20. Tag (06. November 2008)

Charles Darwin Station

Bereits um halb sechs ging es aus der Koje, da die abreisenden Leute von Bord gingen. Es ist ruhig geworden seit sie weg sind. Nach einer kurzen Verabschiedung konnten wir ihnen nur noch nachwinken, als sie mit dem Beiboot davonfuhren.

Wir Zurückgebliebenen, Marien, Pascal und das Paar aus Israel genießen erst einmal unser Frühstück und machen uns anschließend auf den Weg zur Charles-Darwin-Forschungsstation. Zuvor kommen Heinz und Sara an Bord, die wir gleich mitnehmen. In der Aufzucht-Station haben wir sehr viel über die Aufzucht-Programme der Riesenschildkröten und auch über die Ausrottungsprogramme der eingeschleppten Tierarten erfahren. Dabei konnte man einen Eindruck erhalten, wie viele Jahrzehnte dies Vorhaben noch in Anspruch nehmen wird. Dort besuchten wir auch Lonesome George, die einzige Riesenschildkröte von der Insel Pinta, die noch am Leben ist. In den letzten 14 Jahren versuchte man, ihn zur Paarung mit zwei ihm sehr nahe verwandten Schildkrötenweibchen zu bringen. Zu jedermanns Überraschung hat er sich dieses Jahr gepaart, woraus neun Eier mit entsprechendem Nachwuchs hervorgegangen sind. Wenn man jedoch bedenkt, dass ein Schildkrötenweibchen erst nach ungefähr 40 Jahren geschlechtsreif wird, dann kann man sich leicht vorstellen, dass es ca. 200 Jahre in Anspruch nehmen wird, bis eine überlebensfähige Population von mehreren hundert Tieren existieren wird. Also eine enorme Aufgabe. Ebenfalls interessant war es, die verschiedenen Arten von Schildkröten zu sehen, die Unterschiede der Tiere zu entdecken, die je nach Insel charakteristisch sind.

Als wir wieder zurück an Bord kamen, waren bereits zwei Mädels aus Italien, ein deutschsprachiges Pärchen und zwei Amerikanerinnen zu uns gestoßen. Nach dem Mittagessen fahren wir gemeinsam mit dem Bus ins Innere von Santa Cruz, um dort noch Riesenschildkröten in freier Wildbahn zu beobachten. Als wir nach knapp einer Stunde Fahrt ankommen, steigen wir aus und gehen auf eine Wiese. Und dann dieser Anblick! Mehr als zwei Dutzend von diesen urzeitlichen Tieren liegen dort in der Landschaft und fressen. Auf den ersten Blick sieht es aus, als wären es Felsbrocken. Die bis zu einer viertel Tonne schweren „Felsen“ bewegen sich wie in Zeitlupe. Ein wunderschönes Bild ergibt sich, diese Tiere vor alten Bäumen zu sehen, die stark mit Moos bewachsen. Wir verbringen dort fast zwei Stunden bevor wir wieder zurückfahren.

Wir sitzen auf dem Sonnendeck und erleben wieder einmal einen tollen Sonnenuntergang. Heute Abend laufen wir erst um Mitternacht aus, um unser nächstes Ziel zu erreichen, so dass die meisten den Abend bei ein paar Bier oder Wein zusammen genießen.