16. Tag (19. April 2013)

Licancabur

Atacama Wüste

Vally of the Moon

Vally of the Moon

Vally of the Moon

Nach einer angenehmen Nacht habe ich im Städtchen, in einer kleinen Bar gefrühstückt. San Petro de Atacarma ist ein kleines Wüstenstädtchen mitten in der trockensten Wüste der Welt. Dies kommt daher, dass sich dieser Talkessel von der Anden Cordillera im Osten und der Cordillera Domeyko im Westen begrenzt wird. Das Städtchen selbst ist recht überschaubar und auf Tourismus eingestellt. Die Häuser sind aus Lehmziegel gebaut und nur einstöckig. Da es hier nie regnet sind die Dächer auch eher für den Sonnenschutz und gegen die Kälte der Nacht. Ansonsten befinden sich in der Hauptstraße recht nette Restaurants, Shops für den täglichen Bedarf und jede Menge Büros, die irgendwelche Touren anbieten.

Am Nachmittag schlendere ich ein wenig durch das Städtchen und schaue mir die Gegend an. Die Anden Cordillera im Hintergrund mit ihren Fünftausendern ist sehr sehenswert. San Pietro ist nur in der Hauptstraße recht nett, der Rest der Stadt ist eben ein Nest in der Wüste. Nach einer Weile treffe ich noch ein paar Mädels aus unserer Gruppe und wir setzen uns am Hauptplatz der Stadt in ein Café und trinken etwas im Schatten der Bäume und eines Sonnenschirms. Am Nachmittag ist es angenehm warm, heute Morgen war es recht frisch und ich bin gespannt wie die Temperaturen sein werden, wenn wir heute Abend zum Sonnenuntergang in das Vally of the Moon aufbrechen. Danach soll dann Sterne gucken angesagt sein. Ich hoffe, dass es stattfinden wird, da es gestern Abend bei der anderen Gruppe abgesagt wurde.

Wir fahren heute Abend gemeinsam mit dem Truck in das Vally of the Moon. Dabei können wir sogar auf den Dachsitzen des Trucks platznehmen und haben einen fabelhaften Blick, während Nadia den Truck langsam durch das Tal steuert. Die Felsformationen um uns herum sind etwas unwirklich, sehen aus als wäre leichter Schnee darauf gefallen, aber es ist pures Salz. Durch die untergehende Sonne ergeben sich tolle Schattenwürfe und auch die Formationen selbst sind schön anzuschauen. So fahren wir bis zum Ende, machen dort eine kurze Pause und drehen dann wieder um. Am Parkplatz machen wir Halt und begeben uns zu Fuß auf einen Grat, um den Sonnenuntergang zu beobachten und die Farbenspiele an den Bergen. Wir sind ein bisschen spät dran, und so beeile ich mich nach oben zu kommen und beginne auch gleich die Höhe zu spüren. Zwar sind wir nur 2.600m hoch, aber ich schnappe trotzdem nach Luft. Bin jedoch gerade noch rechtzeitig oben, um die Sonne hinter den Bergen verschwinden zu sehen und die Farben an den gegenüberliegenden Bergen. Es ist wunderbar und mir gelingen auch noch ein paar gute Fotos. Inzwischen haben sich auch die Wolken über den Bergen verflüchtigt, so dass unserem Sternegucken wohl nichts im Wege stehen wird
Nach dem Abendessen werden wir an der vereinbarten Bushaltestelle abgeholt und fahren etwas aus der Stadt heraus. Meine Augen gewöhnen sich schnell an die Dunkelheit, wobei es durch den Halbmond gar nicht so rabenschwarz ist wie angenommen. Zuerst einmal werden wir begrüßt, und jeder der möchte bekommt eine Decke gegen die Kälte. Als erstes sagte uns Less, dass wir mit bloßem Auge nur Sterne aus unserer Galaxie, der Milchstraße, sehen können, was mich gleich mal überrascht. Dann zeigt uns Less ein paar Sterne und Sternbilder am Himmel. Dies funktioniert wunderbar, da er dazu einen sehr starken Laserpointer benutzt und es so aussieht, als würde er damit den Stern direkt anleuchten. Weiter erklärt er sehr anschaulich und witzi,g wie Menschen früher den Himmel betrachtet und interpretiert haben. Dabei wird mir auch klar, warum es heute „im 7. Himmel“ sein heißt. Damals glaubten die Menschen, dass alle Sterne auf einer Sphäre angeheftet sind. Dann beobachteten sie, dass es fünf bekannte Planten inkl. des Mondes und der Sonne gab, die alle unterschiedliche Umlaufzeiten hatten, so dass es für jede Umlaufgeschwindigkeit eine Sphäre geben musste. Die Siebte Sphäre umschloss dies alles.

Dann zeigte er uns die Sternzeichen und deren Stellung am Firmament und erklär,t wie es wohl dazu gekommen ist und in etwa, wie die Menschen früher bestimmte Zeitpunkte im Jahr festhielten. Das berühmteste Beispiel dafür wird wohl Stonehenge gewesen sein.

Zwischendurch sehen wir noch zwei Sternschnuppen, eine vielleicht so groß wie ein Sandkorn, die zweite doch schon so groß wie eine Walnuss, oder etwas größer. Selbst Less war davon überrascht.

Die Dimensionen im Universum werden auch sehr interessant erklärt und die Zeit vergeht sehr schnell. Anschließend gehen wir an die Teleskope. Neun Stück sind für uns aufgebaut Damit können wir den uns nächstgelegen Stern beobachten, Alpha Zentauri in einer Entfernung von nur 4 Lichtjahren. Durch das Teleskop ist sehr schön zu erkennen, dass es sich dabei um einen Doppelstern handelt. Sein Bruder Beta Zentraui ist bereits 500 Lichtjahre entfernt. Knapp über dem Horizont ist Sirius zu erkennen. Hier ist das Tanzen des Sterns durch die Atmosphäre sehr gut zu erkennen. Durch ein zweites Teleskop können wir Saturn mit seinen Ringen sehen. Wenn man ganz genau hin schaut, sogar auch zwei seiner Monde. Ein drittes Teleskop ist auf einen O-Stern gerichtet. Dieser Stern ist in einer reinen blauen Farbe zu sehen, weil er so viel ultraviolettes Licht abstrahlt. Faszinierend! An alles was wir in den anderen Teleskopen sehen konnten, kann ich mich nicht erinnern, jedoch war es sehr spannend und ziemlich unterschiedlich. Was jedoch sehr leicht zu erkennen war, ist die Rotationsgeschwindigkeit unserer Erde. Wir mussten nämlich nach ein paar Minuten die Teleskope nachstellen. Man glaubt kaum, dass sich alles dreht.

In einiger Entfernung sehen wir auch noch die ALMA Baustelle, wo gerade das weltgrößte Teleskop gebaut wird. In 3.000m Höhe wird die Konstruktionen gebaut und dann auf 5.000m Höhe auf der Altiplano installiert. Fertiggestellt werden sollen die 66 verschiedenen Teleskope noch in diesem Jahr.

Zum Schluss haben wir uns dann alle noch bei einer heißen Schokolade in einer großen Runde im Haus aufgewärmt und es war „Fragestunde“. Es hätte für mich einfach so weitergehen können, aber die Tour war zu Ende und ich war ein bisschen erschrocken, dass es bereits halb Zwei war.