8. Tag (25. Oktober 2008)

Ich lasse den Tag in Riobamba gemütlich angehen. Nach dem Frühstück mache ich mich auf dem Weg zum Park des 21. April, der auf einem kleinen Hügel liegt. Von hier aus kann man die drei großen Vulkane sehen, wenn sie nicht gerade hinter Wolken versteckt liegen wie heute. So genieße ich die Sonne und lebe in den Tag hinein.

Gegen Mittag gehe ich auf den Markt. Wie sich zeigt, handelt es sich um einen Wochenmarkt, auf dem ich wohl der einzige Ausländer bin. Es herrscht ein riesiges Treiben zwischen den Ständen und so versuchen auch dort fliegende Händler ihre Ware loszuschlagen. Im Allgemeinen ist das Angebot sehr üppig. Es gibt alles was man sich vorstellen kann: Kartoffeln, Zwiebeln, Mehl, Eier, Bananen, Äpfel, Erbsen, Bohnen, Himbeeren, Tomaten, Sellerie, Blumenkohl, Mangos und sehr leckere Erdbeeren, die ich probiert habe. Es gibt auch Orangen und andere Früchte und sehr vieles was ich gar nicht kenne. Den älteren Menschen, denen man hier auf dem Markt begegnet, glaubt man die schwere Arbeit anzusehen und es mutet auch seltsam an, bereits Kinder im Grundschulalter beim Feilbieten von Waren oder beim Schuheputzen zu sehen. Zudem fällt mir auf, dass ich alle Leute um mich herum in der Körpergröße deutlich überrage. Bei den Sonnenschirmen stoße ich mir laufend den Kopf. Als ich später durch die Reihe der Metzger gehe, steigt mir ein sonderlicher Geruch in die Nase. Das Fleisch wird offen auf den Brettern der alten Stände oder einfach nur auf einem groben Stahlhaken hängend angeboten. Dazwischen wird gleich gebraten und gegrillt. An ein paar wackeligen Tischen und Stühlen wird gegessen. Einige Leute schleppen ihre soeben erworbenen und in Tüchern geschlagenen Waren auf dem Rücken davon. In den Seitenstraßen sind die Busse und die Pickups zu sehen, mit denen die Leute aus den umliegenden Gegenden gekommen sind. Teilweise sieht man 15 Leute auf der Ladefläche eines Pickups, dessen Plattfedern auf der Hinterachse nicht nur waagerecht, sondern gedrückt sind. Am Rande werden auch Textilien, Lederwaren oder vereinzelt einfache elektronische Artikel angeboten. Dann und wann gönnen sich die Besucher des Marktes auch ein Eis.

Am Abend zieht es mich nochmals zum Park des 21. April, um die Vulkane in der Abendsonne zu betrachten, und ich hatte Glück. Der gewaltige Gipfel des Chimborazo zeigt sich mit seiner weißen Pracht, die leicht in orange getaucht ist. Es sind schon gewaltige Berge!