16. Tag (06. August 2018)

Weißkopfseeadler

Admirality Island

Heute Morgen können wir länger schlafen und stehen später auf. Von Uwe werden wir zum Flughafen gebracht damit wir zu unserem Ausflug nach Admirality Island fliegen können. Zuvor machen wir aber noch schnell einen Stopp am Supermarkt, um was zum Frühstück und zum Mittag einzukaufen. Das Frühstück essen wir irgendwo zwischen Tür und Angel und nutzen die Zeit bis zum Abflug, um zur Mündung des Salmon Creeks kurz vor Juneau zu fahren. Dort schauen wir uns das Laichen der Lachse an. Mich interessieren aber vor allem die Weißkopfseeadler, die dort zahlreich vertreten sind. So schauen wir den noch lebenden Fischen, den Adlern, Möwen und Raben zu. Die Lachsleichen, die ebenfalls zahlreich zu sehen sind verströmen einen entsprechend fischigen Verwesungsgeruch und es sind auch Kadaver zu sehen, die über und über mit Maden bedeckt sind.

Dann fahren wir zum Check-in, was bei Wat-Air problemlos geht. Uwe verabschiedet sich, da er heute nicht mitkommt und wir warten noch ein wenig. Dann werden wir mit einem Kleinbus zum Flugzeug gefahren. Zunächst geht es einmal um die Startbahn herum, weil wir zum Wasserflughafen müssen, welcher aus einem Becken hinter der betonierten Startbahn besteht. Wir fliegen mit einer rund 60 Jahre alten De Havilland Beaver mit 9-Zylinder Sternmotor nach Admirality Island. Schon allein der Flug in diesem Oldtimer ist ein Erlebnis für sich. Ich darf auf dem Hinflug neben dem Piloten Platz nehmen. Dieser drückt zum Start auf zahlreiche Knöpfe, bedient Schalter und Hebel, und bereits nach kurzer Zeit sind wir in der Luft. Der Himmel ist wolkenverhangen, aber in Flugrichtung klart es auf. So haben wir noch einen schönen Blick von oben auf die unzähligen Inseln und Wasserwege. Nach rund zwanzig Minuten Flug erreichen wir auch schon unser Ziel und gleiten in einer sanften Rechtskurve der Meeresoberfläche entgegen, setzen sanft auf und treiben an den Strand, der sich als kleine Landzunge ins Meer hinaus erstreckt. Beim Aussteigen werden die Schuhe nass, da wir bis zu den Knien ins Wasser treten müssen. Deshalb habe ich noch meine Stiefel mit dabei und ziehe diese dann an Land an.

Wir werden von einer Rangerin begrüßt, die uns zuerst einmal einweist. Unseren mitgebrachten Snack verstauen wir in einer Bärenkiste. Als wir aufbrechen wollen läuft auch schon der erste Bär in unsere Richtung. Er ist etwa 3-4 Jahre alt und noch nicht ganz ausgewachsen. Die Rangerin erklärt, dass er uns in vernünftigen Abstand passieren wird und wir anschließend zur Beobachtungsfläche gehen können. Aber wir haben die Rechnung ohne diesen Bären gemacht. Er läuft nicht an uns vorbei, sondern beginnt sämtliche Beeren an den Sträuchern vor uns abzufressen, so dass wir über eine Stunde nicht vom Fleck können. Und dabei versteckt er sich auch noch geschickt hinter den Sträuchern. Schließlich verzieht er sich und die Rangerin gibt den Weg zur Beobachtungsfläche frei. Wir laufen los, ohne Rangerin und ohne Bärenspray. Aber wir kommen unverletzt nach zehn Minuten an. Direkt am Fluss sind drei weitere Bären zu sehen, jedoch sehr weit draußen an der Mündung des Pack Creek, so dass sie selbst mit dem Fernglas nicht groß zu sehen sind. So warten wir ab. Von dem zweiten Ranger hier an der Beobachtungsfläche werden wir darüber informiert, dass es noch einen Pfad durch den Wald zu einem Aussichtsturm am Bach gibt. Da es hier gerade nicht allzu viel zu sehen gibt gehen wir kurzentschlossen wieder zum Strand zurück und dann noch ein Stück weiter bis der Pfad in den Wald abzweigt. Der Pfad führt ein kleines Stück bergan, durch dichten Regenwald und endet nach rund zwei Kilometer an einem hölzernen Turm, den wir besteigen. Dort schauen wir uns um. Es gibt aber keine Bären zu sehen. So vertreiben wir uns die Zeit. Zwei Weißkopfseeadler posieren für unsere Kameras und bieten Unterhaltung. Als sich nichts weiter tut entschließen wir uns zurückzugehen und am Strand unsere Sandwiches zu essen.

Während wir unseren Snack genießen können wir erkennen, dass mehrere Bären sich in der Nähe der Beobachtungsfläche befinden und es was zu sehen gibt. So beenden wir unseren Snack und gehen schnellstmöglich wieder dorthin. Die Rangerin von dort kommt uns bereits entgegen und signalisiert, dass wir uns beeilen sollen, denn es ist gerade ein großer Grizzly aus dem Wald getreten, der uns zu nahekommen könnte, aber der setzt sich am Strand nieder und beobachtet die Szenerie.

Als wir dann an der Beobachtungsfläche angekommen sind macht sich gerade eine Bärenmutter mit ihrem Kleinen vom Wald auf den Weg den Fluss hinunter in Richtung Meer und bewegt sich relativ nahe an uns vorbei. Die Fotoapparate stehen kaum still. Einfach nur toll. Das große Weibchen, welches am Waldrand saß, läuft nun ebenfalls zum Fluss, legt sich aber in guter Fotodistanz vor uns hin und bietet ein tolles Motiv. Wieder ein anderes Tier versucht etwas später sein Jagdglück auf Lachs im Fluss. Damit hat sich uns in den letzten zwei Stunden ein wahres Schauspiel geboten und wir alle gehen mit einem Grinsen im Gesicht zurück zum Strand, von wo aus wir wieder mit dem Wasserflugzeug abgeholt werden. Wenigen Minuten später sind wir im regnerischen Juneau zurück und ein absolutes Highlight der Tour geht zu Ende.

Auf dem Campingplatz machen wir uns erst einmal frisch, packen wieder komplett um, weil wir morgen zu den Gletschern nach Glacier Bay fliegen. Anschließend genießen wir einen sehr lecker gegrillten Wildlachs, den Uwe uns zubereitet hat und dazu ein kühles Bier am Lagerfeuer. Das Feuer will aber auf Grund der Nässe nicht richtig brennen und produziert nur Rauch, so dass wir es rasch wieder löschen. So beenden wir gut gesättigt den Abend.