19. Tag (03. Februar 2020)

Half Moon Island

Yankee Harbour

Als wir geweckt werden befinden wir uns kurz vor den South Shetlands und steuern unserem Ziel Half Moon Island entgegen. Wir haben kräftigen Wind, der dafür sorgt, dass sich die Nebelschwaden über Livingston Island allmählich auflösen. Der ehemalige Kraterrand von Half Moon bietet uns Windschatten als wir hineinfahren, so dass wir an Land gehen können um eine Zügelpinguin-Kolonie zu besuchen. Die Sonne kommt bereits hinter den Wolken hervor, als wir unsere erste Landung heute in Angriff nehmen. Es sind die dreckigsten Pinguine, die wir auf der Reise sehen. Dabei sind die Ziegelpinguine sehr hübsch, wenn sie sauber sind. Die Kolonie ist verhältnismäßig klein, aber sehr schön zwischen den Felsen gelegen, und die dahinter liegenden vereisten Gipfel von Livingston Island bieten den entsprechenden Hintergrund. Auch hier gibt es wieder zahlreiche Fotomotive und interessante Interaktionen zwischen den Tieren.

Auf den Steinen am Strand ist noch eine müde Weddell-Robbe zu sehen, die nur zweimal den Kopf kurz hebt und in unsere Richtung schaut. Auf der anderen Seite der Insel liegt eine zweite Weddell-Robbe, die sich jedoch gar nicht bewegt. Dann heißt es auch schon wieder zurück aufs Schiff zu gehen, denn es ist Mittagessen angesagt.

Es klart immer mehr auf und der Blick auf Livingston Island ist bei strahlendem Sonnenschein phänomenal, als wir auf die andere Seite der McFairlane Strait zur nächsten Landung auf Greenwich Island fahren.

Den Nachmittag verbringen wir mit einer Landung am Yankee Harbour. Die Plancius ankert weit draußen, wo das Wasser noch ausreichend tief ist. Wir fahren mit den Zodiacs in den vom Gletscher gebildeten riesigen natürlichen Hafen und gehen am Kieselsteinstrand an Land. Schon vom Zodiac aus sind auf der einen Seite der Landzunge einige Weddell-Robben und Seebären zu sehen. So mache ich mich gleich in diese Richtung auf als ich an Land bin, während die meisten anderen zuerst zur Eselspinguin-Kolonie marschieren. Der Weg ist recht weit, dafür sind aber auch viele Robben zu sehen, die hier verteilt am Strand liegen. Dazwischen immer wieder Seebären, braune Raubmöwen und natürlich einzelne Pinguine. Ich verbringe eine ganze Zeit dort draußen, auch weil nicht so viele andere aus unserer Gruppe hier sind. Dann mache ich mich auf den Rückweg, genieße die Aussichten und begebe mich auf die andere Seite zur Kolonie. Hier liegt sogar ein Seeleopard auf einer Eisscholle direkt am Strand. Bewegt sich aber die ganze Zeit über keinen Zentimeter, berichten die anderen.

Natürlich sind wieder viele süße Eselspinguinküken zu sehen, die kitschige Motive bieten. Ich stelle mich einfach hin und genieße noch einmal diese einmalige Landschaft in vollen Zügen. Dann heißt es ein letztes Mal die Gummistiefel zu schrubben, und wir kehren wieder zurück an Bord. Die Plancius lichtet den Anker. Das wars, wir fahren wieder nach Norden und verlassen diese einmalige Gegend. Alle an Bord sind recht ruhig, genießen nochmals die letzten Blicke aus dem Fenster der Observation Lounge und denken zurück an die letzten knapp drei Wochen.

Als wir aus dem geschützten Kanal hinausfahren trifft uns die Dünung voll und das Schiff fängt wieder an zu tanzen. Ich habe gedacht, ich könnte vielleicht nach so vielen Tagen auf See ohne das Pflaster auskommen, aber bereits nach kurzer Zeit entschließe ich mich doch dazu, mir ein weiteres hinter das Ohr zu kleben.