21. Tag (07. November 2008)

Rabida Island

James Bay

Wir sind heute Morgen an der Insel Rabida angekommen. Leider ist es total bewölkt, als wir aufstehen. Nach dem Frühstück gehen wir an Land. Es ist ein dunkelroter Sandstrand, auf dem wieder einmal Seelöwen beheimatet sind. Auch hier sehen wir ein nur eine Woche altes Junges und das Alpha-Männchen schwimmt wieder am Strand auf und ab. Wir spazieren den Strand entlang und dahinter an der Lagune wieder zurück. Anschließend besteigen wir eine kleine Anhöhe, von der aus man einen wunderschönen Blick auf einige Krabben und Marineleguane auf den Felsen hat. Der Weg ist von Kakteen eingerahmt, welche den Anschein machen, bereits ewig zu existieren. Währenddessen sehen wir noch einen Bussard, Oystercatcher, der erst seit knapp fünf Jahren auf Galapagos beheimatet ist. Es sind auch noch Kanarienvögel zu sehen.

Als wir anschließend am Strand zurück sind, reißt die Wolkendecke auf, die Sonne kommt raus und wir gehen Schnorcheln. Neben den zahleichen Fischen und einem Seelöwen habe ich das spezielle Glück, dass ein paar Meter vor mir ein Blaufußtölpel wie ein Pfeil ins Wasser schoss, um zu fischen. Er taucht gut zwei bis drei Meter tief ein und schwimmt anschließend wieder an die Oberfläche. Ein tolles Erlebnis. Kaum wieder an Bord nehmen wir auch schon wieder Fahrt auf. Fregattenvögel begleiten uns, als unser Kapitän plötzlich eine 180°-Wende vollzieht. Wir schauen verwundert nach und entdecken den Grund. Ein riesiger Manta Rochen mit sicherlich deutlich über drei Meter Spannweite gleitet ruhig durchs Wasser. So fahren wir noch einige Schleifen, um das Tier zu beobachten, bis wir es schließlich nicht weiter verfolgen und ziehen lassen. Unser nächstes Ziel ist die James Bay auf Santiago Island. Die Insel ist ebenfalls wie Santa Cruz ein riesiger Schildvulkan. Auf dem Weg dorthin liegt die Insel Isabella direkt vor uns in Sicht. Vier von fünf großen Schildvulkanen der Insel erheben sich mächtig und sind sehr gut zu erkennen.

Wir sind in James Bay angekommen und vor Anker gegangen. Während unserer Siesta können wir von Bord aus ein besonderes Schauspiel beobachten. Ein Schwarm von Blaufußtölpeln jagt zusammen mit Seelöwen einen Fischschwarm. Die Tölpel sind im Dutzend zum Teil aus großer Höhe gleich neben dem Boot ins Wasser geschossen, während dort die Seelöwen ebenfalls dem Fischschwarm nachstellen. Man konnte kaum aufhören, den Tölpeln bei ihrem Sturzflug ins Wasser zuzuschauen. Zum Schnorcheln fahren wir wieder mit dem Beiboot an den schwarzen Lava Strand. Beim Schnorcheln habe ich gar nicht gemerkt, dass ich über eine Stunde im Wasser war, so dass alle bereits auf mich warteten, und ich der Letzte war, der aus dem Wasser kam. Aber es gab so viel zu sehen. In den Felsen auf der rechten Seite konnte ich zwei Schildkröten beim Fressen aufmerksam betrachten. Eine davon war sehr groß, und ich kam bis auf eine Armlänge an sie heran und konnte ihr somit direkt in die Augen schauen. Zudem konnte ich noch einen Marineleguan beim Schwimmen beobachten. Es ist ein ungewöhnlicher Anblick, solch eine Echse mit einer Leichtigkeit durchs Wasser gleiten zu sehen. Auf der linken Seite des Strands an den Felsen gab es auch noch mehr Fisch in großen Schwärmen zu beobachten. Auf dem Weg dorthin ist noch das Seelöwen-Männchen aufgetaucht und nach einem kurzen Blick unter mir hinweg getaucht. Das Highlight waren jedoch die drei Schildkröten, die ich dort sah. Zwei Weibchen und ein Männchen einer anderen Spezies. Deren Größe war enorm. Fast so lang wie meine ausgebreiteten Arme und mit einem Kopf in der Größe eines Handballs. Auch diese ließen sich durch mich nicht stören. Aufgrund ihrer Größe habe ich jedoch ein bisschen mehr Abstand gehalten, da diese Tiere trotz ihrer Friedfertigkeit aus Versehen leicht einen Finger abzwicken. Es ist einfach nicht zu fassen, in welcher Vielfalt, in welcher Anzahl Tiere frei von Furcht hier anzutreffen sind. Ich bin überwältigt!

Der anschließende Spaziergang führte an der Küste entlang, die sich aus Ablagerungen von Asche und Lava gebildet hat. Hier waren wieder Seelöwen mit ihren Jungen, Marineleguane und eine weitere Seelöwen-Art zu bewundern. Was soll ich noch sagen, man kann es einfach nicht beschreiben, sondern muss es erlebt haben.

Wir fahren weiter an der Nordseite von Santiago Island entlang in den Abend hinein und erleben vom Heck des Bootes aus einen schönen, angenehmen Sonnenuntergang bei ruhiger, flacher See.

Plötzlich stoppen wir und drehen hart Steuerbord. Die Maschinen werden gestoppt. Das Boot treibt nur noch manövrierunfähig. Irgendetwas ist passiert. Der zweite Seemann muss mit Lampe, Maske und Flossen ins Wasser. Es wird vermutet, dass sich etwas in der Backbordschraube verfangen hat. Nachdem wir eine ganze Zeit lang nun manövrierunfähig treiben, stellt sich nach mehreren Tauchgängen heraus, dass es sich um einen größeren Schaden handelt. Die Antriebswelle der Backbordschraube ist gebrochen. Da dieser Schaden auf See nicht zu beheben ist, fahren wir nun mit halber Kraft und nur der Steuerbordmaschine weiter. Wir genießen trotzdem die sternenklare Nacht und den hellen, zunehmenden Mond. Die Aida Maria wird jedoch demnächst wohl ins Dock müssen.