21. Tag (11. August 2018)

Carcross

Matthew Watson

Unsere letzte Nacht im Zelt ist vorüber und damit bereits auch fast unsere Reise, aber ein Highlight werden wir noch erleben auf dem heutigen Weg nach Whitehorse. Wir fahren am Morgen nach Skagway und werden mit der White Pass & Yukon Railway Museumsbahn den White Pass hinauffahren. Es sind bereits am Bahnhof und auch später beim Einsteigen in den Zug verdächtig wenig Leute da, so dass wir fast einen ganzen Wagon für uns alleine haben. Es stellt sich heraus, dass ein Kreuzfahrtschiff verspätet eingetroffen ist und mehrere Hundert Passagiere deshalb fehlen. Uns soll es recht sein.

Der Zug wird von zwei Dieselloks aus den Fünfzigern gezogen und fährt recht langsam, was natürlich gut ist, wenn man die Landschaft anschauen will. Die Strecke hinauf zum White Pass bietet zu Beginn recht wenig Aussichten, da die Bäume die Sicht versperren, aber je höher wir kommen, desto besser wird es. Wir sehen auf der anderen Seite des Tals einen großen Wasserfall und insgesamt bin ich überrascht, wie schmal, eng und schroff das Tal des Skagway Rivers ist, dem früher der Trail und heute noch die Eisenbahn folgt. Zwischendurch überquert die Bahn herrliche angelegte Brücken, auf denen man beide Enden des Zuges gut sehen kann, da ich mich zum Fotografieren auf eine der Plattformen an den Wagenenden positioniert habe. Als wir die Baumgrenze überschritten haben ergeben sich herrliche Blicke hinunter ins Tal und auch zurück nach Skagway. Die Strecke klebt förmlich am Hang und man kann es sich kaum vorstellen, wie vor über hundert Jahren diese Trasse in nur zwei Jahren förmlich aus dem Fels gesprengt wurde. Heute dient die Strecke nur noch touristischen Zwecken und ist auch nicht mehr ganz bis Whitehorse befahrbar. Als wir die Passhöhe erreichen, überqueren wir die Grenze nach Kanada. Hier oben liegen zahlreiche Seen zwischen den sehr kargen Felsen. Die Sonne scheint und die Landschaft zeigt sich in ihrer vollen Schönheit. Kurz darauf erreichen wir Frazer, den Grenzort und verlassen den Zug dort. Die restliche Strecke bis Carcross legen wir wieder mit dem Kleinbus zurück.

In Carcross, welches seinen Namen von „Caribou Crossing“ abgeleitet hat und am Übergang zwischen dem Lake Bennett und dem Lake Nares gelegen ist, legen wir eine Pause ein. Es gibt nicht viel zu sehen und ich habe auch keine Lust auf weitere touristische Läden, so setze ich mich vor den ältesten General Store im Yukon und esse ein sehr leckeres Eis, welches sie dort verkaufen.

Auf dem Weg nach Whitehorse legen wir noch einen kurzen Stopp an der Carcross Desert ein, die als kleinste Wüste der Welt beworben wird. Es handelt sich aber tatsächlich um einen ausgetrockneten Seegrund, der aus der Eiszeit übriggeblieben ist. Zwischen den großen Sanddünen, die sich hier erstrecken, stehen immer wieder Fichten und es sind im Hintergrund bewaldete Berge zu sehen. Es ist deshalb recht interessant, weil es so gegensätzlich wirkt und man diese Landschaft hier nicht unbedingt erwartet.

In Whitehorse entladen wir den Kleinbus vollständig und checken für unsere letzte Nacht noch ins Yukon Inn Hotel ein. Jeder ist erst einmal mit sich selbst und seinen Sachen beschäftigt. Wir treffen uns aber am Abend und gehen gemeinsam zu unserem Abschlussessen. Es ist ein angenehmer Abend, den fünf von uns noch in einer Hausbrauerei in der Stadt ausklingen lassen.