7. Tag (24. Oktober 2008)

Nariz del Diablo

Riobamba Bahnfahrt

Guamote

Heute geht es wieder früh aus den Federn. Ich sitze bereits auf dem Dach des Waggons. Neben mir Dutzende andere Touristen. Es nieselt leicht, und es werden jede Menge nützliche und weniger nützliche Dinge verkauft, während alle auf die Abfahrt warten. Heute befahren wir die einzige Eisenbahnstrecke, die in Ecuador noch existiert, und dies auch nur dank der zahlreichen Touristen, die einmal im Leben auf dem Dach eines Güterwaggons sitzen wollen. Ich bin sehr gespannt. So wie es scheint, wird der Zug richtig voll, und ich bin froh, rechtzeitig hier gewesen zu sein. Kurz bevor es losgeht, fährt zuerst einmal die Lok davon, und wird nicht mehr gesehen, was bei den ganzen Touris für Gesprächsstoff sorgt. Nachdem es aufgehört hat zu tropfen, zeigen sich die Händler flexibel und verkaufen keine Regenponchos mehr, sondern bieten jetzt bunte Tücher, Süßigkeiten und Getränke feil.

Die Lok taucht wieder auf und bringt noch einen zusätzlichen Waggon, der auf den Zug zurollt. Ich setze mich lieber hin und halte mich fest. Dies war auch gut so, denn als der Waggon aufläuft und mit einem kräftigen Stoß aufschlägt, kommen einige Leute aus dem Gleichgewicht. Als die Lok anschließend wieder angekoppelt war und die Leute sich zur Abfahrt bereit gemacht hatten, fahren wir los.

Der Zug verlässt die Stadt und die Strecke führt stetig bergan. Wir durchfahren ein grünes Tal und schrauben uns immer höher. Als der Zug ungefähr nach einer Stunde Fahrt auf Passhöhe ankommt, eröffnet sich urplötzlich ein sensationeller Blick auf den höchsten Berg Ecuadors, den Chimborazo, dessen schneebedeckter Gipfel sich majestätisch über die Wolken erhebt. Als die Bahnstrecke parallel zur Straße verläuft, halten Auto- und LKW-Fahrer an, um zu fotografieren oder einfach nur dem Zug zuzuschauen. Unser erster großer Halt ist Guamote. Gleich neben dem Zug ist ein Markt mit all seinen bunten Sachen aufgebaut. Es gibt viel Nützliches und weniger Nützliches zu kaufen. Wir stehen etwa für eine Stunde während dieser Pause. Obwohl unser Zug bereits vor diesem Halt eine ganze Zeit lang bergab gefahren war, befindet sich diese Station immer noch auf 3.050 m Höhe. Echt enorm!

In Alausi angekommen befinden wir uns nur noch auf einer Höhe von ca. 2.300 m, und die Fahrt dorthin ist spektakulär. Der Zug zwängt sich durch ein sehr enges Tal, in dem nur der Wildbach und gerade noch das Gleis Platz finden. Plötzlich schweift der Blick über einen reizvollen Wasserfall, der sich in die Tiefe stürzt. Anschließend befindet sich die Bahnstrecke weit oberhalb des Baches und das Tal weitet sich, jedoch nur, weil es unglaublich in die Tiefe geht. Die Strecke klebt am Hang, und manchmal befindet sich das Gleis derart nah am Abgrund, dass man senkrecht ein paar 100 m direkt zum Fluss hinabschauen kann. Die Waggons schwanken unaufhörlich. Als wir in Alausi einfahren, hupt die Lok wie eigentlich überall in einem fort. Nach einem Stopp dort fahren wir weiter zur Teufelsnase. Nachdem wir den Bahnhof verlassen hatten, fällt die Strecke weiter stetig ab. Obwohl dies so ist scheint der Wildbach seinen Vorsprung auszubauen, denn er befindet sich weiterhin tief unter uns. Als der Zug zwei Schleifen durchfährt verlieren wir so viel Höhe, dass der Zug das Niveau des Baches erreicht. Wenig später befinden wir uns jedoch wieder weit oberhalb des rauschenden Wassers. An der so genannten Teufelsnase folgt nun der spektakulärste Teil der Strecke. Der Zug setzt seine Fahrt im Zickzack den Berg hinunter fort, wobei wir halten, um die Weiche für das nächste Stück Strecke umzulegen und rückwärts weiter zu fahren. Schließlich kommen wir am Ende dieser Fahrt auf ca. 1.300 m Höhe an. Die weitere Strecke hinunter ins Tiefland nach Guayaquil ist verschüttet und wird nicht mehr befahren. Nach einem kurzen Aufenthalt wird die Lok umgespannt und wir fahren wieder nach Alausi hoch. Eine der für mich spektakulärsten Bahnfahrten ist zu Ende. Pascal und seine Frau verabschieden sich. Vielleicht sendet er mir noch ein paar von seinen Bildern. Mit dem Bus geht es über die Panamericana zurück nach Riobamba. Dieser ist sehr voll und ich habe meinen Rucksack auf den Knien, leider zu spät.