15. Tag (30. Januar 2020)

Als wir wach werden haben wir die Süd-Orkney-Inseln bereits erreicht. Das Schiff fährt durch den Washington Sound und nimmt Kurs auf Shingle Cove auf der größten Insel, Coronation. Es ist stark bewölkt und wir haben starkem Wind. Es sind bereits die ersten größeren Eisberge zu sehen. Wir machen uns zur Landung bereit und warten an der Gangway. Die Zodiac-Fahrt ist recht kalt, aber weitestgehend trocken. In der windgeschützten Bucht, in unmittelbarer Nähe zum Gletscher, können wir problemlos an Land gehen.

Nach dem routinemäßigen Ablegen der Schwimmwesten ist es nur eine kurze Strecke zu Fuß, um zu einer kleinen Kolonie von Adélie-Pinguinen zu gelangen. Es ist unsere erste Begegnung mit dieser Art von Pinguinen. In der Kolonie halten sich hauptsächlich junge Tiere am Ende der Mauser auf. Sie sehen ziemlich komisch aus mit ihren Daunenbüscheln auf dem Kopf, fast wie Punker. Sie stehen stoisch in ihrem eigenen Kot und sind deshalb ziemlich verdreckt, aber trotzdem recht süß anzuschauen. Der Wind hat mittlerweile nachgelassen und es beginnt zu schneien. Also richtig schönes antarktisches Wetter.

Zurück am Strand nehme ich mir ausführlich Zeit für die Seebären und vor allem für die See-Elefanten. Ein junges Männchen liegt am Strand, ein weiteres in Strandnähe im Wasser, und ein drittes ist etwas weiter weg vor der Gletscherzunge zu sehen. Ich warte darauf, dass entweder das Tier am Strand ins Wasser geht, oder das andere an den Strand kommt, aber nichts dergleichen passiert vorerst. So schaue ich mich um und erspähte plötzlich einen einzelnen jungen Königspinguin, der sich wohl in diese Bucht verirrt hat und nun von den Seebären nicht in Ruhe gelassen wird und irritiert durch die Gegend läuft.

Schließlich bewegt sich der See-Elefant am Strand doch noch und hievt seinen massigen Körper ungelenk ins Wasser. Dabei schiebt er problemlos einige Eisbrocken zur Seite und gleitet in das eisige Wasser. Er ist sich aber wohl nicht ganz sicher, ob er das Richtige getan hat. So schwimmt er am Strand entlang und robbt einige Meter links wieder an den Strand und schaut sich dabei ausgiebig um. Für uns ist es natürlich ein Spektakel, ein sonst so träges Tier in Bewegung zu sehen. Und so machen natürlich alle Passagiere zahlreiche Bilder. Leider mussten wir mal wieder viel zu früh zum Schiff zurückkehren, wo ich mich unter der heißen Dusche erst mal aufwärme.

Nach dem Mittagessen lichten wir Anker und nehmen Kurs auf Elephant Island. Gleich nachdem wir Richtung offene See steuern passieren wir riesige Eisberge, die hier vor der Inselgruppe gestrandet sind und aus der Weddell-See stammen. Ich verbringe die meiste
Zeit des Nachmittags draußen auf Deck bis es mir schließlich dann doch zu kalt wird. Zwischendurch höre ich mir noch einen Vortrag über die Endurance Expedition von Shackleton an, da wir auf Elephant Island die Stelle anlaufen wollen, an welcher der größte Teil seiner Mannschaft damals bis zur Rettung ausharren musste.