten. Die Hose und die Schuhe werden nass. Ich gehe deshalb zum Auto zurück und will es näher an die Küste stellen, falls nochmals ein Schauer reinzieht. So fahre ich mit dem Auto nach vorne und stelle mich wieder an die Küste. Ich kann gar nicht genug davon bekommen.

So verbringe ich den restlichen Tag. Zwischendurch taucht noch Jasmine aus der Schweiz auf und wir unterhalten uns, während wir beide die Brandung bestaunen. Als sie sich verabschiedet, bleibe ich auch nicht mehr lange und gehe noch das Auto tanken und etwas einkaufen.

Lissabon und der Norden von Portugal & Spanien

37. Tag (27. Oktober 2025)

Es geht wieder nach Lissabon zurück. Ich bin gut in der Zeit und fahre zum Flughafen, so dass ich etwa zwei Stunden vorher da bin. Aber so habe ich es auch schon sehr lange nicht mehr erlebt. Ich stelle das Auto ab und muss nur den Schlüssel am Schalter abgeben, denn das Auto wird gar nicht angeschaut. Im Terminal sind außer mir noch eine Handvoll anderer Passagiere. D. h., alles in allem habe ich zwischen dem Parken des Autos und dem Erreichen des Flugsteigs rund zehn Minuten gebraucht. So finde ich das klasse. Jetzt muss ich nur noch viel Zeit absitzen, bis dann der Flug auch geht. An den Flughäfen verschätzt man sich zeitlich irgendwie immer. Mal in die eine, mal in die entspanntere Richtung.

Der Flug verlief ruhig, der Landeanflug auf Lissabon jedoch ist recht spektakulär, denn die Maschine befindet sich im Anflug nur knapp über den Häusern, denn der Flughafen liegt mitten in der Stadt. Fast so spektakulär wie der ehemalige Airport in Hongkong, nur dass unser Pilot hier keine Kurve mehr kurz vor dem Aufsetzen fliegen musste.

Nach der Landung in Lissabon hat alles soweit geklappt: Ich wurde vom Parkhaus-Shuttle abgeholt, nachdem ich dort angerufen hatte. Die Typen von Jetparking haben mein Auto zwischenzeitlich nicht verkauft und ich konnte es wieder so in Empfang nehmen, wie ich es abgegeben hatte. Danach fuhr ich zur angegebenen Adresse meiner Unterkunft, welche nur zehn Minuten entfernt liegt.

Für das automatische Einchecken in das Appartement und den Tiefgaragenparkplatz habe ich dann mehr als eine halbe Stunde benötigt, bis ich die richtigen Türen in dem Wohnblock gefunden und alle nötigen Codes eingegeben hatte. Nun ja, so habe ich nun eine Wohnung in der Nähe des ehemaligen Expo-Geländes von Lissabon. Die Metro ist nicht weit, ein Supermarkt gleich um die Ecke und Restaurants gibt es fußläufig auch genug. Kurz nach Sonnenuntergang bin ich noch an das Ufer des Tejo gegangen, welches nicht weit ist, und bekam einen wunderbaren Blick auf die Vasco-da-Gama-Brücke und auf den Vasco-da-Gama-Turm, ein imposantes Hotel.

38. Tag (28. Oktober 2025)

Zuerst habe ich mir mal ein Drei-Tage-Ticket für die Öffentlichen gekauft. Am Automaten hat das irgendwie nicht geklappt, so dass ich es online machen musste. Das ging auch und ich fuhr mit der Bahn ins Zentrum, aber es war nicht die Metro, wie ich gedacht hatte, sondern ein Vorortzug. Als ich dann am Bahnhof in die Metro umsteigen wollte, fehlte mir ein Ticket, welches ich auf den Scanner der Durchgangssperre hätte halten können. Glücklicherweise tauchte gleich eine Metro-Bedienstete auf, die ich ansprechen konnte. Irgendwie musste ich dann noch zweimal eine Mail bestätigen und Daten eingeben, so dass ich dann wiederum eine Mail mit einem PDF-Anhang erhielt, von dem ich die eine Registrierungsnummer wiederum an einem Ticketautomaten eingeben musste. Zum Glück hatte ich Hilfe und der Automat hat dann ein Ticket ausgespuckt. Echt irgendwie kompliziert.

Nun ja, als ich dann mit der Metro dort ankam, wo ich hinwollte, hatte ich mal wieder keinen Plan. Der Himmel war bedeckt und ich habe zuerst mal die Haltestelle der bekannten Straßenbahnlinie 28 angesteuert. Die Warteschlange der Touristen war derartig lang, dass ich es erst gar nicht in Erwägung gezogen habe, mich anzustellen. So laufe ich Richtung Praça da Rossio und komme an der berühmten Bar „A Ginjinha“ vorbei und probiere den Sauerkirschenlikör. Werde wohl auf dem Rückweg eine Flasche mitnehmen. Denn über Zusatzgepäck braucht man sich keine Gedanken zu machen, wenn man mit dem Auto unterwegs ist. Den Platz do Rossio und auch den gleich danebenliegenden Platz da Figueira schaue ich mir ausgiebig an. Weiter geht es zum Elevador de Santa Justa, mit dem ich nach oben zum Archäologischen Museum fahren will. Aber er ist außer Betrieb, so dass ich laufen muss. Das Besondere an dem Museum ist, dass es teilweise auch aus einer Kirchenruine besteht, die durch das Erdbeben 1755 zerstört wurde. Aber da der Himmel grau ist, gehe ich nicht hinein und schaue es mir nur von außen an. Gleich nebenan fährt vielleicht irgendwann mal wieder die Seilbahnlinie 51E – Ascensor Glória, die ebenfalls außer Betrieb ist. Es fahren nur langweilige Elektrominibusse.

Nachfolgend steige ich wieder ab und schlendere in Richtung des Flussufers des Tejo. Dort erreiche ich den beeindruckenden Praça do Comércio und werfe einen Blick auf den Arco da Rua Augusta und die umliegenden Prachtbauten.

