Patagonien & Antarktis '14/15 - Am Ende der Welt

Von Santiago de Chile nach Patagonien

1. Tag (21. Dezember 2014)

Ich habe es wieder geschafft. Trotz voller Zügen im Vorweihnachtsverkehr und jeder Menge Leute mit großen Koffern und schweren Taschen komme ich entspannt in Frankfurt an. Ich sitze am Flugsteig und warte auf den Abflug. Bei den Sicherheitskontrollen haben sie dieses Mal den Vogel abgeschossen. Sie haben doch tatsächlich einen Sprengstofftest an meinem Pack-Save durchgeführt. Was soll man dazu noch sagen?

Es geht wieder nach Santiago de Chile und ich freue mich auf meine nächste Reise. Dieses Mal geht es von der großartigen Stadt aus in Richtung Süden. Es gilt die Weite und Wildheit Patagoniens zu erleben. Ich bin mal gespannt, denn es ist die längste Reise seit vielen, vielen Jahren und ich hoffe, dass sich das Gefühl des Reisens wieder richtig einstellt.

2. Tag (22. Dezember 2014)

Santiago de Chile

Santiago de Chile

Santiago de Chile

Ich bin wieder in Santiago de Chile. Die Sonne scheint vom wolkenlosen Himmel. Ich fühle mich gut und gar nicht übernächtigt. Der Flug war erträglich und ich habe seit langer Zeit mal wieder jemanden im Flieger kennengelernt. Sebastian aus München ist hier zum Heiraten. Ein auch nicht gerade alltäglicher Grund um nach Santiago zu kommen. Er konnte mir erklärten wie ich am besten nach Valparaiso komme und gab mir zudem den Tipp, die lokalen Märkte hier in der Stadt zu besuchen. Somit gibt es genügend zu tun in den nächsten Tagen hier in der Stadt.

Nach einem tollen Anflug auf Santiago mit einem traumhaften Blick auf die Anden verabschieden wir uns am Flughafen und ich nehme ein Taxi in die Stadt. Im Hostel kann ich am Morgen noch nicht einchecken, deshalb lade ich mein Gepäck ab und begebe mich auf den Weg in die Stadt. Bei 27°C und einer leichten Brise eine herrliche Sache. Finde auch gleich einen Geldwechsler und ein Café in dem ich mich niederlasse. Ich genieße einen Kaffee und ein Stück Kuchen und lasse mir dabei die Sonne aufs Haupt scheinen. Ich bin angekommen.

Die Stadt ist brechend voll mit Menschen, die noch die letzten Weihnachtsgeschenke brauchen. Es ist hier auch nicht anders als zu Hause. Am Nachmittag ruhe ich mich kurz im Zimmer aus. Abends dann noch zum Steak Essen um die Ecke, und danach falle ich wohlverdient ins Bett.

3. Tag (23. Dezember 2014)

Vina del Mar

Vina del Mar

Valparaiso

Valparaiso

Nach 12 Stunden Schlaf stehe ich auf und mache mich gleich auf den Weg, da ich heute nach Valparaiso an die Küste runter will. Zuerst mit der Metro zur Estation Central, von dort aus fahren die Busse. Die Fahrt an die Küste hinunter ist sehr interessant und mir fällt immer wieder auf, mit welch groß dimensionierten Bergen man es in den Anden zu tun hat. Nach mehr als zwei Stunden komme ich an. Da ich für die Stadt-Tour in Valparaiso etwas zu spät dran bin und diese somit auf den Nachmittag verschieben muss, fahre ich zuerst nach Vina del Mar. Auf dem Weg zur U-Bahn komme ich am lokalen Markt vorbei. Die vielen Händler und Käufer veranstalten ein großes Drunter und Drüber, so dass man kaum durchkommt. Die Auswahl an angebotenen Waren ist riesig. Nach einer weiteren halben Stunde bin ich schließlich in Vina del Mar. Ich habe keine Ahnung und auch keinen Plan was man dort tun kann. Deshalb will ich zuerst an die Küste, die ich auch nach kurzem Fußmarsch gleich finde. Ich folge der Küste bis zur Playa el Sol und schaue mir das Treiben am Strand an. Zwischendurch eine Pause in einem Café mit herrlichen Blick auf die See und Valparaiso im Hintergrund. So verbringe ich den Vormittag. Dann kehre ich um und gehe in die andere Richtung. Auf dem Cerro Castello kann man den Palast Castillo Brunet von außen anschauen, sowie ebenfalls von außen einen kurzen Blick auf den Sommersitz des Chilenischen Staatspräsidenten werfen. Wieder an der Küste kann ich noch einen schönen Blick auf Adolfos Wulfs Castle werfen, bevor ich wieder in die Metro steige. Sie bringt mich schnell wieder nach Valparaiso und ich begebe mich zum Treffpunkt der Tour. Unterwegs komme ich noch am Hamburg Restaurant vorbei und schaue kurz hinein. Erinnert mich gleich an den Old Commercial Room in Hamburg: Überall Bilder und andere Gegenstände aus vergangenen Seefahrttagen an der Wand und auf der Bar jede Menge auf Hochglanz polierter Schiffsglocken.

Gabriella führt die Tour und ich bin überrascht, dass immerhin 15 Leute daran teilnehmen wollen. Valparaiso ist extrem bergig und man muss sich eigentlich die Frage stellen, warum ausgerechnet hier diese Stadt entstanden ist. Zuerst fahren wir mit einem der berühmten Aufzüge hinauf, dem Ascensor Reina Victoria. Die Stadt besitzt 14 davon, die alle zu Beginn des 20. Jahrhunderts gebaut wurden. Bei den Aufzügen handelt es sich im Grunde um kurze Standseilbahnen, jedoch mit einem extrem steilen Gefälle. Oben angekommen haben wir natürlich gleich einen tollen Blick über die Stadt. Nach dem Verlassen des Aufzugs können wir auch schon die ersten bewundernswerten Wandgemälde betrachten, für die Valparaiso so berühmt ist. Außer der einmaligen Architektur der Häuser haben auch diese Gemälde dazu beigetragen, dass die Altstadt zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Wir kommen am Lukas Museum, am Palaco Yugoslavico eines reichen Salpeterhändlers und an vielen anderen bemerkenswerten Gebäuden vorbei. Zwischendurch lässt uns Gabriella noch etwas Zeit um was zu essen und ein wenig die Gedanken schweifen zu lassen. Die Tour endet an der Sotomayor, bzw. am Hafen, in dem gerade ein großer Containerfrachter entladen wird.

Ziemlich geschafft nehme ich gleich die Metro zum Bus-Terminal. Dort herrscht ein ziemliches Gedränge von Reisenden, die vor Weihnachten noch wo hinwollen und Händlern, die diesen Leuten noch die letzten Geschenke verkaufen wollen. Ich schlängele mich durch und bekomme auch gleich eine Fahrkarte für den nächsten Bus. Jeder einzelne Busbetreiber fährt hier alle 20 Minuten zwischen Valparaiso und Santiago hin und her. Echt enorm. In Santiago zurück steige ich schon an der Station Pajaritos aus-, und in die Metro um, was viel schneller geht, als sich mit dem Bus im Verkehrschaos in die Stadt zu quälen.

Wieder zurück muss ich leider feststellen, dass mein gestern besuchtes Steak House leider komplett ausgebucht ist und so muss ich mit einer Pizza beim Italiener gegenüber vorlieb nehmen.

4. Tag (24. Dezember 2014)

Santiago Märkte

Santiago Märkte

Ich schlafe lange und lasse den Tag langsam angehen. Gehe zum Frühstück des Hostels, auf das ich gestern verzichtet habe und packe anschließend meine Sachen zusammen. Heute will ich die lokalen Märkte in der Stadt anschauen. Die Stadt ist wieder brechend voll. Ich finde zuerst den Blumenmarkt und hake diesen schnell ab. Die Farben sind zwar prächtig, aber es fehlt an Leuten. Dann ziehe ich weiter, komme zum Früchtemarkt und esse –zum ersten Mal an Weihnachten- frische rote und sehr leckere Erdbeeren. Während ich über den Gemüsemarkt schlendere wird es draußen immer wärmer und die Sonne brennt vom Himmel. Ich bin froh, dass die Märkte alle überdacht sind. Weiter geht es zum Fleischmarkt, und zwischendurch finden sich einige Stände mit Gewürzen. Es ist eine wahre Pracht aus Farben, unzähligen Gerüchen und dem Trubel der Menschen, die hier einkaufen. Die Märkte sind riesig und bestehen aus lauter kleinen Verkaufsständen der zahllosen Händler. Wer seinen Stand nicht in den Markthallen gefunden hat, versucht es draußen auf den Straßen, so dass das ganze Viertel, in dem die Märkte liegen, voller Leben ist. Auf dem Rückweg in die Stadt mache ich noch einen Abstecher zum Fischmarkt. Auch hier das gleiche Bild. Es ist sehr empfehlenswert, sich ein paar Stunden dafür Zeit zu nehmen. War ein sehr guter Tipp von Sebastian.

Da es heute recht heiß ist und wir morgen, wie ich erfahren habe, bereits um 05:00Uhr abfahren, trete ich den Rückweg zum Hostel an, um noch ein wenig die Füße hoch zu legen.

Um 18:00 Uhr versammeln wir uns zum Tour Auftakt, um die nötigsten Informationen zu erhalten. Unser Team Meeting geht dabei nahtlos in eine Weihnachtsparty über. Die Hungrigen unter uns bestellen Pizza und im Laden auf der anderen Straßenseite wird noch Wein sogar durch das bereits geschlossene Gitter verkauft. Plötzlich taucht noch unverhofft ein Schokoladenkuchen und ein Christstollen auf und so feiern wir spontan und ungeplant einen schönen Weihnachtsabend.

5. Tag (25. Dezember 2014)

Mit dabei sind Rekha aus UK, Nikki, die Flugzeugmechanikerin aus NZ, Anne aus Melbourne, Ed und Sue aus UK, Gorden und Janet aus Kanada, Jeff und Janet aus Australien, Neil und Julie aus NZ, Felix aus D, Dawrn aus UK, Barbara und James the Young aus NZ, sowie James und Marie aus Jakarta, unser Küken Judith aus Holland und Ben aus Melbourne.

Heute Morgen startete unsere Tour endgültig. Unser Truck heißt Tortuga und wird die „Heimat“ für die nächsten Wochen sein. Wir sind 20 Leute, die sich auf den Weg nach Patagonien machen. Wir ändern gleich zu Beginn unsere Pläne leicht und lassen die erste Station aus. Auf Grund des Weihnachtsfests ist dort alles geschlossen und deshalb fahren wir heute schon knapp 800km direkt nach Pucon an den Vulkan Villarrica.

Die Fahrt ist recht angenehm, denn die ganze Strecke führt über die vierspurige Hauptstraße nach Süden. Gegen Abend kommen wir an, haben unsere Übernachtung ebenfalls geändert und können statt auf einem Campingplatzes in einem gemütlichen Hostel einchecken. Heute Abend gibt es zu Weihnachten extra noch ein tolles BBQ auf das sich alle schon den ganzen Tag freuen. Als wir ankommen wird uns zur Begrüßung aber erst einmal ein Bier gereicht, was die ganze Sache noch sympathischer macht.

Schließlich ist es dann soweit. Das Fleisch ist durch und wird vom Spieß abgeschnitten. Es ist sehr lecker und der dazu servierte Rotwein auch. Die anschließende Bowle krönt das Weihnachtsfest am Weihnachtsabend im Hostel in Pucon. Was will man mehr.

6. Tag (26. Dezember 2014)

Blick auf den Villarrica

Los Largos

Im Hostel gibt’s Frühstück und die Sonne scheint immer noch vom wolkenlosen Himmel. Wir werden heute eine kleine Wanderung hier im Nationalpark machen und ich bin mal gespannt was mich erwartet.

Da viele von uns die Wanderung machen wollen, fährt uns Rob und Tig mit dem Truck zum Parkeingang damit wir nicht den öffentlichen Bus nehmen müssen. Wir bezahlen unseren Eintritt zum Nationalpark und dann geht es auch schon los. Es ist eine wunderschöne Waldgegend mit vielen unberührten Seen dazwischen.

Da heute Weihnachten ist, ist alles geschlossen und wir müssen zuerst einmal den Anfang des Weges suchen. Nachdem wir den Picknick-Bereich einmal umrundet haben, finden wir den Einstieg. Der Weg führt zuerst durch dichten Wald dem Seeufer entlang. Wir durchqueren einen sehr schön gelegenen Campingplatz und danach steigt der Weg leicht an. Wir wollen den Rundgang um die drei Seen machen. Rob sagt uns, dass dies rund fünf Stunden dauern wird und wir uns entsprechend am Nachmittag am Parkplatz wieder einfinden sollten. Der Weg wird steiler, und es ist zu erkennen, dass wir auf den Sattel hinauf müssen. Es folgen schöne Ausblicke auf zwei größere Wasserfälle, und je höher wir steigen, desto schönere Ausblicke bieten sich auf den See und den dahinterliegenden schneebedeckten Vulkan. Schließlich erreichen wir nach rund fünfhundert Höhenmetern den ersten der drei Seen. Völlig unberührt und in seiner wilden Schönheit liegt er vor uns. Bei strahlend blauem Himmel sind die Farben fantastisch. Wenig später erreichen wir den zweiten See, an dessen Ufer wir unser Mittagsessen verspeisen. Vor uns nur die Kulisse des blauen Sees, des kräftigen Grüns des Waldes und der schneebedeckten Gipfel im Hintergrund. Die Ufer des dritten Sees erreichen wir nach einem weiteren kurzen Anstieg. Auch dessen Szenerie ist sehenswert, wenn auch nicht so großartig wie dort wo wir Mittagspause gemacht haben. Die Zeit vergeht wie im Fluge und wir müssen uns auf den Rückweg machen. Nach einer super schönen Wanderung erreichen wir den Parkplatz etwas nach der ausgemachten Zeit, was aber kein Problem ist. Ich kaufe gleich noch ein paar Dinge für die morgige Besteigung des Vulkans und gehe danach noch etwas essen. Den Rest des Abends verbringen wir bei einer guten Flasche Wein im Hostel. Ich gehe früh ins Bett, weil es morgen früh raus geht.

7. Tag (27. Dezember 2014)

Villarrica

Villarrica

Der Wecker klingelt sehr früh und elf von uns machen sich auf den Weg, um den Vulkan Villarrica zu besteigen. Er ist einer der wenigen aktiven Vulkane bei dem sich im Krater ein Lava See befindet.

