12. Tag (27. Januar 2020)

Auch heute geht es früh raus. Wir ankern in Godhuth, einer kleine Bucht etwas südlich von Grytviken. Nach dem Frühstück macht sich die erste Gruppe zu einer Zodiac Cruise bereit, meine Gruppe verbleibt an Bord und vertreibt sich die Zeit mit irgendwas. Dann sind auch wir dran und dürfen in die Zodiacs. Wir fahren entlang der Küste zum Ausgang der Bucht und treffen auf die Dünung der offenen See. Es geht in den kleinen Booten mächtig hoch und runter, aber es bleibt alles trocken. Wir genießen das Panorama und entdecken zuerst eine Kolonie Antarktischer Kormorane, darüber kreist ein Rußalbatros. Nur wenig weiter nisten Dominikanermöwen auf dem felsigen Steilhang.

Der Höhepunkt des Ausflugs ist jedoch zweifelsohne die Kolonie der Goldschopf-, oder Makkaroni-Pinguine, die an der Küste, am Rookery Point zwischen der grünen Vegetation am Hang brüten und über eine schräge Felsplatte Zugang zum Meer haben. Bei dem Versuch ins Wasser zu kommen, um für ihre Jungen auf Nahrungssuche zu gehen, können wir ausgiebig zuschauen, wie die Tiere versuchen die hohe Brandung zu überwinden. Dabei können wir immer wieder sehen, wie einzelne Tiere vom Wasser weggespült oder einfach umgerissen werden. Es scheint sie aber nicht weiter zu stören. Es ist für uns sehr unterhaltsam und die Zeit vergeht viel zu schnell.

Wir fahren ein kurzes Stück weiter zu einer vom Wasser ausgespülten Höhle, an deren Ufer wir noch schnell einen kurzen Blick auf einen kleinen, aber recht selten zu sehenden Südgeorgien-Riesenpiper werfen zu können. Dieser bodenbrütende Vogel ist der südlichste Singvogel der Welt, welcher durch eingeschleppte Ratten beinahe ausgerottet wurde. Nachdem Südgeorgien nun rattenfrei ist können sich die Bestände aber wieder erholen.

Danach steuern wir noch um eine Halbinsel herum in die Cobblers Cove, in der vor allem Seebären und See-Elefanten leben. Hier entdecken wir einen sehr seltenen, sogenannten „Blondie“, einen leuzistischen Seebären, der ein schneeweises Fell besitzt und natürlich unsere ganze Aufmerksamkeit besitzt.

Am Nachmittag bleibt die Plancius in der Bucht von Godhuth vor Anker und wir gehen auf der anderen Seite an Land und unternehmen eine Wanderung. Zuerst geht es steil durch Tussockgras zu einer Eselpinguin-Kolonie den Berg hinauf, die sehr schön zwischen grünem Gras liegt. Es ist immer wieder erstaunlich zu sehen, wie die recht kleinen Tiere mit ihren kurzen Beinen diese Höhenunterschiede und solch lange Strecken zurücklegen.

Nachdem alle das Treiben in der Kolonie ausführlich beobachtet haben gehen wir weiter und an einem kleinen See vorbei. Wir schwenken nach links und erreichen einen weiteren See, der ebenfalls von Eselpinguinen bevölkert ist. Die Sonne scheint vom blauen Himmel, und wenn man den Blick so schweifen lässt könnte man fast annehmen, man befindet sich irgendwo in Europa in den Hochalpen – echt erstaunlich.

Dass wir aber auf Südgeorgien sind erkennen wir gleich, als wir einen kleinen Sattel erreichen und den freien Blick aufs Meer haben. Wir genießen den Ausblick während über uns eine subantarktische Raubmöwe kreist und uns neugierig beobachtet. Auch auf dem Rückweg gehen wir, wie eigentlich die ganze Zeit, über einen weichen Teppich aus Gras und Moos, welches von Wasser durchtränkt ist, und erreichen vor dem Abstieg zum Strand wieder die Pinguin-Kolonie. Es war zwar nur eine kurze Wanderung, aber umso eindrücklicher, hier an einem der abgelegensten Orte der Welt.