22. Tag (25. April 2013)

La-Cumbre-Pass

North Yungas Road

North Yungas Road

North Yungas Road

Früh am Morgen werden wir abgeholt. Sechs aus unserer Gruppe wollen heute die „Death Road“ bezwingen. Wir fahren mit einem Minivan und den Rädern auf dem Dach auf den Pass hoch. Dort bekommen wir unsere Ausrüstung. Zuerst einmal eine winddichte Jacke und Hose, sowie Handschuhe, Helm und einen Buff. Die Fahrräder mit Vollfederung sind modern und gut in Schuss. Wir werden kurz eingewiesen und dann geht es auch schon los. Wir starten in 4.700m Höhe und die ersten 1.000m Höhenmeter folgen wir der modernen Straße, die asphaltiert und gut ausgebaut ist. Wir lassen es richtig laufen und machen zwischendurch immer mal wieder einen Stopp. Es macht unheimlich Spaß, die Kurven zu schneiden und die langsamen LKWs zu überholen und hinter den anderen herzujagen. Es sind 12km, die auch durch eine faszinierende Hochgebirgslandschaft führen. Wir alle sind gute Radfahrer und so schaffen wir die Strecke super schnell. Unten angekommen bezahlen wir noch schnell unsere Touristen-Steuer und verladen unserer Räder wieder auf den Van, weil keiner von uns den nächsten Streckenabschnitt hochfahren will. Diese 8km fährt gewöhnlich niemand mit dem Rad. Oben angekommen biegen wir in die alte Straße ab, die eigentliche „Death Road“. Dort halten wir und machen uns startklar.

Die North Yungas Road hat ihren inoffiziellen Namen bekommen, weil sie bis vor knapp acht Jahren die einzige Verbindungsstraße zwischen dem Amazonas Tiefland und La Paz war. Die Straße ist nicht asphaltiert und nur einspurig. Zudem gibt es keinerlei Sicherungen am Straßenrand, neben dem es zumeist mehrere hundert Meter in die Tiefe geht. Wie man sich gut vorstellen kann gab es enorm viele Unfälle, bei denen Fahrzeuge abgestürzt sind, speziell bei Nebel, Regen oder viel Verkehr, da die Ausweichstellen schmal und dünn gesät sind. Es starben mehrere hundert Menschen pro Jahr auf der in den dreißiger Jahren gebauten Straße.

Wir fahren also los und konzentrieren uns auf die Steine und kleinen Felsen auf der Straße. Auch die Kurven haben es in sich. Aber der Ausblick ist grandios. Wir wurden angewiesen auf der linken Seite der Straße zufahren, da dies die einzige Straße is,t auf der aus Sicherheitsgründen Linksverkehr in Bolivien vorgeschrieben ist. Grund ist, dass der Fahrer der bergab fährt aus seinem Fenster sehen kann, wie viel Platz er noch bis zum Abgrund hat. Ich halte mich nicht daran und fahre auf der Bergseite. Dies ist heute aber auch kein großes Problem mehr, da es so gut wie keinen Verkehr gibt. So fahren wir die erste Etappe der 42km und ich merke schnell, dass ich heute wohl die rote Laterne habe werden. Ist mir aber auch egal, weil ich mein Fahrrad lieber jeder Zeit unter Kontrolle behalten möchte. Schon beim ersten Stopp ziehe ich einige Klamotten aus, weil es bereits merklich wärmer geworden ist. Ich genieße die Fahrt und die Aussicht, für die während der Fahrt nicht viel Zeit bleibt, weil einfach die Straße die volle Aufmerksamkeit verlangt. Auf dem Aussichtspunkt „Hubschrauber“ kann man einen großen Abschnitt der Strecke sehen, die sich immer am Berg entlang schlängelt. Die Bergflanken sind im Gegensatz zur Passhöhe über und über mit Grün bewachsen. So teilen wir die Strecke immer in einzelne Abschnitte und machen an speziellen Stellen noch Gruppenbilder. Die Strecke ist aufregend und man kann das Erlebnis gar nicht beschreiben. Zwischendurch erzählt David, unser Guide, noch von den schlimmsten Unfällen, darunter auch von Touristen, die beim Fahrradfahren abgestürzt sind und getötet wurden. Echt beängstigend, aber umso mehr konzentriert man sich und nimmt die Sache ernst. Eine der aufregendsten Stellen der Strecke ist die am Wasserfall. Hier stürzt das Wasser aus einem Felsüberhang direkt auf die Straße, so dass es von oben Nass wird und unten das Wasser über die Straße fließt und der Untergrund glitschig ist. Zudem ist die Stelle noch recht schmal und es geht links senkrecht nach unten. Wir alle passieren die Stelle problemlos. Weiter geht es nach unten, es folgen immer wieder sehr enge Kurven, deren Fahrbahnbelag oft nur aus großen Felsbrocken besteht und man den Lenker richtig festhalten muss. Die Stöße sind trotz Vollfederung kräftig zu spüren. Je länger wir unterwegs sind, desto mehr Spaß macht es. Speziell die Rechtskurven in denen man gerade aus nur den Himmel sehen kann. Weiter unten wird die Straße etwas breiter und auch die Klippe links ist nicht mehr ganz so steil. Kurz bevor wir endgültig unser Ziel erreichen durchqueren wir noch zwei Flussläufe und kommen nach knapp drei Stunden auf der „Death Road“ in Yolosa auf 1.200m Höhe an. So sind wir heute 3.500 Höhenmeter hinuntergefahren. Das ist mehr als man bei einem Fallschirmsprung frei fällt. Einfach grandios und nicht zu beschreiben. Würde es gleich wieder machen.

