22. Tag (08. November 2009)

Serengeti Ballon Savari

Migration

Migration

Gepard

Lion Kill

Lion Kill

In der Nacht haben wir einige Wasserbüffel in der Nähe des Camps gehört. Mit der recht schwachen Stirnlampe bewaffnet gingen Jörg und ich aus dem Zelt um nachzusehen. Im schwachen Schein der Lampe konnten wir die Tiere nicht wirklich erkennen, nur deren Augen blitzten immer mal wieder auf. Ich ging wieder zurück ins Zelt, während Jörg unerschrocken seinen Weg angetreten ist. Als er wieder zurück war haben die Büffel auch schon das Weite gesucht und ich konnte nun ebenfalls in Richtung des Häuschens aufmachen.

Am Morgen war für mich frühes Wecken angesagt, da ich abgeholt wurde, um an einer Ballon-Safari teilzunehmen, die ich gestern Abend noch gebucht hatte. Es war noch finstere Nacht und nur das Licht des Scheinwerfers beleuchtete die zum Teil mit großen Wasserpfützen übersäte Piste, als wir zum Startplatz gefahren wurden. Es hatte in der Nacht recht heftig, und auch recht lange geregnet. Am Startplatz angekommen wurde der Ballon bereits startfertig gemacht. Es ist ein sehr großer Ballon, dessen Korb bis zu 16 Personen transportieren kann. Wir sind heute Morgen jedoch nur 13 Leute, die meisten davon Amerikaner. Die Sonne geht wenig später auf und taucht die Szenerie in ein warmes Licht. Als die weiteren Vorbereitungen abgeschlossen sind werden wir zum Einsteigen gebeten. Ein letzter kräftiger Feuerstoß aus den Brennern und wir verlieren den Kontakt zum Boden und schweben. Wir gleiten mit dem Wind ruhig und ohne Gerüttel und Geschaukel über die Steppe der Serengeti, währenddessen wir den Blick aus der Höhe genießen. Am Horizont sind die Hügel zu erkennen, welche die Grenze zum Western Corridor der Serengeti bilden. Wir fahren in geringer Höhe, überqueren einige der für die Serengeti typischen Akazien und können direkt dahinter eine Gruppe Löwen erblicken. Sie lassen sich nicht stören. Als wir sie links passiert hatten, erkennen wir anschließend einige Gazellen, eine kleine Gruppe Strauße, sowie Gnus, die alle jedoch vor dem Fauchen des Brenners flüchten. Es ist schön, den Blick über die Savanne schweifen zu lassen. Von hier oben kann man den Flusslauf in der zentralen Serengeti sehr gut erkennen und verfolgen. Plötzlich können wir links von uns sehr viele Tiere auf einer großen Ebene in einiger Entfernung erkennen. Wir steigen höher um in eine Luftströmung zu gelangen, die uns mehr nach links zu den Tieren auf der dortigen Ebene bringt. Aus großer Höhe kann man Flusspferde im Wasser erkennen und wir kommen den Gnus tatsächlich näher. Die Migration ist in diesem Jahr sehr früh wieder auf dem Weg in die zentrale Serengeti. Heute haben wir sehr viel Glück und können die Spitze der riesigen Herden auf den weiten Flächen erkennen. Es sind vielleicht 2-3.000 Tiere, die heute Nacht in diese Gegend eingewandert sind. Wir sind begeistert und freudig erregt. Als wir uns in der richtigen Position befinden beginnen wir aus einer Höhe von rund 700m zu sinken und uns den Tieren zu nähern. Es ist ein Anblick der einen in Erstaunen versetzt und ungläubig auf die Massen von Wildtieren blicken lässt. In einer Höhe von ungefähr zwanzig Meter gleiten wir dann über die Tiere hinweg, die unter uns flüchten, so dass wir die Gnus in vollen Lauf mit der Kamera verfolgen können. Die Zeit vergeht natürlich viel zu schnell und so setzen wir zur Landung an. Diese gelingt perfekt, die Begleitfahrzeuge sind bereits da, und die Männer kümmern sich um den Ballon, während wir zum Sektempfang gebeten werden. Die Korken knallen und wir alle sind von den wunderschönen Eindrücken überwältigt.

Wenig später werden wir zum vorbereiteten Safari-Frühstück gefahren. Wir steigen mitten in der Savanne aus und nehmen an einer sehr exklusiven Tafel, unter einem mächtigen Akazienbaum Platz, und werden umfassend, mit nur allem erdenklichen bedient. So frühstückten wir sehr nobel und lecker in entspannter Atmosphäre.

Nach dem Frühstück wusste ich nicht genau, wo ich wieder zu meiner Gruppe stoßen sollte. Deshalb war es eine Überraschung, als sie mir entgegengefahren kamen, so dass ich nur kurz umsteigen musste und ich mich sofort, zusammen mit den anderen wieder auf Game Drive befand. Ich musste jedoch natürlich gleich erzählen, wie die Ballonfahrt war, und was man alles hatte sehen können.

Wenig später kommen wir an einer Wegkreuzung vorbei, an der ein Löwe auf dem Ast eines Baumes liegt und sich seines Lebens freut. Wir bleiben eine Weile und fahren anschließend weiter. Am Wegesrand treffen wir auf einen Wasserbüffel, der sehr schön für die Kameralinse posiert. Es ist eine Gruppe Paviane mit Nachwuchs zu sehen und gleich darauf ein Highlight. Wir entdecken in einiger Entfernung drei Geparden, die wir lange beobachten können, die sich aber leider im Gras der Savanne immer weiter entfernen. Zum Schluss stellen sie sich noch auf einen kleinen Hügel, so dass sie klar zu sehen sind. Wir drehen ab und begeben uns auf die andere Seite des Bachlaufs. Hier treffen wir zufälligerweise auf einen trächtigen Gepard, die sich in nur kurzer Entfernung von uns in den Schatten eines Akazien Baums legt. Wir sind beeindruckt und können ausgiebig gute Fotos schießen.