Es ist die populärste Tour, die man hier in Pucon machen kann. Wir fahren mit einem Minivan den Berg hinauf, nachdem wir unsere Ausrüstung dafür bekommen haben. Der Aufstieg startet auf rund 1.400m Höhe und führt zum 2.867m hohen Gipfel. Also reichlich Höhenmeter für einen Tag. Unsere erste Etappe auf Lava-Geröll führt an einem Skilift entlang bis auf 1.800m. Ich merke dabei bereits, dass ich nicht in guter Kondition bin und es heute wohl hauptsächlich auf meinen eisernen Willen ankommen wird. Wir machen eine Pause und nehmen unseren Eispickel vom Rucksack, da ab hier das Schneefeld beginnt. Wir steigen weiter. Das Tempo ist meines Erachtens recht hoch, da wir dabei sind, andere Gruppen am Berg zu überholen. Ich bin schon ziemlich am Anschlag, laufe aber weiter. Nach einer weiteren Stunde machen wir Rast. Der Ausblick in das umliegende Land ist traumhaft. Wälder, Seen und weitere schneebedeckte Vulkane prägen das Bild. Es motiviert weiterzumachen. Wir nehmen glücklicherweise das Tempo etwas runter und haben den freien Blick auf den Gipfel, nachdem wir einen Sattel erreichen. Überall auf dem weißen Schnee sind Dutzende von schwarzen Punkten zu erkennen, die sich den Berg hoch kämpfen. Wir haben noch zwei Stunden vor uns. Ich setzte einen Fuß vor den anderen, ohne auf die umliegende Szenerie zu achten. Im Moment zählt nur noch das Ankommen. In den zwei folgenden Pausen ziehe ich weitere Klamotten an, denn es wird merklich kühler und der Wind pfeift sehr kräftig. Meine Klamotten halten dem jedoch stand und ich fühle mich wohl. Ich konzentriere mich auf den nächsten Schritt und plötzlich sind wir nach knapp über fünf Stunden oben. Der Ausblick ist grandios, sowohl ins Land hinaus als auch in den Krater hinab. Der Lavasee ist leider nicht zu sehen, weil er zu tief unten liegt und die Wände zu steil sind. Dafür kann man die Gase riechen, die einem den Atem rauben, wenn der Wind diese nicht gleich an uns vorbei treibt. Wir bleiben eine halbe Stunde oben und genießen den Ausblick. Es sind natürlich mit uns mächtig viele andere Wanderer hier, dies stört jedoch kaum. Im Abstieg sollen wir auf dem Hosenboden das Schneefeld hinunter rutschen. In unserem Rucksack sind dazu alle notwendigen Dinge mit dabei. Nach einer kleinen Überwindung am Anfang macht es höllisch viel Spaß, den Berg hinunter zu sausen. In mehreren Abschnitten rutschen wir fast zwei Kilometer und 1.400 Höhenmeter den Berg hinunter. Es ist mit Abstand die einfachste, und die am wenigsten kraftraubende Art des Abstiegs. Echt super-cool! Die letzten Meter zum Minibus schaffen wir dann auch noch, und ich freue mich sehr, als dort jemand eiskalte Cola verkauft. Die Dose ist jetzt genau das Richtige und extrem lecker.

Mit dem Minibus sind wir recht schnell wieder in der Stadt zurück und können uns noch ausruhen, frisch machen und was essen gehen, bevor uns Tig am Abend zu den Thermalquellen fährt. Die Thermalquellen sind sehr schön gelegen. Die warmen Becken sind von Natursteinen eingerahmt und es ist eine Wohltat sich hineinzusetzen. Auch ein Sprung in den Fluss ist sehr erfrischend. So kann ich meinen strapazierten Muskeln eine Wohltat zukommen lassen -. einfach herrlich! Es ist bereits dunkel, als wir uns auf den Rückweg machen. Somit geht ein langer und ereignisreicher Tag zu Ende.

8. Tag (28. Dezember 2014)

Heute Morgen haben wir einen langsamen Start. Wir können ausschlafen und in aller Ruhe unser Frühstück genießen. Wegen Straßenarbeiten können wir erst am Nachmittag die Grenze nach Argentinien überqueren. So packen wir den Truck erst am späten Vormittag, haben dann noch einige Zeit für uns und verlassen Pucon am frühen Nachmittag.

Die Straße führe uns durch ein bewaldetes Tal und steigt stetig an. Die Straßenarbeiten machen die Fahrt zu einer staubigen Angelegenheit. Kurz vor der Grenze legen wir noch einen kurzen Fotostopp ein an einem schön gelegenen See. Dann erreichen wir die Grenze und können doch recht schnell passieren. Zwischendurch müssen wir allerdings einen Großteil des Gepäcks ausladen, da jemand seine Papiere dort drin vergessen hat. Aber nach zwei Stunden sind wir in Argentinien und haben damit den ersten unserer fünf Grenzübertritte hinter uns gebracht. Auf der argentinischen Seite weitet sich das Land und wird auch trockener. Auf dem Weg nach Bariloche lassen wir zwei Flaschen Rotwein kreisen und drehen die Musik etwas lauter. So haben wir eine gute Party im Truck und merken kaum, dass wir unser Ziel erst sehr spät am Abend erreichen werden, da es ja immer noch hell ist. Wir beschließen, noch vor dem Einchecken ins Hostel gleich in der Stadt zu blieben, Geld zu wechseln und etwas zu essen. Wir entscheiden uns spontan für einen Italiener. Da es schnell gehen soll und ich die Karte eh nicht lesen kann, sind Spaghetti Bolognese die erste Wahl. Dazu einen dreiviertel Liter Patagonia Lager Bier und ich bin zufrieden. Wir erreichen das Hostel kurz vor Mitternacht und ich falle nur noch ins Bett.

9. Tag (29. Dezember 2014)

Bariloche

Bariloche

Bariloche

Ich habe super geschlafen, da ich nach den letzten Nächten einen Raum hatte, in dem es keine Schnarcher gegeben hat. Nach dem Frühstück im Hostel habe ich keine Ahnung, was ich heute hier in Bariloche machen soll. Rob bietet an, mit dem Truck Richtung Nationalpark zu fahren, da es mit den Bustickets nicht so richtig geklappt hat. Ich setze mich einfach hinein, weil ich keinen anderen Plan habe. Ich denke, dass ich vielleicht dort am See etwas herumlaufen kann, aber an der Stelle, an der uns Rob absetzt, ist irgendwie nichts. Die anderen gehen direkt zu einem Fahrrad Verleih und ich schließe mich einfach an. So bin ich den ganzen Tag auf der Ringstraße mit einem geliehenen Mountain-Bike unterwegs. Die Strecke ist recht hüglig und führt an sehr vielen herrlichen Aussichtspunkten vorbei. Die Landschaft ist so pittoresk, dass man aus jedem Winkel einen neuen, bildschönen Blick hat. So strample ich die Straße entlang und mache einen Abstecher zur Villa Tacul. Dort führt die staubige Schotterpiste recht steil bergab. Die Bucht ist ebenfalls sehr schön. Nach einer Weile schließt Judith, unsere Jüngste in der Gruppe, zu mir auf und wir fahren gemeinsam noch zum anderen Seitenweg des Abstechers. Dabei sehen wir ein Schild, das auf einen Wanderweg nach Bariloche hinweist. Wir entscheiden uns, diesen Wanderweg für den Rückweg zur Straße zu nehmen, da er wohl deutlich interessanter ist als die Schotterpiste mit dem ganzen Staub der Autos.

Wir fahren weiter und erreichen eine Stelle, an der ein gesprengter Bunker steht. Ich bin etwas irritiert, so etwas hier zu sehen. Durch Zufall ist ein anderer Deutscher hier, der mich zuvor bereits nach dem Weg zu einem Bunker gefragt hat, und dem ich nicht antworten konnte. Ichn nutze die Gelegenheit und frage ihn, was es damit auf sich hat. Er erklärt mir, Freunde der Nazis hätten diesen Bunker noch vor dem Ausbruch des 2. Weltkriegs für ihren Führer gebaut, falls er sich hätte nach Argentinien zurückziehen wollen. Er war nie hier, der Bunker wurde aber erst 1997 von der argentinischen Armee gesprengt. Eine unglaubliche Geschichte, deren Wahrheitsgehalt ich nicht prüfen kann. Aber es ist ja bekannt, dass viele Nazis nach dem Krieg nach Bariloche gekommen sind.

Nun ja, wir machen uns auf den Rückweg und nehmen den Wanderweg. Dieser führt recht steil bergan und wir müssen ordentlich strampeln, schaffen es aber schließlich an eine Kreuzung mit Schildern. Auf einem der Schilder steht Llao Llao und Judith ist der Meinung, es müsse sich um das Llao Llao Hotel handeln und wir somit zur Straße zurück kämen. So folgen wir diesem Weg. der immer schmaler wird und weiterhin ansteigt. Wir wuchten die Räder nach oben und bezweifeln allmählich unserer Annahme. Schließlich fragen wir Leute, die uns entgegen kommen, ob es hier zur Straße gehe. Wir erfahren, dass es hier zum Gipfel des Llao Llao geht und nicht zum Hotel. Wir sind etwas schockiert, lassen aber spontan unsere Räder stehen und entscheiden uns, den Gipfel zu Fuß zu erklimmen. Unser Fehler an dem Abzweig wird mit einem phantastischen Ausblick auf den Largo Nahuel Huapi belohnt. Als wir danach an der Abzweigung die richtige Richtung einschlagen, können wir den Weg sogar mit den Rädern fahren und erreichen auch die Straße recht schnell. Wir machen noch einen Stopp in einem Café um eine kalte Cola zu trinken und kommen nach rund sechs Stunden wieder zum Fahrrad-Verleih zurück. Es war heute sehr spontan, aber ein wunderschöner Tag. Wieder im Hostel zurück ist die Dusche sehr erfrischend. Meine Klamotten lasse ich auch zum ersten Mal waschen und so bin ich wieder organisiert.

Am Abend gehen wir ins Steak House an der Hauptstraße und genießen mal wieder Fleisch. Da die Steaks hier so groß sind bestelle ich nur eine halbe Portion mit Salat und bin absolut satt davon. Es ist sehr lecker.

10. Tag (30. Dezember 2014)

Heute lasse ich es sehr langsam angehen. Nach dem Frühstück fahren wir wieder zum Nationalpark und setzen dort ein paar Leute ab. Ein paar andere wollen mit der Seilbahn auf den Cerro Catedral. Da es sehr wolkig ist fahre ich einfach in die Stadt weiter. Dort wechsle ich noch Geld und schlendere ein wenig umher. Besuche die Kathedrale und verbringe noch Zeit am Seeufer. Der Wind bläst kräftig und ich bin froh, James, Maria, Ed und Sue wieder zu treffen, als wir zum Essen verabredet sind. Es gibt wieder Steak und ich genieße es. Für den Rückweg zum Hostel nehmen wir der Einfachheit halber ein Taxi.

Am späten Nachmittag kaufen wir für die nächsten Tage ein, da wir von nun an die nächsten Nächte campen werden. Hoffentlich bleibt es trocken.

11. Tag (31. Dezember 2014)

Silvester

Silvester

Wir verlassen das Alaska Hostel und fahren die Berge hinauf. Die Aussicht ist immer noch sehr sehenswert. Wir passieren einige Seen, die von Wald eingerahmt sind und folgen weiter der Hauptstraße nach Süden. Die Ruta 40 ist eine der berühmtesten Straßen Argentiniens. Wir überqueren einen Pass – es ist recht kühl hier oben- und fahren anschließend wieder in tiefere Lagen hinunter. Die Landschaft weitet sich und gleicht mehr einer Steppe. Nach ein paar Stunden erreichen wir Equel. Dort machen wir Pause. Ich nutze die Zeit um mir ein wenig die Beine zu vertreten. Viele Geschäfte sind wegen Silvester bereits geschlossen. So nehme ich in einer Bar noch ein Bier bevor es weitergeht. Nur kurze Zeit später stoppen wir erneut und verbringen noch eine Stunde in Trevelin. Hier ist noch weniger los, aber wir kaufen noch Holz für unser heutiges Lagerfeuer ein.

Nun geht es zu unserem Bush Camp. Wir verlassen die Hauptstraße und folgen einer Schotterpiste in die Berge Richtung Chile. Die Szenerie könnte kaum schöner sein. Nach rund einer Stunde erreichen wir einen Flusslauf, an dessen Ufer wir unsere Zelte aufschlagen. Es ist keine Menschenseele um uns herum. Wir sind für uns. Die Zelte sind schnell aufgestellt, Tische, Stühle und Kocher ebenfalls. Das Feuer brennt schon nach kurzer Zeit und das Bier ist im Fluss kühl gelagert. Die Kochgruppe fängt an das BBQ vorzubereiten und wir mixen den Punsch. Die Musik im Truck läuft auf voller Lautstärke und die Lichter sind auch schon bereit, falls es nochmal dunkel werden sollte. Somit steht der Party nichts mehr im Wege.

Der Punsch kommt gut an, die Musik fetzt und die Laune steigt. Die Steaks und Würste sind sehr lecker. Gegen halb Elf wird es dämmrig. Mein erstes Silvester, an dem es lange hell ist und ich bei einem BBQ ins neue Jahr feiere. Um Mitternacht wünschen sich alle ein gutes neues Jahr und wir stoßen mit chilenischem Sekt auf 2015 an. Anschließend feiern wir noch weiter bis sich irgendwann alle in die Zelte verkriechen.

12. Tag (01. Januar 2015)

Ruta 40

Der Wecker klingelt recht früh. Aber als ich aus dem Zelt schaue scheint die Sonne vom wolkenlosen Himmel. Da ist das Kopfweh schon gar nicht mehr so schlimm. Rob und Tig haben liebevollerweise bereits das Frühstück gerichtet: Kaffee, Cornflakes und Pfannkuchen.

Als wir später alles wieder zusammengepackt haben geht es weiter nach Süden. Von unserem Busch Camp nehmen wir eine Abkürzung zurück zur Hauptstraße. Es ist eine landschaftlich sehr schöne Strecke mit vielen tollen Ausblicken. Die Straße ist absolut einsam. Wir sehen kein anderes Auto auf der ganzen Strecke. Es ist aber auch nur eine Schotterpiste in der Breite eines Feldwegs. Herrlich. Als wir wieder auf der Ruta 40 zurück sind geht es natürlich schneller voran. Denn Heute ist ein Tag zum Fahren und wir müssen Strecke machen. Mit ein paar Zwischenstopps erreichen wir am späten Abend unser Busch Camp. Wir schlagen die Zelte am Straßenrand auf. Es ist jedoch die Seitenstraße zu den Cuevas de las Manos, so dass kein Verkehr herrscht. Zudem befinden wir uns in einem recht schönen Canyon des Rio Pinturas und können noch die Szenerie genießen. Die Kochgruppe tut ihr Bestes um das Essen fertig zu machen. Ich nehme mir ein Bier und setze mich ans Feuer. Das Essen ist lecker und als ich mich ins Zelt verziehe ist es auch schon dunkel.

13. Tag (02. Januar 2015)

Cuevas de las Manos

Cuevas de las Manos

El Chalten

Mit dem Zusammenpacken sind wir heute pünktlicher fertig als gestern und so machen wir uns auf den Weg die Cuevas des las Manos zu besuchen. Auf der Schotterpiste ist es nicht weit und wir haben sogar noch etwas Zeit bevor diese für Besucher aufmachen. Ich wandere ein wenig in der Schlucht umher. Es ergeben sich immer wieder andere Schattenwürfe während die Sonne höher steigt. Dann besuchen wir das Weltkulturerbe. Es sind Felsmalereien in Form von Handabdrücken, die nachweislich über 9.000 Jahre alt sind. Nicht überwältigend, aber ziemlich sehenswert. Der Canyon an dieser Stelle bietet zudem noch schöne Ausblicke, so dass der Besuch sich gelohnt hat. Dann nehmen wir wieder die Straße in Angriff. Die patagonische Steppe zieht sich über hunderte Kilometer dahin. Alles recht trocken, zum Teil schon wüstenartig. Zu Mittag stoppen wir am Straßenrand und machen ein paar Sandwiches bevor es weiter nach Süden geht. Die Straße will kein Ende nehmen. Doch schließlich wird es wieder grüner am Straßenrand und am späteren Abend erreichen wir El Chalten und sehen den Fitzroy schon von weitem, da er heute wolkenlos vor uns steht. Der Himmel ist jedoch leider bedeckt und deshalb ohne Sonne. Ein sehr beeindruckender Berg. Wir machen natürlich die ersten Bilder und hoffen auf schönes Wetter für morgen früh.

