30. Tag (28. November 2015)

Puente de las Américas

Puente de las Américas

Minas-Flores-Schleusen

Minas-Flores-Schleusen

Pedro-Miguel-Schleusen

Treidelloks

Minas-Flores-Schleusen

Pedro-Miguel-Schleusen

Puente Centenario

Gaillard-Durchstich

Panama Kanal

Panamax Containerschiff

Heute muss ich wieder früh raus, um mit dem Taxi zum Ausgangspunkt der Kanal-Tour am La Playita am Amador Causeway zu fahren. Obwohl ich den Gutschein der Tour nicht runterladen und ausdrucken konnte, war es kein Problem. Ich habe bezahlt und bekam mein Ticket. Da ich doch sehr früh da bin, spaziere ich noch ein wenig herum und fotografiere während des Sonnenaufgangs. Als ich wieder zurück bin, wimmelt es nur so von Leuten und ich bin froh, so früh dagewesen zu sein. Deshalb kann ich gleich das Schiff besteigen, als das Tor geöffnet wird. Ich suche mir vorne einen Platz mit guter Sicht aus. Bis es losgeht vergeht noch einige Zeit, die zum Teil mit dem angebotenen Frühstück überbrückt wird. Als die Masse von Leuten an Bord ist und die Kanalbehörden eine Passage freigegeben haben, legen wir ab und fahren in Richtung Kanalzufahrt.

Es sind sehr viele Schiffe zu sehen, die weit draußen auf Reede liegen und auf die Durchfahrt warten. Wie uns mitgeteilt wird, liegt die übliche Wartezeit zwischen 33 und 44 Stunden. Wir werden wieder langsamer, denn der Lotse kommt an Bord, ohne den es im Kanal für Niemanden eine Durchfahrt gibt. Als dieser an Bord ist und das Kommando übernommen hat, geht es weiter.

Vor uns liegt die Kanaleinfahrt mit der prächtigen Puente de las Américas. Rechts ist die überraschend beeindruckende Skyline von Panama-Stadt zu sehen. Es herrscht reger Schiffsverkehr, und es wird nicht langweilig bis wir nach rund einer Stunde unter der Brücke hindurch gleiten. Direkt vor uns ist nun die gigantische Baustelle der neuen Schleusen zu sehen. Rechter Hand liegt der Hafen von Panama-Stadt, in dem die Container der für den Kanal zu großen Schiffe entladen und später per Eisenbahn auf die Atlantik Seite transportiert werden. Dazwischen liegen die Mina-Flores-Schleusen.

Da unser Touri-Tourschiff viel zu klein ist, um separat geschleust zu werden, warten wir im Hafenbecken auf ein größeres Frachtschiff, welches uns auch gleich nachgefolgt ist. Es ist die Jasmine C aus Cowes in England: ein voll beladener Massengutfrachter. Diesem Schiff werden wir nun folgen und zusammen geschleust werden. Das Gute daran ist, dass ich somit das Einfahren in die Schleusen und das Fixieren der Schiffe mit den berühmten Treidelloks hautnah erleben kann. Unser Schiff ist währenddessen mit in die Kammer eingefahren. Die Schleusen sind schon gewaltig groß und müssen vor hundert Jahren, als sie gebaut wurden, noch viel gewaltiger gewirkt haben.

Die Schiffe werden in nur acht Minuten um rund neun Meter angehoben. Dazu ist es notwendig, die Schleusenkammer mit rund 100.000 m³ Wasser zu füllen. Das heißt, es fließen ca. 200 m²/s Wasser in die Kammer. Oder als Vergleich: In ca. 10 Sekunden wäre ein Olympia Schwimmbecken gefüllt. Dafür gibt es entsprechende Zulaufkanäle mit mehreren Metern Durchmesser, die das Wasser von unten in die Kammer leiten. Es wird also nicht, wie bei kleineren Schleusen üblich, das Schleusentor einen Spalt geöffnet, um die Kammer zu füllen.

Als die Zuläufe geöffnet werden, hat man den Eindruck als ob das Wasser um einen herum anfängt zu kochen. Sehr beeindruckend. Als der Ausgleich erreicht ist, öffnen sich die Schleusentore und man kann ausfahren. Wir benötigen bei der Größe der Kammer keine Hilfe. Es ist aber nun gut zu beobachten, wie die vier Treidelloks arbeiten und die Jasmine C immer in der Mitte halten, während diese aus eigener Kraft ausfährt.

So haben wir die erste Stufe der Minas-Flores-Schleusen überwunden und fahren direkt in die zweite Kammer ein. Hier passiert das Gleiche, wie gerade eben, noch einmal. Als wir die Schleusen hinter uns haben, fahren wir über den Minas-Flores-See, bevor es in die Pedro-Miguel-Schleusen geht. Hier gibt es nur eine Stufe und somit nur eine Kammer. Wir können jedoch gut zuschauen, wie in der benachbarten Kammer gerade die „Odigitria“ nach oben geschleust wird. Bei dem doch deutlich größeren Pott geht das Ein- und Ausfahren aus der Kammer deutlich langsamer vonstatten, weil er gerade mal ein paar Zentimeter Spielraum auf beiden Seiten zu den Kammerwänden hat.

Nachdem wir auch die Pedro-Miguel-Schleusen überwunden haben, befinden wir uns auf dem Höhenniveau des Gatun Sees. Wir müssen uns nicht mehr an die Jasmine C anpassen und überholen. Zuerst unterqueren wir die Schrägseilbrücke Puente Centenario, die die „Panamericana“ über den Kanal führt, um dann den sogenannten Gaillard-Durchstich zu durchfahren. Hier mussten die Kanalbauer eine Bergkette mit rund hundert Meter Höhe durchbrechen. Die Höhe und die Breite und somit die Größe des Durchstichs ist auch heute noch sehr eindrucksvoll. Wenn man dies vor Augen hat, kann man sich die gewaltigen Schwierigkeiten beim Bau vor mehr als hundert Jahren gut vorstellen.

Der Kanal schlängelt sich anschließend so dahin, wobei uns alle paar Minuten ein großer Pott entgegen kommt. Zuerst ein Öltanker, dann ein Stückgutfrachter, gleich darauf ein Spezial Tanker, ein großer Flüssiggastanker ist als nächstes zu sehen, und zu guter Letzt taucht sozusagen noch ein Panamax Containerfrachter auf. Man merkt also recht schnell, dass sich die Weltschifffahrt hier an diesem Nadelöhr trifft. Unsere Halbtagestour endet in Gaborn, so dass wir nicht mehr auf den Gatun See hinausfahren. Dafür können wir beim Verlassen des Schiffs noch die Baggerarbeiten zum Ausbau des Kanals beobachten, und es liegt in diesem Hafen auch ein ehemaliger Schwimmkran aus den dreißiger Jahren, der heute dafür eingesetzt wird, die bis zu 700 Tonnen schweren Schleusentore für Wartungsarbeiten zu heben.

Die bereitgestellten Busse bringen uns wieder in die Stadt zurück, und meine halbtägige Kanalfahrt geht schon zu Ende.

Im Hotel darf ich netterweise in Becs Zimmer eine Dusche nehmen. Ich ziehe mir frische Sachen an, bestelle ein Taxi, schnappe meinen Rucksack und mache mich auf den Weg zum Flughafen. Keine drei Stunden später sitze ich auch schon im Flieger nach Europa zurück. Es war also heute nochmals ein Highlight zu Abschluss meiner Mittelamerika-Reise. Ich bin froh, die Kanaltour gemacht zu haben. Die war echt klasse!