Danach bewege ich mich Richtung der Kathedrale von Lissabon, als es anfängt zu regnen. Ich gehe zügigen Schrittes zur Kathedrale und stelle mich an einer Haltestelle unter. Wenige Minuten später kommt eine Straßenbahn der Linie 28 vorbei und ich entscheide mich spontan, einzusteigen und mitzufahren. Ich glaube, es ist der spannendste Abschnitt der Strecke, der folgt, denn es geht durch die sehr schmalen Gassen der Alfama hinauf und auch wieder steil hinunter. Ich steige dann spontan an der St.-Vincent-de-Fora-Kirche wieder aus. Muss mich dort unterstellen, weil es wieder stärker regnet und ich heute Morgen optimistisch den Schirm in der Wohnung gelassen habe. Wie oft habe ich den schon rumgetragen, als ich ihn nicht brauchte?

Als es nur noch leicht regnete, nahm ich wieder die Straßenbahn und fuhr zurück zum Praça Martim Moniz. Als ich ankomme, scheint es etwas aufzuklaren, so dass ich mich entscheide, in der Stadt zu bleiben und auf die Burg hochzugehen. Aber irgendwie drifte ich ein wenig in den Gassen ab und befinde mich wieder in den engen Gassen der Linie 28, wo ich erst einmal verbleibe, um zu versuchen, ein passables Bild von einer Straßenbahn zu bekommen, die gerade um eine Hausecke biegt, ohne Autos drumherum.

Dann fängt es wieder stärker an, zu regnen. Ich finde den Eingang zur Burg und erwarte, dass man sich Innenräume anschauen kann. Dies ist aber nicht der Fall, so dass ich darauf verzichte, im Regen auf der Burg rumzulaufen. Da es nicht so aussieht, als ob es heute noch aufhört, entschließe ich mich, auf dem Rückweg schnell den Ginja und eine kleine Blechstraßenbahn als Souvenir zu kaufen und dann auch den Heimweg zu machen. Zwischenzeitlich stelle ich mich noch mehrmals unter und komme trotzdem recht nass gegen Nachmittag wieder in der Wohnung an. Das Einzige, was jedoch definitiv bewiesen wurde, ist, dass mein neuer Hut aus Kork wasserdicht ist.

39. Tag (29. Oktober 2025)

Es ist bewölkter Himmel, aber es scheint so, als ob es aufklart, als ich mich auf den Weg mache. Ich fahre mit der Metro und der Straßenbahn nach Belém. Als ich aussteige, scheint die Sonne, aber der Torre de Belém ist eingerüstet und man sieht nicht viel davon. Gleich nebenan liegt das Denkmal für die Veteranen der Kolonialkriege, welche Portugal bis in die Siebzigerjahre geführt hat. Es ist gerade Wachablösung, als ich vorbeikomme.

Ich gehe am Ufer entlang und komme am Leuchtturm und gleich danach an dem bekannten Denkmal der Entdeckungen vorbei. Es ist einen Blick wert und ich mache auch ein paar Fotos, aber hinein oder auf die Aussichtsterrasse gehe ich nicht.

Ich wende mich dem berühmten Hieronymitenkloster zu, dessen Besucherschlangen ich bereits aus der daran vorbeifahrenden Straßenbahn gesehen habe. Es ist eines der bedeutendsten Bauwerke der portugiesischen Variante der Spätgotik und hat das schwere Erdbeben von 1755 überstanden. Ich frage mal nach, ob es noch Tickets gibt. Und tatsächlich bekomme ich noch eines für den Einlass in etwa einer halben Stunde. Diese nutzte ich, um schnell was essen zu gehen und gleichzeitig den vorüberziehenden Regenschauer im Trockenen zu verbringen. Als ich mich in die Warteschlange einreihe, vergeht doch noch mehr als eine halbe Stunde, bis ich reingehen darf. Außen schaue ich währenddessen auf die reich verzierte Kalksteinfassade, die von der Sonne angeleuchtet wird, während sich dahinter dunkle Regenwolken türmen. Eine beeindruckende Kulisse.

Zuerst steige ich einen schlossähnlichen Treppenaufgang hinauf und betrete anschließend den Kreuzgang des Innenhofes im oberen Stock. Ich muss schon sagen, dass der Anblick wirklich sehr imposant ist und von herausragender Baukunst zeugt. Der Rundweg führt dann in den Kreuzgang des Erdgeschosses, von dem aus man das Refektorium betreten kann. Im Anschluss besuche ich auch noch die Klosterkirche, welche aber innen fast zur Hälfte mit Gerüsten verbaut ist. Deshalb halte ich mich nicht allzu lange auf und werfe beim Hinausgehen noch einen Blick auf das Grab Vasco da Gamas.

Danach möchte ich noch auf die Aussichtsplattform der großen Hängebrücke gehen, die sich auf Pfeiler 7 befindet. Als ich dort ankomme und ein Ticket kaufen möchte, wird darauf hingewiesen, dass der Aufzug kaputt sei und man die Treppen nehmen könnte. Irgendwie passt es zu dem Eindruck, den ich von der Stadt erhalte. Sie erscheint nicht wirklich gepflegt. Viele beschädigte Dinge werden scheinbar nicht repariert. Obdachlose und Bettler gibt es augenscheinlich viele und in vielen Ecken sieht man Müll und Unrat.

Nun ja, dann nehme ich eben die Treppe und als ich schließlich oben ankomme, bin ich etwas enttäuscht, weil der Ausblick doch recht dürftig ist und zudem schaut man nur durch verschmutzte Scheiben. So gehe ich wieder runter und entscheide mich, mit der Metro zurückzufahren, noch ein wenig durch das ehemalige EXPO-Gelände bei mir um die Ecke zu schlendern und noch mit der dortigen Seilbahn zu fahren. Dann wird es auch bereits dunkel und ich gehe in die Wohnung zurück. Es ist eben doch schon fast November und die Tage sind merklich kürzer.