Als wir den Campingplatz erreichen stellen wir die Zelte auf. Unsere heutige Kochgruppe geht gleich einkaufen und wir bereiten alles weitere vor. Der Campingplatz ist gut besucht. Die Hochsaison lässt grüßen.

Nach dem Abendessen verziehe ich mich dann recht zügig, da ich morgen eine große Wanderung machen möchte.

Die patagonischen Nationalparks und Feuerland

14. Tag (03. Januar 2015)

Mount Fitzroy

Largo de los tres

Mount Fitzroy

Nach dem Frühstück bringt uns ein Minibus, den Rob für uns noch organisiert hat, zum Ausgangspunkt unser Wanderung zu den Lagos de los Tres. So müssen wir nicht den gleichen Weg auf- wie absteigen, was die Sache natürlich noch interessanter macht. Wir fahren für eine halbe Stunde den Rio las Vueltas hinauf und steigen aus. Nach ein paar Metern Fußmarsch sehen wir auch schon Mount Fitzroy völlig klar vor uns stehen. Leider gibt es wegen bedeckten Himmels heute Morgen keine Sonne und somit kein schönes Licht zum Fotografieren. Wir steigen bergan und folgen dem Rio Blanko, dessen Tal wir durchlaufen. Es ergeben sich immer wieder schöne Ausblicke auf Mount Fitzroy und die Gletscher, sowie den Gletschersee. Der Weg führt durch einen lichten Wald, in dem die abgestorbenen Stämme auf dem mit Gras bewachsenen Boden liegen. Als wir auf einem Plateau ankommen, auf dem sich dieser und der direkte Weg von El Chalten treffen ist es immer noch bewölkt, aber es zeigt sich ein kleines bisschen Blau am Himmel. Und da es für eine ganze Weile der letzte Ort sein wird von dem aus man dem Gipfel sehen kann warte ich, und in weniger als einer halben Stunde reißt der Himmel auf und es gibt Sonnenschein, einen wolkenlosen Gipfel und blauen Himmel. Ich bin glücklich, schieße Fotos und mache mich dann auf den Weg zu den Lagos de los Tres.

Der Weg steigt sehr steil an und besteht nur aus Felsen und losen Steinen. Auch der Blick zurück ins Tal ist traumhaft. Nach einer Stunde erreiche ich die Kuppe, die den Blick frei gibt auf den Fitzroy Gebirgszug mit seinen Gletschern und dem blauen Gletschersee davor. Ein überwältigender Anblick, besonders weil der Gipfel immer noch wolkenfrei ist. Ich fotografiere was das Zeug hält und keine Viertelstunde später zieht der Gipfel zu. Ich treffe noch ein paar andere aus unserer Gruppe und mache Mittag. Dann gehe ich zum Gletschersee hinunter und halte die Hand hinein. Das Wasser ist eisig kalt, aber Anne aus unserer Gruppe geht dennoch hinein und taucht kurz unter. Ich gehe weiter auf einen angrenzenden Felshügel, um auch noch einen Blick auf den anderen See zu erhaschen. Auch hier ist es ein traumhafter Blick auf die beiden Seen und die Gletscher von denen sie gespeist werden. Es brechen dabei kleinere Eisstücke vom Gletscher ab und rutschen über die Felsen in den See. Es sieht wie ein Wasserfall aus, jedoch mit dem Donnern eines entfernten Gewitters. Ein echtes Naturschauspiel. Da es doch ein paar Stunden zurück nach El Chalten ist, breche ich auf und mache mich auf den Rückweg. Als ich wieder auf dem Plateau ankomme, ändert sich das Wetter wieder ein bisschen und in der Zeit in der ich mich auf den Weg nach El Chalten mache klart der Gipfel wieder auf und ist in seiner vollen Pracht zu sehen. An verschiedenen Punkten ergeben sich wiederum sehr beeindruckende Ausblicke auf den schroffen, steil aufsteigenden Berg. Zwischendurch mache ich noch eine Pause an der Laguna Capri. Der Blick von hier ist fast schon klischeehaft. Blauer See mit grünem Wald und dem vergletscherten Granit-Giganten im Hintergrund.

Ich steige weiter ab. Die Füße melden sich und die Knie auch. Der Weg führt über Wiesen und lichte Wälder zurück ins Tal. Dabei gibt es immer wieder Ausblicke auf den Rio las Vueltas an dessen Ufer El Chalten liegt, welches ich schließlich recht müde erreiche. Eine Dusche frischt mich wieder auf, und abends gehe ich zum Essen ins Restaurant, so dass ein weiterer herrlicher Tag zu Ende geht.

Heute Abend kam dann „Gus“, ein zweiter Dragoman Truck an. Er ist auf dem Weg nach Norden.

15. Tag (04. Januar 2015)

Gletscher Videma

Gletscher Videma

Gletscher Videma

Gletscher Videma

Heute Morgen machen sich vier von uns zum Videmar Gletscher auf, um dort an Eiswänden zu klettern. Der Morgen ist traumhaft mit wolkenlos blauem Himmel. Wir werden zuerst mit einem Bus zur Anlegestelle der Boote am Lake Videmar gefahren und haben dann etwas mehr als eine Stunde Zeit die Gegend zu genießen, während wir mit dem Boot zum Gletscher rüber gefahren werden. Wir haben sogar ein paar Eisberge auf unserer Strecke. Zuerst fahren wir noch ein bisschen an den Gletscher heran, um einen schönen Blick auf die Unmengen von Eis zu werfen. Dann landen wir an einem Felsen an und gehen an Land. Wir müssen erst ein wenig laufen, weil sich der Gletscher in den letzten Jahren zurückgezogen hat. Man kann es sehr deutlich an den Schleifspuren an den Felsen, auf den wir gehen, erkennen. Wir kommen am Gletscher an und gehen über eine Leiter aufs Eis. Dort schnallen wir unsere Steigeisen an und werden in deren Umgang eingewiesen. Danach laufen wir los. Bei mir müssen die Steigeisen erst einmal nachgezogen werden, da sich diese gelöst haben. Als dies nicht hilft, werden sie gegen ein anderes Modell getauscht. Als diese dann erneut nachgezogen und eingestellt worden sind, funktioniert es endlich, und der Guide und ich müssen der Gruppen hinterher.

Wir wandern über den Gletscher und finden sogar einen Eistunnel, durch den man kriechen kann. Innen leuchtet des Eis in tiefem Blau. Auf der anderen Seite sammeln wir uns wieder und gehen weiter. An einer Steilwand wird die erste Kletterpassage eingerichtet und wir können zum ersten Mal mit zwei Eispickeln und den Steigeisen versuchen zu klettern. Es ist gar nicht so schwierig und macht viel Spaß. Jeder von uns kann dies drei, vier Mal ausprobieren. Während wir Pause machen können wir mehr als ein halbes Dutzend Kondore beobachten, die majestätisch über dem Gletscher kreisen. Inzwischen werden die nächsten Wände mit Seilen abgesichert, an denen wir uns versuchen dürfen. Diese sind viel steiler und damit auch anspruchsvoller. Eine neue Herausforderung. Ich schaffe es trotzdem und habe Spaß daran. Während wir nicht klettern schauen wir den anderen zu oder genießen es einfach, direkt auf einem großen Gletscher zu sein. Überall sind Wasserläufe und Löcher zu sehen, in denen das Wasser verschwindet. Das Eis ist sehr hart und an der Oberfläche ziemlich schroff. Mit den Steigeisen hat man jedoch wunderbaren Halt und man kann wie auf Fels laufen.
Die dritte Herausforderung ist eine andere. Wir werden hinabgelassen und von oben gesichert, so dass wir auf jeden Fall wieder hinaufkommen müssen. Zudem ist die Wand rund doppelt so hoch wie die beiden vorhergehenden. Die Motivation ist eine andere und ich schaffe es ohne Zwischenfälle. Eiswandklettern ist eine tolle Sache und macht richtig Freude. Da es bereits Nachmittag geworden ist machen wir uns auf den Rückweg, nachdem es noch einen Bailys zum erfolgreichen Abschluss des Kletterns gab. Wir gehen zurück und können die Steigeisen an einer sehr fragil wirkenden Eisbrücke abschnallen und einzeln auf den Fels hinüber gehen.

Zurück am Bootssteg warten wir auf das Boot und genießen die Aussicht. Der Wind wird stärker und Regen zieht herauf. Wir gehen an Bord und haben nur noch wenige Minuten trockenes Wetter. Auf der Rückfahrt sind alle ziemlich müde und der Regen prasselt an die Scheibe. Wieder auf dem Camping Platz zurück tröpfelt es nur noch und meine Kochgruppe hat bereits eingekauft und mit dem Kochen des Abendessens begonnen, so dass ich gleich ein Messer in die Hand nehme und mit Schnippeln anfange. Es gibt Eintopf mit Kartoffelbrei. Sehr lecker nach einem aufregenden Tag. Anschließend treffen sich alle noch im Aufenthaltsraum und lassen den Abend gemeinsam ausklingen.

Ein dritter Dragoman Truck, „Jana“ ist eingetroffen und steht neben den beiden anderen.

16. Tag (05. Januar 2015)

El Chalten

El Chalten

Der Wind heute Nacht zerrt und reißt so stark am Zelt, dass ich ein paar Mal aufwache und mich frage, ob das Zelt wohl halten wird oder ob ich damit weggeblasen werde. Am Morgen ist der Wind immer noch so stark, dass wir in der Kochgruppe beim Frühstück machen, irgendwie alles festhalten müssen, obwohl zwei Trucks als Windschutz beieinander stehen und wir unter einer Plane kochen, die dazwischen aufgespannt ist.

Wir gehen zum Reiten heute. Der Himmel ist wieder strahlend blau. Wir werden abgeholt und den Fluss hinauf gefahren. Als wir aussteigen, gilt es zuerst eine recht wackelige Hängebrücke über den Rio las Vueltas zu überwinden. Zudem bläst der Wind so stark, dass man sich dem entgegen lehnen muss, was die Sache nicht einfacher macht. Auf der anderen Seite befindet sich die Pferdefarm. Wir bekommen Helm und Gamaschen, können den Rucksack abstellen und bekommen ein Pferd zugewiesen. Als wir warten, kommt auf einmal die Katze mit einem Vogel im Maul vorbei. Einer der Hunde gesellt sich spielerisch zur Katze mit Vogel, so dass sich ein unvergleichliches Bild ergibt. Mit der Kamera bin ich leider zu langsam, weil ich nun dran bin, mich in den Sattel meines gutmütigen schwarzen Hengsts zu schwingen. Die erfahrenen Reiter unter uns bilden eine separate Gruppe und preschen schon mal davon. Die Unerfahrenen wie ich brauchen ein bisschen länger, aber dann geht es auch für uns los. Ganz gemächlich im Gang mit genügend Zeit sich die atemberaubende Landschaft anzuschauen. Hinter uns zeigt sich wieder einmal der Fitzroy in seiner ganzen Pracht. Vor uns liegt das Tal, in welches wir hineinreiten. Es geht wieder durch lichte Wälder und auch etwas bergan. Auf einem Pferd macht dies aber kaum einen Unterschied, was recht angenehm ist. So konzentriere ich mich darauf die Landschaft zu genießen und einige Fotos zu machen.
Vier Hunde der Farm begleiteten uns dauernd, ebenso wie das vier Monate alte Fohlen, welches mit dabei ist. An einem Baum, an dem der gehäutete Puma der Gegend hängt, machen wir uns auf den Rückweg. Dieser führte direkt am Fluss entlang. Die Aussicht ist immer noch kaum zu fassen. Nachdem die Pferde dann noch gesoffen haben durchqueren wir noch einen kleinen Seitenarm. Flussdurchquerung ohne die Füße nass zu machen. Danach geht es ein weiteres Mal durchs Wasser wieder zurück ans Ufer und noch einmal steil bergan. Oben wieder einmal eine herrliche Aussicht aufs Tal. Die Pause in einer kleinen Hütte mit Kaffee und Wasser haben wir uns redlich verdient. Die Beine spüre ich ein wenig und die ersten Schritte nach dem Absteigen vom Pferd fallen schwer. Doch nach der kurzen Pause geht es wieder gut und wir machen uns auf den Rückweg zur Farm. So geht ein richtig entspannter Ritt mit super Aussicht zu Ende. Wir werden gleich zum Campingplatz zurück gebracht, so dass ich am Nachmittag nichts vor habe und die Zeit zum Ausspannen nutze.

Am Abend nehmen wir alle zusammen das Angebot des Campingplatzes zum Lamm-Essen an. Draußen auf dem Feuer wird auf traditionelle Art ein ganzes Lamm gegrillt. Dann wird einfach davon runter geschnitten und serviert. Dazu gibt es Kartoffeln mit Zwiebeln und Karotten und natürlich leckeren argentinischen Rotwein.

17. Tag (06. Januar 2015)

In der Nacht hat es wieder stark gestürmt und diese Nacht auch geregnet, aber beim Aufstehen ist es trocken, so dass es beim Zusammenpacken keine Probleme gibt. Wir verlassen nach vier Nächten Camping El Chalten und machen uns auf den kurzen Weg nach El Calafate. Der Wind ist so stark, dass der Truck während der Fahrt schaukelt. Als wir gegen den Wind fahren erreicht der Truck bei Vollgas keine 90km/h. Zwischendurch machen wir noch einen kurzen Stopp auf einer ehemaligen Farm, in der sich das berühmte Gangsterpaar „Butch“ Cassedy und Sundance Kid über Monate hinweg versteckt haben. Dort hängen entsprechende Bilder und Zeitungsausschnitte an den Wänden und es gibt einen kleinen Souvenir-Laden.

In El Calafate übernachten wir wieder für eine Nacht in einem Hostel. Ich kümmere mich zuerst um ein Ticket für den Bus, den ich in knapp zwei Wochen von hier aus nach Punta Arenas brauche. Ich kann ein Ticket hier im Hostel reservieren lassen und die Sache ist nach kurzer Zeit erledigt. Danach gehen wir in die Stadt und essen mal wieder ein Steak in einem Restaurant und schlendern ein wenig durch die Souvenir-Läden der Stadt.

Als wir zurückkommen genieße ich den Komfort einer richtigen Dusche, die Annehmlichkeiten des Aufenthaltsraums und schreibe noch Postkarten.

18. Tag (07. Januar 2015)

Magellan Straße

Magellan Straße

Heute Morgen machen wir uns nun auf den Weg nach Ushuaia. Unser Plan ist, bis zur chilenischen Grenze zu fahren und dort zu campen. Aber wir sind recht früh dran und ändern unsere Pläne. Da es auch recht lange hell ist werden wir schon bereits heute die Grenze nach Chile überqueren und dort die Fähre über die Magellanstraße nehmen. In Esperanza und später auch in Rio Gallegos machen wir eine Pause. Ich kaufe noch eine wasserdichte Regenhose in einem Camping-Laden und wir fahren weiter.
Vor der Grenze kochen wir noch zu Mittag, da wir keinerlei Früchte oder anderes nach Chile mitbringen dürfen. Dabei fällt noch meine Kamera runter und der UV Filter splittert. Ich kann froh sein, dass es die Kamera und das Objektiv überlebt haben, aber ich bekomme den Filterring nicht mehr vom Objektiv, da das Gewinde verbogen ist. Ich hoffe ich kann es später in Ushuaia richten lassen. Der Grenzübertritt hat verblüffend schnell und unkompliziert funktioniert. So fahren wir schon nach einer Stunde weiter zur Fähre. Dort sehen wir zum ersten Mal die Magellanstraße.

