9. Tag (24. Januar 2020)

Auch heute verbringen wir den ganzen Tag auf See. Der Wind hat etwas aufgefrischt, erreicht mit 35 Knoten Windstärke 7-8 und wir haben raue See mit Wellen zwischen drei bis fünf Metern. Die Plancius rollt und stampft in einem erträglichen Rhythmus und läuft weiterhin Südgeorgien entgegen. Am Vormittag sind von Deck wieder zahlreiche Seevögel zu sehen.

Nach dem Mittagessen lege ich mich ein wenig hin, bis die Durchsage über die Lautsprecheranlage kommt, dass Wale voraus sind. Ich springe sofort aus der Koje, ziehe mir schnell meine Stiefel an, schnappe die Kamera, nehme die Jacke vom Haken und haste an Deck. Unglaublich! Wir bewegen uns mitten in einer Gruppe von Buckel- und Finnwalen, die sich neben und vor dem Schiff befinden. Unsere Expeditions-Guides schätzen die Gruppe auf sicherlich zwanzig Tiere. Ich bin ganz aus dem Häuschen, auch wenn sich die Wale nach gut zehn Minuten wieder in den Weiten des Ozeans verlieren, denn ich hatte bisher noch nie so viele Wale auf einmal zu Gesicht bekommen. Auch unser abgeklärter Kapitän hat sich zu einer Gefühlsregung hinreißen lassen, was mir zeig, dass dieses Ereignis gar nicht so gewöhnlich war.

Ich bleibe an Deck und verzichte auf einen weiteren Vortrag in der Lounge. Wir passieren die Shag Rock, eine sehr kleine, sehr schroffe Inselgruppe, die im Nebel aus der Ferne wie Segel von Schiffen aussehen.

Plötzlich werden vor unserem Bug Orcas gesichtet. Die Plancius ist von Killerwalen umgeben! Killerwale sind das größte Mitglied der Delfinfamilie und spielen manchmal am Bug von Schiffen. Es sind sicherlich um die zwanzig Orcas um das Schiff herum zu sehen, und sie wechseln auch immer wieder von der einen Seite zur anderen. Als ob dieses Spektakel nicht schon erstaunlich genug wäre, schließen sich dem Spiel auch noch ein halbes Dutzend Finnwale an. Es ist ein unglaubliches Schauspiel. Überall sind Orcas zu sehen, und auf beiden Seiten des Schiffs begleiten uns dazu noch eine Gruppe von Finnwalen. Man weiß gar nicht, mehr wo man hinschauen soll und ist total überwältigt. Die Wale begleiten uns für fast eine dreiviertel Stunde, und als sie dann schließlich wieder abtauchen, ist es einfach immer noch nicht lange genug. Es war ein unbeschreibliches Erlebnis, so viele Wale um das Schiff herum zu sehen, in seiner Art und Dauer einzigartig und ein ganz besonderer Höhepunkt dieser Reise.

Am Abend habe ich dann den gar nicht langweiligen Tag auf See in der Bar ausklingen lassen um einfach nochmals diese überragenden Momente auf mich wirken zu lassen.