40. Tag (30. Oktober 2025)

Ich fahre wieder in die Stadt und möchte mir noch einiges anschauen, was ich noch nicht gesehen habe. Die erste Station ist der Parque Eduardo VII mit Blick auf das Zentrum der Stadt und die Statue Marquês de Pombal, die sich dort befindet. Am Rande des Parks ist noch der portugiesische Pavillon von der Weltausstellung 1922 in Brasilien zu sehen, der nach der Ausstellung abgebaut und nach Lissabon verfrachtet wurde. Heute wird er als Tagungszentrum genutzt.

Ich gehe weiter ins Bairro-Alto-Viertel, in dem ich zuerst den Aussichtspunkt von São Pedro de Alcântara erreiche und den Blick über die Stadt und die Festung schweifen lasse. Da es noch früh am Morgen ist, kann man nicht sagen, dass im Ausgehviertel der Stadt viel los ist. Das Viertel ist stark studentisch geprägt. So brauche ich nicht viel Zeit, um hindurchzulaufen. Ich treffe auf die Straßenbahn und fahre zur Kathedrale von Lissabon, um diese innen zu besichtigen, was durch den Regen vorgestern nicht geklappt hat. Gleich nach dem Bezahlen des Eintritts hat man auch die Möglichkeit, die Schätze in Form von prunkvollen Gewändern, Pokalen und anderen Insignien der Kirche zu bestaunen. Das Kirchenschiff und der Altarraum sind nicht ganz so prunkvoll ausgestattet, wie ich es in Hinblick auf die spanischen Kathedralen erwartet hätte. Nichtsdestotrotz ist die Kathedrale sehr bedeutend, denn sie ist die Hauptkirche Lissabons, die bereits im 12. Jh. auf den Grundmauern einer Moschee gebaut wurde.

Ich schaue noch von dem Aussichtspunkt Santa Luzia und sehe sofort, warum in der Stadt heute so viele Touristen unterwegs sind. Es liegen zwei der riesigen Kreuzfahrer mit rund dreihundert Metern Länge am Kai und verschandeln den Blick auf den Fluss.

Weil ich mir noch das Parlamentsgebäude anschauen will, nehme ich erneut die Straßenbahn und fahre in die andere Richtung. Zuvor steige ich aus und schaue mir die Markthalle „Time Out“ an, die sich als riesige „Fressmeile“ herausstellt. Weil ich aber nun schon da bin, esse ich ein leckeres Sushi zu Mittag und gehe im Anschluss zu Fuß zum Parlament, wobei ich noch durch die Gassen schlendere. Die Fassade des Gebäudes ist sehenswert. Mehr als das Gebäude von außen anzuschauen, ist dort nicht zu tun, sodass ich mit der Straßenbahn nun wieder zurückfahre, um die Festung zu besuchen, was ich ja vorgestern nicht getan habe. Der Ausblick auf die Stadt und den Fluss ist lohnenswert und wahrscheinlich auch der Hauptgrund, warum die Leute den Eintritt bezahlen. Die Festung selbst gibt jetzt nicht wirklich viel her, was man sich anschauen kann, außer alte Steine und Treppen.

Ich verlasse das Gelände wieder und marschiere auf den nächsten Hügel hinauf, zum Aussichtspunkt auf dem Platz vor dem Kloster Graça, und schaue mir auch aus dieser lohnenswerten Perspektive die Stadt an, weil auch die Festung sich mit im Blick befindet. Nach einer Cola mit Aussicht beschließe ich, nochmals nach Bairro Alto rüberzufahren und mir die Ascensor-da-Bica-Standseilbahn anzuschauen. Auch diese ist außer Betrieb. Sie haben aber wenigstens am oberen Ende einen Wagen als Dekoration für die Touristen stehen lassen, so dass ich ein paar Bilder machen kann.

Dann neigt sich der Tag bereits dem Ende entgegen und es dämmert schon wieder, so dass ich mich entschließe, noch durch die Einkaufsstraße zu bummeln, bevor ich mit der Metro wieder in die Wohnung fahre.

Überraschenderweise bin ich heute doch recht häufig mit der Straßenbahnlinie 28 gefahren und finde, dass es sich dabei um die wohl bemerkenswerteste Linie auf der Welt handelt. Es ist nicht nur das Alter, die enormen Steigungen und die sehr engen Kurven, sondern vor allem die Linienführung an sich durch die engen Gassen der Lissaboner Altstadt. Eine wirklich einmalige Erfahrung.

41. Tag (31. Oktober 2025)

Es ist ein regnerischer Tag und auch mein dreitägiges ÖPNV-Ticket ist abgelaufen. Deshalb mache ich mich heute mit dem Auto auf Erkundungstour. Da die Christus-Statue in Almada erst um 10:00 Uhr öffnet, bin ich auch entsprechend spät losgefahren. Dazu überquere ich die Brücke des 25. April über den Tejo, eine der längsten Hängebrücken der Welt.

An der Cristo-Rei-Statue ist noch nicht viel los, so dass ich gleich nach oben auf die Aussichtsplattform fahren kann, um dem aufziehenden Regen noch zuvorzukommen. Die Bischöfe Portugals gelobten aus Dankbarkeit, eine Statue zu errichten, sollte Portugal nicht in den Zweiten Weltkrieg hineingezogen werden. Die Bauarbeiten starteten 1949 und die Einweihung erfolgte zehn Jahre später.

Die Aussicht ist fantastisch, man kann, heute leider nur eingeschränkt, den Atlantik auf der einen und die Stadt auf der anderen Seite sehen. Direkt daneben steht die Brücke des 25. April, die von hier oben gar nicht mehr so gewaltig wirkt, als wenn man darunter steht. Es windet stark, weshalb ich nach recht kurzer Zeit wieder den Aufzug nach unten nehme.

Ich fahre wieder über die Brücke zurück auf die andere Seite des Tejo, weil ich vorhatte, an der Küste entlangzufahren und den Nationalpark Sintra-Cascais zu besuchen. Es handelt sich aber eher um Autowandern, denn die Aussicht ist recht trübe und es fallen immer wieder Tropfen. In Cascais stelle ich das Auto doch mal für eine Stunde ab und schlendere ein wenig durch die Marina, werfe einen Blick auf den Leuchtturm und schaue mal wieder der Brandung zu, die heftig gegen die Steilküste donnert. Ein wenig weiter stoppe ich noch an der Boca do Inferno, einer Schlucht, die von einem natürlichen Bogen überspannt wird und in welche die Wellen schlagen. Es setzt Nieselregen ein und der Wind macht meinen Schirm zu einem wenig nützlichen Gegenstand.

