18. Tag (02. Februar 2020)

Devils Island

Weddell-See

In der Nacht fahren wir weiter ins Eis der Weddell-See hinein und erreichen am Morgen Devils Island. Die Insel besitzt zwei Gipfel, die im weitesten Sinne wie zwei Hörner aussehen und ihr deshalb diesen Namen einbrachten. Ich bin auch heute wieder früher an Deck und betrachte das Eis. Es sind Wale an ihrem Blas zu erkennen, aber wir kommen ihnen nicht so nahe, dass man sagen könnte wir hätten sie gesehen. Von der Brücke aus sind viele Eisberge zu sehen und der Kapitän muss sich seinen Weg selbständig suchen, denn auf dem Radarschirm ist fast nur Eis zu erkennen.

Nachdem der Kapitän es erneut geschafft hat einen geeigneten Ankerplatz zu finden machen wir uns bereit, um mit den Zodiacs an Land zu gehen. Wir kurven durchs Eis, erreichen eine Stelle am Strand und müssen uns erst einmal vorsichtig und ganz langsam Platz schaffen. Weil sich so viele Tiere direkt am Strand befinden gehen wir im Wasser bis zu der Stelle, an der ein Pfad die Kolonie durchquert und den Berg hinauf zum Sattel zwischen den beiden Bergsitzen führt. Je höher wir steigen desto weiter öffnet sich der Blick über die Kolonie und das Meer mit den Eisbergen, zwischen denen die Plancius ankert.

Vom Sattel aus hat man auch einen sehr schönen Blick auf den mit viel dichterem Packeis belegten Kanal zwischen Devils Island und der viel größeren, im Hochnebel liegenden Vega Island am Kap Well-Met. Von hier aus bietet Andreas eine kurze Wanderung auf den Südwestgipfel der Insel an. Es geht recht steil bergan, und der frisch gefallene Schnee macht die Sache rutschig. Mit einem herrlichen Ausblick werden wir aber entschädigt. Von hier oben gesehen sind es gar nicht so viele Eisberge wie ich den Eindruck von der Brücke aus hatte. Also immer eine Frage der Perspektive.

Nach dem Abstieg widme ich mich auch hier den Pinguinen, ihrem Verhalten und ihren Aktivitäten, bevor ich zum Schiff zurückkehre. Noch bevor die letzten Passagiere an Bord sind lichtet die Plancius den Anker und nimmt Fahrt auf. Sie muss die Position verlassen, da Eisberge ihr zu nahe gekommen sind. So fahren die letzten drei Zodiacs hinterher und die Leute kommen erst etwas später an Bord.

Am Nachmittag geht die Fahrt durchs Eis nach Süden. Ich kürze auch heute das Mittagessen wieder ab, um an Deck stehen zu können. Wir haben den Blick auf Vega Island mit ihrer Eiskappe. Der Nebel lichtet sich ein wenig und es ist gleich weniger grau. Zwischen den zahllosen Eisbergen treffen wir auf die ersten Buckelwale, die sich in recht großer Distanz zum Schiff befinden und ruhig im Wasser liegen. Wenig später sind weitere Buckelwale, diesmal näher am Schiff zu sehen. Plötzlich tauchen auch überraschend Orcas auf, die anmutig und ohne sich ablenken zu lassen vorüberziehen. Unser Kapitän nimmt Fahrt raus, fährt Schleifen und stoppt schließlich das Schiff, so dass wir die Tiere besser beobachten können.

Sie sind gerade am Fressen, und wenn sie tauchen können wir ihre Fluke sehen. Es sind drei Tiere auf der einen und zwei weitere auf der anderen Seite zu sehen. Von den Leuten an Deck ist immer ein Ausruf der Freude zu hören, wenn die imposanten Tiere ihre Fluke in die Höhe strecken. Die zahlreichen Fotoapparate rasseln zu diesem Zeitpunkt natürlich ebenfalls. Gleich darauf sind noch zwei andere Tiere zwischen zwei Eisschollen zu sehen und verleihen damit dem Eis auch eine Größendimension.

Den ganzen Nachmittag kurvt unser Kapitän mit 10kn fast spielerisch durchs Eis und wir stehen dabei nur staunend an Deck. Am späten Nachmittag klart das Wetter auf, und die Anzahl der Tafeleisberge vervielfacht sich. Der absolute Höhepunkt ist dann die unglaubliche Fahrt unseres Kapitäns direkt durch eine „Eisbergstraße“ hindurch, die sich aus mehr als einem Dutzend dieser Riesen gebildet hat. Dabei können wir vom obersten Deck nicht auf die Oberfläche dieser Giganten blicken, da sie alle bei weitem die Höhe unseres Schiffs übertreffen. Wir sehen dort auch zwei Buckelwale direkt vor einem der Tafelberge schwimmen, und können wieder einmal die Dimensionen des Eises besser einschätzen. Zu diesen Zeitpunkt serviert die Hotel Crew auf dem Brückendeck noch eine heiße Schokolade mit Rum, was natürlich bei allen sehr gut ankommt. Die Szenerie um uns herum ist surreal. Man fühlt sich so klein neben diesen gigantischen Tafeleisbergen.

Kurz bevor wir unseren Umkehrzeitpunkt erreichen, an dem wir wieder nach Norden abdrehen müssen, schieben wir mit dem Schiff noch ein paar größere Stücke Eis aus dem Weg um durchzubrechen. Wir sind an unserem südlichsten Punkt der Reise, bis vor die Insel Seymour gekommen, können aber keinen der Kaiserpinguine erspähen, obwohl sich rund 30 bis 50km weiter südlich von uns die nördlichste Kolonie von Kaiserpinguinen, auf Snow Hill Island befindet.

Dann wird es Zeit für uns nach Norden zu drehen und den Rückweg anzutreten. Nachdem ich heute fast den ganzen Tag auf Deck gestanden bin, sitze ich gerade in der Lounge, als sich zwei Buckelwale auf der Steuerbordseite direkt am Schiff und gleich darauf zwei weitere auf der Backbordseite zeigen. Wir können nur noch aus den Fenstern schauen. Daraufhin nehme ich doch nochmals die Kamera in die Hand und gehe an Deck. Es gibt aber nur noch ein ansehnliches Abendrot zu fotografieren.

Kurz vor Mitternacht passieren wir wieder Anderson Island und fahren in den Antarctic Sound ein. Dann dreht die Plancius hart steuerbord nach Osten, wir wundern uns zuerst, erkennen aber dann, dass sich auf der direkten Route sehr viel Packeis angesammelt hat, um welches wir herumfahren müssen. Schließlich gehe ich Schlafen, denn am nächsten Morgen werden wir an den South Shetland Islands sein und unsere letzten Landgänge erleben.