4. Tag (21. Oktober 2008)

Midat del Mundo

Äquator

Heute breche ich auf und habe den Plan, mit der Seilbahn zum Teleferico zu hinaufzufahren. Dazu schnappe ich mir am Straßenrand problemlos ein Taxi und verständige mich über den Preis. Leider erfahre ich an der Talstation, dass es am Gipfel zu stark stürmt und die Seilbahn deshalb heute geschlossen ist. So gehe ich ein wenig herum und treffe auf dem Weg hinunter zur Hauptstraße auf Vincent und Sebastian, zwei Kanadier aus Quebec, die auch mit der Seilbahn auf den Teleferico fahren wollten. Auf meine Frage, was sie nun machen wollen, kam auch nur ein Schulterzucken. So schlug ist vor, zum Mitad del Mundo mitzufahren. Kurz entschlossen stehen wir drei an der Hauptstraße und haben keine Ahnung, wo oder ob überhaupt hier der nächste Bus fährt. Plötzlich rennen die beiden los und rufen nur noch: “unser Bus!” Ich sprinte hinterher und erreiche noch das Trittbrett als der Bus wieder anfährt. So sind wir also auf dem Weg zum Äquator. Für nicht mal einen Dollar kommen wir bereits nach einer Stunde Fahrt an.

Wir schlendern um das Denkmal und machen die typischen Fotos, auf denen man mit einem Bein auf der Nordhalbkugel und mit dem anderen Bein auf der Südhalbkugel steht. Nach einer Weile war uns nach einem Bier zumute, und wir machten es uns auf der Terrasse eines Restaurants bequem. Dort trafen wir nach kurzer Zeit auf Fabrice und Mariela. Die beiden kommen ebenfalls aus Quebec und erkunden als gebürtige Ecuadorianer ihre Heimat. So haben wir uns in Englisch, Französisch und Spanisch unterhalten, wobei ich nur das Englisch Gesprochene verstehen konnte.

Unversehens kommt ein Typ vorbei und fragt uns, ob wir mit auf eine Tour zum Krater Palulahua kommen wollen. So starten wir kurz darauf zum Krater, fahren den Berg hinauf und schauen in einen 400 m tiefen, von dichtem Grün bewachsenen Abgrund, der einen Durchmesser von 4 km besitzt. Das Erstaunlichste für mich ist jedoch, dass im Krater ca. 100 Menschen wohnen und leben. Als wir dort stehen, sehen wir die ersten Wolken vom Pazifik kommend in den Krater fluten. Die Geschwindigkeit, mit der die Wolken den Krater füllen, ist enorm. Wir gehen etwas am Rand spazieren und stehen noch näher an der Kante, um überzuschauen. Als wir nach knapp einer Stunde zurück am Auto sind, ist vom Krater nicht mehr als eine große Nebelsuppe zu sehen, und es beginnt zu regnen. Dies geschieht so jeden Tag und der Gedanke, dort unten zu leben, kommt mit ungeheuerlich vor.

Zurück in Mitad del Mundo nehmen wir den Bus und sind eine Stunde später zurück in Quito. Infolgedessen, dass wir nicht wissen, wo wir aussteigen sollen, fahren wir einfach ins Zentrum, um von dort aus mit dem Trolebus wieder heraus zur Unterkunft zu fahren.