Ich fahre weiter die Küste entlang. Der Regen nimmt deutlich zu und die Sicht deutlich ab. Ich denke, bei gutem Wetter ist dies hier ein toller Küstenabschnitt mit schönen Stränden und der Leuchtturm Cabo Raso ist sicherlich sehenswert. Ich bin ein wenig ratlos, was ich noch machen soll. So sitze ich im Auto, der Regen trommelt auf das Dach und ich schaue durch die nassen Scheiben die stürmische Brandung an.

Dann entscheide ich mich, zum westlichsten Punkt Europas, dem Cabo da Roca, zu fahren und mir dies anzuschauen. Als ich ankomme, legt der Regen glücklicherweise eine Pause ein. Es sind nicht viele Leute hier und ich genieße die Aussicht, bis plötzlich wie aus dem Nichts mehr als ein halbes Dutzend große Reisebusse auftauchen und hunderte Leute ausspucken.

In die Berge fahre ich nicht mehr, denn dort herrscht nur Nebel. So nehme ich schnell die Autobahn und fahre wieder zurück nach Lissabon.

42. Tag (01. November 2025)

Für den ganzen Tag ist Regen vorhergesagt und als ich früh aufwache, prasselt er auch gegen das Fenster und ich drehe mich noch einmal um. Als ich aufstehe, ist es immer noch so. Ich packe meinen Kram zusammen und verlade alles ins Auto. Als ich dann die Wohnung verlasse, hört es auf und teilweise ist blauer Himmel zu sehen. Deshalb entschließe ich mich spontan, nach Sintra zu fahren, wo ich eigentlich gestern hinwollte. Eine halbe Stunde später bin ich dort und habe keinen blassen Schimmer, was ich dort eigentlich will oder was mich erwartet. Ich entscheide mich, den Quinta-da-Regaleira-Palast anschauen zu wollen, und lasse mich von der Navigation dorthin führen in der Annahme, dass ich dann schon auf einen Parkplatz treffen werde. Jedoch werden die Straßen immer schmaler, je näher ich dem Zielort komme. Es gibt natürlich keinen Parkplatz, als ich direkt davorstehe. Ich spreche einen „Offiziellen“ an, der mir die Antwort gibt, dass ich in die Stadt Sintra zurückfahren und mit einem Shuttlebus oder einem Taxi herfahren soll.

Nun ja, es ist eine Einbahnstraße, so dass ich nicht einfach umdrehen kann. Deshalb bin ich gezwungen, weiterzufahren, um wieder herauszukommen. Mir war irgendwie klar, dass es so nicht funktionieren wird. Es gab auch irgendwie keine Möglichkeit, bei den engen Straßen am Straßenrand zu parken. Doch plötzlich nach einer Weile tauchte eine Schotterfläche auf der linken Seite der Straße auf und „Offizielle“ fragten, ob ich einen Parkplatz suche. Ich solle doch einfach hier einen nehmen und zu Fuß zurücklaufen. Gesagt, getan, stelle ich das Auto ab und habe mir wieder die Möglichkeit verschafft, den Palast zu besuchen. Es ist meistens gut, wenn man früh am Morgen unterwegs ist, denn die Fläche wird wohl schnell zugeparkt sein.

Als ich am Eingang ankomme, habe ich keine wirkliche Ahnung davon, was mich erwartet und um was es sich für ein Gebäude handelt. Wie ich dann erfahren habe, handelt es sich bei der Quinta da Regaleira um die Villa mit großer Parkanlage eines der reichsten portugiesischen „Kaffeebarone“, der sich die Villa mit Parkanlage ganz im Stile der Romantik bauen ließ, die heute zusammen mit zahlreichen anderen Schlössern, Villen und Burgen zum Weltkulturerbe von Sintra gehört.

Ich nehme mir einen Audioguide und erkunde die Parkanlage, welche sehr speziell und interessant ist. In Teilen erinnert sie mich an die Parkanlage in Kassel, die ebenfalls im romantischen Stil gebaut wurde. Der Höhepunkt ist jedoch der umgekehrte Turm, der über dreißig Meter in die Tiefe des Erdreichs führt und in einem Tunnellabyrinth endet, dessen Ausgang sich an einem Teil mit Wasserfall befindet. Es ist eine bemerkenswerte und schöne Anlage. Zum Schluss, bevor ich das Gelände verlasse, durchstreife ich noch die Villa, die vom Reichtum der damaligen Zeit zeugt.

Als ich am Ausgang bin, frage ich noch einen „Offiziellen“, wie ich zu dem bunten Palácio Nacional da Pena komme und ob ich dort parken könnte. Ich schaue in ein ungläubiges Gesicht. Privatverkehr gibt es dort nicht und Parkplätze schon gar nicht. Ich solle nach Sintra zurück und von dort mit dem Shuttlebus fahren. Okay, verstanden. Der erste Gedanke war, dass ich einfach hinaufwandere, was zwar möglich wäre, aber der Aufstieg würde über eine Stunde dauern. Ein Taxifahrer bekommt die Diskussion mit und fragt mich, wie viele Personen wir sind. Als ich antworte: „Nur ich“, kann er verstehen, dass es zu teuer sein wird, wenn er fährt. Aber ein Rikscha-Fahrer gestikuliert heftig. Er spricht mich an und erklärt, dass er für einen erträglichen Preis fährt, weil noch ein Amerikaner mitkommt, der auch zum Palast hinauf will. So sitze ich in einem rikschaähnlichen Gefährt und wir fahren zum Palácio Nacional da Pena.
Erst als ich ankomme, das Ticket gekauft habe und die letzten Meter zum Schloss hochgelaufen bin, verstehe ich, dass es sich um ein königliches Schloss handelt, welches zudem König Ludwig II. als Anregung gedient hat, sein Schloss Neuschwanstein zu bauen. Der Pena-Palast wurde auch erst im 19. Jh. auf den Ruinen eines Klosters hier erbaut und besticht durch seine farbenfrohe Fassade. Obwohl sehr viele Touristen hier sind, bekomme ich noch ein Ticket und kann das Schloss nach einer relativ kurzen Wartezeit besichtigen. Die Innenräume entsprechen den Schlössern der damaligen Zeit und sind dementsprechend imposant, aber auch nichts wirklich Neues für mich.

