9. Tag (12. April 2013)

Estancia Los Potreros

Nach einer sehr regnerischen Nacht haben wir einen ruhigen Start. Ich stehe erst auf als ich den abfahrenden Truck höre. Als ich aus dem Zelt schaue hat es bereits aufgeklart und die Sonne kommt zaghaft hervor. Es scheint ein schöner Tag zu werden. Nach dem Frühstück bin ich in der ersten Gruppe die heute Reiten gehen wird. Der Himmel ist mittlerweile stahlblau und die Sonne strahlt.

Wir machen uns bereit. Bekommen einen „gut“ aussehenden Helm auf und werden entsprechend eingewiesen. Ich bekomme einen braunen Hengst, der auf den Namen Aposada hört. Als wir alle aufgesessen sind geht es auch los. Aposada ist sehr gut trainiert, deshalb bin ich ohne Probleme in der Lage ihn entsprechend zu führen. Wir machen im Großen und Ganzen eine Runde um die Farm. Dabei geht es immer wieder hoch und runter. Der Boden ist sehr steinig, wir durchqueren noch zwei Bachläufe und nähern uns wieder von der anderen der Farm. Es macht richtig Spaß mal wieder auf einem Pferd zu sitzen und gemütlich über Stock und Stein durch die Natur zu reiten. Ich bin freue mich schon jetzt darüber, dass wir morgen noch einmal aufs Pferd dürfen.

Am Nachmittag, als die zweite Gruppe gerade zum Reiten aufbricht mache ich mich zu Fuß auf den Weg die umliegenden Hügel zu erkunden. In der Luft riecht es nach Minze, was mir auch schon beim Reiten aufgefallen ist. Es gibt keinen Weg den ich gehen kann, so dass ich einfach querfeldein laufe. Es gibt keine Büsche oder Bäume, so dass man einen sehr guten Blick hat. Als ich die ersten Höhen erreiche eröffnet sich bereits ein herrlicher Blick bis hinunter in die Ebene. So durchstreife ich die doch recht karge Landschaft und finde es lustig wie bei jedem Schritt ein Dutzend oder mehr Grashüpfer um mich herumspringen. Oben angekommen genieße ich den herrlichen Blick und setze mich für eine Weile auf einen Felsen und gehe danach einen anderen Weg wieder zurück.

Am Abend sind wir erneut von Kevin eingeladen. Es gibt bei ihm im Haus eine Weinprobe. Die Farm von Kevin gehört zu den ältesten Farmen des Landes. Urkundlich bereits im 16. Jahrhundert erwähnt. Das heutige Haus ist bereits rund 300 Jahre alt und von Kevin innen mit altem Mobiliar stilvoll eingerichtet. Es besitzt einen ganz eigenen Charme und man fühlt sich automatisch wohl, wenn man den Raum betritt. Dazu tragen natürlich ganz entscheidend der offene Kamin und das darin lodernde Feuer bei. Wir sitzen alle in einer großen Runde. Zuerst gibt es einen speziellen argentinischen Weißwein der recht gut mundet. Danach wird ein dunkelroter Malbec serviert, der mittlerweile durch die hohe argentinische Qualität weltweit bekannt wurde. Die Traube kommt jedoch ursprünglich aus Frankreich, woher auch sonst. Als dritten Wein gibt es einen süffigen Cabernet Sauvignon und zu guter Letzt erneut einen argentinischen Weißwein. Da bei dieser Weinprobe immer kräftig nachgegossen wurde tat dies bei mir auch recht schnell seine Wirkung. Etwas später im „Spielzimmer“, dem Haus in der dann das anschließende Zusammensitzen stattfand taten die restlichen Gläser ihr übliches und ich habe mich dann irgendwann ins Zelt verkrochen.