36. Tag (25. Januar 2015)

Petermann Island

Petermann Island

Während der Nacht sind wir noch ein kleines Stück nach Süden gefahren, ankern in der Penola Straße und besuchen heute Petermanns Island. Da heute Morgen die Sonne scheint stehe ich sofort auf als ich wach werde und gehe gleich an Deck. Ein Buckelwal schwimmt am Schiff vorbei und zeigt seine Fluke. Gleich nach dem Frühstück gehen wir an Land und besuchen eine Kolonie von Adelie- und Eselpinguinen. Da die Tiere in und um die Nester in ihrem eigenen Kot leben kann man leicht am verschmutzten Körper erkennen wer gerade mit der Betreuung der Jungen beschäftigt ist, denn die Tiere, die vom Jagen aus dem Meer kommen sind super sauber.

Zwischen den Pinguinen liegen noch zwei Seeelefanten und lassen sich von dem Trubel um sie herum nicht beeindrucken. Wir schauen den Pinguinen zu, und als wir uns umdrehen haben wir einen weiteren phantastischen Blick auf die sich bis zum Horizont erstreckenden, eisbedeckten Gipfel des antarktischen Festlands. Nach der Rückkehr auf das Schiff gibt es die Chance, ins Südpolarmeer hineinzuspringen. Zuerst bezweifle, dass das jemand tun wird, aber ich werde eines Besseren belehrt. Mehr als zwanzig Leute von uns sind bei 3°C Lufttemperatur ins 0°C kalte Wasser hineingesprungen und gleich wieder unter großem Jubel herausgeklettert. Da kann ich nur noch meinen Hut ziehen. Ich glaube ich wäre gestorben.

Nachdem der Anker gelichtet ist verlassen wir Petermanns Island und machen uns auf den Weg nach Norden. Während des Mittagsessens durchfahren wir erneut den Lemaire Channel und bekommen ein Salatsandwich auf dem Vorschiff serviert. Die Sonne versteckt sich leider wieder, aber wir haben trotzdem viel bessere Sicht als auf dem Weg nach Süden. Das Schiff gleitet ruhig durch den Kanal und die Berge und Eismassen rechts und links sind atemberaubend. Am Nachmittag erreichen wir Port Lockroy auf Goudier Island und gehen an Land. Es ist eine britische Basis, die in den sechziger Jahren aufgegeben worden war, vor knapp zwanzig Jahren jedoch von der Britischen Antarktis Stiftung renoviert und seither betrieben wird. Die große Attraktion ist die Möglichkeit, vom südlichsten Postamt der Welt Postkarten zu verschicken und einen Antarktischen Stempel auf die Marke zu bekommen. Die Basis besitzt auch ein kleines Museum mit all den Gegenständen, die man in den frühen Jahren der Basis verwendet hat, um in dieser Eiswüste überleben und arbeiten zu können. Ein kleiner Souvenir-Laden rundet die Sache ab und bringt ein paar Einnahmen, um die Basis zu finanzieren. Klar ist da ein T-Shirt fällig. Draußen vor der Tür gibt es natürlich wieder Pinguine. Besonders ulkig wirken die Tiere vor dem Fahnenmast mit dem Union Jack. Gleich nebenan besuchen wir noch eine weitere Pinguin-Kolonie. Auch hier sind die Tiere am Füttern ihres Nachwuchses. Auch ein Seeelefant und eine Weddellrobbe sind zu sehen, ebenso ein altes Wal Skelett, welches an Land liegt und hier vom Walfang der frühen Jahre zeugt. Ich versuche einen Wirbelknochen hochzuheben und merke schnell, dass dies kaum möglich ist. Echt überraschend. Kurz bevor wir gehen wollen sehen wir noch einen sehr seltenen Isabelline Pinguin. Er ist auf Grund eines Gendefekts nicht schwarz wie seine Artgenossen, sondern braun.
Auf der Rückfahrt zum Schiff setzt Schneefall ein. Auf dem Schiff riecht alles nach Pinguin, wie schon nach dem unserem ersten Landgang. Ich glaube, den Geruch werden wir erst wieder los, wenn wir am Ende der Reise von Bord gehen. Am Abend ankern wir in einer ruhigen Bucht von Paradise Habour. Es herrscht absolute Windstille und wir haben das erste Mal spiegelglattes Wasser, in dem sich die umliegenden Berge im glimmenden Abendlicht spiegeln. Wir schauen heute Abend noch den Leuten nach, die mit dem Zodiac zu ihrem Schlafplatz gefahren werden. Es gibt die Möglichkeit heute für eine Nacht auf dem Eis zu campen. Ich hatte mich am Nachmittag schon in die Liste eingetragen, aber nach dem Schneefall und dem starken Wind bei Port Lockroy meine Meinung wieder geändert und es vorgezogen, heute in meiner warmen Koje auf dem Schiff zu schlafen. Gereizt hat es mich trotzdem, als ich das Zodiac von der Brücke aus davon fahren sehe.