9. Tag (26. Oktober 2008)

Heute Morgen habe ich wieder meinen Krempel zusammengepackt und habe ausgecheckt. Ich will nach Banos. Zum Terminal Terreste nehme ich mir ein Taxi und muss feststellen, dass ich am falschen Busterminal bin, denn die Busse nach Banos fahren vom Terminal Oriental ab. So nehme ich ein weiteres Taxi und fahre quer durch die Stadt dorthin. Gerade als wir dort ankommen, kommt mir der entsprechende Bus entgegen. Aber das ist nicht schlimm, denn der nächste fährt bereits in einer halben Stunde. Ich muss schon sagen, es ist sehr einfach, sich hier fortzubewegen, und die Preise sind sehr günstig. So freue ich mich nun auf die Wärme im Amazonas Tiefland. Als ich das Ticket kaufte, hat die Verkäuferin mich kurz nach meinem Namen gefragt, jedoch nach kurzem Zögern und ohne eine Antwort von mir abzuwarten einfach „Gringo“ auf das Ticket geschrieben.

In Banos angekommen nehme ich wieder ein Taxi und lasse mich zu einer Unterkunft fahren, von der ich zuvor im Reiseführer gelesen hatte. Die Nebensaison hat schon etwas Gutes. Man braucht keine Sorge zu haben, dass etwas ausgebucht ist. So habe ich wieder ein schönes Zimmer im Zentrum mit Blick auf den Markt. Ich ziehe zuerst mein Sweatshirt aus. Es hat super angenehme Temperaturen hier in 1.800 m Höhe. Ja, wieder einmal war die Fahrt atemberaubend. Zuerst fuhr der Bus auf der Panamericana einen Pass hinauf, wobei heute der Gipfel des Chimborazo auf der linken Seite schön im Sonnenschein zu sehen war. Anschließend ging die Fahrt von über 3.000 m dann stetig herunter.

Ich wollte eigentlich nur ein bisschen durch das Dorf schlendern, als ich auf die San-Francisco-Brücke stieß, unter der die Fluten des Rio Pastaza hindurchschossen. Auf der anderen Seite entdecke ich ein Schild, auf dem der Weg zu den „Antennen“ angezeigt war. Im Reiseführer hatte ich gelesen, dass sich einem dort oben ein phantastischer Blick über die Gegend eröffnen soll. So entschließe ich mich spontan, dort hinauf zu laufen. Die 6,8 km die auf dem Schild stehen, schrecken mich nicht wirklich ab. Jedoch habe ich nach 20 Minuten keine Lust mehr, dem ermüdenden Schotterweg weiter zu folgen. Ich stehe am Straßenrand als ein Pickup die Straße hinauffährt und ich mich kurz entschließe, den Arm zu heben, um auf die Ladefläche springen zu können. So fahre ich nun fast eine halbe Stunde mit dem Auto. Der Ausblick wird immer besser und die Jungen, die mit mir auf der Ladefläche mitfahren, machen sich einen Spaß daraus, dass ich kein Wort Spanisch verstehe. Egal, oben springe ich von der Ladefläche und bedanke mich. Was nun? Ich genieße den Ausblick und beschließe, den Fahrweg wieder hinunter zu laufen. Nach wenigen Minuten jedoch, als ich ein kurzes Stück gelaufen war, kommen mir zwei Gringos entgegen. Uwe und Udine aus Berlin. Sie sind hochgewandert, und ich erinnere mich, dass ich sie auf dem Weg vom Auto aus gesehen hatte. Sie wollen den Wanderweg auf der anderen Seite wieder hinunter gehen, von dem ich auch schon gelesen hatte. So konnte ich mich ihnen anschließen. Wir finden den Weg sogar, obwohl wir einmal falsch abgebogen waren und deshalb wieder ein kurzes Stück aufsteigen mussten. Wir hatten währenddessen einen imposanten Blick auf den Taugurahua Vulkan, dessen über 5.000 m hohe Gipfel sich wolkenfrei, jedoch regenverhangen zeigte. Dagegen war unsere Höhe mit 2.800 m nur ein kleiner Hügel. Von hier aus stiegen wir jedoch noch fast 1.000 m ab und erreichten wieder die Ufer des Rio Pastaza. Zu unserer Überraschung existierte sogar eine Seilbahn genau an der Stelle, an der sich das Wasser schäumend und sprudelnd durch eine nur mehrere Meter breite, jedoch fast 100m tiefe Bresche im Fels zwängt.

Sogleich fahren wir mit dem wackeligen Korb auf die andere Seite. Unter uns der reißende Fluss. Dort angekommen erkennen wir, dass es auf dieser Seite nicht weitergeht und wir wieder mit der Seilbahn zurück auf die andere Seite müssen. Für den Rückweg entscheiden wir uns spontan, nicht mit der Korbseilbahn zu fahren, sondern die hier auch eingerichtete Seilrutsche zu nehmen. Gesagt getan! So steigen Uwe und ich in einen Klettergurt, der an einem Haltegriff gesichert wird, und sausen nacheinander mit beachtlicher Geschwindigkeit über die Schlucht. Sensationell! Ein echtes Highlight.

Am Abend waren wir noch zusammen essen im Restaurant Casa Hood und haben uns bei ein paar Bier angeregt unterhalten und den schönen Tag ausklingen lassen.