3. Tag (24. Juli 2018)

Denali Park Road

Polychrome Outlook

Stony Hill

Eielson Besucherzentrum

Denali - Alaska Range

Wanderfalke

Es geht – der Uhrzeit nach gesehen – sehr früh aus dem Zelt, aber ich bin froh darüber. Die erste Nacht im Zelt ist immer etwas schwierig und der Jetlag ist auch noch nicht überwunden.

Es geht also ohne Frühstück zum Denali Besucherzentrum am Parkeingang, von wo aus die Busse in den Nationalpark hineinfahren. Der 1917 gegründete Park ist einer der ältesten Nationalparks in den USA und zugleich einer der größten. Der Himmel ist fast wolkenfrei und die Sonne steht schon hoch. Es ist ein amerikanischer Schulbus mit dem wir in den Park gefahren werden. Er ist voll besetzt, aber wir waren bereits so früh da, dass wir uns als Erste die Plätze auf der richtigen Seite des Busses aussuchen konnten.

So machen wir uns auf den doch recht langen Weg in den Park und schauen beständig aus dem Fenster auf die uns umgebende Bergwelt. Die ersten rund 20km der Denali Park Road sind auch noch für private PKW zugelassen, aber nach der Schranke am Savage River dürfen nur noch die Touristenbusse weiterfahren. Den ersten Blick auf den Denali erhalten wir bereits nach rund einer halben Stunde Fahrt und der ist recht vielversprechend, wobei wir nicht wissen, ob die Wolken am Berg zuziehen oder aufreißen. Deshalb wird von allen aus allen Rohren fotografiert.

Kurze Zeit später zeigt sich der erste Elch am Straßenrand. Hält sich aber in dichtem Buschwerk auf und zieht seines Weges in den Wald. Unsere erste Pause machen wir am Teklanika River. Es bietet sich ein lohnenswerter Blick über das Flusstal, und die Beine lassen sich auch mal wieder strecken. Gleich darauf am Sable Pass sehen wir eine Gruppe der wild lebenden Alaska-Schneeschafe auf einer Wiese am Berg. Sie befinden sich jedoch so weit entfernt, dass sie fast nur als weiße Punkte oder mit einem guten Fernglas zu sehen sind. So setzen wir unsere Fahrt fort und haben zwischendurch immer mal wieder den Blick auf den Denali, der sich immer noch hinter Wolken versteckt. Am Polychrome Outlook, den wir als nächstes erreichen, halten wir erneut und genießen und fotografieren das pittoreske Bergpanorama mit dem blauen wolkenlosen Himmel. Wieder führt die Straße hinunter in ein Flusstal und wir halten erneut, dieses Mal am Ufer des Toklat River. Der Souvenirladen interessiert mich weniger, aber die Elchgeweihe, die hier liegen, schon mehr. Man kann sie hochheben und bekommt einen Eindruck davon wie schwer solch ein Geweih auf dem Kopf sein muss. Jeder macht hier seine Fotos und lässt den Blick über das breite Urstromtal des Toklat River schweifen.

Als wir gerade weiterfahren wollen müssen wir noch wegen „Gegenverkehr“ warten, da ein fröhliches Karibu elegant die Straße entlang trabt.

Wenig später, nach dem Überqueren des Highway Passes erreichen wir Stony Hill, biegen um die Kurve und können nur staunen. Da steht er vor uns! Fast wolkenfrei unter blauem Himmel und zeigt uns seine gewaltigen Ausmaße. Der höchste Berg Nordamerikas, der sich fast 5.000m über die umliegende Ebene erhebt. Wow, wir steigen alle aus und Dutzende von Kameras klicken im Akkord.

Den ersten Grizzly Bären mit zwei Jungen erblicken wir gleich darauf auch noch. Er befindet sich im Talgrund auf der anderen Seite des Flusses. Wir halten an und die Leute hängen an den Fenstern um zu schauen.

Schlussendlich kommen wir nach rund vier Stunden am Carl Ben Eielson Besucherzentrum an. Wir verlassen den Bus und gehen auf die Besucherterrasse. Die letzten Wolkenfetzen am Süd-Gipfel haben sich nun aufgelöst und der gewaltige Berg steht wolkenfrei vor uns und ist klar zu erkennen. Was für eine Wucht! Ich kann gar nicht aufhören Fotos zu schießen, wie alle anderen auch. Ich bin ganz aus dem Häuschen. Als ich den Busfahrer frage, wie häufig der Berg so gut sichtbar ist, gibt er mir zur Antwort: Maximal 1 -2 Mal im Monat! Wow, haben wir viel Glück heute.

Wir setzen uns auf eine Bank und machen dort unsere Mittagspause mit dem sensationellen Blick auf die Alaska-Gebirgskette und den Denali als thronender König dazwischen. Wir genießen alle, bei Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen, unsere Zeit auf der Besucherterrasse, dabei ist es kaum zu glauben, dass der Berg von hier aus immer noch über 50km Luftlinie entfernt ist.

Auf der weiteren, fast einstündigen Fahrt zum Wonder Lake kann ich kaum meinen Blick von der Bergkette lassen. Der Wonder Lake bildet den Abschluss unserer Strecke. Wir sind rund 140km in den Park gefahren und anschließend geht es die dieselbe Strecke wieder zurück. Aber zuerst verbringen wir noch eine ganze Zeit hier, denn der Blick auf die gesamte Gebirgskette ist von diesem Ort aus noch deutlich umfassender, und somit lohnt sich der Weg bis hierher. Der Blick schweift über das breite Tal des McKinley Rivers, der direkt vom Muldrow Gletscher gespeist wird. Auch hier sind wir dem Berg kaum näher, da wir uns parallel zu ihm bewegt haben. So überblicken wir Dutzende Kilometer von Wildnis mit Buschwerk und vereinzelten Schwarzfichten, die für Alaska so typisch sind, und dahinter ragt dieses gewaltige Gebirge empor. Ein wirklich einmaliges Panorama.

Auf der Rückfahrt bin ich doch schon ziemlich müde und möchte eigentlich nicht mehr fotografieren, bis wir Wanderfalken sehen, die gerade auf einem Felsvorsprung ihr Junges füttern. Unser Busfahrer zeigt sich erfreut, so dass ich davon ausgehe, dass diese Vögel auch nicht jeden Tag zu sehen sind. So kann man sagen, dass wir heute sehr viel Glück hatten und wir alle zusammen einen herrlichen Tag erleben durften.