Momentan herrscht eine sehr kräftige Strömung in Richtung Atlantik und die Fähren haben ganz schön zu kämpfen. Es ist eine Schlange von Fahrzeugen vor uns, so dass wir erst mit der 2. Fähre nach rund einer Stunde übersetzen können. Die Fahrt verläuft gut. Wir stehen an Deck und trotzen dem starken Wind. Das Wetter ist heiter mit kurzen Schauern, so begrüßt uns also Feuerland, das Stück Erde am „Ende der Welt“. Gleich nachdem wir die Fähre verlassen haben treffen wir die Entscheidung, heute noch so weit wie möglich zu fahren und irgendwo am Straßenrand einen Platz zum Campen zu finden. Damit erreichen wir Ushuaia einen halben Tag früher und können die Zeit dort besser nutzen als irgendwo am Straßenrand. Im bedeutenden Cerro Sombrero mit seinen hübsch hässlichen Gebäuden aus den fünfziger Jahren kaufen wir noch schnell was im einzigen Supermarkt zum Essen ein und machen uns gleich wieder auf den Weg.

Wir sind also noch bis nach neun Uhr auf der Straße. Da wir es nicht mehr über die Argentinische Grenze schaffen, suchen wir uns in einem Feldweg am Straßenrand einen Platz zum Campen. Auf Grund der Uhrzeit stellen wir nur noch die Zelte auf und legen uns schlafen. Kaum im Zelt fängt es auch schon zu regnen an. Wir alle verkriechen uns in die Zelte und sind froh uns nach einem langen Tag im Truck ausstrecken zu können.

19. Tag (08. Januar 2015)

Feuerland

Ushuaia

Ushuaia

Ushuaia

Früh am Morgen brechen wir wieder die Zelte ab und fahren zur Grenze auf dem Weg nach Ushuaia. Erst nach der Grenze auf der argentinischen Seite machen wir in Rio Grande Halt und frühstücken in einem netten Café. Seit langem mal wieder nicht ein Frühstück aus Cornflakes und Toast. Von hir sind es dann nur noch zwei Stunden bis zu unserem Ziel.

Wir sind angekommen. Es ist der südlichste Punkt unser Overlanding Tour und die am südlichsten gelegene Stadt der Welt. Wir haben es geschafft. Im Hostel werden wir drei Nächte bleiben und haben nach kurzer Zeit die Zimmer entsprechend verteilt. Ich nehm erst einmal wieder eine Dusche und bringe meine Klamotten zum Waschen. Dann werden wir in der Küche darüber informiert, was man hier alles machen kann. Als gleich darauf die Diskussion und die Fragen jedes Einzelnen los gehen, ziehe ich mich zurück und beschließe die Touren, die ich machen möchte selber in der Stadt zu buchen. So ziehe ich los, während die anderen noch heftig diskutieren.

Als erstes suche ich einen Fotoladen, um meine lädierte Kamera wieder instand setzen zu lassen. Ich habe Glück und finde ein Fachgeschäft, in dem es UV Filter gibt und auch einen gewieften Mechaniker, der den alten Ring entfernen kann. Also alles wieder in Ordnung. Ich kann dort auch gleich noch Dollars wechseln, so dass ich wieder flüssig bin und mache mich dann auf den Weg zum Hafen. Es liegen zwei Antarktis-Expeditionsschiffe im Hafen und meine Gedanken sind gleich bei meiner anschließenden Tour dort hin. Jetzt aber erst einmal klären was ich die nächsten zwei Tage hier am „Ende der Welt“ tun werde. Die Touren sind recht schnell gebucht und so bin ich auch das gewechselte Geld schnell wieder los.

Danach schlendre ich noch ein wenig am Hafen entlang auf der Suche nach Fotomotiven und dann ist es auch schon Zeit mich mit Felix zum Essen zu treffen. Zuvor streifen wir durch die Souvenir Shops und treffen schließlich auf Gorden und Janet, die auch auf dem Weg zum Essen sind. So essen wir zu viert in leckeren „La Estancia“ Steakhouse, in dem die Lämmer direkt hinter dem Fenster gegrillt wurden. Ich entscheide mich wieder mal für ein exzellentes Filetsteak. Als wir das Restaurant verlassen steht der Sonnenuntergang unmittelbar bevor und wir haben für eine halbe Stunde noch einen tollen Abendhimmel, so dass wir nochmals zum Hafen runter gehen, bevor wir endgültig ins Hostel zurückkehren. Dort sitzen wir zum Abschluss noch gemütlich zusammen.

20. Tag (09. Januar 2015)

Laguna Esmeralda

Laguna Esmeralda

Heute mache ich eine Wanderung zur Lagune Esmeralda und werde dazu um 09:00Uhr abgeholt. Wir fahren die Ruta 3 wieder ein Stück zurück und machen Halt an einer Hütte des Veranstalters. Dort werden wir mit Gummistiefeln ausgestattet, da der Weg sehr matschig sein soll. In Gummistiefeln zu wandern ist keine schöne Aussicht, aber wenn es nicht anders geht muss es wohl sein. Durch die Schuhsohle spürt man jeden Stein. Zuerst führt uns unser Weg quer über den Sumpf. Überall sind schon Biberdämme zu sehen. Es ist ein großes Gebiet, in dem der Biber die Landschaft gestaltet hat.
Nach kurzer Zeit ist klar, warum es nur mit Gummistiefeln geht, denn wir sinken bis zu den Knöcheln ein und das Wasser gluckst bei jedem Schritt. Es ist bewölkt, aber die Bergkulisse ist trotzdem wolkenfrei und schön anzuschauen. Auf der anderen Seite des Sumpfes erreichen wir einen Laubwald, der uns mit seinem frischen frühlingshaften Grün entgegen leuchtet. Auf der anderen Seite wiederum treffen wir auf einen Bachlauf der von sicherlich einem Dutzend Biberdämmen aufgestaut ist. Aber wie unser Guide erklärt ist es bei der diesjährigen Schneeschmelze zu einer starken Flut gekommen und man sieht überall die Dammbrüche und die bereits erfolgten Reparaturen. Echt beeindruckend, in welcher Größenordnung sich die Dämme befinden. Hier kam man schon von einer richtigen Staumauer sprechen.

Wir steigen dem Bachlauf entlang höher und erreichen den offiziellen Weg, der zur Laguna Esmeralda führt. An der Laguna angekommen eröffnet sich uns ein sehr schöner Blick auf den türkisfarbenen Gletschersee, die grünen Wälder und die dahinterliegenden, schneebedeckten Gipfel. Wieder einer der klischeehaften Ausblicke. Zumal in der halben Stunde, in der wir dort sind, der Himmel aufreißt ist und die Sonne vom blauen Himmel scheint. Nachdem jeder sein Essenspaket verzehrt hat und alle Bilder gemacht sind steigen wir wieder ab. Der offizielle Weg ist nicht ganz so matschig wie der unsere, trotzdem bin ich auch hier froh darüber, die Dinger anzuhaben. Wir steigen schnell wieder ab und biegen dann nach links, um wieder über den Bibersumpf zur Hütte zurückzukehren. Dort wechseln wir noch die Schuhe und werden wieder in die Stadt zurück gefahren. Man hätte sicherlich nicht eine Tour buchen müssen um zur Lagune zu kommen, aber der besondere Weg und die Informationen, die wir über die hier lebenden Biber bekommen haben, war es wert diese Tour gemacht zu haben.

Als ich wieder im Hostel zurück bin nehme ich erst einmal eine Dusche und relaxe am Nachmittag. Es beginnt für rund eine halbe Stunde heftig zu regnen. Man sagt nicht umsonst dass es in Ushuaia vier Jahreszeiten an einem Tag geben kann. Das Wetter ist so wechselhaft.

21. Tag (10. Januar 2015)

Ushuaia

Ushuaia

Leuchtturm an Ende der Welt

Beagle Channel

Es hat diese Nacht immer mal wieder bis in den Morgen geregnet, aber beim Aufstehen ist es wieder trocken und sogar etwas sonnig. Ich bin heute auf dem Weg in den Nationalpark hier in Ushuaia und habe bereits beim Abholen ein nicht so gutes Gefühl was die Tour angeht. Es kommt ein riesiger Bus. Ich bin der Erste der eingeladen wird und nach einer Stunde haben wir dann alle Passagiere an Bord. Zuerst geht es an die Bahnstation für den Dampfzug am „Ende der Welt“. Auch hier dauert es ewig bis alle in den Zug verfrachtet sind. Ich lasse diese Option aus, da die Fahrt für meinen Geschmack überteuert ist und wir außerdem in Europa genügend Dampfeisenbahnen haben, mit denen wir fahren können. Also laufe ich in der Zwischenzeit ein bisschen an der Küste des Beagle Kanals entlang. Die Aussicht ist toll und der Wanderweg recht einladend, aber nach 20 Minuten muss ich schon wieder am Bus sein um die anderen von Zug abzuholen.

Danach fahren wir zum Largo Roca, auch hier ist es landschaftlich sehr schön, aber der enge Zeitplan drängt. Die letzte Station im Nationalpark ist das Ende der Panamericana, die rund 25 km hinter Ushuhaia am Beagle Kanal endet. Hier ist die Hölle los. Die großen Busse stehen mit laufenden Motoren in Reih und Glied. Leider nicht alle, denn als wir schließlich wieder in die Stadt zurückfahren wollen springt unser Bus nicht mehr an. Die Aufregung ist groß, und unzählige Leute diskutieren aufgeregt. Ich ergreife die Chance und gehe gleich mit, als ein argentinisches Pärchen um eine andere Mitfahrgelegenheit bittet, weil sie noch am Nachmittag einen Termin zu einer Bootsfahrt haben. Somit sitze ich in einem der zahlreichen anderen Tour Busse und bin auf dem Weg zurück in die Stadt.

Dort angekommen gehe ich noch Geld wechseln und schlendere ein wenig am Hafen entlang. Dann ist es auch Zeit für meine Bootsfahrt auf dem Beagle Kanal. Ich gehe an Bord eines kleinen Boots und verlassen den Hafen. Der Wind ist ziemlich stark. Ich ziehe mir die Kapuze über den Kopf, die Handschuhe an und ziehe den Reißverschluss bis zum Anschlag hoch. Gleich nachdem wir den schützenden Hafen verlassen haben erfasst der Wellengang auch schon unser Boot, welches heftig anfängt zu schaukeln. Vielleicht ein kleiner Test für meine Antarktisreise, an die ich hier in Ushuaia doch schon einige Male denken muss, obwohl es noch ein paar Tage hin sind bis es dorthin losgeht. So schaukeln wir also raus auf den Beagle Kanal, und der Blick zurück auf die Stadt und die dahinterliegenden Berge wird immer besser. Über Ushuaia schüttet es gerade und wir haben hier fast Sonnenschein. Wir fahren zuerst die Insel der Kormorane an und ich wünschte, ich hätte mein großes Teleobjektiv heute mitgenommen. Dieses aber liegt im Hostel. Weiter geht’s zur Insel der Seelöwen. Auch hier gibt es tolle Szenen, denn die Jungen können noch nicht so alt sein, da auf den Felsen immer noch Blut und teilweise Nabelschnüre von den Geburten zu sehen sind.

Wir fahren den Beagle Kanal weiter nach Osten und kehren erst beim Leuchtturm wieder um. Dieser wird fälschlicherweise immer für den berühmten Leuchtturm aus dem Roman von Jules Verne „Der Leuchtturm am Ende der Welt“ bezeichnet. Aber egal. Er sieht toll aus und macht sich gut auf den Bildern. Im Anschluss machen wir uns auf den Weg zu unserer letzten Station. Wir machen Halt an der Bridge Island und gehen an Land. Der Ausblick ist in alle Richtungen super schön und ändert sich mit den Wolken und Wetter innerhalb weniger Minuten. Die Tour ist klasse und sicherlich ihr Geld wert. Wieder zurück im Hafen gehe ich, nach einem langen Tag recht ausgelaugt, zum Abendessen wieder ins „La Estancia“. Nach einem aufregenden Tag bin ich am späten Abend wieder im Hostel zurück und gehe nach einem Bier mit vielen Eindrücken ins Bett. Morgen verlassen wir Ushuaia und machen uns auf die rund 1.000km zum Torres del Paine Nationalpark, meinem Höhepunkt auf der Patagonien Tour.

22. Tag (11. Januar 2015)

Magellan Straße

Magellan Straße

Wir verlassen also wieder die südlichste Stadt der Welt und machen uns auf den Weg nach Norden. Wir fahren die gleiche Straße zurück wie wir gekommen sind. In Rio Grande gehen wir wieder in das Café, welches wir bereits kennen und frühstücken dort, bevor wir uns auf dem Weg zur Grenze machen. Hier müssen wir dieses Mal das ganze Gepäck ausladen und nach frischen Früchten durchleuchten lassen. Dies geht jedoch recht schnell und wir können mit zwei weiteren Stempeln im Pass nach Chile einreisen. Die Fähre an der Magellanstraße ist wenig frequentiert, so dass wir gleich auffahren können und so nach einer Stunde Überfahrt Feuerland wieder verlassen haben. Wie schon auf der Hinfahrt sehen wir während der Fahrt mehrere Delfine, welche die Fähre begleiten. Einfach sehr schöne Tiere und toll, sie in der freien Wildbahn zu sehen.

Wir biegen Richtung Puntas Arenas ab und campen wild an einer seit rund zwanzig Jahren verlassenen Schaffarm. Auch der zweite Truck ist heute diese Nacht hier, so dass wir die Leute der andern Gruppe ebenfalls wieder sehen.

Der Ausblick auf die Magellanstraße und die bei heftigem Wind vorüberziehenden Wolken bei der jetzt tief stehenden Sonne ist phantastisch. Gleich am Strand liegt noch ein Schiffswrack zum Anschauen. Ein kleiner Streifzug durch die verlassenen Gebäude der Schaffarm hat auch seinen Reiz. Wir essen zu Abend und man merkt schon, dass es kühler wird. Wir machen ein Lagerfeuer und wärmen uns daran. Es wird jedoch nicht allzu spät und es sind fast schon alle vor Sonnenuntergang in den Zelten. Die Sonne geht jedoch hier auch erst kurz vor 23.00Uhr unter.

23. Tag (12. Januar 2015)

Torres del Paine NP

Torres del Paine

Uh, war das eine frische Nacht. Trotz meines guten Schlafsacks habe in mir mitten in der Nacht einen Pullover angezogen. Wird wohl knapp unter der Frostgrenze gelegen haben, da das Gras Reif zeigt. Ich habe jedoch gut geschlafen und nach dem Frühstück und dem üblichen Zusammenpacken geht’s nun bei Sonnenschein weiter in Richtung Torres del Paine Nationalpark. Landschaftlich ist es wenig aufregend. In Punta Natales machen wir noch einen längeren Stopp um für die Kochgruppen einzukaufen und zu Mittag zu essen. Ich lasse mir zusammen mit Judith einen gegrillten Lachs schmecken, danach schlendere ich noch ein wenig durch die Stadt und kaufe ein paar Kekse für die anstehenden Wanderungen. Die Fahrt zum Torres del Paine Nationalpark ist landschaftlich wieder super schön. Die Straße windet sich durch die hügelige Landschaft und es gibt immer atemberaubende Ausblicke auf das del Paine Massiv und die davor liegenden Seen. Wir machen zwischendurch noch drei Fotostopps. Uns stellt sich ein grandioser Mix aus Wolken, Sonne und dem Bergpanorama dar. Unglaublich.

Am Camp angekommen stellen wir wieder die Zelte auf und machen was zu essen.

