34. Tag (23. Januar 2015)

Immer hungrig

Eselpinguin

Heute Nacht sind wir weiter nach Süden in Richtung Gerlach-Straße vorangekommen. Mikkelsons Habour auf Trinity Island ist unser Stopp am Morgen. Wir haben Wind, etwas Sonnenschein und Wolken. Einer ersten Landung in der Antarktis steht nichts mehr im Wege. Es sind überall Eisberge zu sehen und die Inseln sind meterhoch mit Eis bedeckt. Ich drehe das erste Mal meine Marke auf dem Anwesenheitsbrett um und steige die Gangway hinunter, um in eines der Zodiacs zu steigen. Es ist eine etwas wacklige Angelegenheit, aber problemlos machbar. Wir fahren hinüber zu einer Kolonie von Eselpinguinen, die wir auch schon von Bord riechen konnten. Die überschaubare Kolonie befindet sich rund um eine alte Expeditionshütte der Argentinier. Wir werden mit den Zodiacs an Land gebracht, was gar nicht so einfach ist, da der Strand von Eisblöcken bedeckt ist. Nach ein paar vergeblichen Versuchen schaffen wir es doch noch, und ich kann meinen Fuß das erste Mal auf den siebten Kontinent setzen. Was für ein Gefühl! Die Eismassen um einen herum sind unglaublich und nicht wirklich zu begreifen. Wir legen unsere Schwimmwesten in einen mitgebrachten Sack und können nach kurzer Erläuterung die Pinguin-Kolonie entdecken. Wir schauen uns um, beobachten die Pinguine, die nun im Sommer voll damit beschäftigt sind, ihre Jungen zu füttern und großzuziehen. Wir gehen über ein Schneefeld auf die andere Seite der Insel und finden dort Walknochen, die einfach so dort herum liegen. Auch ein altes Boot ist dort und verwittert sicherlich schon seit Jahrzehnten.

Wir sehen auch noch einen Krabbenfresser (Robbe), die auf dem Eis liegt und sich ausruht. Zudem sind noch verschiedene Vögel am Himmel zu sehen. Als es Zeit wird die Kolonie wieder zu verlassenen, entschließen wir uns, noch ein wenig mit den Zodiacs herumzufahren. So sehen wir noch Weddellrobben auf einer Eisscholle und sogar einen Zwergwal im Wasser. Zudem fahren wir ganz dicht an die steilen Eiswände heran, und so kann man die großen Dimensionen noch bewusster wahrnehmen. Die Eindrücke sind nicht zu beschreiben.

Wieder zurück an Bord ist zuerst das Reinigen der Gummistiefel angesagt. Anschließend muss jeder seine Marke wieder umdrehen, so dass sichergestellt ist, dass alle wieder auch an Bord sind. Leute die dies nicht machen, werden per Durchsage dazu aufgefordert. Denn solange nicht alle Marken umgedreht sind kann die Polar Pioneer den Anker nicht lichten.

Als ich wieder umgezogen bin gibt es auch schon Mittagessen. Währenddessen zieht der Himmel zu und es fängt an zu schneien. Wir streichen unsere nächste geplante Landung an Hydruga Rocks und fahren weiter. Ich lege mich für eine Weile hin und döse weg. Nach dem Abendessen nähern wir uns unserem Ziel. Wir erreichen Cuverville Island von Süden und müssen zwischen großen Eisbergen hindurch manövrieren, um schließlich Anker zu werfen. Gleich danach bereiten wir uns auf unsere Landung vor. Wir steigen in die Zodiacs.

Mit den Schlauchbooten fahren wir Richtung Landungsstelle und umkurven dabei die zahllosen Eismassen. Die Landung verläuft problemlos und wir stehen am Strand, umringt von zahllosen Eselpinguinen an Land und im Wasser. Es ist leider immer noch grau in grau, und nach kurzer Zeit beginnt es zu regnen und zu graupeln. Wir gehen zu Fuß durch die Kolonie und beobachten dabei die Tiere. Es ist immer wieder erstaunlich, wie viel Zeit man damit verbringen kann, den verschiedenen Tieren in unterschiedlichen Situationen zuzuschauen. Nach einer Weile gehen wir wieder zu den Booten und fahren durch die zahllosen Eisberge. Da wir recht heftigen Wind haben, gibt es Wellen und dabei natürlich einiges an Spritzwasser, so dass wir am Ende unserer Zodiac-Cruise klatschnass waren. Alle sind wieder froh, als wir zurück an Bord sind und die nassen Sachen ausziehen können. Mit dem Schiff geht es anschließend weiter durch die engen Kanäle und an vielen Eisbergen vorbei. Die Fahrt ist so reizvoll, dass ich fast vergesse mich schlafen zu legen.