6. Tag (21. Januar 2020)

Carcass - Falklands

Magellan-Pinguin

Falkland-Karakara

Schwarzbrauenalbatros

Felsenpinguin

Diese Nacht habe ich besser geschlafen als in der Letzten. Ich stehe gleich nach dem Weckruf auf und gehe an Deck, da wir die Falkland-Inseln bereits erreicht haben und gerade den Wooly Gut befahren, eine schmale Meerenge zwischen grüner Hügellandschaft, die uns auf den Falkland-Inseln willkommen heißt. Von Bord aus sind sehr viele Albatrosse und andere Seevögel um das Schiff herum zu sehen, die unaufhaltsam ihre Kreise ziehen. Nach dem Frühstück ankern wir in einer Bucht vor der Insel Carcass. Es steht unsere erste Landung bevor. Dabei steht zur Wahl eine kleine Wanderung an der Küste entlang zu machen, oder sich direkt an den Landungssteg der Farm fahren zu lassen. Ich bin faul und lasse mich mit rund einem Dutzend anderer direkt dorthin fahren, während sich die meisten für die Wanderung entscheiden.

Nachdem wir an Land sind gehen wir zum Farmhaus, wo wir mit Kaffee und einem Tisch voller Kuchen und Keksen empfangen werden. Ich verzichte vorerst darauf und gehe noch ein wenig an der Bucht entlang. Dann entdecke ich auf einer Wiese die Bruthöhlen von Magellan-Pinguinen. Es sind nicht viele Tiere, aber da ich alleine bin kann ich diese gut beobachten, indem ich mich einfach eine Weile im gebotenen Abstand dazu setze.

Ich steige hinunter zum Wasser und gehe von dort an der Wasserlinie wieder zum Farmhaus zurück. Dabei kann ich viele Vögel der Falklandinseln sehen, darunter einen Truthahngeier, einen Falkland-Karakara, Subantarktische Raubmöwen, Austernfischer, Magellangänse und Schopfenten. Die Sonne scheint, es ist recht warm, und an windgeschützter Stelle zieh ich die Jacke aus und lege mich zusammen mit den anderen ins Gras, um den Blick auf die Bucht zu genießen.

Als die ersten Wanderer eintreffen gehe ich auch ins Haus hinein, um noch einen Kaffee zu trinken und einen kleinen Kuchen zu essen. Dann werden wir auch schon wieder zurück aufs Schiff gebracht, wo es Mittagessen gibt. Währenddessen lichtet der Kapitän den Anker und wir fahren zur nächsten Landungsstelle.

Gleich nach dem Essen erreichen wir Westpoint Island, ankern in der Bucht und haben nach der Landung einen kleinen Fußmarsch über die Insel vor uns. Auf der anderen Seite der Insel befindet sich eine Kolonie von Felsenpinguinen, zwischen denen zahlreiche Schwarzbrauen-Albatrosse nisten. Ihre Küken, in graue, weiche Daunen gekleidet, sitzen in den Nestern und warten. Wir stehen zwischen hohem Tussockgras und können das Zusammenspiel zwischen den Albatrossen und den Pinguinen aus nächster Nähe beobachten. Besonders spannend sind die Anflugversuche der Albatrosse, die mit angewinkelten Flügeln versuchen, den Auftrieb zu reduzieren um zu landen. Zur weiteren Hilfe werden der Schwanz und die Schwimmfüße als Bremsklappen senkrecht in die Luft gestreckt und krampfhaft versucht den Landepunkt zu erreichen, was meistens nicht erfolgreich ist und somit zu einer weiteren Runde mit erneutem Landeanflug zwingt. Wenn es dann doch klappt wird dies auch mit lautem Geschrei entsprechend verkündet.

Es sind Dutzende von Vögeln in der Luft. Sie fliegen des Öfteren nur wenige Meter über unsere Köpfe hinweg. Man weiß zeitweise gar, nicht wohin man zuerst schauen soll, so viel ist hier in der Luft und am Boden los. Die Felsenpinguine führen ihr eigenes Leben und sind mit ihrem Nachwuchs beschäftigt. Durch ihren Schopf mit den gelben Streifen auf dem Kopf, den roten Augen und den scharfen Zähnen sehen sie gar nicht so niedlich aus, wie man sich das von Pinguinen vorstellt, sondern eher wie ein recht aggressiver Punker auf Drogen. Jedenfalls ist das Verhalten der Tiere und deren Interaktion sehr spannend, und die mehr als zwei Stunden an diesem Ort sind viel zu schnell vergangen.

Wir gehen zum Schiff zurück, wo gleich darauf das Abendessen serviert wird. Für die Plancius geht es über Nacht um die Falkland Inseln herum nach Stanley, und ich lege mich nach einem ereignisreichen Tag recht früh in die Koje.