24. Tag (13. Januar 2015)

Refugio Pudeto

French Vally

Unser erster ganzer Tag im Park. Nach dem Frühstück fahren wir mit dem Truck zur Anlegestelle des Katamarans am Refugio Pudeto, der uns über den See Peohe zum Refugio Paine Grande bringt, dem Ausgangspunkt unserer ersten Wanderung. Wir haben Gepäck für die Nacht mitgebracht, welches wir im Refugio lassen, da wir hierher zurückkehren und heute Nacht hier zelten werden. Der Katamaran ist schon ziemlich voll, und hier am Paine Grande merkt man deutlich die Hochsaison. Es stehen hier hinter dem Refugio noch Dutzende von Zelten in allen Farben. Wir können unser Zelt noch nicht beziehen, so lagern wir unser Gepäck ein und machen uns in Gruppen auf den Weg zum Gletscher Grey. Wir folgen dem Weg gleich hinter dem Refugio. Es ist schon recht windig, aber uns wird schnell warm, so ziehen wir erst einmal Kleidung aus. Als wir das etwas geschützte Tal verlassen und auf eine Anhöhe kommen wird der Wind stärker. Also wieder Anorak an. Die Ausblicke werden besser. Die Sonne scheint und die Wolken werden über den Himmel getrieben. Es ist verrückt, hinter jeder Ecke ist es wärmer, kälter, mal mit mehr oder weniger Wind. Deshalb bin ich laufend dabei, den Reißverschluss auf- und zuzumachen, die Kappe aufzusetzen und wieder runter zu nehmen, oder die Kapuze des Anoraks aufzusetzen und fest zu ziehen.

Wir kommen an der Lagune Los Patos vorbei und haben den ersten Blick auf den Largo Grey. Der Weg ist ein wenig hügelig. Wir kommen immer wieder an kleinen Tümpeln vorbei und aus jedem der Wasserläufe, die wir queren, kann man seine Wasserflasche auffüllen. Schließlich erreichen wir einen Aussichtspunkt von dem wir einen tollen Blick auf den Gletscher Grey haben. Dieser ist zwar noch einige Kilometer entfernt, aber wir haben heute für diesen Ort exzellentes Wetter und genießen einen freien Blick bis zum großen patagonischen Eisfeld, aus dem alle Gletscher hier entspringen. Es ist unglaublich, wie sich das Lichtspiel zwischen Sonne, Wolken, dem Eis und dem Wasser des Sees aufbaut und ändert, weil alles vom Wind dirigiert wird, der uns fast vom freistehenden Felsen bläst. Dabei haben wir laut Aussage unseres Guides heute gutes Wetter, denn normalerweise ist der Wind hier noch viel stärker, so dass man sich hier kaum aufhalten kann. Es ist kaum vorstellbar. Wir machen uns auf den Rückweg, wobei jetzt jeder für sich in seinem eigenen Tempo geht. Ich lasse mir Zeit und genieße die Aussichten und beobachte die Eisberge auf dem Largo Grey. Wieder zurück im Refugio sind die Zelte noch nicht fertig zum Beziehen, so dass ich die Zeit nutze und einen kleinen Hügel hinter dem Refugio besteige, um den Ausblick auf das Paine Massiv zu genießen.

Wir sitzen im Refugio zusammen und finden heraus, dass es Rotwein im Tetra Pak gibt. So stehen schnell ein paar davon auf dem Tisch und wir unterhalten uns bis zum Abendessen. Es war ein langer Tag, der Rotwein stiegt mir schnell in den Kopf und so verabschiede ich mich sehr früh in meinen Schlafsack.

25. Tag (14. Januar 2015)

French Vally

Wir stehen früh auf, bekommen ein Frühstück im Refugio und starten unseren zweiten Tag im Park. Wir gehen heute ins French Valley. Das Wetter ist atemberaubend. Die Gipfel sind wolkenfrei und wir haben nur hohe Schleierwolken. Der Weg zum Valley führt durch hügelige Landschaft und vorbei an zwei weiteren der unzähligen Seen hier. Die hohen Wolken lösen sich noch auf und wir bekommen Sonnenschein. Die Ausblicke sind zahllos und wunderschön. Im Camp Italiano angekommen beginnt der Aufstieg ins French Valley. Der Weg führt steil über alte Gletschermoränen ins Tal hinein. Der Ausblick auf den wolkenfreien Gipfel des Cerro Pricipal, dessen Gipfel komplett vergletschert ist, ist unglaublich. Wir haben so viel Glück mit dieser freien Sicht. Zudem ist es heute warm und windstill. Wir sind also im T-Shirt unterwegs und genießen es in vollen Zügen. Wir steigen bis zu einem Aussichtspunkt auf. Dort machen wir unsere Fotos und beobachten das von den Gletschern abbrechende Eis, welches mit lautem Donner in die Tiefe stürzt. Nur wenige Minuten weiter des Weges machen wir direkt am Fluss Mittagspause und genießen die Sonne und die Aussicht. Bevor ich umkehre steige ich noch etwas weiter auf. Das Camp Britanico können wir leider nicht mehr erreichten, da wir heute Abend wieder mit dem Katamaran zurückfahren und pünktlich am Anleger sein müssen.

Das Boot am Anleger des Refugio Paine Grande ist voll beladen als es losgeht. Überall müde, aber glückliche Wanderer. Nach einer halben Stunde sind wir wieder auf der anderen Seite des Largo Pudeto am Anleger des Refugio Pudeto zurück und werden von Tig mit den Truck zum Camp zurück gefahren. Dort wartet bereits unser Guide Rob mit gebratenen Würstchen und gutem Essen. So startete die Party gleich im Anschluss daran. Von irgendwoher kommen Rotwein, Rum, Whisky und Wodka und füllen die Becher. Das Lagerfeuer lodert und es werden Geschichten erzählt. Das erste Mal auf dieser Tour komme ich erst ins Bett, als es bereits richtig Nacht ist.

26. Tag (15. Januar 2015)

Torres del Paine NP

Torres del Paine NP

Torres del Paine

Heute ist für die Leute, die nicht den ganzen W-Walk machen, ein Tag zur freien Verfügung. Da ich in der heutigen Kochgruppe bin machen wir zuerst einmal Frühstück, jedoch erst um 09:00Uhr. Die Reste der Party gestern sind schnell aufgeräumt. Nach dem Frühstück reißt der graue Himmel auf und die Sonne scheint. Ich entscheide mich schnell und spontan zu einem kleinen Spaziergang auf den Minador de Condor zu machen, der gleich hier hinter dem Campingplatz liegt. Als ich das Camp verlasse und höher steige merke ich schon, dass der Wind zunimmt. Kurz vor dem Sattel, über den ich hinüber muss, um von hinten auf den Gipfel zu kommen, spüre ich wie der Wind mich kräftig bergan schiebt und muss auf dem Sattel aufpassen, dass ich nicht stürze. Als ich oben ankomme ist der Blick phänomenal. Ich kämpfe aber die ganze Zeit mit dem Wind. Um nicht umzufallen, setze ich mich auf den Boden. Dabei schaffe ich es kaum, die Augen offen zu halten. Ich genieße es aber trotz allem. Es ist wohl einer der schönsten Aussichtspunkte hier im Park. Man hat Sicht in alle Himmelsrichtungen. Ich steige über einen anderen Weg ab, da ich nicht noch einmal über den Sattel will. Deshalb treffe ich etwas weiter unten auf die Straße und gehe am Ufer des Sees zurück.

Wir essen zu Mittag und genießen die Sonne. Es ist richtig warm. Am Nachmittag fährt uns Rob noch mit dem Truck zum Largo Grey. Ich sitze während dieser Fahrt auf den Dachsitzen, als es anfängt zu regnen. Nicht stark; nur einige Tropfen; aber der Wind schleudert diese mir heftig ins Gesicht. Als wir ankommen machen wir eine kleine Wanderung mit einem lokalen Guide. Wir gehen durch einen kleinen Wald runter zum Strand am Largo Grey. Der Regen hält an und die Berge sind wolkenverhangen. Es dauert rund eine halbe Stunde; auf die andere Seite des Strands zu kommen. Dort gibt es noch einen kleinen Rundweg auf einer Halbinsel. Hier haben wir einen schönen Blick auf den Gletscher, der sich auf der anderen Seite des Sees befindet. Der See und das Wetter machen seinem Namen heute Nachmittag jedoch wirklich alle Ehre. Von Sonnenschein zum trüben Regenwetter hat es kaum zwei Stunden gebraucht. So schnell kann es sich hier ändern. Wieder im Camp zurück habe ich noch ein wenig Zeit bevor wir uns wieder ans Kochen machen. Ein letztes Mal Dienst in der Kochgruppe.

27. Tag (16. Januar 2015)

Torres del Paine

Torres del Paine

Torres del Paine

Torres del Paine

Als ich aufwache schaue ich aus dem Zelt auf einen absolut wolkenlosen Himmel. Wow, es wird ein überragender Tag heute. Wir machen uns auf; die Türme anzuschauen. Nach dem Frühstück fahren wir mit dem Truck zum Ausgangspunkt der Wanderung. Schon allein die einstündige Fahrt dorthin ist der Wahnsinn. Es ist keine Wolke am Himmel zu sehen. Sämtliche schneebedeckten Berge sind in ihrer vollen Pracht zu sehen. Man weiß gar nicht wohin man zuerst schauen soll. Als wir ankommen warten die W-Walker bereits auf uns und wir machen uns auf den Weg. Dieser führt über Wiesen ansteigend den Berg hinauf in ein Tal hinein. Als wir höher steigen ergibt sich wieder eine tolle Aussicht in die Weite des Landes. Wir erreichen nach eineinhalb Stunden den höchsten Punkt und haben einen Blick hinunter auf das Refugio El Chileno und das Tal entlang.

Im Hintergrund steht ein schneebedeckter Berg. Es geht also wieder ein paar Höhenmeter hinunter. Als wir das Refugio erreichen machen wir eine Pause. Die Türme sind nicht zu sehen, da diese sich hinter einem Berg verstecken. Weiter führt der Weg leicht ansteigend in einem stetigen Auf und Ab zum Campingplatz Torres durch einen lichten Wald. Ein sehr schöner Abschnitt. In den Bachläufen am Wegesrand können wir unsere Trinkflaschen mit kaltem Quellwasser wieder auffüllen. Von nun an geht’s auf den steilen Schlussanstieg. Dieser führt am Rand einer alten Seitenmoräne über Geröllfelder hinaus. Die Türme sind erst ganz am Schluss auf den letzten Metern zu sehen. Dann aber mit einem richtigen Wow Effekt.

Der Himmel ist immer noch kristallklar und dunkelblau; türkis das Wasser des Gletschersees und dahinter die gigantischen Türmen aus Granit. Ein überragender Anblick. Wir verbringen mehr als eine Stunde dort, sonnen uns bei absoluter Windstille und machen Mittag. Ich kann gar nicht aufhören zu fotografieren. Dann hören wir, dass Kletterer auf dem zentralen Turm unterwegs sind und suchen nach ihnen. Als wir sie in der Wand gefunden haben wird uns erst richtig klar, wie riesig die Türme sind. Unglaublich. Der Aufbruch zum Rückweg fällt mir schwer. Den Abstieg bewältigen wir dann recht locker. Am Refugio machen wir noch einmal Pause und steigen vollends ab. Wieder unten angekommen legen wir uns in die Sonne und lassen erst einmal ein Bier zischen. Was für ein herrlicher Tag.

Als wir wieder im Camp zurück sind hat Rob uns bereits wieder bekocht und wir können uns nach einer Dusche an den gedeckten Tisch setzen. Welch ein Luxus. Ed und ich setzen uns danach mit einer Flasche Rotwein ans Ufer des Sees und genießen einfach nur den Blick auf die Berge. Ben und Judith kommen auch noch vorbei und so bleibt es nicht bei der einen Flasche. Ein schöner Abschluss meines letzten Abends auf einem Campingplatz auf dieser Tour.

28. Tag (17. Januar 2015)

Heute brechen wir nach El Calafate auf, meiner letzten Station. Die Fahrt verläuft ohne große Umstände. An der Grenze brauchen wir etwas länger, da ziemlich viel Andrang ist. Am Nachmittag kommen wir im Hostel an. Ich bringe meine Wäsche zum Waschen und nehme mein ganzes Gepäck aus dem Truck, da es meine letzte Fahrt auf Tortuga war. Als ich wieder das Hostel betrete, denke ich wehmütig an den Tag, an dem wir von hier aus nach Süden aufgebrochen sind. Nun liegen diese Tage schon hinter mir und ich kann gar nicht glauben dass morgen der letzte Tag der Overlanding Tour sein soll.

Wir gehen in die Stadt um Geld zu wechseln und etwas zu Essen für die morgige Tour zum Gletscher Perito Moreno einzukaufen. Wir reservieren noch einen Tisch in einen Steak Restaurant für heute Abend. Als ich aus der Stadt wieder zurück bin lasse ich noch meine Haare schneiden und lade wieder die Batterien der Kamera und des Laptops auf, nach 6 Tagen Camping.

Das Restaurant war eine gute Wahl. Das Steak ist bemerkenswert lecker und die Portion genau richtig für einen großen Hunger. So haben wir noch einen schönen Abschluss dieses Reisetages.

29. Tag (18. Januar 2015)

Perito Moreno

Perito Moreno

Perito Moreno

Perito Moreno

Gestern war es bedeckt als wir nach Calafate gefahren sind. Heute Morgen zeigt sich der Himmel wieder von seiner besten Seite und wir sind auf dem Weg zum Perito Moreno Gletscher. Ein weiteres Highlight von Patagonien. Die beiden Gruppen der Trucks fahren heute gemeinsam in einem Bus los. Wir nehmen die alte Straße zum Gletscher und haben deshalb eine sehr schöne Aussicht auf die verschiedenen Gebirgszüge. Die Sicht ist phantastisch. Wir können sogar den Paine Gebirgszug in rund 100km Entfernung sehen. Nach einem Stopp auf einer Estancia zum Erfrischen geht es weiter. Die Weite der Steppe ist wieder einmal zu erleben. Als wir bereits auf der Halbinsel Magellan und im Nationalpark sind, halten wir an und beginnen einen Spaziergang am Ufer des Sees, mit herrlichem Blick auf den südlichen Teil des Gletschers. Schon aus der Entfernung eine beeindruckende Menge Eis, die vom patagonischen Eisschild herunter fließt. Am Ufer ist die Wasserlinie mit seinen vergangenen Höchstständen gut zu sehen, denn der Wasserspiegel dieses Teils des Sees steigt stark an, wenn der Abfluss durch den Gletscher blockiert wird.

Nach einem Gruppenfoto steigen wir wieder in unseren Bus und fahren schließlich zum Gletscher. Ich lasse die Bootsfahrt aus, um einfach mehr Zeit auf den Aussichtsstegen zu haben, zumal ich vom Schiff aus sicherlich noch nahe genug herankommen werde. So laufe ich auf eigene Faust die sehr gut ausgebauten Rundwege umher und genieße die Aussicht auf das Eis und den dunkelblauen Himmel. Ich bin kaum zwei Minuten dort, als es zu krachen anfängt und ein großer Brocken des Gletschers abbricht und donnernd in den See stürzt. Gleich ein spektakuläres Ereignis in den ersten Minuten! Es ist Hochsaison und es sind jede Menge Leute hier. Man hat aber immer die Möglichkeit die Aussicht zu genießen und gegen später verteilt sich die Menge dann besser. Ich setze mich und esse etwas zu Mittag während ich diesen tollen Blick genieße. Die Eiswand ist rund 50-60m hoch und 4km breit, so dass man nicht an die beiden Enden schauen kann. Die Boote wirken winzig davor. Immer wieder kracht oder donnert es, und es sind im Laufe der Zeit einige kleinere Eisabbrüche zu beobachten. Sehr beeindruckend.