Um zum Auto zu kommen, steige ich zu Fuß über den Wanderweg ab und bin dabei froh, dass ich mich nicht dazu entschlossen habe, hochzuwandern, denn der Weg besitzt viele Stufen und Höhenmeter. Nach einer Dreiviertelstunde bin ich wieder am Auto zurück und es wird endgültig Zeit, um noch vor Einbruch der Dunkelheit an meinem Ziel in Nazaré anzukommen.
Es gibt hier in der Gegend noch zahlreiche andere Paläste, die ich mir hätte anschauen können, denn es schien eine bevorzugte Gegend im 19. Jh. gewesen zu sein, in der sich die Superreichen der damaligen Zeit ihre Paläste bauen ließen.

Als ich dann in meiner Unterkunft in Nazaré eingecheckt hatte, machte ich mich gleich im Anschluss auf, den Leuchtturm von Nazaré zu besuchen, um einen ersten Blick auf die Wellen zu bekommen. Und tatsächlich, die Wellen sind schon enorm hoch. Heute natürlich weit von den Rekordhöhen entfernt, aber geschätzt um die acht Meter. Es sind jedoch definitiv die größten Wellen, die ich je gesehen habe. Im Gebäude des Leuchtturms sind Surfbretter der Besten der Besten ausgestellt, die hier gesurft sind. Von der Aussichtsplattform schaue ich mir beim letzten Tageslicht die Brandung an und freue mich bereits auf morgen.

43. Tag (02. November 2025)

Mir war nicht ganz klar, was mich heute erwarten wird. Als ich aufstehe, ist es gering bewölkt und ich freue mich, an den Strand zu gehen, und hoffe auf entsprechend große Wellen. So bin ich rund eine Stunde nach dem Sonnenaufgang bereits am Strand. Ich bin einer der Ersten, die das Auto dort abstellen. Mein Blick schweift über den Strand und ich finde, die Wellen sind ordentlich groß. Auf den zweiten Blick erkenne ich, dass wohl schon bereits Tow-in-Surfer im Wasser sind. Jedenfalls sehe ich aus der Ferne Jetskis in den Wellen. Ich habe den ganzen Rucksack mit dabei, weil ich nicht weiß, ob ich die lange Linse heute brauchen kann, nachdem ich sie nun seit Wochen mit mir herumschleppe.

Ich gehe gleich in Richtung des Leuchtturms, weil in diesem Strandabschnitt direkt daneben die größten Wellen auftreten. Ich werde nicht enttäuscht und bin begeistert. Die Sonne scheint und die Surfer zeigen, was sie können. Die Wellenhöhe ist schwer abzuschätzen, wird aber bei den größten, die gerade anbranden, wohl so zwischen sechs und acht Metern liegen. Ich stehe fasziniert am Strand und schaue den Wellen und den Surfern zu.

Als ein Surfer sein Brett verliert, welches an den Strand gespült wird, fährt ihn der Jetskifahrer an den Strand und man erkennt erst dadurch, wie stark die Brandung ist, weil der Surfer echt kämpfen muss, um aus dem Wasser zu kommen. Als er sich dann sein Brett wieder geschnappt hat, muss der Jetskifahrer ihn zuerst wieder aufnehmen, was auch nicht immer gleich beim ersten Mal klappt. Wenn dies dann erfolgt ist und der Surfer wieder auf dem Schleppboard liegt, muss man erst einmal wieder durch das brodelnde Weißwasser hinauskommen. Dabei springen die Jetskis regelrecht über die sich brechenden Wellen. Echt faszinierend, zuzuschauen.

Die Sonne steigt höher und nach einer Weile gehe ich ein wenig die Klippen hinauf, um einen anderen Winkel zu bekommen. Dort treffe ich, wie sich herausstellt, auf einen Profifotografen. Er kommt aus Australien und fotografiert seit rund fünfzig Jahren den Surfsport. Er ist bereits seit drei Wochen hier und versichert mir, dass heute der erste Tag ist, an dem es hohe Wellen, Surfer und Sonnenschein gibt. Ich habe schon ein riesiges Glück, heute etwas vor die Linse zu bekommen. Ich bin glücklich, weil ich gehofft hatte, dass es Big Waves gibt und ich auch Surfer sehen werde.

Als ich noch weiter die Klippe hinaufsteige, bemerke ich, dass die Surfer nicht mehr im Wasser sind und auch, dass die Wellen gerade kleiner werden. Das macht aber nichts, denn ich verbringe die Zeit am Leuchtturm und schaue mir die Ausstellung an, in der detailliert erklärt wird, warum es in Nazaré so hohe Wellen gibt. Um es knapp zu beschreiben: Es gibt durch einen unterseeischen Graben Resonanzen in den Wellen, die deshalb doppelt so hoch werden wie die ursprünglichen Wellen. Was interessant ist zu erfahren.

Danach gehe ich gemütlich zurück zum Auto, fahre in meine Unterkunft und überlege mir, was ich nach Nazaré die nächsten Tage noch machen will. Dabei komme ich einen Schritt weiter. Aber ich möchte nicht zu viel Zeit damit vergeuden, sondern das schöne Wetter genießen, und so schlendere ich noch ein wenig die Promenade des Strandes Praia da Nazaré entlang und fahre auch mit der Standseilbahn auf die Klippen hinauf. Von oben genieße ich die Aussicht auf die Promenade, den Strand und die Stadt. Der Ort besitzt viele enge Gässchen und eine sehr schöne Kirche, hier sowohl unten als auch hier oben auf den Klippen. Im Anschluss gehe ich zu Fuß wieder hinunter.