Wir fahren etwas zurück und biegen in eine andere Richtung ab. Dort können wir Löwen beobachten, die auf der Jagd sind. Wir stellen den Motor ab und sind gespannt was passiert. Es sind zwei Löwinnen zu sehen, die sich an eine Gruppe Gazellen heranschleichen wollen. Ein dritter Löwe ist etwas weiter davon entfernt zu sehen. Die Gazellen jedoch haben bereits Witterung aufgenommen und beobachten vorsichtig die beiden Raubkatzen. Dabei bewegen sich immer weiter aus der Gefahrenzone. Es scheint so, als ob die Löwen am heutigen Morgen kein großes Glück hätten, als plötzlich, wie aus dem Nichts, eine Gruppe Wasserbüffel die Szenerie betritt. Als die Raubkatzen diese bemerkten drehen sie sich um 180° und haben ein neues Ziel. Es war verblüffend, dass die Büffel in keiner Weise beunruhigt waren und sich einfach weiter in Richtung der Löwen bewegten. Diese haben sich weiter angeschlichen. Die leicht dämlichen Büffel haben immer noch nichts bemerkt, auch nicht zu dem Zeitpunkt, als die Löwen sich hingelegt haben, so dass auch wir sie nicht mehr sehen konnten. Ich weiß gar nicht mehr, wer nun zuerst reagiert hat, die Büffel die, nun blitzartig kehrtmachten und im Galopp die Flucht ergriffen, oder der Löwe, der ihnen am nächsten war. Jedenfalls hatte die Jagt begonnen. Unser Fahrer erkannte die Situation fix und gab Gas um uns in die gleiche Richtung zu bewegen und näher dran zu sein. Das Raubtier verkürzte den Abstand in nur wenigen Sekunden und sprang auf den Rücken eines der Tiere und riss es dabei zu Boden. Das Jungtier hatte keine Chance mehr. Es bäumte sich zwar nochmals auf, aber der Löwe hatte es immer noch an den Hinterläufen im Griff und riss es erneut zu Boden. Diese Mal sprang er jedoch an die Gurgel des Tieres und biss sich fest. Nun lag der Büffel auf dem Rücken und hatte den Löwen am Hals. Währenddessen versuchte der Büffel noch zu brüllen und strampelte mit seinen Hufen. Dabei konnte man zusehen wie der Büffel jede Minute schwächer wurde. Die zweite Löwin näherte sich nun und begann langsam am Bauch des Tieres zu fressen. Nach rund zehn Minuten war das Lebenslicht des Büffels erloschen und der Löwe ließ den Hals des Tieres los. Der dritte Löwe war nun auch aufgetaucht und jagte die restlichen Büffel in die Flucht, die versucht hatten zurück zu kommen um nach ihrem Artverwandten zu schauen. Nun begann das Fressen und man konnte bei einem der Tiere bereits eine rote Schnauze erkennen.

Jetzt hatten sich zahllose Safari Autos angesammelt. Es sah aus wie auf der Autobahn in der Rush Hour. Wir jedoch hatten genug gesehen und machten uns auf den Weg zurück ins Camp, um uns ebenfalls den Bauch voll zu schlagen.

Als wir anschließend wieder auf Game Drive waren, sind uns direkt vor dem Auto Löwen über die Piste gelaufen. Wir haben natürlich wieder angehalten, um zu beobachten. Links vom Fahrzeug waren weitere Löwen zu sehen, die neben einem halb verspeisten Zebra lagen. Wir schenkten ihnen nicht mehr allzu viel Zeit und fuhren weiter. Im weiteren Verlauf treffen wir noch auf Giraffen und jede Menge Zebras. Eine Herde Zebras quert eilig vor uns die Piste. Anschließend biegen wir ab und fahren in Richtung der großen Ebenen. Dort beobachten wir Hunderte von Gnus aus der Migration. Es sind auch schon die ersten Zebras und Wasserbüffel dazwischen zu sehen.

Die Zeit schreitet voran und wir wollen ja heute noch zum Ngorongoro Krater, weshalb wir uns in Richtung der Piste bewegen. Wir stoßen noch auf eine wunderschöne Giraffe, die verzweifelt versucht mit ihrer ganzen Körpergröße und ihrer langen Zunge an das Grün eines Baumes zu kommen. Einen Leoparden der im Baum liegt haben wir trotz weiterer, intensiver Suche leider nicht gefunden und so machen wir uns auf, die Serengeti zu verlassen und den Kraterrand zu erreichen.

Auf dem Weg dorthin haben wir noch einen kräftigen Regenschauer abbekommen, so dass die Piste matschig wird und es sich riesige Wasserpfützen bilden. Wenig später herrscht wieder Sonnenschein. Nach ein paar Stunden Fahrt erreichen wir gegen Abend den Campingplatz. Es schüttet wieder wie aus Eimern, so dass ich mich dazu entschließe, erst einmal im Auto sitzen zu bleiben. Die Zelte sind ja schon für uns aufgebaut und der Koch steht bereits in der Küche um das Essen zuzubereiten. In der nächsten Regenpause setze ich mich in den Aufenthaltsraum. Es ist recht kühl in fast 2.400m Höhe und der nächste Regenschauer kündigt sich schon mit Blitz und Donner an. Nachdem dieser Schauer ebenfalls vorübergezogen ist bekommen wir Besuch im Camp. Ein ziemlich nasser Elefant läuft neugierig durch die aufgestellten Zelte, weshalb wir unser Essen stehen lassen und gespannt nach draußen schauen.