12. Tag (26. September 2016)

Heute ist Action angesagt. Fast die ganze Gruppe geht heute zum Raften auf dem Weißen Nil. Sieben von uns wollen es noch ein bisschen extremer haben und entscheiden sich für River Boarding. Ich natürlich auch. Beim River Boarding ist man nicht ich einem Schlauchboot unterwegs, sondern nur mit einem Buggy Board.

Zuerst werden wir alle mit einem Bus zum Tour-Büro gefahren, wo wir einen Kaffee und ein kleines Frühstück bekommen. Nachdem noch andere Leute eingesammelt sind fahren wir zum Ausgangspunkt der Tour. Ich habe ziemlichen Respekt vor der ganzen Sache, weil der Nil mit seinen Wassermassen und Stromschnellen in diesem Bereich als schwieriges Rafting Gebiet gilt. Die Stromschnellen haben alle den Schwierigkeitsgrad Vier (sehr schwierig) und Fünf (äußerst schwierig), was ziemlich mächtig ist. Wir bekommen unsere Ausrüstung, sprich Helm, Flossen, Schwimmweste und unser Brett. Nach einer Sicherheitseinweisung geht es auch schon los. Wir steigen etwas oberhalb der Itanda Falls, gleich neben der Haven Lodge ein. Der Fluss fließt ruhig dahin und wir Boarder befinden uns in unserem Schlauchboot, in dem wir von Stromschnelle zu Stromschnelle fahren. Gleich der Itanda Falls Katarakt hat die Kategorie Fünf+ mit ziemlich vielen Felsen, so dass wir Boarder diese zu Fuß umgehen müssen. Wir können aber den Schlauchbooten zusehen wie sie diese Stromschnelle befahren. Und ja, jedes Raft kentert und alle Paddler gehen über Bord. Was für ein Auftakt!

Bei der nächsten Stromschnelle dürfen wir zum ersten Mal ins Wasser. Es ist sehr intensiv und die Wellen sind enorm hoch, obwohl es sich nur um Kategorie Vier handelt. Es ist zu spüren, welche immense Macht und Gewalt das Wasser haben kann. Es ist schwierig sich auf dem Brett zu halten, obwohl man darauf liegt und es mit beiden Händen fest umklammert hält. In den Stromschnellen steigt der Adrenalinspiegel sprunghaft an. Als wir wieder in ruhigeres Wasser kommen, schwimmen wir zu unserem Schlauchboot zurück und ich stelle fest, dass ich bereits jetzt schon außer Atem bin. Wir hieven uns ins Boot zurück und ziehen erst einmal die Flossen aus, da wir nun eine halbe Stunde Pause haben, während Big M, unser Tour Guide uns mit kräftigen Ruderschlägen den Fluss hinunter rudert. Speziell unsere Mädels sind schwer von seinem durchtrainierten und muskelbepackten Körper beeindruckt. Wir dürfen entspannen, während die Rafter permanent am Paddeln sind um mit Big M Schritt zu halten.

Dies gibt uns auch Gelegenheit die Landschaft entlang des Nils zu betrachten und den vielen Wasservögeln zuzusehen.

Die nächste Stromschnelle ist ein Katarakt und damit die Schwierigste auf unserer Fahrt heute. Die erste Hälfte wird in Kategorie sechs (Grenze der Befahrbarkeit) eingestuft, so dass selbst die Schlauchboote diesen Abschnitt nicht befahren. Um diese Hälfte der Stromschnelle tragen wir unsere Boote über Land, während die Sicherheits-Kajak-Fahrer den Katarakt in Exzellenz meistern. Das zeigt uns, mit welchen Vollprofis wir unterwegs sind und gibt uns auch für die nächsten Herausforderungen mehr Sicherheit.

Wir stehen am Ufer auf einem Felsvorsprung und schauen uns die zweite Hälfte an. Dabei kommt es darauf an, dass wir in die Mitte schwimmen müssen um der „Waschmaschine“ zu entgehen. Es sieht beängstigend aus, aber als Big M springt gibt es kein Zurück mehr. Ich versuche mein Bestes, schaffe es aber nicht; die Wellen vor mir sind über zwei Meter hoch. Ich komme direkt in die „Waschmaschine“ hinein und kann mein Brett nicht halten. Während ich herumgewirbelt werde bin ich nicht mehr in der Lage irgendwie Einfluss zu nehmen. Als ich wieder hochkomme und kurz nach Luft schnappe, sehe ich mich auch schon auf die nächste Wasserwand zu treiben. Auch diese und die nächste reite ich vollständig ab, bevor ich zufällig wieder mein Brett neben mir sehe, danach greife und mich wieder drauf schwinge. Im Auslauf der Stromschnelle versuche ich wieder Richtung Boot zu schwimmen, was aber sehr anstrengend ist, obwohl es sich optisch nur um eine sehr kleine Strömung handelt, die mein Unterfangen leicht verhindert.

Wieder im Boot bekommen wir während einer kurzen Rast ein paar Ananas und Kekse gereich, um uns zu stärken. Danach geht es weiter, es kommen zwei weitere Stromschnellen in der Kategorie Fünf, bei denen es mir besser geht. Aber ich merke wie meine Kräfte zusehends schwinden. Es ist schon zu Beginn schwierig, in die richtige Linie zu schwimmen. Ich verliere zwar mein Brett nicht mehr, aber leider beide Male die Kontrolle und bin nur noch Passagier der Naturgewalten. Ich bin völlig außer Atem und brauche eine Pause. Als mit Abstand Ältester der River Boarder lasse ich als Einziger die sechste Stromschnelle aus und bleibe im Schlauchboot während ich den anderen zusehe. Es macht irre viel Spaß und ist ein einmaliges Erlebnis, vor allem, weil der Nil eine enorme Wassermenge besitzt. Dadurch ist die ganze Sache auch recht ungefährlich, weil sich die Felsen sehr tief im Wasser befinden, so dass man diese nicht berühren kann und man sich somit auch nicht verletzt. Nichtsdestotrotz ist dieses Erlebnis sehr respekteinflößend.

Die letzte Stromschnelle lasse ich mir aber nicht entgehen, es ist nochmals eine Kategorie Fünf, aber ziemlich leicht zu durchfahren, weil es einfach gerade aus durchgeht. So treffe ich nochmals auf drei bis vier große Wasserwände und habe meinen Spaß daran. Dann ist das River Boarding jedoch vorbei. Wir gehen an Land und können ein leckeres BBQ genießen, nachdem wir geduscht und uns umgezogen haben. Das Bier schmeckt umso besser und ein sehr intensiver und zum Teil beängstigender Tag geht zu Ende. Ich rede zum Schluss noch mit den Tour-Leader, ein Typ aus den Staaten und er erzählt mir, mit welchen Leuten wir heute unterwegs waren. Es waren die Nummer 1 und Nummer 3 aus Afrika im Kajak-Sport dabei, welche beide unter den Top 50 der Welt platziert sind und bereits bei vielen Meisterschaften und auch an den olympischen Spielen teilgenommen haben. Darum hat es bei den Leuten auch so extrem leicht und entspannt ausgesehen. Ich bin echt beeindruckt.

Die Rückfahrt zum Camp verkürzt sich durch die vielen Biere, die wir auf der Fahrt noch vertilgen, um uns und unseren Erfolg heute zu feiern. Was für ein aufregender Tag!