10. Tag (11. Oktober 2019)

Ich stehe relativ früh auf, checke nach dem Frühstück aus, packe meinen Koffer ins Auto und gehe zum Bahnhof. Der Bahnhof Olten ist der größte Bahnknoten der Schweiz, und es fahren deshalb von hier Züge in alle Richtungen in der Schweiz. Ich warte auf einen IC von Basel nach Lugano, der mich zur nächsten Station nach Luzern bringen soll. In Luzern steige ich in den Regionalzug nach Giswill um dann in Alpnachstad in die Pilatus-Bahn umzusteigen. Es ist schon schön und angenehm, wenn die Verbindungen pünktlich sind und die Anschlüsse ohne Stress funktionieren.

So steige ich dann recht früh am Morgen in Alpnachstad aus und gehe zum Ticketschalter der Pilatus-Bahn, die keine 10 Minuten später abfährt. Es ist die steilste Zahnradbahn der Welt mit bis zu 48 Prozent Steigung. Bei dieser Steilheit kann man nicht mehr auf ein gewöhnliches Zahnradsystem zurückgreifen, da es nicht mehr zuverlässig funktionieren würde. Deshalb wurde speziell für diese Bahn ein horizontales Zahnradsystem entwickelt, welches bis heute das einzige der Welt ist.

Die Bahn besteht aus einzelnen Triebwagen mit denen bis zu 40 Passagiere befördert werden können. Die Wagen sind durch verschiedene Ebenen abgestuft, wie man es von Wagen einer Standseilbahn kennt. So früh am Tag sind noch nicht so viele Leute unterwegs und deshalb nur zwei Bahnen in Einsatz. In der vor uns fahrenden Bahn eine Gruppe asiatischer Touristen und in unserer Bahn die individuell Reisenden. So habe ich viel Platz, um von einer Seite des Wagens auf die andere zu gehen und aus dem Fenster zu schauen. In rund einer halben Stunde überwindet die Bahn auf etwas mehr als 4,6km rund 1.600 Höhenmeter. Echt verrückt!

Schon auf der Fahrt ergeben sich unzählige Ausblicke, und mit jedem Meter den die Bahn höher steigt werden diese auch besser. Schon alleine dieses Erlebnis war es wert, den Tag noch dranzuhängen. Das obere Ende der Strecke bietet abermals einen Höhepunkt, wenn die Bahn die Eselswand in Tunneln und am steilen Abgrund entlang durchfährt.

Auf dem Gipfel des Pilatus eröffnet sich sogleich der atemberaubende Ausblick vom Hausberg Luzerns. In alle Richtungen ist die Sichtweite enorm. Im Süden erstreckt sich die Alpenkette mit ihren schneebedeckten Gipfeln vom Säntis bis zum Wildstrubel, wobei natürlich das Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau in rund 50km Entfernung die Krönung sind. Auf der nördlichen Seite ist natürlich der Vierwaldstädter See und Luzern sehr schön zu sehen, in der Ferne erblickt man den Schweizer Jura bis locker zum Chasseral hinunter und wahrscheinlich sogar bis zum Hoch-Jura ganz im Westen. Den Schwarzwald und die Schwäbische Alb kann man heute auf Grund von Schleierwolken über Süddeutschland leider nicht richtig erkennen.

Jedenfalls ist der Rundumblick vom Pilatus aus unglaublich, und man weiß gar nicht wohin am als Erstes schauen soll.

Nachdem ich mich ausgiebig im Bereich des Pilatus-Kulm Hotels und der Bergstation der Bahn umgeschaut habe, gehe ich auf dem Drachenweg, einem als Galerie ausgeführter Weg, um die Nordflanke herum und komme durch einen Tunnel wieder auf der südlichen Seite zum Hotel zurück. Im Anschluss mache ich mich noch auf den halbstündigen Fußmarsch zum Tomlishorn. Auch auf diesem Weg kommt man kaum aus dem Staunen raus. Es sind viele Alpendohlen zu sehen, die von einigen Touristen gefüttert werden. Zu meiner Überraschung treffe ich wenig später direkt neben dem Weg auch noch auf wilde Steinböcke, die heute mal schauen wollen was die Wanderer so machen. Sie thronen auf einem Felsen neben dem Weg, schauen neugierig auf uns Wanderer herunter und lassen sich auch nicht aus der Ruhe bringen, wenn man sie passiert. Kaum zu glauben, auf welch kurze Distanz man sich zu den Tieren befindet. Ein paar Meter weiter sind noch drei andere Tiere in einer steilen Felswand zu sehen. Ich bleibe eine ganze Weile stehen, um diese Tiere zu beobachten. Dann gehe ich weiter und erreiche das Tomlishorn. Auch hier gibt es eine fantastische Aussicht. Der Blick auf den Alpenhauptkamm erweitert sich nach Westen und reicht heute deutlich über den Wildstrubel hinaus bis ins Wallis hinein, mehr als 100km. Und man erhält eben auch eine tolle Aussicht zurück auf den Pilatus und die dahinterliegende Stadt mit dem Vierwaldstädter See. Es ist unglaublich.

Nach einer weiteren halben Stunde bin ich wieder zurück, habe noch ein wenig Zeit bevor die Bahn, welche ich nehmen will den Gipfel verlässt und haste noch schnell auf den Esel, den zweiten Gipfel des Pilatus hinauf, um auch von dort nochmals runter zu schauen. Dann gehe ich zur Bahn und passiere als einer der letzten das Drehkreuz, was mich noch zur Fahrt berechtigt. Denn, wie ich erst jetzt bemerke, ist es richtig voll geworden und die Bahn ist nun maximal ausgelastet. Aber was soll man schon bei diesem Wetter und der traumhaften Sichtweite anderes erwarten. Es sind nun mal beste Bedingungen um hier oben zu sein.

Ich bin natürlich auch auf der Talfahrt immer noch beeindruckt von der tollen Strecke, die vor über hundert Jahren gebaut wurde. Während der Fahrt merke ich, dass zu dieser Abfahrtszeit mit fünf Bahnen talwärts gefahren wird, und an der Ausweichstelle sehen wir, dass vier vollbesetzte Bahnen bergwärts unterwegs sind. Es ist also sehr viel los und ich bin froh den Massen nun entfliehen zu können.

Unten angekommen nehme ich das Schiff nach Luzern zurück und genieße noch eine entspannte und aussichtsreiche Fahrt über den See, anstatt schnell mit der S-Bahn durch die Tunnel zu fahren. Der Vierwaldstädter See ist herrlich zwischen den Bergen gelegen und bietet mit seinen vielen Armen auch viel Abwechslung. Einfach nur schön.

Zurück in Luzern wollte ich mir eigentlich nochmal die Stadt anschauen, habe es aber bei einem kleinen Rundgang durch die Altstadt belassen und mich anschließend zum Bahnhof aufgemacht, um mit dem nächsten Zug nach Olten zurück zu fahren.

Damit ist meine Schweiz-Rundreise leider zu Ende. Ich hatte viel Glück mit dem Wetter, konnte meine Höhepunkte bei bestem Sonnenschein genießen und steige nun zufrieden ins Auto, um heim zu fahren.

Das wird allerdings noch zu einer gewisse Geduldsprobe, weil sich an diesem Freitagabend an sämtlichen Grenzübergängen nach Deutschland lange Schlangen von kaufwütigen Schweizern bilden. Als ich wieder auf deutscher Seite bin lasse ich die Reise bei einem guten Essen noch ausklingen und mache mich schlussendlich endgültig auf den Heimweg.