3. Tag (04. Oktober 2019)

Nach dem Frühstück mache ich mich wieder auf den Weg zum Bahnhof. Der Himmel ist wolkenlos, und die aufgehende Sonne taucht die Stadt in ein schönes gedämpftes Licht. Ich bin faul heute Morgen und nehme für das kurze Stück von der Altstadt zum Bahnhof hinauf die Standseilbahn, um mir das Schwitzen zu ersparen. Ich bin rechtzeitig dran und habe noch Zeit auf dem Bahnhof, der erst neu renoviert wurde und mir gut gefällt. Hoch über der Stadt gelegen bietet er einen tollen Blick auf den See und die Berge. Die ankommenden Züge spucken zahllose Menschen aus, die zur Arbeit gehen. So warte ich auf meinen Regionalzug nach Göschenen, der natürlich pünktlich einfährt. Da sehr viele hier aussteigen, finde ich schnell einen Sitzplatz und kann die Fahrt den Gotthard hinauf genießen. Nach Bellinzona bin ich fast alleine im Zug und kann somit rechts wie links aus dem Fenster schauen, je nachdem auf welcher Seite des Tals sich die Strecke gerade befindet.

Die Südrampe des Gotthards ist ebenfalls sehr sehenswert, und man kann zwischendurch deutlich sehen wie die Autobahn regelrecht in das doch teilweise recht enge Tal hineingequetscht wurde. Die Bahnstrecke dagegen fällt fast gar nicht auf.

Dann wird es für eine Zeitlang dunkel, und als der Zug den Gotthard-Tunnel wieder verlässt sind wir auch bereits in Göschenen. Das Wetter ist bewölkt und frisch, kein Vergleich zum Süden. Ich steige aus, gehe kurz zur Schöllenen-Bahn hinüber und steige ein, um in rund 12min durch die Teufelsschlucht nach Andermatt hinaufzufahren. Obwohl es nur eine kurze Strecke durch die Schöllenenschlucht ist, ist die Zahnradbahn recht spektakulär und man erhält aus der Bahn den besten Blick auf die Teufelsbrücke, dem in der Vergangenheit größten und gefährlichsten Nadelöhr auf der Gotthard-Route.

In Andermatt empfängt mich kalter Wind als ich die Türe aufmache. Ich habe fast eine Stunde Aufenthalt und gehe entspannt einen Kaffee trinken, um mich im Warmen aufhalten zu können.

Dann wird es auch wieder Zeit. Der Glacier-Express steht schon am Gleis und ich steige schnell ein, finde gleich meinen Platz und mache es mir bequem. Der Zug ist nicht ganz so ausgebucht wie der Bernina-Express und somit geht es entspannt zu. Da es Mittagszeit ist werde ich gleich gefragt, ob ich noch speisen möchte, was ich aber verneine, da ich sowieso wohl zu beschäftigt sein werde aus dem Fenster zu schauen.

Gleich nach Andermatt fährt der Zug im Zahnradbetrieb den Oberalppass hinauf und man erhält einen schönen Blick zurück auf Andermatt. Der Zug erreicht recht flott die Passhöhe und überschreitet dabei eine weitere Europäische Wasserscheide. Auf den umliegenden Gipfeln liegt Schnee aus den vergangenen Nächten, und der Himmel zeigt sich eher von seiner grauen Seite.

Von nun an verläuft die Strecke sehr steil dem Rheintal folgend hinunter nach Disentis. Hier gibt es einen Loktausch, da die Matterhorn-Gotthard-Bahn endet und die Wagen von der Rhätischen Bahn übernommen werden. So gibt es noch kurz Gelegenheit auszusteigen und Bilder zu machen. Anschließend geht es weiter in Richtung Chur. Das Tal weitet sich wieder, und es ist auch deutlich zu erkennen, dass wir uns wieder in tieferen Lagen befinden. Vor Chur durchfährt der Zug noch die Rheinschlucht mit ihren hohen Sandsteinwänden auf der einen Seite und dem reißenden Strom auf der anderen. Es ist recht spektakulär, zumal man hierher nur zu Fuß oder mit dem Zug kommt, denn es führt keine Straße hier entlang.

Dann ist es geschafft, wir fahren im Bahnhof von Chur ein und eine aufregende und empfehlenswerte Bahnreise ist zu Ende. Ich gehe zurück zum Parkhaus, organisiere meine Sachen neu und bin ab jetzt wieder mit dem Auto unterwegs. Gleich im Anschluss verlasse ich Chur und fahre zur Lenzerheide hinauf um Richtung Albulatal zu kommen, denn ich möchte unbedingt heute noch das Landwasserviadukt fotografieren.

Auf dem Weg dorthin komme ich durch Zufall an der Fleischtrocknerei Churwalden vorbei und kaufe dort im Fabrikverkauf gleich drei Packungen original Bündnerfleisch. So habe ich auch schon mein Souvenir aus der Schweiz.

Ich erreiche kurze Zeit später das Albulatal und mache mich auf die Suche nach dem Ausgangspunkt, um zum oberen Fotopunkt des Viadukts zu gelangen. Ich finde auch gleich die richtige Straße, und zu meiner Überraschung auch einen Parkplatz. Nachsaison hat schon auch Vorteile. Ich steige den Feldweg hinab und bin erleichtert, dass es sogar ausgeschildert ist. Auf dem Weg dorthin sehe ich schon Züge auf der Strecke fahren und hoffe, dass ich nicht zu lange warten muss bis die Nächsten kommen. Als ich den Fotopunkt erreiche, ist der Blick auf das Landwasserviadukt phantastisch. Während ich auf den Zug warte bricht sogar die Sonne wieder ein wenig durch die Wolken. Und dann ist es soweit: Ich bekomme einen der roten Züge auf dem Viadukt vor die Linse. Yippie! Erst auf dem Weg zum Auto zurück merke ich wie weit ich hinunter gelaufen bin, denn auf dem Rückweg muss ich ziemlich schnaufen.

Ich fahre hinunter ins Tal und nähere mich dem Viadukt von unten. Von hier aus ist es noch beeindruckender als von oben. Die Höhe und die Tatsache, dass dieses Viadukt vor über hundert Jahren direkt an der Felswand mit einem direkten Übergang in einen Tunnel gebaut wurde ist schon sehr speziell und gilt auch heute noch als technische Meisterleistung.

Nachdem ich alle Bilder im Kasten habe mache ich mich auf die Suche nach einer Unterkunft. Ich mache es mir leicht und nehme gleich ein Zimmer hier im Ort Fillisur. Erst am Abend beim leckeren Essen merke ich, wie müde ich bin und verziehe mich danach früh aufs Zimmer und ins Bett.