Unten gibt es dann zuerst einmal ein Bier zur Erfrischung und in allen unseren Gesichtern kann man die Euphorie erkennen.

Ich entschließe mich gleich noch einen drauf zu setzen und werde noch seilrutschen. In einem kleinen Büro bekomme ich meine Ausrüstung, die im Wesentlichen aus einem Klettergurt und der Laufrolle besteht. Dann klettere ich auf die Ladefläche eines kleinen Lastwagens und werde die Straße wieder ein wenig nach oben gefahren. Dort angekommen geht es auch gleich los. Ich werde eingeklinkt und sause mit viel Tempo am Stahlseil hängend über die Schlucht. Unter mir sind sicherlich 300m Luft. Es ist ein herrlicher Blick, der Wind weht einem um die Nase und es macht viel Spaß. Die ganze Sache ist in drei Abschnitte aufgeteilt und führt drei Mal über die Schlucht, so dass man nach dem ersten Abschnitt gleich noch zweimal über das Tal sausen darf bis man wieder unten im Ort angekommen ist.

Die anderen sind bereits im Animal Rescue Resort, welches sich gleich in der Nähe befindet, und als ich dort ankomme kann auch ich eine Dusche nehmen und zu Mittag essen. Es ist ein schöner Ausklang einer begeisternden Tour. Wir schauen uns noch ein wenig um, betrachten die Tiere und genießen die warmen Temperaturen hier unten.

Für den Rückweg haben wir uns wieder für die „Death Road“ entschieden. Wir brauchen rund 90min mit dem Minibus und ich kann nicht wirklich sagen, was aufregender ist. Im Bus hat man Zeit aus dem Fenster zu schauen und die Abgründe zu sehen. Auch sind teilweise zwischen Rad und Abbruchkante nur zwanzig Zentimeter.

Wieder im Hotel zurück machen wir uns fertig für das gemeinsame Abendessen. Es ist Dragoman Tradition, dass man sich hierzu in La Paz verkleidet. Unsere Verkleidung heute musste mit einem „B“ beginnen. Richard und ich haben uns als Banditen verkleidet. Nadia als Badgirl, die Schweizer Jungs als Blues Bothers, Luzy als Begonie, Sarah als Beauty and the Beast, zudem gab es drei Butterflies, zwei Bierflaschen und zwei Ballons. Den Vogel abgeschossen hat jedoch John, der sich als Bolivianerin verkleidet hatte. Jedenfalls war es ein schöner und geselliger Abend mit viel Rotwein.