10. Tag (25. Januar 2020)

Salisbury Plain

Fortuna Bay

Wir haben Südgeorgien erreicht und können am Morgen die Küste sehen. Es herrscht jedoch noch Hochnebel, und wir hoffen, dass sich dieser bald auflöst. Ich stehe auf der Brücke als wir in die Bucht der Salisbury Plain hineinfahren und bekomme die Diskussion über die Möglichkeit einer Landung zwischen Ali und dem Kapitän mit. Die Dünung ist leider selbst in der Bucht viel zu hoch für eine Landung. So können wir uns nur auf eine Zodiac Fahrt begeben. Ich schlüpfe wieder in meine Klamotten, lege die Schwimmweste an und darf in der ersten Gruppe an der Zodiac-Fahrt teilnehmen.

Auf der weitläufigen Fläche nisten 70.000 Königspinguinpaare, dazwischen sind aus der Entfernung unzählige Seebären und Vögel zu sehen. Es ist echt schade, dass wir nicht anlanden können. Im Wasser treiben viele Königspinguine, an die wir vorsichtig heranfahren. Im Hintergrund glitzert das Eis des Lucas- und des Grace Gletschers, und als sich die Sonne ein wenig zeigt kommt die Wasserfarbe erst richtig zur Geltung, während die ganze Landschaft zu leuchten beginnt. Wir fahren langsam am Strand auf und ab und schauen auf die Gruppen von Pinguinen, die im Wasser treiben und jungen Seebären, die in den sich brechenden Wellen spielen. Als wir nach rund zwei Stunden wieder an die Gangway heranfahren wollen frischt der Wind auf und wir werden von der Gischt ein wenig nass, so dass man nochmals daran erinnert wird das eine Landung wirklich nicht möglich war.

Nach dem Mittagessen kommen wir aber tatsächlich doch in den Genuss unserer ersten Landung auf Südgeorgien. Wir sind weiter in die Fortuna Bay gefahren. Schon bei der Einfahrt in die Bucht begrüßen uns Seebären, die sich im türkisfarbenen Wasser zeigen. Diese Bucht ist tief ins Land eingeschnitten, so dass wir die Hoffnung haben, dass die Brandung nicht so hoch ist.

Trotzdem ist es nötig, eine Hecklandung durchzuführen, bei der die Zodiacs bei der Ankunft am Strand gedreht werden, um zu vermeiden, dass die Brandungswellen in die Zodiacs brechen. Wir hören auf die Kommandos von Ali, um zwischen den Brandungswellen im richtigen Moment schnell aus dem Zodiac auszusteigen.

An Land gibt es noch die wichtigsten Verhaltensregeln, danach legen wir die Rettungswesten in einen der vorbereiteten Säcke und sind schließlich bereit um auf Entdeckung zu gehen.

Wir befinden uns hier sogleich inmitten eines Haufens von Seebären und Königspinguinen. Einige der Seebären-Babys versuchen ständig, uns zu verscheuchen. Ein wenig weiter hinten liegen See-Elefanten im Gras und dösen vor sich hin. Es ist ein besonderes Erlebnis den Tieren des fernen Südens so nahe zu sein. Man weiß gar nicht, wohin man sich zuerst wenden soll. Zu den Pinguinen, die in großen Gruppen am Strand und im Wasser unterwegs sind, oder den vielen Seebären mit ihren Jungen, die sich über die weitläufigen Grasflächen ausbreiten. Oder soll man sich doch zuerst Zeit für die See-Elefanten nehmen?

An jeder Landungsstellen markiert ein Guide mit roten Stangen einen Weg durch das Gelände, dem wir folgen können. Deshalb halte ich mich nicht lange am Strand auf, sondern gehe über die Grasflächen voller Seebären-Jungen weiter ins Tal hinein. Immer darauf achtend, ausreichend Abstand zu den Tieren zu halten, was teilweise nicht einfach ist. Die meisten liegen herum und schlafen in der Sonne. Es sind aber auch Jungtiere zu sehen, die gerade gesäugt werden, wieder andere spielen miteinander oder schauen einfach nur süß in die Gegend.

Auf dem Weg zur Hauptkolonie gibt es eine weitere interessante Szene zu beobachten: In einem kleinen Bachlauf macht sich gerade ein Riesensturmvogel über den Kadaver eines Seebären her. Diese Vögel räumen als Aasfresser die Kadaver weg und gehören somit in die gleiche Gilde wie die besser als Aasfresser bekannten Geier.

Dann erreiche ich die Hauptkolonie der Königspinguine. Was für ein Anblick! Königspinguine, soweit das Auge reicht, dicht beieinander und alle mit etwas beschäftigt. Ich bleibe eine ganze Zeit lang und beobachte ausgiebig. Es ist einfach die Masse an Tieren, die hier so überwältigend ist, und wofür Südgeorgien auch bekannt ist. Ein Jungtier kommt neugierig näher, bleibt stehen und schaut uns nur mit erhobenem Kopf an. Sie sehen mit ihrem braunen, unansehnlichen Fell ein wenig hässlich aus, und man könnte fast Mitleid bekommen. So stehen Sie einfach nur herum und warten drauf, dass die Mauser endlich vorüber ist.

Dann bewege ich mich wieder langsam zurück zum Strand und beobachte die Königspinguine dort noch eine ganze Zeit lang, bevor uns die Zodiacs wieder zurück zum Schiff bringen.

Nach einer Dusche und dem Abendessen gibt ab es noch ein Feierabendbier in der Lounge. Was für ein wunderbarer erster Tag in Südgeorgien.