16. Tag (31. Januar 2020)

Kapsturmvögel

Point Wild

Luis Pardo Villalón

Heute haben wir einen weiteren halben Tag auf See und erreichen Elephant Island gegen Mittag. Wir haben wenig Wind aber sehr viel Dünung, so dass das Schiff fortdauernd rollt. Wir passieren die relativ kleine Cornwallis Insel, als wir mehrere Blase sehen und auf rund ein Dutzend Finnwale treffen. Der Kapitän steuert das Schiff in mehrere Schleifen und reduziert die Geschwindigkeit, so dass wir die Wale gut beobachten können. Dabei ist es immer wieder schwierig vorherzusehen, wo sie wohl als nächstes auftauchen werden. Zumeist bleiben die Tiere heute in respektvollem Abstand und sind nicht allzu deutlich zu sehen, doch als plötzlich zwei von ihnen direkt neben der Steuerbordseite auftauchen ist meine Freude natürlich sehr groß. Wow.

Zwischendurch sind auch immer wieder Pinguine im Wasser zu sehen, die zur allgemeinen Unterhaltung beitragen. In der Luft ziehen hin und wieder größere Gruppen von Kap Sturmvögel ihre Kreise. Nachdem die Wale verschwunden sind bleibe ich nicht mehr lange an Deck, weil es hier merklich kälter als in Südgeorgien ist.

Dann nehmen wir wieder Fahrt auf und folgen der Küste von Elephant Island nach Point Wild und erreichen wenig später den Ort, an dem die Männer von Shackleton mehr als vier Monate auf Rettung warten mussten. Da die Dünung recht hoch ist fährt Kapitän Levakov um die wellenumtoste Landspitze herum und nähert sich dem Gletscher so weit es möglich ist, um in ruhigeres Wasser zu kommen.

Wir machen uns wieder bereit um für eine Cruise in die Zodiacs zu steigen. Eine Landung ist heute bei dem Wellengang unmöglich. Vom Wasser aus schauen wir uns die paar Quadratmeter Land an, auf dem die Männer überlebt haben. Der Ort ist von zwei Gletschern eingerahmt und befindet sich auf einer Landzunge, die eine Zügelpinguin Kolonie beheimatet, von der sich die Männer während ihrer vier Monate hier ernährten. Wir fahren mit den Zodiacs um die Landspitze herum und reiten mit den kleinen Booten auf dieser Seite die hohen Wellenberge ab. Dabei beobachten wir die Zügelpinguine in den steilen Klippen und amüsieren uns, wenn einer von ihnen mutig in die Wellen springt.

Zwischen den Wellenbergen und den Felsen können wir kurz einen Seeleoparden erspähen, der aber gleich darauf verschwindet und nicht mehr gesehen wird. Was wir von dieser Seite aus dagegen gut sehen können ist das Denkmal, nämlich die Büste des Kapitän Luis Pardo Villalón, der die 22 Männer gerettet und aus ihrem „Gefängnis“ befreit hat.

Dann fahren wir wieder auf die andere Seite zurück, wo es etwas ruhiger ist. Hier haben sich Eisstücke vom Gletscher gesammelt, die einen Teppich bilden, durch den wir uns hindurch schieben. Dabei sammeln wir noch einen kleinen, glasklaren Brocken Eis ein, damit wir heute Abend an der Bar auch richtiges Eis zum Kühlen der Drinks haben. Zum Schluss fahren wir entlang der Gletscherzunge und bestaunen die zerklüfteten Eismassen des Gletschers. Nach rund einer Stunde ist auch diese Zodiac Cruise leider schon wieder zu Ende. Wobei man sagen muss, dass keine Fahrt der anderen gleicht und es jedes Mal wieder spannend und erlebnisreich ist.

Weil wir morgen die Antarktis erreichen stelle ich mir den Wecker, um bei der Fahrt durch den Antarctic Sound an Deck zu stehen und das ewige Eis zu bestaunen.