12. Tag (29. November 2011)

Cu Chi Tunnel

Cu Chi Tunnel

Heute Morgen hat uns der Wecker aus den Federn geholt. Die Nacht war deutlich besser als die vorhergehende. Wir fahren heute nach Cu Chi, um uns ein Vietcong-Tunnelsystem anzuschauen und werden mit einem Bus abgeholt. Wir quälen uns ein wenig durch den Verkehr nach Nordwesten aus der Stadt und halten überraschenderweise an einem Souvenir-Laden an. Opfer von Agent Orange fertigen hier bemalte Vasen und vieles mehr an. Ich bin etwas irritiert, da die Leute keinerlei Werkbänke und vernünftige Arbeitsmittel besitzen, die ihren speziellen Anforderungen entsprechen. Vielmehr sitzen sie auf dem Boden oder kleinen Plastikhockern und arbeiten auf den Knien. Dazu passt auch, dass der an die Werkstatt angeschlossene Laden etwa vier Mal so groß ist wie die Werkstatt. Es zeigte sich also mal wieder deutlich, dass es hier nur darum geht, die Touristen abzuziehen. Ich kann es einfach nicht mehr ab.

Wenig später sind wir endlich auch in Cu Chi angekommen und besuchen das Gelände. Zuerst müssen wir einen Propagandafilm aus den Siebzigern anschauen, in dem gezeigt wird, wie gemein die amerikanischen Soldaten und wie heroisch die „Freiheitskämpfer“ doch waren.

Nachdem dies überstanden ist geht es zu den interessanteren Sachen. Zuerst wird uns ein versteckter Eingang zum Tunnelsystem gezeigt, durch den der Vietcong verschwinden konnten. Die Öffnung ist nur 40×25cm groß. Ich habe es aber trotzdem geschafft mich hineinzuzwängen und den Deckel zu schließen. Die Öffnung an sich war nicht zu erkennen. Keine Chance! Als wir uns die Gefechtsstände anschauen, hören wir die ersten Gewehrschüsse. Diese halten die ganze Zeit über an, was die Szenerie noch dramatischer macht. Überaus beeindruckend finde ich, dass dieses Tunnelsystem in keiner Weise zu entdecken war. Es gibt Öffnungen für die Frischluftzufuhr und das ganze System ist in verschiedenen Ebenen angelegt. Die mechanischen Fallen, die im Boden versteckt und mit Metallspießen mit Widerhaken ausgestattet sind zeigen, wie grausam dabei vorgegangen wurde. Besonders fies finde ich die Türenfalle, durch die derjenige, der die Tür öffnet, aufgespießt wird. Es wird uns aber auch erklärt, wie die Amerikaner versucht haben das Tunnelsystem zu zerstören, oder die Menschen darin zu töten.

Wir kommen den Schüssen immer näher und erkennen, dass es sich um reales Gewehrfeuer handelt. Es gibt hier einen Schießstand, auf dem die Touristen gegen eine entsprechende Gebühr schießen können. Wir alle verzichten darauf, machen aber. Dort eine Pause, wobei wir dauernd das Gewehrfeuer in den Ohren haben, während wir essen und trinken. Eine komische Situation. Die nächste Station unseres Rundgangs ist auch ein weiterer Höhepunkt. Wir können selbst durch die Tunnel gehen. Diese sind zwar für westliche Touristen etwas vergrößert worden, aber ich finde es trotzdem recht beklemmend. Es ist recht anstrengend sich in gebückter Haltung vorwärts zu bewegen, und ich komme deshalb schnell ins Schwitzen. Bin auch froh, als es wieder ans Tageslicht zurückgeht. Aber ich habe heute erst richtig den Eindruck bekommen, wie damals Krieg geführt wurde, und kann sehr leicht nachvollziehen warum viele der amerikanischen Soldaten in dieser Hölle verrückt geworden sind. Der Vietcong hat keine Uniformen getragen, es konnten Frauen und Kinder sein, und es war nicht zu unterscheiden, ob ein Vietnamese aus dem Norden oder aus dem Süden kam. Eine verzweifelte Situation.

Nach knapp zwei Stunden sind wir mit dem Bus wieder in Saigon zurück. Haben anschließend ein bisschen freie Zeit. Es regnet mal wieder recht stark, und das neue Gruppenmeeting für die Tour durch Kambodscha findet auch noch statt. Anschließend gehen Katrin und ich noch zusammen essen, bevor ich den Tag ruhig ausklingen lasse.