37. Tag (26. Januar 2015)

Paradies Bay

Paradies Bay

Paradies Bay

Es ist ein schöner Morgen als ich aufstehe. Es gibt sogar ein kleines bisschen Sonne. Die Camper sind schon wieder an Bord zurück und es gibt beim Frühstück unterschiedliche Erfahrungsberichte zu hören. Währenddessen schippern wir zur nächsten Station in die Andvord Bay nach Nekor Habour. Als wir in die riesige Bucht einlaufen haben wir tolles Licht und einen hervorragenden Blick von der Brücke. Als wir ankern und mit den Zodiacs zum Landgang aufbrechen können wir mindestens zehn große Gletscher sehen, die von allen Seiten in die Bucht fließen. Wir gehen nach der Brown Station das zweite Mal auf dem Festland an Land, da die anderen Landungspunkte immer auf vorgelagerten Inseln waren. Auch hier treffen wir auf eine Kolonie von Eselpinguinen und sehen in der Luft die Riesensturmvögel. Am Strand können wir nah an die Gletscherkante laufen. Auf dem Wasser sind unsere Kajak-Fahrer zu sehen und geben einen guten Größenvergleich ab zu den Dimensionen des umliegenden Eises. Die Abbruchkante des Gletschers ist gewaltig hoch und ziemlich erdrückend. Plötzlich ist lauter Donner aus der Ferne zu hören und man sieht, wie riesige Eismassen vom gegenüberliegenden Hochplateau abbrechen und ins Wasser donnern. Die Eisstücke werden dabei in so kleine Stücke zerschmettert, dass das Ganze wie ein Wasserfall aussieht, der aus dem Nichts entstanden ist. Ein atemberaubendes Spektakel auch deshalb, weil diese Abbrüche nicht sehr häufig stattfinden. Im Anschluss daran steigen wir hinter der Kolonie über ein Schneefeld eine Anhöhe hinauf und genießen die phantastische Sicht auf und über die Bucht. Den Rückweg legen wir wir rutschend auf dem Hosenboden zurück, was allen Beteiligten sehr viel Spaß macht.

Auf der anschließenden Cruise umkurven wir viele Eisstücke, die im Wasser schwimmen und können anschließend noch zwei Buckelwale beobachten, die ruhig im Wasser liegen und sich nur sehr langsam in eine Richtung bewegten. Wir stellen den Motor ab und lassen uns treiben, dabei kommen die beiden Tiere recht nahe an uns vorbei. Ich kann es kaum glauben, wie viele Wale ich hier zu sehen bekomme. Ich hatte ja schwer gehofft, Wale beobachten zu können, aber dass es so viele sein werden, konnte ich mir nicht vorstellen. Dies sind immer die Situationen, die so unerwartet sind.

Im Gegensatz zu den beiden Buckelwalen, die ruhig im Wasser liegen, sich überaus langsam bewegen und dabei alle paar Minuten ihren Blas von sich geben, schießen die Pinguine etwas weiter dahinter regelrecht durchs Wasser.

Auf der weiteren Fahrt an Bord der Polar Pioneer ergibt sich eine super Aussicht auf das Festland, da sich die Wolken etwas verzogen haben und die Sonne scheint. Ich halte mich auf der Brücke auf und kann gar nicht lange genug raus schauen. An der Küste sind viele Gletscher zu sehen, die direkt vom Antarktischen Eisschild herunter kommen. Dies ist auch der Grund, warum wir hier auf so viele Eisberge stoßen, die hier auf Grund liegen und umschifft werden müssen. Während der Fahrt können wir weiterhin viele Buckelwale von Bord aus sehen. Bei wieder schlechterem Wetter ankern wir am Portal Point in der Charlotte Bay und steigen gleich in die Zodiacs. Zuerst fahren wir an spektakulären Eisbergen vorbei, beziehungsweise zwischendurch und darüber hinweg, als wir in der Ferne einen Blas von einem Buckelwal sehen. Wir geben Gas und fahren mehrere Kilometer quer über die Bucht. Je näher wir kommen desto größer wird unsere Freude, da wir erkennen, dass es sich um eine Gruppe von mindestens sechs Buckelwalen beim Fressen handelt. Es sind überall Fluken und Flossen, Blas und manchmal auch ein Maul zu sehen. Wahnsinnig eindrucksvoll. Man weiß manchmal gar nicht wo man hinschauen soll.
Zwischendurch ist noch eine Robbe zu sehen, die unseren Weg kreuzt. Pinguine sind natürlich auch zugegen und tauchen wie immer nur für Bruchteile von Sekunden aus dem Wasser auf. Wir merken gar nicht wie schnell die Zeit vergeht. Aber irgendwann wir es kalt, obwohl man obligatorisch dick eingepackt ist, und so machen wir uns auf den Rückweg zum Schiff, werden aber zum Schluss noch von drei Schwertwalen oder Orcas davon abgehalten. Sie sind leider nur aus einiger Entfernung zu erkennen und die Tiere schwimmen sehr schnell. Wir kommen mit dem Boot nicht hinterher, da wir nicht wissen wo sie nach dem Tauchen wieder an die Oberfläche kommen. So machen wir uns nun doch auf die Fahrt zurück zum Schiff und hatten trotz Regen und schlechter Sicht eine beispiellose Fahrt. Nach mehr als drei Stunden sind wir klatschnass wieder zurück an Bord, obwohl wir nur eine „kurze“ Fahrt machen wollten.

Gleich anschließend wurde „Australia Day“ mit einem BBQ auf dem Achtern Deck gefeiert, wobei dies wohl nur die Ausrede war um eine Party zu veranstalten. Jeder bekam einen lustigen Hut aufgesetzt und es gab Glühwein zum Auftakt. Der Grill war schon heiß und das Fleisch brutzelte schon. Die Musik wurde aufgedreht und ich genoss ein großartiges BBQ mit Eisbergen im Hintergrund. Es war für mich auch das erste Mal, dass ich im Anorak und Kapuze mit einem Glühwein in der einen, und mit einer Eiscreme in der anderen Hand zur Diskomusik getanzt habe. Echt verrückt, aber cool.