10. Tag (08. November 2015)

Leon

Leon

Aufstieg zum Telica

Vulkankrater - Telica

Vulkankrater - Telica

Sonnenuntergang - Telica

Nach einem kleinen Frühstück im Hotel habe ich mich mit einigen anderen aus unserer Gruppe auf die Stadt-Tour begeben. Es ging mit einem Kleinbus etwas hinaus ins alte Zentrum der Stadt, um uns die Iglesia de Subtiava an der Plaza Central anzuschauen, die Ende des 17. Jahrhunderts gebaut wurde. Die Kirche besteht hauptsächlich aus Holz und hat deshalb wohl die häufigen Erdbeben in Nicaragua gut überstanden. Unser Stadtführer erklärte uns gerade, dass Leon nach einem heftigen Ausbruch des Vulkans Momotombo aufgegeben werden musste und rund 50 km vom ursprünglichen Standort hier wieder aufgebaut wurde. Als wir nun in die Kirche hinein wollen, um sie uns anzuschauen, schließt ein Mann das große Portal und lässt sich auch von unserem Guide nicht mehr umstimmen. So bleiben wir vor verschlossenem Tor stehen und uns bleibt nichts anderes übrig, als weiter zu fahren. Es geht auf eine kleine Anhöhe hinauf, die früher strategisch vom Diktator Anastasio Somoza García mit einem kleinen Fort gesichert wurde. Von dort oben hatten wir eine tolle Sicht auf die Stadt und die Reihe der dahinter liegenden Vulkankette. So sahen wir auch den Vulkan Telica, den wir heute Nachmittag zum Sonnenuntergang besteigen wollen.

Hier im Fort wird uns noch recht anschaulich erklärt, wie sich der Bürgerkrieg in den achtziger Jahren zwischen den Sandinisten, die den Diktator abgelöst hatten, und den Contras, die von den USA unterstützt wurden, abgespielt hat.

Wieder in der Stadt zurück, haben wir uns die Basilica de la Asunción angeschaut, die als größte und älteste Kathedrale Mittelamerikas gilt und herausgefunden, warum diese so breit und relativ flach gebaut wurde. Die Antwort ist einfach: Erdbeben. Innen ist sie relativ schlicht aber trotzdem beeindruckend. Vom Dach aus hatten wir noch den einen oder anderen schönen Blick, mussten uns die Ohren zuhalten, als geläutet wurde, und waren recht schnell wieder auf der Straße zurück. Ich klinke mich aus der Tour aus. Das Kunstmuseum, die nächste Station, interessiert mich nicht so sehr. Ich will lieber meinen leeren Magen füllen und etwas Kraft tanken für die Wanderung heute Nachmittag.

Nach dem Essen bin ich gegen Mittag wieder im Hotel zurück. Ich lege mich noch kurz hin und dann geht es auch schon zu unserem Ausflug auf den Vulkan Telica los. Mit genügend Wasser ausgestattet besteigen wir die Land-Cruiser, mit denen wir ein ganzes Stück den Berg hinauf fahren werden. Nach rund zwei Stunden erreichen wir den Ort, an dem es mit den 4WDs nicht mehr weiter geht. Wir steigen aus. Die Luft ist merklich kühler und viel angenehmer als im drückend heißen Leon. Wir beginnen unseren Aufstieg. Es geht langsam voran. Der Schweiß jedoch fängt schnell an zu strömen, und das T-Shirt ist im Nu komplett durchweicht. Der Weg ist recht anstrengend. Es geht über scharfkantige, große Steine, die lose auf dem Weg liegen. Ich bin sehr froh darüber, dass ich mich für meine Stiefel entschieden zu haben. Nach rund einer Stunde inklusive Pausen kommen wir am Krater an. Dieser ist mit seinen über 700 m im Durchmesser und seiner senkrecht abfallenden Kante sehr eindrucksvoll. Wenn man sich auf den Bauch legt, kann man direkt in den 120 m tiefen Schlund hinunterblicken. Leider ist in den sechs Monaten seit dem letzten Ausbruch zu viel Gestein nachgerutscht, so dass man leider keine Lava mehr sehen kann. Jedoch sind verschiedenste Öffnungen und Spalte zu erkennen, aus denen Rauch und Gas austritt. Es liegt ein leichter Schwefelgeruch in der Luft. Dieser ist aber nicht störend.

Nachdem wir dort eine Zeit verbracht hatten, um uns den Krater anzuschauen, gehen wir wieder ein Stück zurück und umrunden den Krater etwas unterhalb auf einer Viehweide, um uns den Sonnenuntergang anzuschauen. Allein der Ausblick von dieser Stelle ist grandios. Der Blick reicht bis zur Pazifikküste. Man kann das ganze flache Weideland Nicaraguas überblicken. Dazwischen ist auch Leon zu erkennen. Etwas in der Ferne ist der Managua See zu erkennen, der nach dem Nicaragua See der zweitgrößte See von Mittelamerika ist. Die Sonne geht schnell unter. Durch die Wolken am Horizont bilden sich recht wenige Farben. Egal, allein der Ausblick war die Sache wert. Wir machen uns auf den Rückweg, werden wie erwartet schnell von der Dunkelheit eingeholt und schalten unsere Taschenlampen an. Es ist immer ein kleines Abenteuer, bei Dunkelheit zu wandern, speziell auf Wegen wie diesen. Man kann auch nicht erkennen, wie weit es noch bis zum Ziel ist. So gehen wir Schritt für Schritt durch die Dunkelheit und kommen plötzlich bei den Autos an. Recht erschöpft machen wir uns zur zweistündigen Rückfahrt nach Leon auf. In Leon mache ich mich mit Helen, Douglas, Travor und Carol noch schnell auf den Weg in eine Pizzeria, um was zu essen. Wieder vom Essen zurück falle ich müde ins Bett.