20. Tag (23. April 2013)

Potosi - Roadblock

Potosi - Miners Market

Potosi - Cerro Rico

Potosi - Cerro Rico

Potosi - Cerro Rico

Heute fahren wir nach Potosi weiter, dabei verlieren wir Che, Teal und Erin, die hier ihre Tour beenden und auf eigene Faust noch länger in Bolivien bleiben wollen. Somit sind wir nur noch 17, da in San Petro bereits Halley die Tour verlassen hat und nach Santiago zurückgefahren ist. Also mehr Platz im Truck. Die Strecke heute ist nicht sehr lang, aber wieder einmal zieht eine sehr sehenswerte Landschaft an den Fenstern vorbei. Wir fahren wieder hoch und erreichen die höchstgelegene Stadt der Welt in 4.100m. Ich muss mir dies immer wieder vor Augen führen um es überhaupt glauben zu können.

Kurz nach Mittag erreichen wir Potosi und stehen vor einer Straßensperre. Irgendwelche Leute streiken mit einer Straßensperre gegen irgendwas. Uns bleibt also nichts anderes übrig, als auszusteigen und zu Fuß zum Hotel zu gehen. Unser Gepäck und der Truck bleiben zurück. Yves bleibt beim Truck und muss den ganzen Nachmittag warten, denn die Straßensperre wird erst gegen 18.00Uhr aufgelöst.

Es geht immer bergauf und wir brauchen rund 45min. Dabei laufen wir fast durch die ganze Stadt, sehen viele Leute auf der Straße und genießen es, dass keine Fahrzeuge unterwegs sind, sondern nur Fußgänger. Gelegentlich versuche ich noch Fotos von Einheimischen zu machen. Dabei muss ich recht schnell sein und am besten versteckt auf den Auslöser drücken. Der Aufstieg zum Hotel ist schon mal ein guter Test für den Inca Trail in 4.000m Höhe. Das Hotel ist sehr nett und wir können sogar noch eine Tour in die Silbermine buchen.

Wir fahren zu viert zum Berg Cerro Rico hinauf, machen aber erst einmal Halt um eingekleidet zu werden. Es gibt Gummistiefel, einen wackeligen Helm, eine elektrische Helmlampe und eine Jacke, sowie eine Hose zum drüberziehen. Dann gehen wir auf den Bergmanns Markt und schauen uns dort um. In einem Laden wird uns erklärt wie die Bergleute arbeiten. Coca Blätter kauen ist ein Muss. Dazu natürlich Zigaretten und auch viel Alkohol, wobei dieser als Konzentrat mit 96% verkauft wird. Gleich daneben liegen Dynamitstangen und Ammoniumnitrat-Päckchen im Regal. Dazu gibt es natürlich Zünder und Lunten. Dies alles ist hier frei verkäuflich, jedoch gibt es seit zwei Jahren die Einschränkung, dass kein Dynamit mehr an Touristen verkauft wird.

Dann fahren wir zum Mine. Wobei man vorausschicken muss, das es keine Mine im industriellen Sinne ist. Jede Kooperative hat hier ihr Grubenfeld und gräbt ihre Löcher. Es gibt keinen Plan wie dies stattfindet, sondern es wird immer einer Mineralader entlang gegraben. Wir steigen ein. Es geht zuerst über eine wackelige Holzleiter hinein und gleich danach klettern wir durch einen engen Stollen weiter nach unten. Hier unten folgen wir unserer Führerin. Die Stollen sind zum Teil so niedrig, dass wir großen Westeuropäer fast auf allen Vieren kriechen müssen. Zudem sind die Stollen wirr mit Wasserschläuchen und elektrischen Leitungen durchzogen. Während wir im Stollen stehen und den Ausführungen unserer Führerin lauschen, hören wir plötzlich Detonationen. Sie sind recht nah und der Fels um uns herum vibriert. Uns wird erklärt, dass Bergmänner in einem anderen Stollen, in rund 40m Entfernung gerade 25 Ladungen zur Explosion bringen. Schon davor waren in unserem Stollen Explosionsgase zu riechen. Echt beängstigend! Auf meine Frage, woher die Bergleute wissen, dass der Berg oder Stollen nicht kollabieren wird, lautet die Antwort einfach: „Sie wissen es nicht!“ Wir gehen weiter über einfache Holzbretter, die über Löcher gelegt werden und besichtigen vertikale Stollen, die fast hundert Meter in die Tiefe reichen. Einige Male sehen wir, wie an der Decke große Felsblöcke mit einfachen Holzbalken abgestützt sind und keiner weiß, wie lange diese noch halten werden. Auf Nachfrage wurde erklärt, dass dieses Jahr bereits zwei Bergleute gestorben sind. Etwas ausweichend wurde die Frage beantwortet wie viele Bergleute durchschnittlich in Jahr sterben. Aber durch die Anzahl von 15.000 Bergleute, die hier arbeiten werden es wohl einige sein. Niemand weiß dies wohl so ganz genau.

Laut der „Schwarzen Legende“ wird angenommen, dass in den letzten 300 Jahren durch diesen Berg rund 8 Millionen Menschen gestorben sind. Die meisten wohl an Staublunge, Erschöpfung oder Krankheiten. Dabei waren die meisten Opfer indianischer Abstammung, aber auch Sklaven aus Afrika. Auch wenn es nicht so viele gewesen sein sollten, so werden es wohl Tausende gewesen sein. Und das alles, um dem ehemaligen Vulkan die unglaubliche Menge von 45.000 Tonnen reinen Silbers zu Tage entreißen.

Als wir wieder über Tage ankommen, bin ich recht froh und erleichtert. Es war eine unglaubliche Erfahrung, die ich aber sicherlich nicht noch einmal machen möchte. Nicht umsonst gilt die Mine von Potosi als eine der gefährlichsten Minen der Welt. Ich weiß jetzt auch warum.

Als wir vom Abendessen zurück sind ist der Truck immer noch nicht da. Nadia war schon im Taxi unterwegs um ihn zu suchen. Ein paar von uns stehen vor dem Hotel, um ihn abzufangen falls er in Sicht kommt. Als Nadia das zweite Mal ins Taxi steigt sehen wir ihn und winken ihn zum Parkplatz. Yves hatte 4 aufregende Stunden im Stau und bei der Polizei hinter sich, weil er in den engen Gassen wohl ein paar Autos geschrammt hat. Aber es scheint nun geregelt. Da einige von der Gruppe bereits im Bett sind, entscheiden wir uns dazu das Gepäck nicht mehr auszuladen. So geht es morgen früh auch schneller. Nächste Dusche La Paz.