4. Tag (19. Januar 2020)

Ushuaia Pier

Plancius

Beagle-Kanal

Die Sonne scheint als ich aufstehe, im Gegensatz zum frühen Morgen, als es wie aus Eimern geregnet hat. Nach dem Frühstück bringe ich mein Gepäck zur Gepäckannahme in ein Gebäude außerhalb des Hafens, und bin gleich darauf wieder im Hotel zurück, denn an Bord der Plancius gehen wir erst heute Nachmittag. So vertrödele ich den heutigen Tag noch ein wenig, checke so spät wie möglich aus dem Hotel aus und schlendere durch die Stadt, dabei treffe ich am Hafen auf Andrew, mit dem ich das Taxi vom Flughafen in die Stadt geteilt hatte. Wir beschließen, zusammen in ein Café zu gehen und unterhalten uns. Anschließend machen wir uns auf den Weg zum Pier und zeigen unseren Boarding Pass. So können wir den Pier betreten und warten dort darauf, an Bord unseres Schiffes gehen zu können. Dabei lerne ich Beate kennen, die sich wundert, dass es keine Passkontrolle gegeben hat. Ich kann es mir auch nicht erklären, kümmere mich aber auch nicht weiter darum.

Dann ist die Gangway freigegeben und wir gehen an Bord der Plancius. Die Plancius wurde als Forschungsschiff Mitte der Siebziger Jahre gebaut, und vor rund 15 Jahren zu einem Passagierschiff umgebaut. Sie hat rund 3.000 Tonnen, ist knapp 90 Meter lang, besitzt die höchste Eisklasse und bietet ca. 110 Passagieren und 47 Besatzungsmitgliedern Platz — und wird für die nächsten drei Wochen meine Heimat sein.

Wir werden von der Crew begrüßt und zu den Kabinen begleitet. Die Gänge sind erst einmal sehr verwirrend. Meine Kabine teile ich mit Steffen aus Holland, Balazs aus Ungarn und Guy aus Frankreich, der kein Wort Englisch spricht. Es ist ziemlich eng für vier Leute, aber wir richten uns gleich mal ein um etwas Platz zu schaffen. Es gibt genügend Schubladen und Schränke, so dass wir unsere Rucksäcke und Koffer unter dem Schreibtisch „verstecken“ können.

Das Erste was es für alle zu tun gibt ist natürlich die Seenotübung. So ertönt der Alarm und alle sind aufgefordert in die Kabine zu gehen, eine warme Jacke und eine Mütze anzuziehen, die Rettungsweste anzulegen und sich in der Lounge zu sammeln. Dort werden wir auf die beiden Rettungsboote aufgeteilt und begeben uns im Anschluss auch dort hin. Wir müssen aber nicht, wie bei meiner letzten Reise, tatsächlich in die Boote steigen. Dann ist alles vorüber und wir können die Westen ablegen und wieder in der Kabine verstauen.

Noch vor dem Abendessen stellt sich unser erfahrener Kapitän aus Russland, Evgeny Levakov vor. Er fährt bereits 25 seiner 35 Jahre auf See in den Polarregionen, und ich denke, wir werden von ihm sicher durchs Eis manövriert. Ali Liddle, unsere Expeditionsleiterin ist Britin und hat über 15 Jahre auf den Falklandinseln und in Südgeorgien gelebt. Sie ist somit in dieser Region der Welt extrem erfahren und wird zusammen mit ihren acht Expeditions-Guides für die Landungen verantwortlich sein und uns sicherlich mit ihrem Expertenwissen bereichern.

Während des Abendessens heißt es dann: „Leinen los!“ Und mit etwas Verspätung beginnt unsere große Reise. Das Schiff gleitet in den Beagle-Kanal hinaus und nimmt Fahrt auf. Gleich nach dem Abendessen stehe ich zusammen mit Beate und vielen anderen an Deck und schaue auf die sich entfernende Stadt.

Aber irgendwie stellt sich bei mir gerade überhaupt nicht das Gefühl ein, nun auf große Fahrt zu gehen. Es verwundert mich ein bisschen. Aber ich genieße die Fahrt durch den Beagle-Kanal, obwohl es auf Grund des verzögerten Auslaufens bereits dämmert, und nur noch wenig zu sehen ist.

Den Abend lassen wir wenig später in der Bar ausklingen und ziehen uns noch vor dem Erreichen der offenen See in die Koje zurück.