44. Tag (03. November 2025)

Ich verlasse Nazaré bei strahlendem Sonnenschein und mache mich auf den Weg ins Douro-Tal östlich von Porto. Auf dem Weg dorthin fahre ich noch nach Fátima, der bedeutendsten Pilgerstätte in Portugal. Es ist nicht weit und so bin ich bereits früh am Morgen dort.

Der Ursprung dieser Stätte ist eine Marienerscheinung vor rund hundert Jahren. Es soll demnach drei Hirtenjungen die Jungfrau Maria erschienen sein, woraufhin der Ort zur Pilgerstätte wurde.

Ich besuche zuerst die neue Basilika zur Heiligsten Dreifaltigkeit, welche die viertgrößte Kirche der Welt ist. Sie wurde vor rund zwanzig Jahren gebaut. Architektonisch ist das Gebäude von außen wie auch im Inneren recht schlicht gehalten, jedoch beeindruckt die Kirche beim Betreten durch ihre unsägliche Größe der Halle, die ohne störende Stützen auskommt.

Als ich wieder hinausgehe, stehe ich auf dem Kirchenvorplatz der Rosenkranz-Basilika, welcher der weltweit größte ist. Es sind Menschen aus aller Herren Länder zu sehen, die als Pilger hier sind und nicht nur als rastlose Besucher wie ich. Es gibt einen Stand, an dem man Kerzen kaufen kann, um sie dann für ihre Anliegen anzuzünden. Was ich jedoch im Christentum bisher noch nicht so gesehen habe, ist, dass sich Pilger auf Knien rutschend über den ganzen Vorplatz hinweg der Kapelle der Erscheinung nähern, um Buße zu tun. Ich kannte das bisher nur von anderen Glaubensrichtungen, vor allem vom Buddhismus.

Ich gehe ins Innere der Rosenkranz-Basilika und lasse die Stätte auf mich wirken. Sie ist im Gegensatz zu den vielen anderen Kirchen, die ich auf der Reise gesehen habe, von Pilgern besucht und nicht nur von fotografierenden Touristen. Alles in allem ein respektvoller Ort, der meiner Meinung nach etwas Besonderes besitzt, weil die Geschichte nicht wirklich alt ist und sie deshalb näher liegt.

Ich fahre weiter, wieder zurück an die Küste, und besuche noch Figueira da Foz mit seinem großen, breiten Strand. Ich mache einen schönen, ruhigen Strandspaziergang und bin dabei so gut wie für mich alleine. Auf dem Rückweg gehe ich an der Promenade entlang. Auch hier ist nicht viel los. Es ist Nebensaison und es sind nur wenige Geschäfte und Restaurants geöffnet. Ich trinke noch eine Cola und verlasse dann die Stadt und fahre ins Douro-Tal, in dem ich am frühen Abend ankomme. Da es bereits früh dunkel wird, gibt es nicht mehr viel zu tun, so dass ich nach dem Einchecken im Hotel noch essen gehe und den Tag beschließe.

45. Tag (04. November 2025)

Das Douro-Tal wird nun erkundet. Der Himmel ist bedeckt und es tropft ganz leicht, als ich wegfahre. Zuerst einmal fahre ich hoch zum Aussichtspunkt São Leonardo de Galafura, der rund zwanzig Kilometer entfernt ist. Die Straße dorthin ist schmal und kurvenreich. Aber es gibt keinen Verkehr und so kann ich auch zwischendurch immer mal wieder anhalten, die Warnblinkanlage einschalten und ein paar Fotos machen. Die Reben zeigen sich in bunten Farben, die Ernte ist natürlich bereits gelaufen und somit gibt es auch keinen Betrieb mehr in den Weinbergen. Die Hanglagen sind recht steil und terrassenförmig mit Stützmauern ausgebaut. Das Anbaugebiet im Douro-Tal ist markenrechtlich geschützt, so dass Portwein nur aus diesem Gebiet kommen kann und nur aus bestimmten Rebsorten hergestellt werden darf. Etwas seltsam ist jedoch, dass der Wein eigentlich gar nicht hier entsteht, sondern in Vila Nova de Gaia, dem südlichen Vorort von der Stadt Porto. Dorthin wird der Wein nämlich nach der Produktion zum Reifen gebracht und entsprechend gelagert. Der Portwein entsteht dann dadurch, dass dem Wein während der Gärung Neutralalkohol hinzugefügt wird, um den Gärprozess zu stoppen. Dem sogenannten Aufspriten. Dabei verleiht der Restzucker der Trauben dem Wein seinen süßen Geschmack und es ergibt sich durch den zusätzlichen Alkohol ein verhältnismäßig hoher Alkoholgehalt.

Wein wird hier bereits seit den Römern angebaut. Bekannt und später berühmt wurde der Portwein durch die Engländer, die im 17. Jh. keinen französischen Wein mehr importieren wollten und auf der Suche nach transport- und lagerfähigen Alternativen waren.

Am Aussichtspunkt angekommen bin ich der Einzige dort oben und kann das ganze Panorama genießen. Anschließend fahre ich nicht die gleiche Strecke zurück, wie ich gekommen bin, sondern nehme eine Straße, die direkt zum Fluss hinunterführt. Sie ist natürlich noch schmäler und steiler. Aber auch sehr schön mit vielen Kurven und Ausblicken. Auf dieser Seite des Flusses muss ich ein Stück zurückfahren, um auf die andere Seite zu kommen, um weiter nach Pinhão fahren zu können. Dieser Streckenabschnitt soll der schönste Teil des Tales sein und erinnert sehr stark an das Moseltal, nur ist er viel weniger verbaut.