Die Rückfahrt am späten Nachmittag geht deutlich schneller. Ein paar andere und ich lassen uns im Zentrum absetzen, weil wir unbedingt noch ein richtig leckeres Eis essen wollen. Es ist Sonntag und entsprechend voll, so dass wir recht lange warten müssen. Anschließend kaufe ich im Supermarkt einige Flaschen Wein für meinen Abschied heute Abend. Es ist mein letzter Tag auf der Tour. Ich treffe Ed und Sue, sowie Maria und James und wir gehen zusammen ins Steak House, in dem ich gestern schon war. Das Filet war wieder sehr lecker und so gehen wir gestärkt ins Hostel zurück. Im Laufe des Abends sammeln sich die Leute und wir sitzen noch in sehr gemütlicher Runde bei Rotwein und Fingerfood zusammen. Was für ein schöner Abschluss.

30. Tag (19. Januar 2015)

Heute Morgen wieder früh raus, obwohl mein Bus erst am späten Vormittag fährt. Aber der Truck verlässt El Calafate früh und ich will mich noch verabschieden. Wir frühstücken alle zusammen und ich verabschiede mich von jedem persönlich. Schon ein etwas komisches Gefühl, den Truck abfahren zu sehen und nicht mit dabei zu sein.

So habe ich nun Zeit mich wieder zu organisieren, meine gewaschene Wäsche abzuholen und alles wieder neu zu packen. Ich leiste mir ein Taxi zum Bus-Terminal und dann beginnt ein neuer Abschnitt dieser Reise.

Mit der Busfahrt klappt es wunderbar. Der Bus braucht zwei Stunden, um über die Grenze zu kommen und in Puerto Natales habe ich noch eine Stunde Aufenthalt, so dass ich erst nach Neun am Abend in Puntas Arenas ankomme. Es ist aber noch taghell. Da ich keine Ahnung habe, wo mein Hotel ist nehme ich ein Taxi und stelle überrascht fest, dass wir nur rund 100m fahren. Als ich aus dem Taxi steige sind die Leute, die zu Fuß gegangen sind, auch schon da. Meine „längste“ Taxifahrt überhaupt. Nach dem Einchecken habe ich Hunger und suche ein Restaurant. Ich treffe zufällig auf Touristen auf den sonst menschenleeren Straßen und bekomme eine ausgezeichnete Empfehlung hier gleich um die Ecke. Der Lachs schmeckt hervorragend und ich gehe anschließend ins Hotel zurück. Nach vier Wochen wieder einmal den Luxus eines eigenen Zimmers mit Bad. Schön. Ich falle ziemlich müde in das Kingsize-Bett.

Die Antarktische Halbinsel

31. Tag (20. Januar 2015)

Porto Williams

Polar Pioneer

Heute Morgen breche ich nun zu meiner Expedition in die Antarktis auf. Gestern noch dachte ich, ich, ich hätte heute Morgen viel Zeit, aber irgendwie hab ich mich wohl getäuscht. So nehme ich nur schnell eine Dusche, rasiere mich mal wieder, stopfe einfach alles in den Rucksack, frühstücke kurz und bestelle mir das Taxi zum Flughafen. Dort angekommen sind zwar ein paar Leute da, aber eine Gruppe findet sich nicht. So checke ich zum Charterflug ein und warte am Flugsteig auf meinen Flug nach Puerto Williams.

Der Flug verläuft ruhig und wir haben eine sehr gute Aussicht auf den Darwin Gebirgszug südlich von Feuerland. Die Wolken geben den Blick frei auf die unzähligen Gletscher unter uns. Wir landen nach einer guten halben Stunde in Porto Williams. Gleich am Flughafen werden wir vom Veranstalter in Empfang genommen und auf kleine Busse verteilt. Wir fahren zuerst einmal zum Essen in die Lakutaia Lodge. Es gib leckeren Lachs, und danach spazieren wir noch ein wenig in der Sonne, besuchen gleich darauf den südlichsten Jachtclub der Welt und werden dann in die „Stadt“ gefahren. Dort laufen wir ein wenig herum und können kurz darauf an Bord der Polar Pioneer gehen. Es sind noch zwei Stunden bis zur Auslaufen und ich richte mich in der Kabine ein. Bruce aus England ist mein Zimmergenosse. Insgesamt sind wir 52 Passagiere, 22 Mann Besatzung und 7 Leute vom Expeditionsstab. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer kommt aus Australien, wie auch der ganze Expeditionsstab, der Rest teilt sich in Briten, Amis, Kiwis und drei Krauts auf. Die Besatzung kommt aus Russland, da wir auch unter russischer Flagge fahren.

Vor dem Ablegen müssen wir noch die Notfallübung zum Verlassen des Schiffs absolvieren. D.h. alle gehen in ihre Kabinen zurück, holen eine Jacke, eine Mütze und die Schwimmweste. Nachdem wir die Schwimmweste an Deck angezogen haben müssen sich alle in die zwei Rettungsboote setzen. Es ist kuschelig eng dort drin, besonders als dann die Luken geschlossen werden. Zuletzt wird der Motor angelassen. Nachdem alles gut geklappt hat, ist die Übung beendet und wir können das Rettungsboot wieder verlassen. Die Vorstellung, in solch einem Rettungsboot mit 40 Personen bei Sturm und hohen Wellen Stunden oder gar Tage zu verharren, verursacht schon ein recht mulmiges Gefühl.

Dann heißt es Leinen los, wir legen ab und die Reise beginnt. Ich kann es noch gar nicht glauben, es wirkt immer noch irreal. Wir nehmen Fahrt auf und steuern den Beagle Kanal ostwärts. Alle stehen ganz oben auf dem Peildeck und schauen. Vor den Gebirgszügen von Feuerland im Norden sind jede Menge Vögel zu sehen. Plötzlich sehen wir Delphine neben unserem Schiff. Sie begleiten uns eine ganze Zeit lang, ohne dass man allerdings eine Chance hat sie zu fotografieren. Schließlich gibt es Abendessen. Wir sind immer noch im Beagle Kanal. Als wir fertig sind gehe ich wieder an Deck und sehe wie der Lotse von Bord geht. Wir passieren das Wrack der Logos aus den sechziger Jahren und verlassen endgültig den Kanal und vor uns liegt jetzt nur noch die offene See. Es geht raus in die Drake Passage und wirklich in die Antarktis.

Nachdem der Lotse von Bord gegangen ist herrscht „offene“ Brücke. D.h. wir Passagiere dürfen auf die Brücke und zuschauen. Es ist echt spannend und die Sicht ist natürlich die Beste auf dem ganzen Schiff. Wir laufen rund 11 Knoten und die Dünung wird stärker. Die entsprechenden Spucktüten sind schon in den Gängen verteilt. Kurz vor dem Schlafengehen passieren wir Kap Horn an unserer Steuerbordseite. Der Kurs ist nun endgültig SÜD.

32. Tag (21. Januar 2015)

Es war eine unruhige Nacht. Ich werde in der Koje hin und her geschoben. Als ich am Morgen aus dem Bullauge schaue sehe ich hohen Wellengang und einen bedeckten Himmel. Mir geht es verhältnismäßig gut. Nach dem Frühstück gehe ich auf die Brücke. Der Wind liegt bei rund 30 Knoten, also Windstärke 7, die Wellen haben eine Höhe von rund fünf Metern. Wir laufen 11 Knoten Fahrt und dabei rollt das Schiff bis knapp über 20° Kränkung, weil die Dünung schräg von hinten kommt. Ich lege mich wieder hin und stehe zum Mittag wieder auf. So verbringe ich den Tag. Hinlegen, Brücke schauen und was essen. Die Wetteraussichten für heute Nacht und Morgen sind wie heute, nicht schlechter, nicht besser. Gegen Abend überqueren wir die Konvergenzzone. Die Luft kühlt merklich ab und die Wassertemperatur sinkt auf 3°C. D.h. wir haben nun den Atlantik verlassen und befinden uns im Südpolarmeer.

Die Crew startet ein Eisberg-Quiz. Es gilt die genaue Position und Uhrzeit so exakt wie möglich zu schätzen, wo und wann wir den ersten Eisberg sichten. Das Abendessen ist sehr lecker, trotzdem muss ich es unterbrechen. Bin danach gleich zu Bett gegangen.

33. Tag (22. Januar 2015)

Nach einer angenehmen Nacht ist die See vor dem Bullauge nicht mehr ganz so rau, aber das Schiff rollt trotzdem noch merklich. Draußen herrscht seit gestern immer noch Nebel, so dass kaum etwas zu sehen ist. Zum Ende des Tages sollten wir die South Shetland Inseln erreichen und die Drake Passage hinter uns gelassen haben.

Gleich nach dem Frühstück gibt es wichtige Unterweisungen darüber, wie man sich auf Landgängen zu verhalten hat. Gleich im Anschluss wird uns das Einsteigen in die Zodiacs, die stark motorisierten Schlauchboote, erklärt.

Nach dem Mittagessen machen wir unsere Klamotten für die zukünftige Landung in der Antarktis fertig, indem wir diese mit einem Staubsauger absaugen, um wirklich alle pflanzlichen Reste, die sich hauptsächlich in den Klettverschlüssen gesammelt haben, los zu werden. Es ist strikt untersagt, irgendetwas mit an Land zu bringen, ob bewusst oder unbewusst. Deshalb müssen unsere Gummistiefel auch nach jeder Rückkehr aufs Schiff gereinigt und desinfiziert werden, damit Bakterien, Mikroben oder anderes nicht von einer Insel zur nächsten verschleppt werden.

Schließlich erreichen wir die South Shetland Inseln. Die Sicht auf die ersten Inseln ist durch die Wolken eingeschränkt, aber trotzdem ist der Blick auf die Uferlinie der Inseln beeindruckend. Als wir durch den Englischen Kanal zwischen den Inseln fahren, sehen wir vom Schiff aus die ersten Pinguine im Wasser schwimmen. Das Auftauchen zum Luftholen geht so schnell, dass man kaum sehen kann, woher sie kommen und in welche Richtung sie schwimmen. Kurz danach sollen wir uns für unseren ersten Landgang präparieren. Schlicht gesagt, alles anziehen, was man für Kälte und viel Wind benötigt. So eingepackt stehen wir mit unserer Schwimmweste an Deck und warten schon gespannt darauf, in die Zodiacs umzusteigen. Unser Expeditionsleiter Howard prüft die Lage und kommt mit schlechter Nachricht zurück. Zu viel Wind und zu hoher Wellengang. Das bedeutet, dass unsere erste Landung heute ausfällt. Der Geruch der Pinguine liegt jedoch für jeden unverkennbar in der Luft. Als wir wieder unter Deck sind, wird wieder alles ausgezogen. Flexibel wie wir sind, holen wir heute Abend das Willkommen des Kapitäns nach, welches wir dies gestern in der Drake Passage, auf Grund der Wetterbedingen verschoben haben. Die Antarktis begrüßt uns somit ausgesprochen missmutig. Eine halbe Stunde später jedoch reißt der Himmel auf, und die Sonne zeigt sich für uns das erste Mal über dem siebten Kontinent.

34. Tag (23. Januar 2015)

Immer hungrig

Eselpinguin

Heute Nacht sind wir weiter nach Süden in Richtung Gerlach-Straße vorangekommen. Mikkelsons Habour auf Trinity Island ist unser Stopp am Morgen. Wir haben Wind, etwas Sonnenschein und Wolken. Einer ersten Landung in der Antarktis steht nichts mehr im Wege. Es sind überall Eisberge zu sehen und die Inseln sind meterhoch mit Eis bedeckt. Ich drehe das erste Mal meine Marke auf dem Anwesenheitsbrett um und steige die Gangway hinunter, um in eines der Zodiacs zu steigen. Es ist eine etwas wacklige Angelegenheit, aber problemlos machbar. Wir fahren hinüber zu einer Kolonie von Eselpinguinen, die wir auch schon von Bord riechen konnten. Die überschaubare Kolonie befindet sich rund um eine alte Expeditionshütte der Argentinier. Wir werden mit den Zodiacs an Land gebracht, was gar nicht so einfach ist, da der Strand von Eisblöcken bedeckt ist. Nach ein paar vergeblichen Versuchen schaffen wir es doch noch, und ich kann meinen Fuß das erste Mal auf den siebten Kontinent setzen. Was für ein Gefühl!. Die Eismassen um einen herum sind unglaublich und nicht wirklich zu begreifen. Wir legen unsere Schwimmwesten in einen mitgebrachten Sack und können nach kurzer Erläuterung die Pinguin-Kolonie entdecken. Wir schauen uns um, beobachten die Pinguine, die nun im Sommer voll damit beschäftigt sind, ihre Jungen zu füttern und großzuziehen. Wir gehen über ein Schneefeld auf die andere Seite der Insel und finden dort Walknochen, die einfach so dort herum liegen. Auch ein altes Boot ist dort und verwittert sicherlich schon seit Jahrzehnten.

Wir sehen auch noch einen Krabbenfresser (Robbe), die auf dem Eis liegt und sich ausruht. Zudem sind noch verschiedene Vögel am Himmel zu sehen. Als es Zeit wird die Kolonie wieder zu verlassenen, entschließen wir uns, noch ein wenig mit den Zodiacs herumzufahren. So sehen wir noch Weddellrobben auf einer Eisscholle und sogar einen Zwergwal im Wasser. Zudem fahren wir ganz dicht an die steilen Eiswände heran, und so kann man die großen Dimensionen noch bewusster wahrnehmen. Die Eindrücke sind nicht zu beschreiben.

Wieder zurück an Bord ist zuerst das Reinigen der Gummistiefel angesagt. Anschließend muss jeder seine Marke wieder umdrehen, so dass sichergestellt ist, dass alle wieder auch an Bord sind. Leute die dies nicht machen, werden per Durchsage dazu aufgefordert. Denn solange nicht alle Marken umgedreht sind kann die Polar Pioneer den Anker nicht lichten.

Als ich wieder umgezogen bin gibt es auch schon Mittagessen. Währenddessen zieht der Himmel zu und es fängt an zu schneien. Wir streichen unsere nächste geplante Landung an Hydruga Rocks und fahren weiter. Ich lege mich für eine Weile hin und döse weg. Nach dem Abendessen nähern wir uns unserem Ziel. Wir erreichen Cuverville Island von Süden und müssen zwischen großen Eisberge hindurch manövrieren, um schließlich Anker zu werfen. Gleich danach bereiten wir uns auf unsere Landung vor. Wir steigen in die Zodiacs.

Mit den Schlauchbooten fahren wir Richtung Landungsstelle und umkurven dabei das zahllose Eismassen. Die Landung verläuft problemlos und wir stehen am Strand, umringt von zahllosen Eselpinguinen an Land und im Wasser. Es ist leider immer noch grau in grau, und nach kurzer Zeit beginnt es zu regnen und zu graupeln. Wir gehen zu Fuß durch die Kolonie und beobachten dabei die Tiere. Es ist immer wieder erstaunlich, wie viel Zeit man damit verbringen kann, den verschiedenen Tieren in unterschiedlichen Situationen zuzuschauen. Nach einer Weile gehen wir wieder zu den Booten und fahren durch die zahllosen Eisberge. Da wir recht heftigen Wind haben, gibt es Wellen und dabei natürlich einiges an Spritzwasser, so dass wir am Ende unserer Zodiac-Cruise klatschnass waren. Alle sind wieder froh, als wir zurück an Bord sind und die nassen Sachen ausziehen können. Mit dem Schiff geht es anschließend weiter durch die engen Kanäle und an vielen Eisbergen vorbei. Die Fahrt ist so reizvoll, dass ich fast vergesse mich schlafen zu legen.

