31. Tag (20. Januar 2015)

Porto Williams

Polar Pioneer

Heute Morgen breche ich nun zu meiner Expedition in die Antarktis auf. Gestern noch dachte ich, ich, ich hätte heute Morgen viel Zeit, aber irgendwie hab ich mich wohl getäuscht. So nehme ich nur schnell eine Dusche, rasiere mich mal wieder, stopfe einfach alles in den Rucksack, frühstücke kurz und bestelle mir das Taxi zum Flughafen. Dort angekommen sind zwar ein paar Leute da, aber eine Gruppe findet sich nicht. So checke ich zum Charterflug ein und warte am Flugsteig auf meinen Flug nach Puerto Williams.

Der Flug verläuft ruhig und wir haben eine sehr gute Aussicht auf den Darwin Gebirgszug südlich von Feuerland. Die Wolken geben den Blick frei auf die unzähligen Gletscher unter uns. Wir landen nach einer guten halben Stunde in Porto Williams. Gleich am Flughafen werden wir vom Veranstalter in Empfang genommen und auf kleine Busse verteilt. Wir fahren zuerst einmal zum Essen in die Lakutaia Lodge. Es gib leckeren Lachs, und danach spazieren wir noch ein wenig in der Sonne, besuchen gleich darauf den südlichsten Jachtclub der Welt und werden dann in die „Stadt“ gefahren. Dort laufen wir ein wenig herum und können kurz darauf an Bord der Polar Pioneer gehen. Es sind noch zwei Stunden bis zum Auslaufen und ich richte mich in der Kabine ein. Bruce aus England ist mein Zimmergenosse. Insgesamt sind wir 52 Passagiere, 22 Mann Besatzung und 7 Leute vom Expeditionsstab. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer kommt aus Australien, wie auch der ganze Expeditionsstab, der Rest teilt sich in Briten, Amis, Kiwis und drei Krauts auf. Die Besatzung kommt aus Russland, da wir auch unter russischer Flagge fahren.

Vor dem Ablegen müssen wir noch die Notfallübung zum Verlassen des Schiffs absolvieren. D.h. alle gehen in ihre Kabinen zurück, holen eine Jacke, eine Mütze und die Schwimmweste. Nachdem wir die Schwimmweste an Deck angezogen haben müssen sich alle in die zwei Rettungsboote setzen. Es ist kuschelig eng dort drin, besonders als dann die Luken geschlossen werden. Zuletzt wird der Motor angelassen. Nachdem alles gut geklappt hat, ist die Übung beendet und wir können das Rettungsboot wieder verlassen. Die Vorstellung, in solch einem Rettungsboot mit 40 Personen bei Sturm und hohen Wellen Stunden oder gar Tage zu verharren, verursacht schon ein recht mulmiges Gefühl.

Dann heißt es Leinen los, wir legen ab und die Reise beginnt. Ich kann es noch gar nicht glauben, es wirkt immer noch irreal. Wir nehmen Fahrt auf und steuern den Beagle Kanal ostwärts. Alle stehen ganz oben auf dem Peildeck und schauen. Vor den Gebirgszügen von Feuerland im Norden sind jede Menge Vögel zu sehen. Plötzlich sehen wir Delphine neben unserem Schiff. Sie begleiten uns eine ganze Zeit lang, ohne dass man allerdings eine Chance hat sie zu fotografieren. Schließlich gibt es Abendessen. Wir sind immer noch im Beagle Kanal. Als wir fertig sind gehe ich wieder an Deck und sehe wie der Lotse von Bord geht. Wir passieren das Wrack der Logos aus den sechziger Jahren und verlassen endgültig den Kanal und vor uns liegt jetzt nur noch die offene See. Es geht raus in die Drake Passage und wirklich in die Antarktis.

Nachdem der Lotse von Bord gegangen ist herrscht „offene“ Brücke. D.h. wir Passagiere dürfen auf die Brücke und zuschauen. Es ist echt spannend und die Sicht ist natürlich die Beste auf dem ganzen Schiff. Wir laufen rund 11 Knoten und die Dünung wird stärker. Die entsprechenden Spucktüten sind schon in den Gängen verteilt. Kurz vor dem Schlafengehen passieren wir Kap Horn an unserer Steuerbordseite. Der Kurs ist nun endgültig SÜD.