In Pinhão angekommen schaue ich mich nach einer Bootsfahrt um, die man hier auf dem Fluss machen kann, und werde gleich nach dem Aussteigen aus dem Auto in einem Tour-Büro fündig. Die nächste Bootsfahrt geht jedoch erst in dreieinhalb Stunden und in dem Dorf ist nicht viel los. So entscheide ich mich, auch noch eine Winzerei mit Weinprobe zu besuchen. Zuerst aber gehe ich ein wenig durch das Dorf und am Ufer entlang. Schließlich fahre ich mit dem Auto das kurze Stück zur Winzerei da Quinta. Es ist ein sehr gepflegtes Anwesen, welches sich natürlich auf die touristischen Besucher eingestellt hat. Ich darf zuerst einen geführten Weg durch die Weinberge machen und an einzelnen Stationen werden verschiedenste Dinge zum Weingut und dem Weinanbau erklärt. Wieder in der Winzerei zurück erhalte ich meine drei verschiedenen Weine zum Probieren. Einen weißen Port, der mir nicht schmeckt, und zwei rote Portweine, einen Ruby und einen Tawny, die beide sehr lecker sind.

Als ich wieder im Dorf bin, ist es auch nicht mehr lange hin bis zu meiner Bootsfahrt den Douro hinauf nach Tua, einem kleinen Dorf. Am Flussufer gibt es auf diesem Abschnitt keine Straße, sodass es nur unser Boot und die herrliche Landschaft gibt. Es ist absolut ruhig, der Fluss wie ein Spiegel und an den Hängen sind die Reben mit ihrem bunten Blattwerk zu sehen. Es ist eine ausgesprochen entspannte Fahrt, die nach zwei Stunden wieder in Pinhão endet. Es ist mittlerweile recht frisch geworden und ich fahre auf direktem Wege wieder zurück ins Hotel, so dass ein sehr schöner Tag im Douro-Tal endet.

46. Tag (05. November 2025)

Es regnet den ganzen Tag, wie zu erwarten war. Ich verlasse das Hotel recht spät und fahre mit dem Auto den Douro flussabwärts, um mir das Tal noch anzuschauen und nach Porto zu kommen. Es ist wirklich eine sehr schöne Gegend, speziell jetzt im Herbst mit den bunten Farben, und wäre sicherlich bei Sonnenschein noch interessanter. Da es dauernd tropft, halte ich zwischendurch nur vereinzelt an, um noch das eine oder andere Bild zu machen. Ansonsten schaue ich mir die Landschaft aus dem Auto aus an, soweit es die sehr kurvenreiche Strecke erlaubt. Nach zweieinhalb Stunden für etwas über hundert Kilometer erreiche ich Porto. Ich habe mir ein Hotel direkt in der Innenstadt gebucht, da diese um diese Jahreszeit recht günstig sind. Ich komme gut durch den Verkehr und kann mein Auto auch wieder in einer Parkgarage um die Ecke abstellen. Diese ist mal wieder recht eigenartig. Es erscheint recht chaotisch, weil Autos vor und hintereinander geparkt sind und die Lücke, in die ich reinstoßen soll, mal wieder furchtbar eng ist.

Nachdem ich das Auto abgestellt hatte, zeigten sich doch ein wenig blauer Himmel und ein bisschen Sonne, weshalb ich gleich auf Stadtbesichtigung gehen will. Als ich vor die Türe trete, fällt der erste Blick auf das Rathaus mit seinem schönen Uhrenturm und ich gehe über den Platz General Humberto Delgado, um zum Fluss zu gelangen, aber dann folgt bereits der nächste Schauer. Mein kleiner Schirm wird vom Wind hin und her gerissen und ich suche etwas zum Unterstehen. So laufe ich in Richtung der Kirche dos Clérigos mit ihrem berühmten Glockenturm, der zum Wahrzeichen von Porto geworden ist. Ich gehe hinein und schaue mir das Kirchenschiff und den Altarraum an. Den Glockenturm besteige ich nicht und verzichte auf die Aussicht bei diesem Wetter. Als es wieder nachgelassen hat zu regnen, gehe ich weiter und finde den Aussichtspunkt da Vitória, der einen tollen Blick bietet.

Ich gehe wieder zurück und laufe durch die Einkaufsstraße, die im Sommer wohl von Touristen überquillt. Heute ist nichts los, das Wasser fließt die Straße entlang und ich suche mir mal wieder was zum Unterstellen für den nächsten Schauer. Weil es nass ist, beschließe ich, die Kathedrale von Porto anzuschauen. Nach dem Eintritt kommt man zuerst in den Kreuzgang, der mit großen, alten und sehr schönen Azulejos, also den blau-weißen Fliesen, dekoriert ist, wofür die Iberische Halbinsel so bekannt ist. Man besucht während des Rundgangs, wie in Lissabon auch, die Schatzkammer, bevor man dann in die Kathedrale kommt.
Als ich wieder draußen bin, fängt es auch schon wieder an zu regnen, so dass ich nach zwei Stunden nun genug habe und ins Hotel zurückgehe.

47. Tag (06. November 2025)

Als ich am Morgen zur Stadtbesichtigung aufbrechen will, regnet es wieder und so bleibe ich noch im Hotel, bis es aufhört, was am späten Vormittag dann endlich der Fall ist. Nun, bei Sonnenschein sieht die Stadt doch gleich viel besser aus. Da ich mich ja gestern bereits orientiert habe, fällt es mir leichter, mich in der Stadt zu bewegen. Ich gehe nochmals zur Kirche dos Clérigos und besteige heute den Turm, der aus über siebzig Metern einen herrlichen Blick über die Stadt gewährt. Anschließend mache ich nochmals einen Abstecher zum Aussichtspunkt da Vitória und gehe dann hinunter zur Promenade am Douro. Die Uferpromenade von Ribeira ist großartig, vor allem die dort stehenden Häuser sind malerisch schön.

Um einen besseren Blick zu erlangen, wechsele ich über die untere Ebene der Ponte de Luís I. nach Vila Nova de Gaia hinüber. Erst auf dieser Seite des Flusses eröffnet sich das ganze Bild von Porto mit der Uferpromenade und der dahinter steil aufsteigenden Stadt mit ihren vielen Türmen.

Ich laufe die ganze Promenade entlang, auch an den zahlreich festgemachten Flussschiffen vorbei, und schaue mir die großen und auch zahlreichen Lagerhallen der einzelnen Weingüter an, in denen der Portwein gelagert und hergestellt wird.

