39. Tag (28. Januar 2015)

Antarctica

Hydrurga Rocks

Antarctica

Baily Head

Baily Head

Livingstone Island

Livingstone Island

Am nächsten Morgen sind wir auf dem Weg nach Deception Island. Nach dem Frühstück kreuzen wir vor der Einfahrt in den Vulkankegel von Deception Island. Ich frage mich, warum und was Juri, unser Kapitän, eigentlich macht. Wenig später klärt sich das Mysterium auf. Unser Expeditionsleiter Howard gibt grünes Licht für eine Landung an Baily Head. Wir sind sehr überrascht, als wir in die Zodiacs steigen, denn es fällt auf, dass dieses Mal die Schlauchboote von unseren russischen Matrosen gefahren werden und nicht von unseren Expeditionsstab, wie bisher. Später wissen wir auch, warum. Die Landung an Baily Head ist sehr schwierig, da die Wellen am Strand sehr hoch sind. Heute haben wir jedoch Glück, dass es überhaupt möglich ist, was offenbar nur selten der Fall ist. Unser Expeditionsstab war also damit beschäftigt die Schlauchboote am Strand mit den Ankern fest zu machen und den Leuten aus den Booten zu helfen.

Baily Head ist atemberaubend, denn dieser Ort beherbergt die größte Pinguinkolonie der antarktischen Halbinsel mit geschätzten 80.000 Paaren. Als wir an den Strand kommen ist schon jede Menge los. Hunderte Pinguine stehen dort, ebenso viele sind im Wasser. Auf dem Weg in die Kolonie sind ebenfalls Tausende unterwegs. Die Dreckigen sind auf dem Weg ins Meer zur Jagd und die Sauberen laufen zurück zum Nest, um die Jungen zu füttern. Wir laufen bis ganz nach hinten durch, wobei immer darauf zu achten ist, den Nestern nicht zu nahe zu kommen. Es ist ein permanentes lautes Geschnatter zu hören, und auf allen Flächen die Hänge hinauf stehen Pinguine. Es macht einfach sprachlos, so viele Tiere hier zu sehen. Überall gibt es was zu sehen: Kleinere Streitigkeiten, Fütterung der Jungen, Abwehr gegen die Sturmvögel, oder einfach nur das Zusammensuchen von kleinen Steinen für den Nestbau. Man weiß gar nicht wo man zuerst hinschauen soll. Ich gehe wieder zurück an den Strand und will den Tieren noch am und im Wasser zusehen, dabei fällt mir erst jetzt auf, dass auch eine große Anzahl von Seebären am Strand liegt. Auch hier sind noch einige Fotos fällig. Dann ist es auch schon wieder Zeit, die Schwimmweste überzustreifen und ins Zodiac zu steigen, um zurück zum Schiff zu kommen und die riesige Kolonie wieder zu verlassen. Diese Landung stand nicht auf dem Plan, aber Howard hat erkannt, dass die Bedingungen es zulassen und spontan entschieden, die Landung durchzuführen. Echt klasse! Nicht viele Expeditionen haben das Glück hier landen zu können. Wow, wieder einmal ein absolutes Highlight.

Gleich im Anschluss fahren wir durch die spektakuläre Einfahrt in die Caldera des ehemaligen Vulkans, der heute Deception Island bildet. Wir ankern gleich nach der Einfahrt vor der Whalers Bay, einer alten Walfangstation, die Mitte der dreißiger Jahre aufgegeben wurde. Heute kann man die verfallenen Gebäude anschauen. Der Strand ist sehr flach und bietet viel Platz. Beim Herumlaufen stoße ich noch auf zwei Gräber und denke darüber nach, wie das Leben der Männer wohl gewesen sein muss, die hier im antarktischen Sommer für mehrere Monate gelebt und gearbeitet haben. Ich glaube wir können uns dies heute gar nicht mehr vorstellen. Wir schauen uns etwas mehr als eine Stunde um und gehen danach zurück an Bord zum Mittagessen.

Währenddessen lichten wir Anker und machen uns auf den Weg weiter nach Norden. Howard bietet nochmal eine letzte Landung auf Livingstone Island an und zeigt bei seiner Durchsage Verständnis für jeden, der nicht mehr daran teilnehmen will. Aber alle von uns wollen nochmals an Land und haben immer noch nicht genug von der Tierwelt und den Eindrücken des außergewöhnlichsten Kontinents unseres Planeten. So werfen sich alle wieder in die Klamotten, drehen ihre Abwesenheitsmarke am Brett um und steigen in die Zodiacs. Die Wellen sind spürbar und das Spritzwasser fegt über das Boot hinweg. Nigel gibt richtig Gas und bringt uns am Hannah Point an Land. Die Landung ist bekannt für seine vielen Seeelefanten. Und so ist es auch. Gleich in nächster Nähe liegt eine ganze Gruppe, die ein halbes Dutzend Tiere umfasst. Auch die obligatorische Eselpinguin-Kolonie ist vorhanden. Dabei ist es recht spannend zu sehen, wie die Pinguine und Seeelefanten zusammen leben. Ganz konkret steht ein junger Pinguin vor einem Seeelefanten und hat wohl vor, hochzuspringen. Ich überlege mir dabei was wohl der Seeelefant machen wird, wenn der junge Pinguin auf ihm steht. Plötzlich springt der junge Pinguin auf den Seeelefanten und – es passiert einfach nichts, der Pinguin steht stolz auf dem Fleischberg und fängt an mit seinem Schnabel an der Flosse zu picken. Das geht nun aber wirklich zu weit, und der Pinguin wird abgeworfen. Dieser steht jetzt recht verdutzt wieder neben dem Seeelefanten, der einfach weiter döst. Es ist einfach sehr lustig anzuschauen.

Es sind auch Weddellrobben, Seehunde, Albatrosse und Möwen zu sehen. Es sind wieder einmal tolle Eindrücke, aber leider zum letzten Mal. Als ich das Zodiac besteige breitet sich ein wenig Wehmut aus, da wir nun die Antarktis wieder verlassen und uns direkt auf die Rückfahrt über die Drake Passage nach Ushuaia machen. In 60 Stunden sollten wir dort sein.