9. Tag (10. Oktober 2019)

Als ich aufstehe herrscht noch dichter Nebel, der sich nach dem Frühstück langsam aufzulösen beginnt. Ich fahre nach Chamonix hinein. Der Nebel ist inzwischen verschwunden und gibt den Blick auf den Mont Blanc frei. Ein sehr beeindruckender Eisriese mit seinem Bossons Gletscher, der gefühlt bis fast in den Ort fließt. Ich stelle das Auto auf dem Parkplatz der Seilbahn zum L‘Aiguille du Midi ab und gehe zum Fahrkartenverkauf. Leider erfahre ich, dass momentan die Bahn nicht ganz zur Spitze fährt, sondern nur bis zur Mittelstation, Plan de l’Aiguille. So buche ich ein Ticket in der Hoffnung, dass in einer Stunde die Bahn zum Gipfel doch noch aufgemacht wird. In wenigen Minuten bin ich oben, und kalter Wind schlägt mir ins Gesicht als die Türen aufgehen. Das Wetter ist allerdings top und die Sicht auf den Mont Blanc gut. Ich gehe ein wenig herum und mache Fotos. Dabei steige ich auch ein wenig den Wanderweg hinab, um einen freien Blick ins Tal zu erlangen. Der Ausblick ist wunderbar und die Spitze des L‘Aiguille du Midi ist klar zu sehen, aber leider schwächt sich der Wind auch nach einer Stunde nicht ab, so dass die Seilbahn nicht in Betrieb geht und ich leider nicht bis in 3.814m Höhe gelange. Sehr schade.

So fahre ich wieder ins Tal hinunter und wechsle erst mal die Schuhe, da sich die Sohle an einem meiner Bergstiefel gelöst hat und ich kaum noch mit dem Schuh laufen kann. Dann schnappe ich das Auto und fahre mal spontan auf der anderen Talseite so weit wie möglich den Berg hinauf, um einen besseren Blick auf den Mont Blanc zu bekommen. Ich mache meine Bilder, und da ich hier recht alleine bin ziehe ich meine warmen Klamotten aus und werfe mich in was Legereres. Dann fahre wieder zurück, stelle das Auto wieder auf dem gleichen Parkplatz ab und schlendere im Anschluss durch die Innenstadt auf der Suche nach Fotomotiven. Es ist schon schwer beeindruckend, wie mächtig der Berg über der Stadt thront und an wie vielen Ecken der Stadt er zu sehen ist. Was jedoch kaum zu glauben ist, ist dass dieser Berg bereits 1786 erstbestiegen wurde. Damit wurde also vor fast 250 Jahren hier der heute bekannte Alpinismus gegründet.

Am frühen Nachmittag mache mich wieder auf den Weg in die Schweiz zurück, genauer gesagt nach Olten, wo ich heute übernachten will, weil ich gestern noch spontan beschlossen habe, einen weiteren Tag dran zu hängen und mit der steilsten Zahnradbahn der Welt auf den Pilatus zu fahren. So kann ich von meinem Interrail Ticket auch noch den dritten Tag nutzen. Unterwegs nach Olten besuche ich noch einen Freund, und wir sehen uns mal wieder für zwei Stunden, was sehr schön ist.