Als ich wieder an der Brücke zurück bin, steige ich zum Kloster Santo Agostinho auf und genieße den Blick vom dortigen Aussichtspunkt. Auf der oberen Ebene der Brücke schlendere ich schließlich wieder zurück in das Zentrum. Dort schaue ich mir noch den Bahnhof mit seinen großen Fliesenbildern im Inneren an. Danach bummele ich noch zur Kirche Santo Ildefonso hoch, die ebenfalls wunderschön mit Fliesen verziert ist, und gehe durch die Fußgängerzone und den Bolhão-Markt wieder ins Hotel zurück und beende meinen Kurzbesuch in Porto. Die Stadt hat mir gut gefallen und ich kann nicht wirklich sagen, ob nun Porto oder Lissabon die interessantere Stadt ist. Bin froh, beide gesehen zu haben.

48. Tag (07. November 2025)

Ich verlasse Porto und starte sozusagen meine Heimfahrt. Es geht über die Autobahn nach Norden, zurück nach Spanien, wo ich gleich mal eine Stunde wegen der anderen Zeitzone verliere. Aber ich komme gut voran. Die Landschaft ist recht hügelig und sieht ein bisschen so aus wie bei uns zu Hause. Ich hatte den Tipp bekommen, den Strand von As Catedrais anzuschauen, welchen ich nach vier Stunden Fahrt erreiche. Der Parkplatz ist im November nicht wirklich gut besucht und man braucht auch keine Vorabreservierung wie im Sommer. Ich bin mal gespannt, was es zu sehen gibt, denn ich habe mich nicht drum gekümmert.

Ich schnappe die Kamera und gehe über die Treppen hinunter an den Strand. Was mir gleich auffällt, ist, dass es wieder flutet und ich wahrscheinlich nicht die Strandabschnitte erreichen kann, für die der Strand so berühmt ist, weil sie recht spektakulär sind. Ich mache mir erstmal nichts draus und gehe ein wenig umher, mache Fotos und genieße den Sonnenschein, der in den letzten Tagen doch recht rar war.

Als ich wieder im Auto sitze und zu meiner Unterkunft fahre, überlege ich, ob es vielleicht doch Sinn macht, morgen nochmals hierherzufahren, um dann bei Ebbe den ganzen Strand zu besichtigen. Ich checke im Internet gleich die Zeiten der Tide, das Wetter und die verbleibende Wegstrecke bis Bilbao, um zu prüfen, ob das klappen kann, wenn ich mir dann nichts Weiteres an der Küste anschaue. Was ich eigentlich noch im Sinn hatte.

Ich komme dann zu dem Schluss, dass ich morgen nochmals zum Stand As Catedrais fahre und auf den Besuch der beiden anderen Orte verzichte, wenn ich auf dem Weg nach Bilbao bin.

49. Tag (08. November 2025)

Zwei Stunden vor dem Eintreten der Ebbe bin ich da und gehe an den Strand hinunter. Das Wasser ist schon deutlich niedriger als gestern zu dem Zeitpunkt, als ich da gewesen bin. So kann ich nun gleich ganz nach hinten durchlaufen, wo die spektakulären Naturbögen im Kliff zu sehen sind. Das Beste aber ist, dass gerade mal etwas mehr als ein Dutzend Leute hier sind. So kann man sogar Bilder ohne Menschen drauf machen. Ich bin fasziniert. Es ist wunderschön. Es gibt viele Aushöhlungen, in die man hineingehen kann, und es ergeben sich immer wieder zahllose neue Perspektiven. So verbringe ich rund eineinhalb Stunden an diesem einmaligen Strand.

Dann müssen wohl Busse gekommen sein, denn plötzlich sind deutlich mehr Menschen da, die zwischen den Felsen herumlaufen. Es wird also Zeit für mich, zu gehen, denn ich habe mir soweit alles angeschaut. Ich bin froh, dass ich nochmals hergefahren bin, denn mit dem, was ich gestern gesehen hatte, hätte ich das Beste verpasst.

Über die Autobahn an der Küste entlang, die über viele große Brücken durch sehr schöne Landschaft führt, erreiche ich Bilbao. Da ich nicht viel Zeit für die Stadt habe und eigentlich nur über Nacht bleibe, habe ich eine Unterkunft nahe am Zentrum gebucht und einen Parkplatz in einer öffentlichen Tiefgarage mitten drin. Die Parkgarage ist proppenvoll und ich muss warten, bis ich einfahren kann, denn obwohl ich eine Reservierung habe, ist ein Parkplatz nicht garantiert. Aber nach knapp fünf Minuten klappt es. Ich stelle das Auto ab und gehe zur Unterkunft, die wieder einen automatisierten Check-in hat, bei dem man niemanden mehr trifft, sondern alles nur über WhatsApp und Codes funktioniert. Nach einer Weile hat es dann geklappt.

Ich lege meine Sachen ab und mache mich gleich zum Guggenheim-Museum auf, um es von außen anzuschauen. Dabei scheint die Abendsonne durch ein Loch in den Regenwolken und beleuchtet das Gebäude wunderschön, so dass die metallische Außenhülle perfekt zum Glänzen kommt. Besonders dramatisch ist es dadurch, dass sich im Hintergrund die schwarzen Regenwolken türmen und es auch noch einen extrem farbintensiven Regenbogen gibt. Was für ein Glück, rechtzeitig da gewesen zu sein. Denn im Anschluss regnet es den Rest des Abends.

50. Tag (09. November 2025)

Ich stehe noch vor Sonnenaufgang auf und verlasse die Unterkunft, um nochmals am Guggenheim-Museum zu fotografieren. Das Licht ist ganz gut zur blauen Stunde, hält aber nur wenige Minuten und ist auch nicht so spektakulär wie gestern Abend. Durch die Altstadt streife ich noch kurz auf dem Weg zur Parkgarage und mache mich dann auf zum letzten Stück meiner Heimfahrt.

Es gibt keinen Regen auf der ganzen Strecke und auch die Straßen sind sehr leer, sodass es eine entspannte Fahrt ist und ich nach zwölf Stunden wieder zu Hause bin.