6. Tag (27. Juli 2018)

Trans Alaska Pipline

Tok

"Top of the World"

Chicken

Dawson City

Diamond Tooth

Nach einer kurzen Nacht machen wir uns um 4:00Uhr bereits auf den Weg. Es ist stärker bewölkt und wir können auf dem letzten Abschnitt des Denali Highway leider an den Aussichtspunkten keine Berge erkennen, da die Gipfel alle in den Wolken liegen. Als wir in Paxson ankommen stelle ich fest, dass es keine Ortschaft ist, sondern es sich nur um ein verlassenes Hotel an einer Kreuzung zweier Highways handelt. Es steht zum Verkauf, sucht aber seit Jahren vergeblich nach einem Käufer. Hier biegen wir links auf den Richardson Highway ab und folgen dem Delta River Richtung Norden. Kurz vor dem Erreichen der Berge halten wir am Denkmal für den Namensgeber des Highways, einem ehemaligen US-General, der sich stark für den Ausbau der Straßen in Alaska im vorigen Jahrhundert einsetzte. Von Parkplatz aus hat man auch einen schönen Blick auf einen der zahlreichen Gletscher hier. Anschließend durchfahren wir die Alaska Gebirgskette nach Norden und können auch die Trans-Alaska-Pipeline sehen, die über weite Strecken parallel zur Straße verläuft. Leider ist es immer noch stark bewölkt und es regnete leicht, aber es klart auf als wir weiter nach Norden kommen. Als wir links von uns einen Regenbogen erkennen halten wir für einen Fotostopp und können das Bergpanorama mit tiefhängenden Wolken, ein paar einfallenden Sonnenstrahlen und einem wunderschönen Regenbogen genießen.

Wenig später machen wir noch einen weiteren Stopp an der Stelle, an der die Trans-Alaska-Pipeline auf ihrem Weg von Prudhoe Bay, über rund 1.300km nach Valdez die Straße unterquert. Hier können wir die Pipeline über ein längeres Stück überblicken, wie sie sich durch die Landschaft schlängelt. Wenig später erreichen wir Delta Junction und frühstücken erst einmal in einem Supermarkt. Von Delta Junction aus fahren wir auf dem Alaska Highway wieder Richtung Süden.

Was auffällt sind die unzähligen reisebusgroßen Wohnmobile, die uns hier auf dem Alaska Highway entgegenkommen. Ansonsten gibt es nicht wirklich viel Verkehr. Die Landschaft bietet zwischendurch recht ansehnliche Ausblicke, der Highway führt aber auch über lange Strecken einfach geradeaus durch die von Schwarzfichten dominierten Wälder Alaskas.

Wir erreichen Tok, ein kleines Örtchen an der Kreuzung zum Tok-Cutoff, einer Abkürzung zum Richardson Highway und machen dort Mittag. Zuerst schaue ich mich einmal um, mache einen Abstecher in die Souvenirläden und schaue nach etwas zu Essen. Da mich die Hotdogs in der Tankstelle nicht wirklich anmachen muss ein Eis am Stiel reichen. Damit setze ich mich vor das Besucherzentrum und beobachte das Treiben auf der Straße. Es sind nur sehr große Pickup-Trucks unterwegs, die dann von ihren Fahrern auch von einer Seite der Straße auf die andere Seite gefahren werden, um noch in einem anderen Laden vorbeizuschauen. Auch zahlreiche dieser riesigen Wohnmobile sieht man hier, entweder in der Größe eines Reisebusses oder als Sattelauflieger für die Pickups. Etwas seltener sieht man die zweiachsigen Wohnwagen, die nur von einem Geländewagen gezogen werden.

Nach der Pause fahren wir weiter, passieren problemlos noch eine Wiegestation am Ortsrand und biegen nach links auf den Top-of-the-World Highway ab. Es geht kontinuierlich bergan und die Aussichten werden reizvoller. Kilometerweit bis zur Grenze nach Kanada können wir rechts und links der Straße nur verkohlte Baumleichen von den verheerenden Waldbränden aus dem Jahr 2004 sehen. Dies führt einem damit vor Augen wie viel Zeit es in diesem arktischen Klima benötigt, bis sich die Natur regenerieren kann.

Der Grenzübertritt nimmt nicht viel Zeit in Anspruch, und auf der kanadischen Seite des Highways erreichen wir das Örtchen Chicken. Die Goldgräber, die hier siedelten, wollten den Ort eigentlich Schneehuhn nennen, wussten aber nicht wie dies geschrieben wird und so einigten sie sich auf den vereinfachten Namen „Chicken“. Dort machen wir einen Stopp und besuchen den örtlichen Saloon, der sehr urig eingerichtet ist und dessen Decke und Wände über und über mit Baseballkappen behängt ist. In der Kneipe ist natürlich ein Bier fällig.

Schließlich erreichen wir nach einem langen Tag Dawson City am Yukon. Wir bauen die Zelte schnell auf dem Campingplatz auf und fahren mit der Fähre über den Yukon in die Stadt rüber. Dort hole ich noch schnell am Geldautomaten Cash und dann geht es auch schon ins Diamond Tooth Gertie‘s zu einer Cancan Tanz-Show. Der Laden ist voll mit Touristen und wir stellen uns etwas in den Hintergrund, um die erste Show anzuschauen. Die Show ist toll, wird kurz von einem Stromausfall unterbrochen und geht dann unvermindert weiter. Danach öffnen die Black Jack- und Roulette- Tische und es geht zum Spiel. Gleich gegenüber in der Bar des Downtown Hotel gibt es den berühmten Sourtoe Cocktail, bei dem ein mumifizierter menschlicher Zeh im Glas schwimmt und geküsst werden muss um der Legende nach als „richtiger Kerl“ im Yukon zu gelten und in den Club aufgenommen zu werden. Es ist heute eine große Touristenattraktion und die Schlange recht lang, so dass ich für mich schnell entscheide, darauf zu verzichten.

Bei der zweiten Vorführung in Gertie’s Casino and Gambling Hall sind schon weniger Leute da und wir bekommen einen Sitzplatz. Die andern ziehen es vor, danach auf den Campingplatz zurückzufahren. Ich nehme noch ein Bier und genieße auch wenig später noch die Mitternachtsshow. Danach mache ich mich zu Fuß auf den Rückweg. Es ist natürlich immer noch hell, die Fähre ist noch in Betrieb und ich erreiche meinen Schlafsack nach einer halben Stunde und falle schnell in den Schlaf.