35. Tag (24. Januar 2015)

Buckelwal

Zwergwal

Seeleopard

Nach einer kurzen Nacht ankern wir vor der Brown Basis in der Skontrop Cove und können gleich einen Buckelwal vom Schiff aus beobachten. Danach noch schnell frühstücken und dann geht es an Land. Wieder mit den Zodiacs fahren wir zur Brown Station, eine von Argentinien betriebene Station. Gleich nach dem Landgang besteigen wir den Hügel hinter der Station und erhalten einen phantastischen Ausblick über die Paradise Bay mit ihren vielen Eisbergen. Diese Bucht erhielt ihren Namen wohl nicht wegen ihrer Schönheit, sondern verdankt ihren Namen eher den außerordentlich guten Fängen der ersten Walfänger hier. Da die Pinguinkolonie hier nicht so spannend is,t beginnen wir eine lange Zodiac-Cruise. Wieder sehen wir Pinguine im Wasser und können mehrmals einen Buckelwal beobachten. Vielen spektakulären Eisbergen mit unzähligen Formen und faszinierenden Farben konnten wir ganz nahe kommen. Am Versuch ein kleines, glasklares Stück Eis für unsere abendlichen Cocktails in der Schiffsbar ins Boot zu hieven scheitert an der sehr glatten Oberfläche und am unterschätzten Gewicht.

Es ist immer noch stark wolkenverhangen, so dass leider das Eis nicht so herrlich leuchtet wie man es erwarten würde. Auf dem Rückweg zum Schiff sehen wir an der Küste noch nistende Kormorane und verweilen dort eine Zeit.

Wieder an Bord und der ganzen Klamotten entledigt gibt es wieder einmal sehr leckeres Mittagessen. Generell muss man sagen, dass die Verpflegung an Bord sehr gut ist. Wir haben heute Nachmittag etwas Zeit, da wir uns auf der Fahrt nach Pleneau Island befinden. Dabei verbringe ich die meiste Zeit an Deck oder auf der Brücke, wo es natürlich deutlich wärmer und angenehmer ist. Während unserer Fahrt durch den berühmten, elf Kilometer langen, Lemaire Canal stehen die meisten auf dem Peildeck um die spektakuläre Durchfahrt in vollen Zügen genießen zu können. Der Kanal ist nur 500m schmal und von bis zu 800m hohen Bergen auf beiden Seiten eingerahmt. Die Gipfel sind heute jedoch nicht zu sehen, da die Wolken tief hängen. Trotzdem bin ich sehr beeindruckt, da wir in diesem Kanal auch noch um diverse Eisberge herum manövrieren müssen.

Gleich danach ankern wir am Rande der Pleneau Bay und befinden uns im Wunderland voll mit Eisbergen in allen Größen und Formen. Wir unternehmen eine mehrstündige Zodiac-Fahrt zwischen den Giganten aus Eis. Gleich nach dem Ablegen kommt ein Zwergwal neugierig ans Boot und umkreist uns mehrfach. Anschließend taucht er unter unserem Zodiac durch. Er ist so nah am Boot das ich von seinem Blas nass werde. Unglaublich und ein absolutes Highlight. Wir fahren weiter und entdecken unzählige Forme, Löcher und Tunnels im Eis. Auf einer flachen Eisscholle treffen wir auf einen Seeleoparden und einen Krabbenfresser. Zwischendurch sind immer wieder Pinguine beim Schwimmen zu sehen. Es ist immer wieder lustig, die Pinguine zum Atmen aus dem Wasser springen zu sehen. Flupp, flupp, flupp. Auch die Farben des Eises sind immer wieder unterschiedlich. Grün unter Wasser und Blau an der Luft.

Wir sind wieder an Bord und essen zu Abend, als die Wolken aufreißen und die Abendsonne noch heraus kommt. Unser Expeditionsleiter entscheidet spontan, nochmal mit den Zodiacs raus zu fahren. Also noch mal rein in die Klamotten und in die Zodiacs. Das Licht ist besonders toll. Das Eis bekommt einen orangenen Überzug und stellt sich wieder ganz anders dar.

Gleich nach dem Losfahren sehen wir drei Buckelwale und fahren in deren Richtung. Sie sind am Fressen und es ist immer wieder die Fluke beim Tauchen zu sehen. Wir verbringen eine ganze Weile mit den Buckelwalen, und als diese schließlich außer Sichtweite sind, schauen wir noch an der Pinguin-Kolonie vorbei und betrachten die Eisberge im sich verändernden Licht. Als wir wieder zum Schiff aufbrechen wollen merken wir, dass die Polar Pioneer bereits Anker gelichtet und Fahrt aufgenommen hat. Es komisches Gefühl, das Schiff in Fahrt zu sehen. Sie werden schon wieder stoppen und uns mitzunehmen, aber trotzdem. So fahren alle Zodiacs dem Schiff hinterher und warten darauf, dass es anhält. Anatoli lass uns nicht zurück! Wir kommen wieder an Bord und erfahren, dass es nötig war das Schiff zu bewegen, da die Eisberge dem Schiff zu nahe gekommen waren.

36. Tag (25. Januar 2015)

Petermann Island

Petermann Island

Während der Nacht sind wir noch ein kleines Stück nach Süden gefahren, ankern in der Penola Straße und besuchen heute Petermanns Island. Da heute Morgen die Sonne scheint stehe ich sofort auf als ich wach werde und gehe gleich an Deck. Ein Buckelwal schwimmt am Schiff vorbei und zeigt seine Fluke. Gleich nach dem Frühstück gehen wir an Land und besuchen eine Kolonie von Adelie- und Eselpinguinen. Da die Tiere in und um die Nester in ihrem eigenen Kot leben kann man leicht am verschmutzten Körper erkennen wer gerade mit der Betreuung der Jungen beschäftigt ist, denn die Tiere, die vom Jagen aus dem Meer kommen sind super sauber.

Zwischen den Pinguinen liegen noch zwei Seeelefanten und lassen sich von dem Trubel um sie herum nicht beeindrucken. Wir schauen den Pinguinen zu, und als wir uns umdrehen haben wir einen weiteren phantastischen Blick auf die sich bis zum Horizont erstreckenden, eisbedeckten Gipfel des antarktischen Festlands. Nach der Rückkehr auf das Schiff gibt es die Chance, ins Südpolarmeer hineinzuspringen. Zuerst bezweifle, dass das jemand tun wird, aber ich werde eines Besseren belehrt. Mehr als zwanzig Leute von uns sind bei 3°C Lufttemperatur ins 0°C kalte Wasser hineingesprungen und gleich wieder unter großem Jubel herausgeklettert. Da kann ich nur noch meinen Hut ziehen. Ich glaube ich wäre gestorben.

Nachdem der Anker gelichtet ist verlassen wir Petermanns Island und machen uns auf den Weg nach Norden. Während des Mittagsessens durchfahren wir erneut den Lemaire Channel und bekommen ein Salatsandwich auf dem Vorschiff serviert. Die Sonne versteckt sich leider wieder, aber wir haben trotzdem viel bessere Sicht als auf dem Weg nach Süden. Das Schiff gleitet ruhig durch den Kanal und die Berge und Eismassen rechts und links sind atemberaubend. Am Nachmittag erreichen wir Port Lockroy auf Goudier Island und gehen an Land. Es ist eine britische Basis, die in den sechziger Jahren aufgegeben worden war, vor knapp zwanzig Jahren jedoch von der Britischen Antarktis Stiftung renoviert und seither betrieben wird. Die große Attraktion ist die Möglichkeit, vom südlichsten Postamt der Welt Postkarten zu verschicken und einen Antarktischen Stempel auf die Marke zu bekommen. Die Basis besitzt auch ein kleines Museum mit all den Gegenständen, die man in den frühen Jahren der Basis verwendet hat, um in dieser Eiswüste überleben und arbeiten zu können. Ein kleiner Souvenir-Laden rundet die Sache ab und bringt ein paar Einnahmen, um die Basis zu finanzieren. Klar ist da ein T-Shirt fällig. Draußen vor der Tür gibt es natürlich wieder Pinguine. Besonders ulkig wirken die Tiere vor dem Fahnenmast mit dem Union Jack. Gleich nebenan besuchen wir noch eine weitere Pinguin-Kolonie. Auch hier sind die Tiere am Füttern ihres Nachwuchses. Auch ein Seeelefant und eine Weddellrobbe sind zu sehen, ebenso ein altes Wal Skelett, welches an Land liegt und hier vom Walfang der frühen Jahre zeugt. Ich versuche einen Wirbelknochen hochzuheben und merke schnell, dass dies kaum möglich ist. Echt überraschend. Kurz bevor wir gehen wollen sehen wir noch einen sehr seltenen Isabelline Pinguin. Er ist auf Grund eines Gendefekts nicht schwarz wie seine Artgenossen, sondern braun.
Auf der Rückfahrt zum Schiff setzt Schneefall ein. Auf dem Schiff riecht alles nach Pinguin, wie schon nach dem unserem ersten Landgang. Ich glaube, den Geruch werden wir erst wieder los, wenn wir am Ende der Reise von Bord gehen. Am Abend ankern wir in einer ruhigen Bucht von Paradise Habour. Es herrscht absolute Windstille und wir haben das erste Mal spiegelglattes Wasser, in dem sich die umliegenden Berge im glimmenden Abendlicht spiegeln. Wir schauen heute Abend noch den Leuten nach, die mit dem Zodiac zu ihrem Schlafplatz gefahren werden. Es gibt die Möglichkeit heute für eine Nacht auf dem Eis zu campen. Ich hatte mich am Nachmittag schon in die Liste eingetragen, aber nach dem Schneefall und dem starken Wind bei Port Lockroy meine Meinung wieder geändert und es vorgezogen, heute in meiner warmen Koje auf dem Schiff zu schlafen. Gereizt hat es mich trotzdem, als ich das Zodiac von der Brücke aus davon fahren sehe.

37. Tag (26. Januar 2015)

Paradies Bay

Paradies Bay

Paradies Bay

Es ist ein schöner Morgen als ich aufstehe. Es gibt sogar ein kleines bisschen Sonne. Die Camper sind schon wieder an Bord zurück und es gibt beim Frühstück unterschiedliche Erfahrungsberichte zu hören. Währenddessen schippern wir zur nächsten Station in die Andvord Bay nach Nekor Habour. Als wir in die riesige Bucht einlaufen haben wir tolles Licht und einen hervorragenden Blick von der Brücke. Als wir ankern und mit den Zodiacs zum Landgang aufbrechen können wir mindestens zehn große Gletscher sehen, die von allen Seiten in die Bucht fließen. Wir gehen nach der Brown Station das zweite Mal auf dem Festland an Land, da die anderen Landungspunkte immer auf vorgelagerten Inseln waren. Auch hier treffen wir auf eine Kolonie von Eselpinguinen und sehen in der Luft die Riesensturmvögel. Am Strand können wir nah an die Gletscherkante laufen. Auf dem Wasser sind unsere Kajak-Fahrer zu sehen und geben einen guten Größenvergleich ab zu den Dimensionen des umliegenden Eises. Die Abbruchkante des Gletschers ist gewaltig hoch und ziemlich erdrückend. Plötzlich ist lauter Donner aus der Ferne zu hören und man sieht, wie riesige Eismassen vom gegenüberliegenden Hochplateau abbrechen und ins Wasser donnern. Die Eisstücke werden dabei in so kleine Stücke zerschmettert, dass das Ganze wie ein Wasserfall aussieht, der aus dem Nichts entstanden ist. Ein atemberaubendes Spektakel auch deshalb, weil diese Abbrüche nicht sehr häufig stattfinden. Im Anschluss daran steigen wir hinter der Kolonie über ein Schneefeld eine Anhöhe hinauf und genießen die phantastische Sicht auf und über die Bucht. Den Rückweg legen wir wir rutschend auf dem Hosenboden zurück, was allen Beteiligten sehr viel Spaß macht.

Auf der anschließenden Cruise umkurven wir viele Eisstücke, die im Wasser schwimmen und können anschließend noch zwei Buckelwale beobachten, die ruhig im Wasser liegen und sich nur sehr langsam in eine Richtung bewegten. Wir stellen den Motor ab und lassen uns treiben, dabei kommen die beiden Tiere recht nahe an uns vorbei. Ich kann es kaum glauben, wie viele Wale ich hier zu sehen bekomme. Ich hatte ja schwer gehofft, Wale beobachten zu können, aber dass es so viele sein werden, konnte ich mir nicht vorstellen. Dies sind immer die Situationen, die so unerwartet sind.

Im Gegensatz zu den beiden Buckelwalen, die ruhig im Wasser liegen, sich überaus langsam bewegen und dabei alle paar Minuten ihren Blas von sich geben, schießen die Pinguine etwas weiter dahinter regelrecht durchs Wasser.

Auf der weiteren Fahrt an Bord der Polar Pioneer ergibt sich eine super Aussicht auf das Festland, da sich die Wolken etwas verzogen haben und die Sonne scheint. Ich halte mich auf der Brücke auf und kann gar nicht lange genug raus schauen. An der Küste sind viele Gletscher zu sehen, die direkt vom Antarktischen Eisschild herunter kommen. Dies ist auch der Grund, warum wir hier auf so viele Eisberge stoßen, die hier auf Grund liegen und umschifft werden müssen. Während der Fahrt können wir weiterhin viele Buckelwale von Bord aus sehen. Bei wieder schlechterem Wetter ankern wir am Portal Point in der Charlotte Bay und steigen gleich in die Zodiacs. Zuerst fahren wir an spektakulären Eisbergen vorbei, beziehungsweise zwischendurch und darüber hinweg, als wir in der Ferne einen Blas von einem Buckelwal sehen. Wir geben Gas und fahren mehrere Kilometer quer über die Bucht. Je näher wir kommen desto größer wird unsere Freude, da wir erkennen, dass es sich um eine Gruppe von mindestens sechs Buckelwalen beim Fressen handelt. Es sind überall Fluken und Flossen, Blas und manchmal auch ein Maul zu sehen. Wahnsinnig eindrucksvoll. Man weiß manchmal gar nicht wo man hinschauen soll.
Zwischendurch ist noch eine Robbe zu sehen, die unseren Weg kreuzt. Pinguine sind natürlich auch zugegen und tauchen wie immer nur für Bruchteile von Sekunden aus dem Wasser auf. Wir merken gar nicht wie schnell die Zeit vergeht. Aber irgendwann wir es kalt, obwohl man obligatorisch dick eingepackt ist, und so machen wir uns auf den Rückweg zum Schiff, werden aber zum Schluss noch von drei Schwertwalen oder Orcas davon abgehalten. Sie sind leider nur aus einiger Entfernung zu erkennen und die Tiere schwimmen sehr schnell. Wir kommen mit dem Boot nicht hinterher, da wir nicht wissen wo sie nach dem Tauchen wieder an die Oberfläche kommen. So machen wir uns nun doch auf die Fahrt zurück zum Schiff und hatten trotz Regen und schlechter Sicht eine beispiellose Fahrt. Nach mehr als drei Stunden sind wir klatschnass wieder zurück an Bord, obwohl wir nur eine „kurze“ Fahrt machen wollten.

