18. Tag (02. Oktober 2016)

Ruzika

Rwiggi

Kasigazi

Heute ist unser großer Tag. Wir werden zu den Gorillas wandern. Dazu werden wir noch vor dem Sonnenaufgang abgeholt und mit einem Mini-Bus zum Bwindi Impenetrable National Park gefahren. Die Straße ist richtig afrikanisch und mit Schlaglöchern, hervorstehenden Steinen, Felsen und Schlamm belegt, so dass wir rund zwei Stunden benötigen um im NP anzukommen. Die Unterweisung ist schnell gemacht und wir werden zumeist in die Gruppen eingeteilt, in denen wir im Mini-Bus hergefahren wurden. Ich bin mit den ganzen Jungen zusammen und befürchte, dass wir den weitesten Weg zu den Gorillas haben werden und ich hinterher hecheln werde. Als geklärt ist, welche Gruppe zu welchen Gorillas wandert steigen wir wieder in die Mini-Busse und werden um die Berge herum gefahren. Es dauert nochmals eine ganze Weile bis wir schließlich unseren Ausgangpunkt erreichen.

Wir steigen aus und machen uns zu Fuß auf den Weg. Wir folgen zuerst der Straße bergan. Ich gehe mein Tempo und der Rest der Gruppe setzt sich spielend von mit ab. Mir ist es erst einmal egal. Aber als wir das Ende der Straße erreichen und der Weg in einen Pfad übergeht, entscheidet unser Guide, dass ich doch besser in einer „älteren“ Gruppe aufgehoben bin und wir tauschen. Marta wechselt für mich in die „Sportgruppe“. Ich bin ziemlich froh darüber, weil es doch eher meiner Kondition entspricht.

Der Pfad führt weiter den Berg hinauf, währenddessen sich der Ausblick auf die Landschaft immer mehr verbessert, bis wir den Sattel erreichen. nachdem wir uns der Ameisen erwehrt haben, die versuchen, an unseren Beinen hinauf zu krabbeln, steigen wir über eine Kuhweide steil ins Tal ab. Da es letzte Nacht stark geregnet hat ist alles recht schlammig und rutschig. Wir erreichen einen Bachlauf im Tal und verlassen die Gemeinde in dem wir uns auf einen Pfad in den Regenwald machen. Er steigt kurz an und wir bekommen ein kleines Gefühl davon, was uns noch erwarten wird. Gleich anschließend geht es steil bergab bis zum Talgrund. Dort folgen wir schräg am Hang dem Bachlauf. Dabei ist es sehr rutschig, überall liegen Blätter, Äste, Zweige und Stämme. Es ist selbst mit meinen guten Bergstiefeln schwierig, Halt zu finden und wir versuchen verzweifelt, nicht hinzufallen.

Wir erreichen einen kleinen Zufluss, den wir überqueren müssen, dabei verliere ich den Halt, fülle mir die Stiefel mit Wasser und schlage mein Knie an. Es ist weiter nichts passiert und wir können auf der anderen Seite den Steilhang in Angriff nehmen. Es ist enorm anstrengend und ich bin bereits jetzt total durchgeschwitzt. Es geht steil bergan, wir sind meistens auf allen vieren unterwegs und müssen immer aufpassen, dass wir nicht einen Stamm anfassen der mit Dornen gespickt ist, wenn wir versuchen, uns hochzuziehen, weil die Schuhe mal wieder keinen Halt finden. Kurz davor zu kapitulieren hören wir von der Vorhut, dass die Gorillas nicht mehr weit sind. Wollen wir es glauben.

Und tatsächlich: Kurz danach sehe ich, den ersten Silberrücken mit Namen Ruzika, der an einem abgestorbenen Baum das Totholz frisst. Ein Junges ist an seiner Seite. Mit rund 16 Jahren bekommen die Gorillas den berühmten silbernen Rücken. Es können somit auch mehrere Tiere in einer Gruppe dieses Merkmal aufweisen. In der Kahungye Gorilla Gruppe, die wir heute besuchen, sind es drei von 22 Tieren.

Es ist schwierig, einen guten Blick auf die beiden zu erhaschen, weil immer wieder Blätter und Äste im Weg sind. Nachdem unsere Guides eine Schneise frei geschlagen haben beobachten wir die beiden eine ganze Zeit lang. Es ist sehr beindruckend, nur wenige Meter neben solch einem mächtigen Gorilla zu stehen und diesem so nahe zu sein. Wir können kaum genug davon bekommen, entschließen uns aber nach einer geraumen Zeit, ein wenig weiter zu gehen, nachdem unsere Späher weitere Gorillas dieser Familie ausgemacht haben. Wir sehen Rwiggi, einen weiteren Silberrücken, der auf seine Ellbogen gestützt auf dem Boden kniet, als er plötzlich aufspringt und sich zum Zeichen der Stärke auf die Brust schlägt.

Nur wenig weiter entdecken wir weitere vier Tiere von welchen drei in einem Baum sitzen und sich an den Blättern gütlich tun. Als der Gorilla Kasigazi auf einen Ast klettert, bricht dieser unter seinem Gewicht zusammen und er fällt zu Boden. Wenig später taucht er aber etwas links von uns wieder auf und springt auf uns zu. Lissa, die neben mir steht wird von ihm am Bein berührt und umgerissen. Es ist nichts passiert, aber es ist trotzdem eine aufregende Annäherung.

Leider vergeht die Zeit, nur etwas mehr als eine Stunde, die wir mit den Gorillas verbringen dürfen viel zu schnell und wir müssen uns auf den Rückweg machen. Ich bin davon ausgegangen, dass wir wohl einen kürzeren und einfacheren Weg zurück gehen, aber unser Guide meint nur, dass der Weg den wir gekommen sind der Kürzeste und Einfachste sei. Ich halte es im ersten Moment für einen Scherz, aber ich muss schnell feststellen, dass er es ernst meint. So machen wir uns wieder auf und bekommen noch eine heikle Szene geboten, als die Ersten unserer Gruppe einer Mutter mit Baby zu nahe kommen und Rwiggi uns deshalb attackiert. Unsere Guides mit ihren Stöcken stellen sich ihm jedoch schnell entgegen und wir können unseren Weg nach kurzer Aufregung fortsetzen.

Auch der Rückweg ist sehr herausfordernd und anstrengend, so dass ich immer wieder außer Atem komme und zwischendurch kleine Pausen brauche. Es setzt leichter Regen ein, aber das macht auch keinen Unterschied, da sowieso alles nass ist. So steigen wir wieder ab, überqueren den kleinen Bach und steigen auf der anderen Seite wieder steil bergan. Als wir die Kuhweide erreichen wird es einfacher, aber nicht unbedingt weniger anstrengend. Als wir schlussendlich sehr zufrieden und überwältigt von den Erlebnissen wieder am Mini-Bus ankommen, können wir auf der Terrasse des Souvenirs-Ladens Platz nehmen und uns erholen. Jugendliche aus dem Dorf singen und tanzen noch für uns, bevor wir erschöpft mit dem Mini-Bus zurück in die Stadt gefahren werden.

Als wir dort ankommen treffen wir auf die anderen und es gibt zuerst einmal sehr viel zu erzählen und zu erfahren, wie es den anderen Gruppen ergangen ist. Jeder zeigt natürlich erst einmal seine Fotos und es ist ein lautes Stimmengewirr zu hören. Nach ein paar Bier falle ich nach dem Essen müde ins Bett.