11. Tag (26. Januar 2020)

St. Andrews Bay

Grytviken

Die Plancius erreicht St. Andrews Bay, und nach dem Frühstück machen wir uns gleich für den Landgang fertig. St. Andrews Bay ist wohl der Höhepunkt einer jeden Südgeorgien-Reise, und wir sind sehr erleichtert, als wir hören, dass eine Landung stattfinden kann. Die Anlandung ist glücklicherweise auch nicht so heftig wie gestern. Es schneit leicht, und über den Bergen herrscht Hochnebel. Am Strand müssen wir erst ein Stück des Geländes von Pinguinen befreien, damit wir für uns ein wenig Platz haben. Gleich rechts daneben liegen See-Elefanten und dösen vor sich hin. Sie hätten wir sicherlich nicht verscheuchen können.

Wir folgen der markierten Route bis zu den Seitenmoränen des Gletschers, von denen man die Hauptkolonie der Königspinguine überblicken kann. Dazu überqueren wir den Gletscherfluss des Heaney Gletscher, dessen Wasser uns fast bis zu den Knien reicht und damit bis zum Rand der Gummistiefel. Es ist recht knifflig rüber zu kommen, denn die Steine sind rutschig und im gräulichen Gletscherwasser nicht zu sehen. An beiden Ufern stehen tausende Jungtiere, die ihre Mauser abwarten und zum Nichtstun verdammt sind. Was für ein Anblick!

Als wir den letzten Hang zum Aussichtspunkt hinauflaufen, schwillt der Lärm der Pinguine deutlich an. Wir erreichen den Aussichtspunkt und sind überwältigt. In der Kolonie sind rund 300.000 Königspinguinpaare beheimatet, d.h. mehr als eine halbe Million Pinguine sind zu sehen, die auf einer riesigen Fläche vor dem Buxton und Cook Gletscher brüten. Es ist die größte Kolonie von Königspinguinen weltweit, und ich sitze eine Zeitlang nur recht ungläubig da und betrachte die unglaubliche Anzahl von Tieren.

Auf dem Rückweg zum Strand gilt dann meine Aufmerksamkeit auch den Seebären und See-Elefanten, die auch hier wieder zu sehen waren. Die Anzahl der Tiere ist einfach großartig.

Gegen Mittag sind wieder alle an Bord zurück, und die Plancius nimmt auch gleich Fahrt auf, um unser nächstes Ziel Grytviken anzufahren. Wir erreichen die wunderschön gelegene Cumberland East Bay, in der sich, nochmals um eine Ecke herum, die King Edward Cove befindet die dadurch sehr geschützt liegt. Man erkennt, dass die Walfänger, die mit Grytviken die erste Walfangstation gegründet haben, sich den besten Platz auf der ganzen Insel dafür ausgesucht haben.

Zuerst erhalten wir einen Vortrag über das Britisch Antarctic Survey, welches die historische Stätte verwaltet. Währenddessen werden unsere Einreise-Formalitäten durchgeführt. Dann gilt es die strenge Bio-Sicherheitskontrolle zu bestehen, die von den Inspektoren an unserer Ausrüstung durchgeführt wird. Nach erfolgreich bestandener Inspektion dürfen wir die Zodiacs besteigen, an Land gehen und diesen besonderen Ort entdecken. Es sind die alten Hinterlassenschaften der Walfänger zu sehen, und in den letzten Jahren wurde ein kleines Museum aufgebaut. Die Ausstellungen decken alle Aspekte der Entdeckung der Insel, der Robben- und Walfangindustrie, sowie der Meeres- und Naturgeschichte ab. Gleich dahinter befindet sich das Postamt mit seinem kleinen Souvenirladen, in dem Ali auf ihrer Hochzeitsreise gearbeitet hat. Dort kaufe ich mir natürlich ein T-Shirt und die detaillierten Karten von Südgeorgien und der Antarktischen Halbinsel.

Dann schaue ich mir in einem kleinen Ausstellungsraum den Nachbau der James Caird an. Es ist das rund acht Meter lange Holzboot, mit dem Ernest Shackleton und fünf seiner Männer über 1.400 km nach Südgeorgien segelten, um sich und seine Mannschaft zu retten. Es ist kaum zu glauben, dass die Männer das Südpolarmeer in dieser Nussschale bezwingen konnten.

Beate und ich gehen über das doch recht weitläufige Gelände weiter und besuchen die frisch renovierte Kirche, in der man selbst die Kirchenglocke läuten kann. Am Ufer der Bucht treffen wir wieder auf Seebären und ihre Jungen, die auch hier sehr verspielt sind. Weiter auf dem Weg zum Friedhof gibt es auch wieder Königspinguine und See-Elefanten zu sehen. Auf dem Friedhof besuchen wir das Grab von Ernest Shackleton und verbringen danach noch einige Zeit mit den Seebären und Pinguinen am Strand. Wir gehen zurück zur Landungsstelle, und ich versuche mir vorzustellen wie geschäftig dieser Ort wohl zur damaligen Zeit gewesen sein muss, und wie viele Menschen hier, weit ab von jeglicher Zivilisation, gelebt haben.

Wieder zurück an Bord gibt es heute Abend ein großes BBQ auf dem Achterdeck. Es sind Bierbänke aufgebaut und wir sitzen draußen, genießen die Aussicht und haben lecker Gegrilltes auf dem Teller. Über den Bergen bilden sich bizarre Wolkenformationen, die von der Abendsonne eindrucksvoll angestrahlt werden. Später gibt es noch ein bisschen Musik, zu der allerdings nur ganz wenige Leute tanzen. Die meisten verziehen sich ins Innere nachdem die Sonne untergegangen ist und es frisch wird. Beate und ich ziehen uns dann auch in die Lounge zurück, um den Abend dort ausklingen zu lassen.