Gleich anschließend wurde „Australia Day“ mit einem BBQ auf dem Achtern Deck gefeiert, wobei dies wohl nur die Ausrede war um eine Party zu veranstalten. Jeder bekam einen lustigen Hut aufgesetzt und es gab Glühwein zum Auftakt. Der Grill war schon heiß und das Fleisch brutzelte schon. Die Musik wurde aufgedreht und ich genoss ein großartiges BBQ mit Eisbergen im Hintergrund. Es war für mich auch das erste Mal, dass ich im Anorak und Kapuze mit einem Glühwein in der einen, und mit einer Eiscreme in der anderen Hand zur Diskomusik getanzt habe. Echt verrückt, aber cool.

38. Tag (27. Januar 2015)

Eisskulpturen

Buckelwale

2 Wale -2 Zodiacs

Antarctica

Mit einem leichten Brummschädel geht es zum Frühstück und danach gleich wieder in die Klamotten und mit den Zodiacs raus. Wir sind heute Nacht zum Foyn Habour weiter gefahren und wollen dort das Schiffswrack und die Landungsstelle der frühen Walfänger besuchen. Aber zuerst gilt unsere Aufmerksamkeit zwei Buckelwalen, die sich gerade den Bauch vollschlagen. Wir kommen recht nahe heran und haben einen super Blick auf die imponierenden Tiere. Dann haben wir Zeit um uns das Schiffswrack anzuschauen, und gehen noch spontan an einer Stelle an Land an der zwei alte Holzboote liegen. Als wir dort sind zeigt sich wieder einmal die Sonne und es eröffnet sich uns ein brillantes Panorama.

Wieder zurück an Bord gibt es unmittelbar Mittagessen und gleich im Anschluss geht es wieder in die Zodiacs. Heute ist es ganz speziell, da die Polar Pioneer weiterfahren wird und wir während unserer Fahrt dem Schiff folgen müssen. Wir sind wieder etwas weiter südlich, in der Wilhelmina Bay. Als erstes sehen wir eine kleine Anzahl von Zügelpinguinen. Es sind unsere ersten, die wir zu sehen bekommen und wir sind entsprechend aufgeregt. Wir folgen der Küste, treffen noch auf eine Kolonie von Kormoranen und sind immer wieder von den Formen und dem tiefen Blau des Küsteneises beeindruckt. Es beginnt wieder leicht zu schneien. In einiger Entfernung sehen wir wieder einmal Buckelwale. Auf unserer Fahrt „spielen“ wir zwischendurch noch verstecken, da wir einen Eisberg finden, in dem man mit dem Zodiac hineinfahren kann. Echt lustig. Dann sehen wir Pinguine auf einem Eisberg und fahren hin. Zuerst befürchten wir dass sie das Weite suchen, aber wir nähern uns mit sehr langsamer Fahrt und sie bleiben. Wir stellen den Motor ab und warten darauf was passiert. Es ist eine großartige Show, die wir zu sehen bekommen. Überall um uns herum schwimmen Pinguine, und auf dem Eisberg geht es richtig rund. Unzählige Pinguine springen hinauf und hinunter und können gar nicht genug bekommen. Für uns ist es ein einmaliges Spektakel und wir staunen nur noch, dass wir dies beobachten können. Die Polar Pioneer hat inzwischen gestoppt und über Funk kommt das Signal, dass sich alle zum Schiff aufmachen sollen. Wir waren mal wieder den ganzen Nachmittag auf dem Wasser und haben es kaum gemerkt.

Nachdem wir an Bord sind heißt es Anker lichten, und wir nehmen wieder Fahrt auf. Nach dem Abendessen erreichen wir die Hydrurga Rocks und wollen noch eine Landung durchführen. Der Wind ist stark und die See recht bewegt, weil wir nicht mehr von den Bergen in den Buchten geschützt sind. Bei der Anfahrt zum Strand werden wir schon von einem antarktischen Seebären begrüßt. Wir gehen an Land und befinden uns in einer Zügelpinguin Kolonie. Das Licht ist gut zum Fotografieren und es ergeben sich zahllose Motive. In der Luft sind Möwen und Sturmvögel zu sehen und an Land haben es sich zwei Weddellrobben bequem gemacht. Und natürlich sind auch die Pinguine wieder viel Zeit wert. Als ein Seebär sich auf den Weg ins Wasser macht, nimmt er keine Rücksicht auf eine Gruppe von Pinguin, welche auf dem Rückweg in die Kolonie sind. Sie stürmen auseinander und überschlagen sich dabei fast. Also wenn solch eine Masse an Fleisch auf sie zukommt, können Pinguine durchaus auch an Land recht schnell sein. Eine echte Show. Noch eine Show gibt es kurz darauf, als drei Seebären sich spielerisch im flachen Wasser bekämpfen. Jedenfalls gibt es viel zu beobachten und man ist immer gespannt, was wohl als nächstes passieren wird.

Als wir wieder an Bord sind ist es nicht mehr lang bis Mitternacht. Durch die hellen Nächte geht das Zeitgefühl ziemlich verloren.

39. Tag (28. Januar 2015)

Antarctica

Hydrurga Rocks

Antarctica

Baily Head

Baily Head

Livingstone Island

Livingstone Island

Am nächsten Morgen sind wir auf dem Weg nach Deception Island. Nach dem Frühstück kreuzen wir vor der Einfahrt in den Vulkankegel von Deception Island. Ich frage mich, warum und was Juri, unser Kapitän, eigentlich macht. Wenig später klärt sich das Mysterium auf. Unser Expeditionsleiter Howard gibt grünes Licht für eine Landung an Baily Head. Wir sind sehr überrascht, als wir in die Zodiacs steigen, denn es fällt auf, dass dieses Mal die Schlauchboote von unseren russischen Matrosen gefahren werden und nicht von unseren Expeditionsstab, wie bisher. Später wissen wir auch, warum. Die Landung an Baily Head ist sehr schwierig, da die Wellen am Strand sehr hoch sind. Heute haben wir jedoch Glück, dass es überhaupt möglich ist, was offenbar nur selten der Fall ist. Unser Expeditionsstab war also damit beschäftigt die Schlauchboote am Strand mit den Ankern fest zu machen und den Leuten aus den Booten zu helfen.

Baily Head ist atemberaubend, denn dieser Ort beherbergt die größte Pinguinkolonie der antarktischen Halbinsel mit geschätzten 80.000 Paaren. Als wir an den Strand kommen ist schon jede Menge los. Hunderte Pinguine stehen dort, ebenso viele sind im Wasser. Auf dem Weg in die Kolonie sind ebenfalls Tausende unterwegs. Die Dreckigen sind auf dem Weg ins Meer zur Jagd und die Sauberen laufen zurück zum Nest, um die Jungen zu füttern. Wir laufen bis ganz nach hinten durch, wobei immer darauf zu achten ist, den Nestern nicht zu nahe zu kommen. Es ist ein permanentes lautes Geschnatter zu hören, und auf allen Flächen die Hänge hinauf stehen Pinguine. Es macht einfach sprachlos, so viele Tiere hier zu sehen. Überall gibt es was zu sehen: Kleinere Streitigkeiten, Fütterung der Jungen, Abwehr gegen die Sturmvögel, oder einfach nur das Zusammensuchen von kleinen Steinen für den Nestbau. Man weiß gar nicht wo man zuerst hinschauen soll. Ich gehe wieder zurück an den Strand und will den Tieren noch am und im Wasser zusehen, dabei fällt mir erst jetzt auf, dass auch eine große Anzahl von Seebären am Strand liegt. Auch hier sind noch einige Fotos fällig. Dann ist es auch schon wieder Zeit, die Schwimmweste überzustreifen und ins Zodiac zu steigen, um zurück zum Schiff zu kommen und die riesige Kolonie wieder zu verlassen. Diese Landung stand nicht auf dem Plan, aber Howard hat erkannt, dass die Bedingungen es zulassen und spontan entschieden, die Landung durchzuführen. Echt klasse! Nicht viele Expeditionen haben das Glück hier landen zu können. Wow, wieder einmal ein absolutes Highlight.

Gleich im Anschluss fahren wir durch die spektakuläre Einfahrt in die Caldera des ehemaligen Vulkans, der heute Deception Island bildet. Wir ankern gleich nach der Einfahrt vor der Whalers Bay, einer alten Walfangstation, die Mitte der dreißiger Jahre aufgegeben wurde. Heute kann man die verfallenen Gebäude anschauen. Der Strand ist sehr flach und bietet viel Platz. Beim Herumlaufen stoße ich noch auf zwei Gräber und denke darüber nach, wie das Leben der Männer wohl gewesen sein muss, die hier im antarktischen Sommer für mehrere Monate gelebt und gearbeitet haben. Ich glaube wir können uns dies heute gar nicht mehr vorstellen. Wir schauen uns etwas mehr als eine Stunde um und gehen danach zurück an Bord zum Mittagessen.

Währenddessen lichten wir Anker und machen uns auf den Weg weiter nach Norden. Howard bietet nochmal eine letzte Landung auf Livingstone Island an und zeigt bei seiner Durchsage Verständnis für jeden, der nicht mehr daran teilnehmen will. Aber alle von uns wollen nochmals an Land und haben immer noch nicht genug von der Tierwelt und den Eindrücken des außergewöhnlichsten Kontinents unseres Planeten. So werfen sich alle wieder in die Klamotten, drehen ihre Abwesenheitsmarke am Brett um und steigen in die Zodiacs. Die Wellen sind spürbar und das Spritzwasser fegt über das Boot hinweg. Nigel gibt richtig Gas und bringt uns am Hannah Point an Land. Die Landung ist bekannt für seine vielen Seeelefanten. Und so ist es auch. Gleich in nächster Nähe liegt eine ganze Gruppe, die ein halbes Dutzend Tiere umfasst. Auch die obligatorische Eselpinguin-Kolonie ist vorhanden. Dabei ist es recht spannend zu sehen, wie die Pinguine und Seeelefanten zusammen leben. Ganz konkret steht ein junger Pinguin vor einem Seeelefanten und hat wohl vor, hochzuspringen. Ich überlege mir dabei was wohl der Seeelefant machen wird, wenn der junge Pinguin auf ihm steht. Plötzlich springt der junge Pinguin auf den Seeelefanten und — es passiert einfach nichts, der Pinguin steht stolz auf dem Fleischberg und fängt an mit seinem Schnabel an der Flosse zu picken. Das geht nun aber wirklich zu weit, und der Pinguin wird abgeworfen. Dieser steht jetzt recht verdutzt wieder neben dem Seeelefant, der einfach weiter döst. Es ist einfach sehr lustig anzuschauen.

Es sind auch Weddellrobben, Seehunde, Albatrosse und Möwen zu sehen. Es sind wieder einmal tolle Eindrücke, aber leider zum letzten Mal. Als ich das Zodiac besteige breitet sich ein wenig Wehmut aus, da wir nun die Antarktis wieder verlassen und uns direkt auf die Rückfahrt über die Drake Passage nach Ushuaia machen. In 60 Stunden sollten wir dort sein.

40. Tag (29. Januar 2015)

Drake Passage. Windstärke 7 und hohe Dünung vom Pazifik. Die Polar Pioneer läuft gegen an. Ich liege flach und meine Gedanken kreisen unaufhörlich um die Erlebnisse der letzten Tage.

41. Tag (30. Januar 2015)

Fühle mich wieder deutlich besser als ich aufwache. Stehe auf und genieße den Tag an Bord. Der Wind hat nachgelassen, die Dünung ist dieselbe.

Ich weiß gar nicht wie ich die letzten Tage zusammenfassen soll. Ich hatte das Gefühl, als ob mich irgendjemand auf einen anderen Planeten versetzt hätte. Die letzten Tage sind nicht wirklich zu beschreiben und auch mit gar nichts zu vergleichen was ich je auf diesem Planeten gesehen habe. Ich bin einfach nur sprachlos!

Am Abend erreichen wir den Beagle Kanal und die Schaukelei hat ein Ende. Leider sind damit auch die letzten Stunden dieser Reise angebrochen. Morgen früh gehen wir alle von Bord und jeder macht sich wieder auf den Weg. Ich habe noch eine Nacht in Ushuaia, bevor ich mich endgültig auf den Heimweg mache.

42. Tag (31. Januar 2015)

Kurz nach der Einfahrt in den Beagle Kanal gestern Abend gingen wir vor Anker, um ein paar Stunden zu überbrücken bis der Lotse um 2 Uhr morgens an Bord kommt. Als ich am Morgen aufwache, ist die Polar Pioneer wieder in voller Fahrt. Noch vor dem Frühstück erreichen wir unseren Endpunkt der Reise, Ushuaia. Punktgenau machten wir am Pier fest. Während die Zollformalitäten abgewickelt und unser Gepäck von Bord gebracht wird, gab es ein letztes Mal Frühstück. Dann werden die gestempelten Pässe verteilt und alle gehen von Bord. Jeder verabschiedet sich und anschließend löst sich die Gruppe endgültig auf. Ich mag solche Abschiede nicht und bin froh, wenn es vorüber ist. Ich schnappe mir ein Taxi und fahre zum Hotel. Da ich dort so früh noch nicht aufs Zimmer kann, lasse ich mein Gepäck dort und mache mich zuerst zum Geldwechsler auf. Auf dem Weg dorthin treffe ich auf Susanne und wir verabreden uns in einem Café. Als ich zurück bin verbringen wir dort den ganzen Vormittag. Es hat mich sehr gefreut und war recht unterhaltsam. Die Stadt ist nicht sehr groß und so stoße ich den ganzen Tag über auf Teilnehmer unserer Antarktis-Reise. Nach dem Café besuche ich das alte Gefängnis, auf Grund dessen die Stadt gegründet wurde und das heute ein Museum ist. Es ist recht interessant und es gibt auch vieles über die Entdeckung der Antarktis zu erkunden. Während ich dort bin geht ein heftiger Schauer nieder, und ich warte bis er vorüber ist bevor ich ins Hotel zurück gehe und mein Zimmer beziehe. Was für ein Luxus an Platz, Raum und Privatsphäre. Am Nachmittag mache ich mich auf, um durch die Souvenirläden zu schlendern, komme jedoch schnell zum Ende. Anschließend verbringe ich noch ein wenig Zeit im Hotel und gehe gegen Abend zum Hafen, um das Auslaufen der Polar Pioneer zu sehen. Es dauert ein wenig und so genieße ich bei Sonnenschein die Aussicht auf den Beagle Kanal und schaue auch noch ein wenig den Möwen zu. Als das Schiff wieder auf Fahrt geht, ist es ein komisches Gefühl, nur zusehen zu können und nicht mit an Bord zu sein.

Ein sehr gutes Steak und ein kühles Bier sind noch ein großer Genuss am letzten Abend.

43. Tag (01. Februar 2015)

Heute Morgen hat mich zum Abschied ein wunderschöner Sonnenaufgang geweckt. Ich packe meinen Kram wieder zusammen, gehe frühstücken und lass mich vom Taxi zum Flughafen bringen. Dort treffe ich einige meiner Antarktisfahrer wieder, die mit dem selben Flug nach BA unterwegs sind. So können wir uns während der Wartezeit noch unterhalten. Nach dem Aufenthalt in BA geht es weiter nach Sao Paulo. Als ich durch den Zoll gehe, spricht mich ein Zöllner auf meinen Hut an. Er sagt, er habe früher eine Zeit lang in Bielefeld gelebt, und so ergibt sich ein nettes Gespräch. Es ist immer wieder erstaunlich welche Menschen man treffen kann.

44. Tag (02. Februar 2015)

Nach einem unruhigen Flug komme in nach dem Mittag in Frankfurt an, schnappe den nächsten Zug und bin wieder zu Hause.