15. Tag (02. August 2019)

Es geht weiter nach Medellín, und damit wieder in gemäßigteres Klima. Wir brechen zum Flughafen auf und haben einen angenehmen Flug. Die Fahrt vom Flughafen nach Medellín dauert rund eine Stunde. Im Hotel können wir noch nicht einchecken. Deshalb stellen wir unser Gepäck ab und machen uns auf einen kurzen Rundgang in der näheren Umgebung, währenddessen wir noch schnell eine Kleinigkeit essen.

Am frühen Nachmittag startet die „we don’t say his name“ Tour, die uns an vier Orte von Pablo Escobar führen, dem berüchtigten Drogendealer und Mörder von Kolumbien. Rachel und ich treffen noch Kina aus Norwegen und somit sind wir nur zu dritt auf dieser Tour unterwegs. Wir fahren mit einem Kleinbus zuerst zum Ort seines ehemaligen Wohnhauses im Zentrum, dem Edificio Mónaco, welches im letzten Jahr gesprengt wurde, und an dessen Platz ein Gedenkpark für die 46.000 Opfer in Medellín entstehen soll. Hier wird uns erklärt, wie es zum Aufstieg des Medellín-Kartells kam. Koks war Ende der 70er als neue Modedroge auf dem Vormarsch, der Anbau der Coca Pflanze wurde von Bolivien nach Kolumbien erweitert, und mit seiner brutalen Art konnte sich Pablo schnell in den Führungskreis hocharbeiten und die Kontrolle übernehmen. Lukrativ waren vor allem der Handel und der Transport in die USA. Hier an diesem Ort vor dem damaligen Gebäude soll auch der erste von über 600 Bombenanschlägen im Drogenkrieg stattgefunden haben.

Anschließend fahren wir zur zweiten Station unserer Tour in die Berge und besuchen das ehemalige Gelände seines „Gefängnisses“ La Catedral, welches prächtig mit nicht zu überbietendem Ausblick auf die Stadt oberhalb von El Salado liegt, in der Gegend von La Escondida, in der er aufgewachsen ist. Um sich seiner Auslieferung in die USA zu entziehen war er einen Handel mit der Regierung eingegangen der daraus bestand, dass er in Kolumbien ins Gefängnis geht und nicht ausgeliefert wird. Da er aber befürchtete in einem normalen Gefängnis umgebracht zu werden wurde ihm zugestanden, sein eigenes „Gefängnis“, welches eher einem Luxusanwesen entsprach zu bauen. Es war auch der durchaus korrupten Polizei nicht gestattet, sich dem „Gefängnis“ mehr als zwei Kilometer zu nähern und er wurde ausschließlich von seinem eigenen Sicherheitsdienst „bewacht“. Die Annehmlichkeiten waren zahlreich, was man auch von Besuchern sagen konnte. Der Ausblick, den wir von seinem ehemaligen Helikopter-Landeplatz aus genießen dürfte der beste der ganzen Stadt sein. Als auf Druck der USA nach 13 Monaten diese Vereinbarung zwischen der Regierung und Pablo jedoch aufgehoben wurde, konnte er von diesem Anwesen überraschenderweise leicht flüchten.

Wir fahren den Berg wieder hinunter, machen noch eine kurze Pause und besuchen anschließend eines der vielen, von ihm gespendeten Sportstadien. Hier wird uns erklärt, warum Pablo auch heute noch in weiten Teilen der Bevölkerung sehr beliebt ist. Dazu muss man wissen, dass große Teile der Bevölkerung sehr arm waren und nur sehr wenige sehr viel Besitz hatten. So baute er für arme Leute Häuser, Fußballstadien, Schulen, finanzierte Krankenhäuser, gründete Diskotheken, Restaurants und noch vieles mehr. Stellte sich dabei als großzügiger Arbeitgeber und Geschäftsmann dar. Sicherlich aber nicht aus Nächstenliebe, sondern um sich die Unterstützung der Bevölkerung zu erkaufen und daraus dann seine Leute zu rekrutieren, unteranderem auch mehr als 3.000 Auftragsmörder, die zumeist Kinder und Jugendliche waren.

Zuletzt fahren wir zum Friedhof und schauen uns zum Anschluss auch noch sein Grab an, welches direkt neben der Kirche liegt und ein Familiengrab ist, in dem auch sein Fahrer beerdigt wurde.

Auf Grund von Staus zieht sich die Rückfahrt zieht sehr lange hin. Es ist Freitagabend, und zudem findet in dieser Woche auch noch das berühmte Blumenfestival in der Stadt statt.

Wir treffen uns nach dem Bezug der Zimmer zum Abendessen und fahren mit einem Taxi in einen anderen Teil der Stadt, um dort in einem Food Court essen zu gehen und typisch kolumbianische Spezialitäten zu probieren. Als wir gehen wollen regnet es leider, so dass wir noch in eine Bar gehen. Anschließend fahren wir mit einem Taxi zu einem Aussichtspunkt hoch. Als wir dort ankommen regnet es schon wieder, aber wir lassen uns nicht abschrecken, obwohl keiner von uns einen Schirm hat. Wir schauen uns schnell um und machen noch ein paar Bilder, denn die Aussicht auf die Lichter der Stadt ist beeindruckend, weil sich diese an allen Seiten die Berge hinaufzieht. Nach kurzer Zeit sind wir ziemlich nass und gehen zum Taxi zurück, welches auf uns gewartet hat, steigen ein und lassen uns zurück zum Hotel fahren.